Luftangriff auf Bahnhof Urmersbach (Eifel) am 02.02.1945 - Suche nach Unterlagen der Reichsbahn

  • Hallo zusammen,


    am 02.02.1945 um ca. 15 Uhr hielt ein Güterzug im Bahnhof von Urmersbach, der daraufhin von zwölf Jabos beschossen und zerstört wurde. Gemäß den alliierten Berichten der Fighter Group wurden insgesamt 6 Güterwaggons zerstört und die Strecke ebenfalls. Darüber hinaus wurden mehrere Bomben auf das Dorf geworfen, SS- und Wehrmachtssoldaten sowie die Zivilbevölkerung beschossen. Dabei starben sechs Personen.


    Gibt es für den Bereich der ehem. Reichsbahn noch Unterlagen/Aufzeichnungen über einen solchen Angriff?


    Wo könnte man Aufzeichnungen / Infos von deutscher Seite (NS-Behörden, Wehrmacht, SS, Reichsbahn, ...) über diesen Angriff / Tag erhalten?


    Viele Grüße und vielen Dank!

    Benjamin

  • Hallo Benjamin,


    wenn Du zu so einem Angriff auf Bahnhof und Ortschaft weiterführende Infos suchst solltest Du das Gemeinde- wie auch das Kirchenarchiv sichten.

    Die Pfarrer haben seinerzeit zu solchen Ereignissen sehr oft Berichte verfaßt, mal mehr, mal weniger detailliert.


    Zu den Gefallenen könntest Du über das Standesamt der Gemeine Auskunft erhalten, oftmals bieten die Angaben über den Grund des Ablebens neue Details. So konnte ich bei der Recherche zu gefallenen Lokpersonalen hier bei uns in der Gegend so schon mehrmals die Angabe des Strecken-Kilometers entdecken.


    Bezüglich der Reichsbahn könntest Du im Staatsarchiv Glück haben. Die Bahnhöfe und Bahnmeistereien wurden nach Kriegsende von den Betriebsämtern ( BA ) zum Bericht über Kriegsereignisse / Kriegsschäden aufgefordert. Vereinzelt sind diese Erhebungen erhalten geblieben. ( Bei uns im Bereich der RBD Stuttgart liegt die Akte im Archiv vor, bei vielen BA´s waren die Berichte vorhanden, von einzelnen BA´s keine.. ) .


    Viel Erfolg und gutes Gelingen. Du kannst ja einmal vom Ergebnis kurz berichten.


    Mit Eisenbahner-Grüßen

    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Vielen Dank, ManuLisa, für diese hilfreichen Tipps! :-)


    Ja die Sterbeurkunden im Standesamt sowie die Gemeindeprotokollbücher/Schulchronik usw. habe ich bereits ausgewertet.


    Aber das Kirchenarchiv noch nicht, dass werde ich jetzt einmal in Angriff nehmen, vielen Dank!


    Bezüglich der Betriebsämtern usw. werde ich einmal eine Anfrage an das hoffentlich dafür zuständige Landeshauptarchiv Koblenz richten, vielleicht sind ja auch für die Bahnstrecke Mayen-Kaisersesch solche Erhebungen überliefert geblieben.


    Beste Grüße

    Benjamin

  • Wo könnte man Aufzeichnungen / Infos von deutscher Seite (NS-Behörden, Wehrmacht, SS, Reichsbahn, ...) über diesen Angriff / Tag erhalten?


    Hallo Benjamin,


    wenn vorhanden, solltest Du auch in regionalen Zeitungsarchiven suchen, in den Tageszeitungen des genannten Zeitraumes wird sich sicher auch etwas zum Hergang und den Opfern des Luftangriffes und ggf. einer gemeinsamen Beisetzung oder Trauerfeier usw. zu finden sein. In den Kommunalarchiven könnten weiterhin auch Luftschutzakten zu vorhanden sein, z.B. im Stadt- oder Kreisarchiv Cochem. Darin sind neben Verzeichnissen von Sachschäden und Informationen zu den Opfern oftmals auch detaillierte Angaben zum Ablauf des Luftangriffs zu finden.


