Aufpäppelungslager für sowjetische Kriegsgefangene

  • Hallo Zusammen,


    bei meinen Recherchen zu einem Außenlager/Arbeitskommando des Stalag VA Ludwigsburg bin ich im Kreisarchiv Göppingen auf ein Schreiben des "ber. San. Offizier beim Kdeur der Kriegsgefangenen im Wehrkeis V" an den Landrat in Göppingen vom 10.04.1943 gestoßen. Darin wird mitgeteilt, dass o.g. Lager als "Aufpäppelungslager" für sowjetische Kriegsgefangene erhalten bleibt. Im Internet findet man diesen Begriff recht selten, eine Begriffsdefinition nicht wirklich. Sinn und Zweck kann ich mir schon vorstellen - Herstellung der Arbeitsfähigkeit der Kriegsgefangenen - aber gibt es für diesen "Lagertyp" eine offizielle Festlegung vom OKW? Inbesondere Verpflegung, Belegungsstärke usw. würden mich interessieren.


    Ich danke euch schonmal


    Gruß Alex

  • Hallo,

    Allein der Begriff Aufpäppelung, den ich nur aus der Tierhaltung kenne, ist schon ziemlich bezeichnend.


    Grüße

    Thilo

    ethymologisch war der Begriff damals ähnlich dem Wort "Krüppel" wertneutral und entstammt nicht der Tierpflege. Auch das russische Lagerwesen besaß ähnliche Einrichtungen, deren amtliche Bezeichnung ich jetzt nicht kenne.


    MfG

    Tac

  • Hallo,


    Quote

    ethymologisch war der Begriff damals ähnlich dem Wort "Krüppel" wertneutral und entstammt nicht der Tierpflege.

    Erholungs- oder Genesungslager klang wohl zu gefühlsduselig?


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Uwe,


    und trotzdem finde ich, daß hier bewusst ein Wort gewählt wurde, der zur Herabwürdigung der arbeitsunfähigen Gefangenen führte. Autpäppelung wird in Zusammenhang mit Begriffen wie Kur, Erholung. Genesung usw. nicht verwendet.


    Grüße

    Thilo.

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Zusammen,


    mir geht es in meiner Frage weniger woher der Begriff "aufpäppeln" kommt sondern um die Begrifflichkeit "Aufpäppelungslager" in Zusammenhang mit der Gewahrsamnahme von sowjetischen Kriegsgefangenen. Wenn jemand hierzu noch etwas sinnvolles Beitragen kann, dann immer gerne.


    Gruß Alex

  • Hallo Alex,

    in den KG Lagern wurde nach brauchbaren Soldaten gesucht. Welche, die sich gegen die Bolschewisten als nützlich erweisen konnten...…Eventuell das?

    Grüße

    fuchsi

    Suche zu Kriegslazarett 2/609 und 4/609 ab Juli 44 bis Januar 45.

  • Hallo Alex,



    mir geht es in meiner Frage weniger woher der Begriff "aufpäppeln" kommt sondern um die Begrifflichkeit "Aufpäppelungslager" in Zusammenhang mit der Gewahrsamnahme von sowjetischen Kriegsgefangenen. Wenn jemand hierzu noch etwas sinnvolles Beitragen kann, dann immer gerne.

    Richtig,

    aber es ist doch so, dass man manchmal über die Klärung des Begriffes, die Bedeutung und Aussage eines Wortes zum Ziel kommen kann.......


    Gruß Karl

  • Hallo zusammen,


    die NS-Führung war seit Ende 1941 an der - wenn auch begrenzten- Lebenserhaltung von Zwangsarbeitern interessiert ( Götz Aly).

    Deshalb wurden wohl zahlreiche - im Jargon der Zeit so genannten "Aufpäppelungslager" eingerichtet, in denen die geschwächten Menschen "gesundheitsmässig" so weit " ertüchtigt" werden sollten, dass sie - zumindest eine Zeit lang- Schwerarbeiten verrichten konnten. Es ging also nicht um Fürsorge, sondern nur um die effizenteste Ausnutzung von Arbeitsressourcen! Aufpäppelungslager gab es u.a. in der Schwerindustrie ( zB. Hermann Göring Werke) oder im Steinkohlenbergbau.

    Aber auch halbverhungerte Wehrmachtssoldaten, die zB aus Stalingrad ausgeflogen wurden kamen in Aufpäppelungslager , bevor sie dann - besser genährt- auf Heimaturlaub gehen durften.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • und trotzdem finde ich, daß hier bewusst ein Wort gewählt wurde, der zur Herabwürdigung der arbeitsunfähigen Gefangenen führte. Autpäppelung wird in Zusammenhang mit Begriffen wie Kur, Erholung. Genesung usw. nicht verwendet.

    Hallo Thilo,


    ich hatte mit der Landwirtschaft minimale Kontakte, bis auf die Hausschlachtungen eher gar keine. Seit 40 Jahren kenne ich den gefragten Begriff aus dem Zusammenhang mit mühsamen Wiederherstellung der angeschlagenen Gesundheit. Vor allem wurden die chronisch erkrankte Bergleute aus dem Mansfeld´schen zur Kur geschickt um diese aufzupäppeln.

    Zugegeben, diesen Begriff in Bezug auf einen Stalag hatte ich auch noch nicht gehört. Von der Funktion her gab es natürlich solche auf beiden Seiten. Mein Schwiegervater wurde nach einem Unfall unter Tage bei Moskau fast ein halbes Jahr im Spezialhospital aufgepeppt...

    Gruß Viktor

  • Hallo Zusammen,


    vielen Dank für eure weiteren Beiträge. Ich habe jetzt im Buch "Zwangsarbeiter und NS-Rassenpolitik - Russische und polnische Arbeitskräfte in Württemberg 1939-1945" von Annette Schäfer noch den ein oder anderen Hinweis zur Kategorisierung (ähnlich Thilos Beitrag) und auch weiterführende Quellenangaben gefunden. Da werde ich jetzt anknüpfen. Und dann hier ggf. später berichten.


    Sollte jemand den Erlaß des OKW/Kgf. vom 26.11.1942 zwecks Kategorisierung haben, würde mich die Einstellung hier sehr freuen.


    Gruß Alex

  • Hallo,


    den Begriff aufpäppeln wurde in der niederrheinischen Mundart häufig verwendet. Ich denke, der Ton bzw. der Zusammenhang gibt die Richtung vor, ob es fürsorgevoll oder geringschätzig gemeint ist. Papp kenne ich von meiner Oma noch als Bezeichnung für (Hafer-) Brei. Eigentlich wurde alles aufgepäppelt, wo noch Leben drin war, Pflanzen, Tiere, Menschen.

    Jetzt hab ich aber den Papp auf! Wird dann verwendet, wenn sich jemand nach hoher Hemmschwelle beginnt, aufzuregen.


    Grüße

    george