das beliebte Fugen-s: Wehrmachts- oder Wehrmachtbeamte

  • kkn

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  • Hallo Kordula,


    Leider ist es so, dass das preußisch-deutsche Verwaltungsdeutsch das an sich korrekte und sprecherfreundliche Fugen-s verbannt hat. So heißt es eben Wehrmachtbeamter, Offizierrang, Offizierdolch, Offizieranwärter, Offizierlaufbahn, Offizierkorps etc., aber auch Schadengutachten, Verbandkasten und Dreiecktuch. Schön ist das nicht und schon gar nicht konsequent, aber nicht zu ändern. Besonders viele dieser unschönen Ausdrücke finden sich in Schlicht/Angolia: Die deutsche Wehrmacht. Uniformierung und Ausrüstung 1934-1945.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hi Thomas,


    vielen Dank für's Nachschlagen.

    Dann stimmt, was mir dunkel aus der Diskussion in unserem Abk.-Verz.

    in Erinnerung ist: Beamtendeutsch ohne, Normalbürger dürfen mit s

    sprechen + schreiben.


    Grüße, Kordula

  • Tag allerseits,


    das Fugen-s wird im Süden Deutschlands, in der Deutschschweiz und in Österreich ausgiebig angewandt, auch wenn es dann nicht immer im Sinne des Duden stimmig erscheint.

    In Österreich gibt es den Zugsführer und in Bayern im Dialekt den Schweinsbraten.


    Dazu in Wiki:


    Das Weglassen eines in der Alltagssprache üblichen und als richtig empfundenen Fugen-s ist kennzeichnend für das Amtsdeutsch und findet außer in Behörden insbesondere in der Versicherungswirtschaft Anwendung. So ist offiziell von Schadenmanagement, Verbandkasten, Dreiecktuch, Essenmarke, Offizierheimgesellschaft und Arbeitsuchenden die Rede.


    Wir in Süddeutschland lehnen das obige "Amtsdeutsch" generell ab. Bei uns ist z.B. die Rede vom Friedhofsamt, während Norddeutsche wohl Friedhofamt bevorzugen.


    Grüße

    Bert


    Zur Richtigstellung:

    Es geht um Amtsdeutsch, also nicht um Beamtendeutsch. Denn diese Art des Deutschen verwenden auch viele Schichten der Bevölkerung im hohen Norden unserer Republik!

  • Tag allerseits,


    vielleicht noch eine Ergänzung zum Amtsdeutsch. In den letzten Jahrzehnten besserten sich da einige Dinge - vor allem im Umgang mit "dem mündigen Bürger".


    Absolut "steif" verkehren noch immer Behörden untereinander. Da schreibt eine Bezirksregierung an eine kreisfreie Stadt:


    Die Regierung von Oberbayern ersucht die Stadt B, längstens bis zum 1.6.19 in der vorbezeichneten Angelegenheit ausführlich über das Veranlasste zu berichten.


    Die Stadt B erwidert:


    Im Vollzug des RS (Abkürzung für Schreiben der Regierung) berichtet die Stadt B wie folgt:


    In diesem Stil gibt es keine Höflichkeiten, alles bleibt unpersönlich. Junge Beamte werden gedrillt, dass in solchen Behördenschreiben das "wir" und "ich" nichts zu suchen haben.

    Dies ist wohl kein Beamten- oder Angestelltendeutsch, sondern ein "altmodisches Kanzleideutsch" verordnet von der Ministerialbürokratie.


    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Kordula, Thomas,



    da solltet ihr mal ein Schreiben zwischen diplomatischen Vertretungen und Behörden oder der Justiz in Auslandsangelegenheiten lesen: " .... erlauben wir uns höflichst ....usw.

    Übrigens, das " s" Thema hatten wir schon mal. Es gilt die schreibweise der Wehrmachtdienstvorschriften, insbes. über den Schriftverkehr. Müsste ich jetzt in einigen Ordnern suchen.


    In diesem Stil gibt es keine Höflichkeiten, alles bleibt unpersönlich. Junge Beamte werden gedrillt, dass in solchen Behördenschreiben das "wir" und "ich" nichts zu suchen haben.

    hallo lieber Bert,


    stell Dir mal vor, ein junger Angestellter oder Beamter schreibt an einen Bürger, den OB der Nachbargemeinde oder Landtagsabgeordneten oder höherer Instanz wie folgt: "Können Sie mir den Sachstand in .... Angelegenheit mitteilen".