    Gruß, J.H.


    Edit: Wenn Du Dich für die regionale Geschichte des Kreises Cochem während des 2.Weltkrieges interessierst, ist dies vielleicht noch für Dich interessant: Am 7.2.1945 kam in Kaisersesch ein 20jähriger Sturmmann (vermutl. SS-Angehöriger?) durch einen Unfall ums Leben. Er war der jüngste von drei im Krieg gefallenen Brüdern und wurde auf der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof in Kaisersesch beigesetzt.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo,


    das Kreisarchiv wäre noch eine Möglichkeit, die Ortspolizeibehörde verfasste zu solchen Ereignissen Berichte, die Berichte ging ans Landratsamt und von dort aus weiter mit folgendem Verteiler: Kreisleitung, Gauleitung, Gauleitung Abt. Polizei, bei mil Schäden noch an den zuständigen Standortältesten.


    Grüße

    Thilo,

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Johann Heinrich, hallo Thilo,


    vielen Dank für die nützlichen Tipps!

    Soweit ich von der Landesbibliothek in Koblenz erfahren hatte, ist die Lokal-Zeitung "Kaisersescher Zeitung, Mayener Tageblatt" leider nur bis Juli 1944 erhalten geblieben. Ich vermute jedoch, dass die damaligen lokalen Zeitungen wohl in den letzten Kriegswochen wohl nicht mehr erschienen. Ich glaube, dass Koblenzer Nationalblatt erschien ebenfalls nur bis Ende Januar 1945 (meine dies im Buch "Luftkrieg im Raum Koblenz" gelesen zu haben).


    Ich werde nun ebenfalls mal nach Luftschutzakten bzw. Akten der Kreispolizeibehörde im Kreis-/Stadtarchiv Cochem suchen!


    Nochmals besten Dank!

    Benjamin

  • Liebe Kollegen,

    das ist aber sehr blauäugig zu erwarten, dass es im Februar 1945, als die Amis schon über Schleiden hinaus vorgedrungen war, noch eine lokale Zeitung gegeben haben soll! Erst recht hätte auch früher keine Zeitung über die Auswirkungen eines Luftangriffs berichtet. Da hätten sich die Nachrichtendienste des Gegners über die Dämlichkiet der deutschen Presse zu sehr gefreut. Das äußerste, was in einer Zeitung gestanden hätte, wäre die kurze Notiz: "Die Zivilbevölkerung hatte Verluste".


    Tipp zu Quellensuche: Chronik der örtlichen Volksschule (im Gemeindearchiv) . Die waren regelrechte Kriegschroniken - hörten aber meist nach Schließung der Schule im Herbst 44 auf.

    Die Bestände der Reichsbahn im Bundesarchiv Berlin habe bezüglich Meldungen aus dem Rheinland für den Herbst 44/Frühjahr 45 vergeblich durchforstet . Ist aber über 20 Jahre her. Mag sein, dass da weitere Akten verzeichnet und digitalisert worden sind. Mal über BA-Recherche versuchen.

    Beste Grüße und Wünsche

    Gebhard Aders

  • Ja Tageszeitungen berichteten, wenn überhaupt nur von den größeren "Terror-Angriffen", jedoch nur ganz selten von kleineren Ereignissen. In den letzten Kriegswochen sah es dann ganz schlecht mit der Nachrichtenlage aus und die Bevölkerung war nur noch auf Gerüchte angewiesen.


    Die Chronik der Volksschule, das Protokollbuch der Gemeinde und auch Heimatbücher und Heimatchroniken der Nachbardörfer habe ich bereits ausgewertet.


