Ausbildung im Bombenwerfen

  • Hallo,


    mir ist bekannt, dass Bombenzielwürfe - auch noch heute - mit Übungsbomben (z. B. blau gemalter und mit Beton gefüllter Bombenkörper) geworfen wurden und werden.

    Selbstverständlich wird auch scharf geworfen, ähnlich wie bei anderen Waffengattungen, wo auch scharf geschossen wird.

    Nun habe ich gelesen, dass, obwohl ich eigentlich an dieser Front von Munitionsmangel ausgehen muss, scharf geworfen wurde ( Hier: speziell Ju 87).

    Kann ich daraus schließen, dass die scharfen Würfe zwingend erfroderlich waren, um die größtmöglich Effektivität beim Feindabwurf, die Gewöhnung des Piloten etc. zu erzielen immer wiedererforderlich waren, denn es waren ausgebildete Piloten in diesem Fall.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    der Einsatz von scharfen Bomben in der Ausbildung der Piloten macht(e) keinen Sinn da ja "nur" das sicher ans Ziel bringen des Kampfmittels geübt wird und deren wirkung esrtmal dabei nebensache ist.

    Etwaige Fehlwürfe sowie Blindgänger würden darüberhinaus erheblichen zusätzlichen Aufwand bedeuten.


    Selbst beim Waffenamt wurde meistens mit Beton füllung getestet.

    Flakzielgerät 76 - Elektrischer Aufschlagzünder elAz (106) A und A 80 (March 1944)


    Gruß pvt.snafu

  • Moien,

    das ist so nicht ganz richtig, es wurde auch mit scharfer Munition aller Art geübt, siehe Luftwaffenübungsplatz Ahrbrück oder Bad Orb, dort gab es sogar einen Betonbeobachtungsbunker für das Auswerten der Abwürfe. Ansonsten benötigte man ja keine Feuerwerker vor Ort um blindgegangene Munition zu entschärfen.

    h.

  • Hallo,


    ich kenne scharfen Waffeneinsatz bei Übungsflügen vor allem mit einem doppelten Sinn, zum einen das Üben der Besatzung, was mit Übungsbomben natürlich genauso zu erreichen ist, zum anderen aber zur Demonstration der Waffenwirkung für Beobachter am Boden, sprich, wer irgend etwas mit der Materie zu tun hat sollte auch wissen, welche Wirkung Abwurfmunition hat.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Luftwaffenübungsplatz Ahrbrück oder Bad Orb, dort gab es sogar einen Betonbeobachtungsbunker für das Auswerten der Abwürfe.

    Hallo AviaB.33


    auch Übungsmunition ist gefährlich..

    Eine 50kg Bombe, die abprallt kann einen höllischen Schaden anrichten, mit oder ohne Sprengstoff.

    Ein Pilot in der Ausbildung braucht keine scharfen Bomben, der hat in seine Ausbildung wahrlich andere Problem. ;)


    Ansonsten benötigte man ja keine Feuerwerker vor Ort um blindgegangene Munition zu entschärfen.

    Die Einheiten der Luftabwehr wurden dort auch ausgebildet und diese schossen in der Regel mit scharfer Munition und sicherlich wurden dort auch Bomben/Zünder Typen getestet aber dies von erfahrenen Piloten.


    Gruß pvt.snafu

  • Hallo,


    ich kann nun, außer dem von mir bereits zitierten Beispiel, keine weiteren Fakten nennen, aber es besteht schon ein wesentlicher Unterschied ob man eine Zementbombe oder eine scharfe Bombe abwirft. Wenn ich da an die Übungshandgranaten - und die scharfen Würfe, die ich gemacht habe, denke, glaube ich schon, das auch erfahrene Piloten ab und zu zu Übungszwecken scharf geworfen haben. Genau so war es, wenn ich eine Übungsladung oder eine scharfe Ladung gefertigt habe. Dabei gab es noch extra das sog. Gewöhnungssprengen, wobei eine scharfe Ladung vor dem Bunkerfenster gezündet wurde, worauf ein Teil des "Segens" (Steine etc.) von oben auf den Bunker prasselte.

    Scharfe Bombenabwürfe habe ich bei Münsigen einige gesehen, aber ich weiß natürlich nicht, ob das auszubildende oder erfahrene Piloten waren. Es kann natürlich auch sein, dass das schwache Ladungen waren, aber es waren Explosionen wahrnehmbar.


