Erkennungsmarkenausgaben AHM 1076 aus 1940

  • Hallo, allerseits!


    Soweit ich die Allgemeine Heeresmitteilung Nr. 1076 aus dem Jahr 1940 (ich glaube, am 21.10.40) verstehe, sollten Erkennungsmarken mit den (persönlichen) Nummern 1000 bis 4999 für Gefolgschaftsmitglieder reserviert werden. Die Soldaten der betreffenden Einheiten sollten die Markennummern 1 bis 999 und dann wieder ab 5.000 erhalten.


    Ich glaube, dass diese Regelung nicht so streng umgesetzt wurde, denn man sieht recht häufig, dass Soldaten die eigentlich für die Gefolgschaftsmitglieder reservierten Nummern hatten.


    Wurde diese "Anordnung" vielleicht später wieder zurückgenommen? Oder betrifft dies nur bestimmte Einheiten oder Waffengattungen? Wenn dem so ist, wo ist dies nachzulesen? Ich bin hier überfragt, da ich nicht weiß, wo ich suchen soll.


    Vielen Dank im Voraus,

    Gruß

    Dinah

  • Hallo Dinah,


    sind mit Gefolgschaftsmitglieder Zivilangestellte / Wehrmachtsgefolge gemeint?


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Guten Morgen.


    Gefolgschaftsmitglieder im Sinne der Nazis waren in erster Linie Arbeiter und Angestellte in den Betrieben der Wirtschaft. Inwieweit dies in den Bereich des Militärs übertragen wurde, kann ich leider auch nicht sage.


    Grüße, Arcus

  • Guten Tag ans Forum,


    im "Braunwelsch" der Nationalsozialisten war die Gefolgschaft das, was als Belegschaft bekannt ist.

    Die Gefolgschaftsmitglieder waren also die Angestellten und Arbeiter eines Industriewerks in der Wirtschaft.

    Um diesen Bereich geht es bei der Anfrage in Sachen Erkennungsmarken nicht.


    Im militärischen Bereich gab es das Wehrmachtsgefolge..

    Deren Gefolgschaft waren als Nichtkombattanten innerhalb der Wehrmacht zum Beispiel Arbeiter, Angestellte, Stabs- und Bürohelferinnen beschäftigt.


    Wie die Kombattanten auch, d.h. wie die Soldaten, erhielten diese Gefolgschaftsmitglieder der Wehrmacht ebenfalls Erkennungsmarken.

    Frühe Marken der Gefolgschaftsmitglieder der Wehrmacht waren für deren Träger in zwei Versionen beschriftet:

    • Vorname, Name, Wohnadresse komplett mit Ort und Straße,
    • Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnort nur mit Ortsangabe.

    Ab Ende August 1939 verausgabte man nun an die Gefolgschaftsmitglieder Marken mit den betreffenden Einheits- oder Dienststellenkürzeln der

    Wehrmacht und Markennummern über 500.

    Warum über 500? Um Verwechselungen mit Soldaten und Wehrmachtsbeamten, also mit Kombattanten, zu vermeiden, die Marken nach dem

    gleichen Muster erhielten.

    Im Mai 1940 wurden die Bestimmungen aus 1939 dann abgeändert und die Markennummer musst höher als 1.000 sein.

    In den Fällen, bei denen mehr als 1.000 Kombattanten bei der Markenausgabe zu berücksichtigen waren, fingen die Nummern der

    Gefolgschaftsmitglieder (der Nichtkombattanten) sogar erst ab 5.000 an.

    Schieden Gefolgschaftsmitglieder aus ihren zivilen Mitarbeiterverhältnis bei der Wehrmacht aus, mussten deren Marken an ihre

    Nachfolger weitergegeben werden. Soweit die Bestimmungen speziell für das Heer der Wehrmacht.

    Auch bei der Luftwaffe der Wehrmacht gab es für deren Gefolgschaftsmitglieder Erkennungsmarken. Dort stand aber vor der Markennummer der Buchstabe "A".


    Das Thema Erkennungsmarken könnte man nun noch auf Gefolgschaftsmitglieder von Wehrmachtsgefolge ausweiten, die nicht bei der Wehrmacht beschäftigt waren,

    wie zum Beispiel auf das DRK oder auf den RAD.

    Nicht zu vergessen die Besonderheiten der Wehrmachtshelferinnen bei Heer, Luftwaffe, Marine und des Helferinnenkorps der Waffen-SS, deren Erkennungsmarken-Vorschriften

    späteren Datums waren.