    In der Schulchronik ist folgendes über den Angriff enthalten:

    „In der Kriegszeit haben wir hier wegen der Bahn in ständiger Angst vor den Fliegern gelebt. Wiederholt wurden Züge von den Fliegern mit Bomben und Bordwaffen angegriffen. Doch erst am 2. Februar 1945 wurde Urmersbach angegriffen. SS-Kolonnen mit ihren Lastwagen waren in Urmersbach eingerückt. Ein Geschwader von 12 Jagdflieger hatte sie erspäht und warf seine Bomben, je 2 Stück, ab. Eine Bombe traf das Haus des NN im Oberdorf. Das Haus stürzte zusammen und begrub sechs Menschen unter sich, die nur als Leichen geborgen werden konnten. Die anderen Bomben fielen zum Glück außerhalb des Dorfes. Von den Getöteten waren nur zwei Urmersbacher, Hausbesitzerin Frau Witwe NN und Frau NN. Vier Personen waren von auswärts, die zu Hause vor den Bomben sich retten wollten und hier durch Bomben den Tod fanden. Gleichzeitig beschossen sie das Dorf mit Bordwaffen, sodaß noch eine Scheune in Flammen aufging. Das Schulhaus hatte auch mindestens 10 Treffer.“


    In letzter Zeit hatte ich viele Gespräche mit Zeitzeugen, die sich jedoch nur noch bruchstückhaft an die Ereignisse vor 74 Jahren erinnern konnten. Der Angriff erfolgte wohl derart plötzlich, dass die Menschen nicht mehr in einen Schutz(Schiefer-)stollen laufen konnten, sondern zuhause in den Keller gingen. Es gab massiven Bordwaffenbeschuss (der ganze Garten wäre wohl mit Patronenhülse übersät gewesen) und es wurden einige 250kg Bomben abgeworfen, die auch 6 Zivilisten töteten.


    Interessant wäre jedenfalls noch zu wissen, ob unter den Soldaten ebenfalls Opfer zu beklagen waren, denn die marschierten an diesem Tag auf offener Straße in der Nähe einer Panzersperre und es waren wohl sehr viele Wehrmachtssoldaten im Dorf einquartiert (insgesamt zwei Feldküchen, denen vielleicht 50, 100, 200 Soldaten entsprachen?!)


    Beste Grüße,

    Benjamin

  • Hallo Thomas,


    vielen Dank für den Tipp!

    Ja das versuche ich mal.


    Beste Grüße,

    Benjamin

  • Hallo Benjamin,

    alle regionalen Tageszeitungen wurden im Herbst 1944 eingestellt.

    Zu Zeitzeugen, die heute 80 Jahre plus x sind, habe ich aus meiner Erfahrung wenig Vertrauen - die waren damals 4-10 Jahre alt, und ihre heute widergebenen "Erkenntnisse" bestehen größtenteils aus dem, was in den letzten 70 Jahren erzählt wurde oder sie sich angelesen haben. Also Vorsicht!

    Beste Grüße und Wünsche

    G. Aders

  • Moin,


    Ich darf doch bestimmt auf ein im Fachhandel erhältliches Buch hinweisen?

    Nachdruck des amtlichen Bahnhofsverzeichnisses von 1944

    Darin sind sämtliche Bahnhöfe enthalten, welche die Deutsche Reichsbahn bediente. In jenem Jahr hatte die Deutsche Reichsbahn ich flächenmäßig größte Ausdehnung erreicht. Maschinen und Betriebsämter sind ebenso verzeichnet.

    Ich suche jenes Buch noch heraus und gebe die benötigten Informationen gerne weiter.


    Läßt sich unter Umständen noch herausbekommen, welche Kriegsführende Nation ihre Bombenlast aif den betreffenden Bahnhof abgeladen hatte?

    Wenn es die Royal Airforce war, dann sind Luftbildaufnahmen von nach dem Bombenangiff vorhanden undkönnen auf Antrag eingesehen werden.

    Wenn es die US Airforce war, dann sind die Luftbildaufnahmen von nach dem Angriff bestimmt noch in US Archiven unter Verschluß.

    Die Briten sind da etwas freizügiger mit der Einsichtnahme in deren Archive.


    Möglicherweise hat der Kampfmittelräumdienst aber Luftbilder der entsprechenden Zeit. Diese Bilder wurden verwendet um Blindgänger zu orten.


    Das Bundesarchiv gewährt gegen Gebühr auch Einsichtnahme in deren Archive.


    Seit der Schaffung der DB AG im Februar 1993 befindet sich deren Zentralarchiv in Leipzig, dort sind sämtliche Unterlagen au sden zuvor bestehenden Bahndirektionen der DB Behörde und der DR Staatsbahn (ehemalige DDR) eingelagert.