    Hallo pvt. snafu,

    leider hast Du mich also noch nicht ganz überzeugt.


    Grüße von Karl

  • Hallo zusammen,


    beim scharfen Wurf ist sowohl die psychologische Wirkung beim Anflug ("Ritt auf der Bombe"), als auch die physische Wirkung beim Auftreffen (Explosions-Druckwelle, Splitterwirkung) ganz anders.

    Beim scharfen Wurf konnte man auch das Zusammenspiel der Besatzung beurteilen - denn es geht ja nicht nur darum, dass richtig gezielt wird - durch Beobachter/Bombenschütze oder Piloten, sondern da sind ja vor dem Abwurf auch noch weitere Handgriffe nötig, z.B. das korrekte "Schärfen" der Bomben. Und nach dem Wurf hören die Pflichten ja nicht auf - es muss beobachtet (Wirkung) und berichtet werden (Erfolgsmeldung, Beobachtungen am Ziel).

    All das erforderte "Teamwork".


    Ich persönlich erachte das Üben mit scharfer Muni für weitaus lehrreicher (vom reinen Zielen abgesehen). Alleine das korrekte Einhalten der Abwurfhöhe (z.B. bei Sturz-, Gleit- oder Tiefangriff) ist weit anspruchsvoller. Denn bei zu tiefem Anfliegen trifft man zwar besser (bei Tief- oder Gleitangriff), fliegt aber durch Splitterwirkung und/oder Explosionsdruck selbst mit in die Luft - oder die Maschine wird beschädigt bzw. die Besatzung verletzt (das passierte beim Polenfeldzug am ersten Tag bei einigen KG-Besatzungen bei Tiefangriff auf polnische Fliegerhorste!).


    Beispiel: Ich habe gerade in einer Erfolgsmeldung (BA-MA RL 7/88 bis 106 Serie) gelesen, dass bei einem Zerstörangriff auf einen britischen Hafen der Pilot das Detonieren der Abwurfmunition bestätigt hat, weil er die Explosion "gespürt" hat (ich war selbst überrascht als ich das las). Die Bestätigung per Augenschein war nicht möglich weil die Besatzung in die Wolken ziehen musste (Flakbeschuss). Allerdings wurde hier eine SC 1000 geworfen, die wohl einen kräftigen "Wumms" auslöst. Ob man eine SC 50 auch noch "spüren" kann?

    Es musste also nicht nur das Schärfen, Zielen und Werfen geübt werden - sondern auch noch die Wirkungsbeobachtung und entsprechende Meldung. Ob Letzteres (Wirkungsbeobachtung) ohne echten "Wumms" möglich ist, bezweifle ich.


    Und gleich noch ein Frage meinerseits in die Runde:

    - hatte die damalige Abwurfmunition ein "Verfallsdatum" (Haltbarkeitsdatum) ?

    - Falls ja, dann musste die Muni ja sowieso turnusmäßig "verbraucht" werden

    - von nuklearer Munition ist mir bekannt, dass die Ladung in Intervallen erneuert werden muss (wegen des natürlichen Zerfalls des Spaltmaterials) - aber wie ist das bei konventioneller Ladung ?


    MfG, Uwe K.

  • Hallo,


    ich weiß nicht ob das bei allen Bomben der dt. Wehrmacht so war, aber normalerweise war auf dem Bombenköper/ Hülle folgendes zu lesen:

    > Abnahmestempel

    > Lieferungs Nr. des Füllstoffes

    > Tag, Monat und Jahr der Füllung

    >Zeichen der Fa. der Füllstofflieferung

    > Füllstoffkennziffer

    > Zünderlaufzeit, z. B. LZZ

    u.a., je nach Bombenart.


    Man muss bedenken, dass dies zur Sicherheit der Feuerwerker diente und auch damit die Hersteller und Befüller in die Verantwortung genommen werden konnten. ( Industriesabotage z. B. ).


    Natürlich wurden abgelaufene Bomben/ Zünder in erträglichem( ? )Rahmen noch geworfen, aber es wurden auch Umfüllungen vorgenommen, wie ich gelesen habe.

    Während des Vietnamkrieges haben die US- Beschaffungsbehörden von einem Schrotthändler in Norddeutschland Bombenkörper zur erneuten Befüllung zurückgekauft. ( Sprengstoff war zuvor eingegossen und dann verflüssigt ausgegossen worden, dann Schrott).