    Zum Thema empfehlen ich folgende Literatur: Höidal, Jean: Deutsche Erkennungsmarken des Zweiten Weltkrieges. Norderstedt 1999.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo!


    Danke für Eure Antworten.


    Ja, Thilo, ich rede wahrscheinlich von Arbeitern und Angestellten. Zumindest steht das so in der Heeresmitteilung.


    Diese Allg. Heeresmitteilung habe ich leider gerade nicht vor mir, aber im Buch "Deutsche Dienststelle (WASt) 1939-1945" (im freien Handel käuflich zu erwerben) findet sich ein Hinweis auf die von mir erwähnte Mitteilung - siehe beiliegenden Scan.


    Den in diesem Scan erwähnten Satz

    Reichten für die Soldaten dieser Dienststelle die Nummern 1 bis 999 nicht mehr aus, so wurden an die Gefolgschaftsmitglieder Marken mit Nummern 5000 ausgegeben

    habe ich anders in Erinnerung, es kann aber auch sein, dass ich mich irre. Peter sagt ja hier das Gleiche: Gefolge ab Nummer 500, später ab 5000. Ich dachte, dass - wenn die Nummern für die Soldaten von 1 bis 999 nicht ausreichen würden, die SOLDATEN die Marken mit den Nummern ab 5000 erhalten würden... nur so würde der Satz ja auch Sinn ergeben?! Und wurde ja auch so praktiziert.


    Hat vielleicht jemand die entsprechende AHM vorzuliegen? Ich komme an meine Kopie momentan nicht heran.


    Peter, den Hoidal habe ich gerade nicht zur Hand. Kennt er die Antwort auf meine Eingangsfrage, ob diese Bestimmung je zurückgenommen worden ist? Mir würde "normales Heer" schon reichen, alles andere wird sonst noch zu ausschweifend.


    Liebe Grüße von Dinah

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  • Guten Tag ans Forum und an die Anfragende,


    mir ist nicht bekannt, ob die hier angesprochenen Erkennungsmarken pauschal oder für einen einzelnen Wehrmachtszweig, zum Beispiel das Heer,

    vom "Markt" genommen wurden.

    Eher im Gegenteil, denn es gab ja nach dieser Vorschrift aus Oktober 1940 Änderungen und Neuerungen.

    Der totale Krieg bedeutete ja auch den totalen Personaleinsatz gerade von Frauen als Wehrmachtshelferinnen bei allen Teilstreitkräften.

    Und gerade diese Helferinnen erhielten wohl ab 1941/42 andere Marken.

    Warum also Marken aus allen Nummernbereichen, die vorschriftsmäßig zur Weitervergabe an die Ausgabestelle zurückgereicht werden mussten, dann nicht

    an Soldaten ausgeben? Denn auch andere Helferinnen brauchten diese Marken dann nicht mehr, weil sie ja andere bekamen.

    Das hätte nichts mit strengen oder lasch gehandhabten Ausgaberichtlinien zu tun, sondern mit den tatsächlichen Veränderungen bei der laufenden Ausgabe.

    Sehe ich als Pragmatismus an, der in der Summe den Ausgabevorschriften entsprach.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo!


    Vielen Dank für die Antwort.


    Ich hab die Heeresmitteilung als Scan an meinen Beitrag gehangen. Wie ich es mir dachte .. wenn die Nummern für die Soldaten bis 999 nicht ausreichten, dann haben die Soldaten Nummern ab 5.000 bekommen.


    Diese widerspricht irgendwie Peters Aussage


    In den Fällen, bei denen mehr als 1.000 Kombattanten bei der Markenausgabe zu berücksichtigen waren, fingen die Nummern der Gefolgschaftsmitglieder (der Nichtkombattanten) sogar erst ab 5.000 an.


    ... ist aber auch nicht von Wichtigkeit. Mir ging es ja primär um ein eventuelles späteres Aussetzen dieser Anordnung.


    Bisher habe ich erfahren, dass es vermutlich keine spätere Rücknahme dieser Anordnung gab und es aus rein pragmatischen Gründen passiert ist, dass ein Soldat eine persönliche Nummer (z. B. -1388- oder -3790-) erhalten hat, die ursprünglich für ein Gefolgschaftsmitglied reserviert war. Praktische Gründe gewinnen gegen Anordnung. Find ich gut. :-)


    Liebe Grüße von Dinah