    Er frägt doch nicht für sich, sondern für seine Behörde an. Es ist doch keine persönliche Angelegenheit von ihm.....Er arbeitet doch für eine Behörde und nicht für sich. Er hat doch persönlich garnicht das Recht anzufragen usw.


    Ich bin nun bestimmt kein Befürworter der alten Amtssprache/Amtsdeutsch, aber es muss doch klar sein, wer letztlich ( also in oberster Instanz des beauftragten Schreibers) der Sender ist. Steht dem "ich" überhaupt zu, das Ergebnis, den Sachstand zu erfahren?


    Der Bürger braucht persönliche Anfragen - ich möchte wissen -eines Amtes auch nicht beantworten. Da hilft kein Blick auf den sog. "Sb" im Briefkopf, denn der Sb ist ja der "Ich" ...., sofern der Vorgesetzte nicht erkennbar unterschreibt, was er nicht tun wird, da er nicht der "Ich" -Schreiber" ist..


    oder sehe/liege ich da etwas falsch...?


    Abendlich Grüße von Karl

  • Guten Abend allseits,


    toll, was sich aus einer Buchstabenfrage entwickeln kann.

    Wir hatten's ja schon 2008, nachzulesen ab hier.


    Und ich habe gelernt: Amtsdeutsch heißt es, so :D !

    wird ja nicht nur von Beamten verwendet, merke's mir.


    Grüße, Kordula

  • Lieber Karl,


    im Behördenschriftverkehr mit dem Bürger ist zwischenzeitlich die Höflichkeit eingekehrt. Da schreiben die Ämter im gleichen Stil wie im privaten Schriftverkehr. Nur im "schriftlichen Verkehr" zwischen über- und untergeordneten Behörden gibt es noch diesen Kanzleistil. Da schreibt die Stadt X an die Regierung nicht: Wir teilen Ihnen mit, sondern: Die Stadt X berichtet im Vollzug des RS vom....wie folgt...


    Junge Nachwuchskräfte haben mit diesem Kanzleistil anfänglich Probleme.


    Herzliche Grüße

    Bert

  • Hallo Bert,

    im Behördenschriftverkehr mit dem Bürger ist zwischenzeitlich die Höflichkeit eingekehrt.

    Du bist tasächlich aktuell orientiert. Ich habe in der Dienstordnung BW nachgelesen.

    Die Verwaltung ist bürgernah geworden...zumindest mal auf dem Papier....

    Dennoch habe ich in zwei Fällen Antworten erhalten, die mich auf die "Palme" brachten. Eigentlich war die Geschichte logisch und verständlich, aber ohne zusätzliche Begründungen und Bescheinigungen gab es zunächst mal - bis heute - kein Geld.


    Gruß Karl

  • Grüß Dich Karl,


    keine Regel ohne Ausnahme! Wenn ein Sachbearbeiter sein berufliches Handeln nur als JOB ansieht, dann wird der Bürger mit Gleichgültigkeit behandelt. Diese Auswirkungen gibt es leider im öffentlichen Dienst, aber auch in der Privatwirtschaft. Der meiste Ärger entsteht, wenn das "Spiel toter Käfer" praktiziert wird und auf Anfragen und Anträge einfach nicht mehr reagiert wird. Dieses Spielchen ist weit

    verbreitet. Da hilft dann nur noch die schriftliche Beschwerde beim Dienstvorgesetzten.


    Grüße

    Bert

  • Hallo zusammen,


    es liegt mir fern, Euren Exkurs zum "Fugen-s" weiter zu verkomplizieren.

    Offensichtlich gibt es tatsächlich kein eindeutiges Regelwerk und das

    Streichen des Fugen-s auf Behörden- und/oder Amtsdeutsch zu schieben,

    halte ich für sehr weit hergeholt.


    Ein Teil des Fugen-s-Gebrauchs erklärt sich m.E., wenn man das "s" als

    genitivisches Relikt betrachtet, so wie ich es vor (gefühlten) 100 Jahren

    gelernt habe:

    Der Offiziersdolch ist zwar der Dolch des Offiziers, aber der Offizieranwärter

    ist eben kein Anwärter des Offiziers, sondern Anwärter zum Offizier.

    Das Verbandsabzeichen ist zwar das Abzeichen des Verbands (z.B. Wappen der Division),

    aber der Verbandkasten ist eben kein Kasten des Verbands, sondern ein Behältnis

    zum Aufbewahren von Verbandmaterial.


    Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass damit nur ein Teil des Fugen-s-Gebrauchs

    zu erklären ist.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)