SS-Lazarett Lublin-Majdanek / SS-Standortarzt Dr. Max Popiersch

  • Hallo,


    ich suche nach weiteren Infos zum SS-Lazarett in Lublin, überwiegend in der Zeit von Herbst 1941 bis April 1942. Mein Großvater war seinen Aufzeichnungen nach dort als Teil seiner Ausbildung als Medizinstudent und Sanitäter. Als Vorgesetzen hat er SS-Standortarzt Dr. Max Popiersch angegeben.


    Dieser wird nun in Zusammenhang mit den Konzentrationslagern Buchenwald, Flossenbürg und Auschwitz genannt, wo er als Truppen- bzw. Standortarzt beschäftigt war sowie von Oktober 1941 bis April 1942 1. Lagerarzt im KZ Lublin-Majdanek. Dort ist er dann am 21.4.1942 an Flecktyphus gestorben.


    Mein Großvater war ganz genau zur gleichen Zeit vor Ort, hat aber nur angegeben, dort im Lazarett beschäftigt gewesen zu sein (Eintragung mit Stempel in seinem Studentenbuch sowie Entnazifizierungsakte). Zudem litt er auch an Flecktyphus, überlebte die Krankheit aber im Gegensatz zu Dr. Popiersch.


    Über ein Lazarett finde ich in Lublin kaum Angaben, lediglich die Erwähnung, dass es mit dem KZ Majdanek in Verbindung stand.


    Weiß jemand, wie genau Lazarett und Konzentrationslager voneinander entfernt bzw. ob sie miteinander verbunden waren?


    Und gibt es irgendwelche weiteren Informationen über eine SS-Sanitätsabteilung unter Leitung von Dr. Popiersch vor Ort?


    Könnte der Standortarzt sowohl einem Lazarett als auch einem KZ zugeordnet sein?


    Vielen Dank und viele Grüße

  • Hallo Anya,


    Dr. Max Popiersch (geboren am 26.05.1893) war Lager-, Truppen- bzw. Standortarzt im Konzentrationslager (KZ) Majdanek, Abteilung V (Sanitätswesen).


    Als Sanitäter waren eingesetzt:

    Georg Bedner, geboren am 03.09.1910

    Otto Knott, geboren am 05.06.1910

    Günther Konietzny, geboren am 30.09.1918

    Wilhelm August Reinartz, geboren am 17.03.1910


    War einer davon dein Großvater?


    Grüsse

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo,


    hier etwas biographisches aus amtlichen Unterlagen:


    Max Eduard Popiersch

    *26.05.1893 in Pleß (Standesamt Pleß Nr. 40)

    Der SS-Sturmbannführer der Kommandantur des Kriegsgefangenen-Lagers der Waffen-SS Lublin, praktische Arzt, Doktor der Medizin, gottgläubig, wohnhaft in Beuthen OS, Ring 12, ist am 21. April 1942 um 13 Uhr 30 Minuten in Lublin verstorben.

    Vater: Ferdinand Popiersch, verstorben in Pleß

    Mutter: Agnes geborene Kalisch, verstorben in Pleß

    Verheiratet mit Maria Anastasi geborene Glowania, wohnhaft in Beuten OS, Ring 12. *09.04.1905 in Beuthen. Eheschließung am 07.08.1941 (Pleß Nr. 41/41)

    Eingetragen auf Anzeige der Auskunftstelle für Kriegerverluste der Waffen-SS vom 11. Februar 1943.

    Todesursache: infolge Krankheit verstorben (Herzschlag)

    Quelle: Sterberegister Beuten OS, Nr. 276 vom 19.02.1943


    Adressbuch Beuthen 1934 + 1937:

    Popiersch, Max, Dr., Arzt, Ring 12


    Gruß

    Jörg

  • Hallo Daniel,


    vielen Dank für die Infos. Wo genau hast du die Angaben denn her?


    Nein, mein Großvater war keiner der genannten Sanitäter. In der Entnazifizierungsakte ist vermerkt, dass er die 6 Monate in Lublin als Teil seiner Ausbildung in der Krankenpflege absolvieren musste.


    Viele Grüße

    Anya



    Danke Jörg für die Infos!

  • Hallo Anya,


    vor ein paar Jahren hatte ich im Rahmen einer Bildungsreise das KZ Majdanek besucht und mir daraufhin ein paar Bücher zum Thema zugelegt. Eines davon war:


    Kuretsidis-Haider/Nöbauer/Garscha/Sanwald/Selerowicz (Hrsg.)

    Das KZ Lublin-Majdanek und die Justiz, Strafverfolgung und verweigerte Gerechtigkeit: Polen,Deutschland und Österreich im Vergleich

    CLIO-Verlag, Graz 2011, 479 Seiten


    Aus diesem Buch stammen die weiter oben angegebenen Daten.


    Das staatliche Museum Majdanek hat meines Wissens ein eigenes Archiv und man ist dort auch der deutschen Sprache mächtig. Ein Anfrage könnte sich daher lohnen.


    Beste Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo Daniel,


    vielen Dank für die Infos! Mit Frau Haider stehe ich bereits in Kontakt und das Archiv vom Museum Majdanek habe ich kontaktiert.


    Viele Grüße