    Archivanfragen dauern in der Regel mehrere Monate.


    Schönen Gruß

    Ingo

  • Hallo!


    Vielen Dank für den Hinweis mit dem Buch, da werde ich mal nachschauen und auch danke für den Tipp mit dem Archiv der DB (war mir noch gar nicht bekannt).


    Die Angriffe wurden mit großer Sicherheit von der US-Air Force geflogen. Aus der Zeit ist nur ein einziges relativ brauchbares Luftbild erhalten geblieben. Nur leider wurde es aus so großer Höhe aufgenommen, dass Einzelheiten nicht zu erkennen sind.


    Aber vielleicht sind ja noch Fotos vom Ort bzw. der Umgebung von der US-Kampfeinheiten (4. US-Panzersivision) in den US Archiven vorhanden. Eine Anfrage meinerseits würde bereits vor Wochen gestellt, bin jedoch nicht sehr optimistisch, dass dort Fotos speziell von meinem abgelegenen Heimatort vorhanden sind.


    Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt ;-)


    Viele Grüße,

    Benjamin

  • ... das ist aber sehr blauäugig zu erwarten, dass es im Februar 1945, als die Amis schon über Schleiden hinaus vorgedrungen war, noch eine lokale Zeitung gegeben haben soll! ...

    ... alle regionalen Tageszeitungen wurden im Herbst 1944 eingestellt ...


    Hallo Herr Aders,


    diese Aussagen von Ihnen sind pauschal und nicht zutreffend und leider auch nicht mit entsprechenden Quellenangaben versehen.


    Nachdem die meisten, im Reichsgebiet erscheinenden Tageszeitungen im Verlauf des Krieges bereits durch die Verlage und Organe der NSDAP gleichgeschaltet und übernommen wurden, kam es ab September 1944 umständehalber (u.a. durch Papier-/Materialmangel und zur "Freimachung" von Personal für den Kriegseinsatz) zu der weiteren Zusammenlegung verschiedener Zeitungen im gesamten Reichsgebiet. Trotzdem erschienen weiterhin sogenannte "Notauflagen" von Tageszeitungen im verminderten Umfang - hier mal ein Beispiel anhand der Stadt Hamburg, Zitat:


    ... Zur Freisetzung von Personal für den Einsatz im Krieg wurden am 4.9.1944 in Hamburg wie im ganzen Reich die in einer Stadt erscheinenden Zeitungen zusammengelegt zu einer Notzeitung von nur 4 Seiten und ab Januar 1945 nur noch 2 Seiten Umfang, aber unter zwanghafter Aufrechterhaltung aller journalistischen Genres, bis zur letzten Ausgabe am 2. Mai 1945. ...

    Quelle: Medienmetropole Hamburg; Mediale Öffentlichkeiten 1930-1960, Autor Karl Christian Führer


    Im Oktober 1944 erschienen im östlichen Reichsgebiet (auf dem Gebiet der späteren DDR) noch an 266 Verlagsorten Zeitungen, dazu ein weiteres Zitat aus einer Dissertation:


    ... Noch nach dem Tode Hitlers, nach der Eroberung der Reichshauptstadt durch sowjetische Truppen sowie nach der Teilkapitulation der Wehrmacht in Norddeutschland beschwor die Presse im noch nicht vollständig besiegten Sachsen weiter den Endsieg. ...

    Quelle: Die Entwicklung der ostdeutschen Tagespresse nach 1945. Bruch oder Übergang? Dissertation von Stefan Matysiak, Uni Göttingen 2004


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    hier mal ein Pressebericht zu den Luftangriffen auf die Städte Schwaz und Innsbruck am 15. und 16.Dezember 1944 und eine Traueranzeige für die Opfer. Die Beisetzung einiger der 58 Bombenopfer fand in einer gemeinsamen Grablage auf dem Waldfriedhof Osterfeld in Innsbruck statt.

    Quelle: Innsbrucker Nachrichten Nr. 307 vom 30.Dezember 1944, Seite 6


    Gruß, J.H.