    Gruß Karl

  • Hallo Uwe,


    Quote

    - von nuklearer Munition ist mir bekannt, dass die Ladung in Intervallen erneuert werden muss (wegen des natürlichen Zerfalls des Spaltmaterials) - aber wie ist das bei konventioneller Ladung ?

    sowohl der Sprengstoff altert (nimmt dadurch meist an Brisanz zu) als auch der Rest des Innenlebens, der Korrosion ausgesetzt ist. Heute zumindest gibt es klare Verfallsdaten für Waffensysteme.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Karl,

    ja, auf diese Internetseite haben mich die Suchmaschinen auch schon öfter geführt.

    In diesem Zusammenhang ebenfalls interessant:

    http://www.deutscheluftwaffe.c…en%20der%20Luftwaffe.html


    Dort besonters die Dokumente im Unterabschnitt "Allgemeines Bomben, Zünder, Abwurfgeräte usw..."

    Dank und viele Grüße, Uwe K.

  • Guten Tag,

    bei dem RK-Träger Gerhard Stamp (seinerzeit KG 30) konnte ich mal ein Foto reproduzieren, dass Zielsilhouetten bei der Stuka-.Schule in Graz zeigt. Es ist meinem Buch "Stukas, Schlachtflieger, Jagdbomber" Auf s. 48 abgebildet .

    Es scheint mir so, als wären die meisten Krater nur durch nicht explodierte Übungsbomben entstanden,

    Beste Grüße

    Gebhard Aders

    Files

    • BAW-Schule.jpg

      (292.57 kB, downloaded 43 times, last: )
  • Hallo,


    es gab verschiedene Übungsplätze mit verschiedenen Trainingsmöglichkeiten. Ich denke mal, dass das bei den Bombenabwurfplätzen genau so war, nämlich das die einen Plätze mit größerer Ausdehnung für scharfen Einsatz und die anderen Plätze nur für Betonbomben geeignet und zugelassen waren.

    Zumindest bei den Schießplätzen ( Faustfeuerwaffen/ Gewehr und Maschinengewehr/ Artillerie usw.) und Sprengplätzen (Mengen/kg - Begrenzung) waren je nach Größe entsprechende Zulassungen oder Verbote vorhanden.

    So wurden z. B. auf dem Übungsplatz Neuhammer bei Zielwürfen Rauchbomben geworfen ( Zumindest 1939 - Smith: "Stuka")).


    Gruß Karl


    Hallo nochmal,


    weitere Nachforschungen meinerseits scheinen die Sachlage von Gebhard Aders zu bestätigen, daß während der Bombenwurfausbildung nur oder zumindest überwiegend Zementbomben mit Rauchentwicklung/Nebelwirkung ( Salzsäure u, a, Chemikalien) geworfen wurden.

    Hier noch eine Patentanmeldung dazu:

    http://spisy.upv.cz/Patents/FullDocuments/75/75070.pdf

    Edited once, last by Karl Grohmann: Neue Erkenntnisse ().

  • Hallo,


    zu der von Gebhard Aders schon genannten "Stuka-Schule" in Graz/Steiermark und der dortigen Verwendung von Zementbomben für Übungswürfe anbei noch ein kurzer PK-Bericht. Kurios darin auch die kurze Geschichte über den Stuka-Schäferhund "Teddy".

    Quelle: Das Kleine Blatt, Folge 297 vom 29.Oktober 1940, Seite 8


    Gruß, J.H.

  • Hallo zusammen,


    ich glaube immer noch nicht das scharfe Bomben in der Ausbildung von Piloten und des Bodenpersonals damals etwas zu suchen hatte.

    Die Übung zum verbringen von Kampfmitteln dieser Art bedarf keinerlei scharfe Munition.

    Wer mit Übungsmunition nicht richtig umgehen kann (als wäre sie scharf) ist eh ein Fall für den Arbeitsdienst bei den Latrienen :)


    "U.X.B." - Dealing with the reconnaissance, identification and reporting of unexploded Bombs (1941)

    Blindgänger sind mit das schlimmste was passieren kann auf einen Übungsplatz.


    Dem Piloten beschäftigt "nur" das sichere an das Ziel bringen und das verhalten des Flugzeugs nachdem es schlagartig ein paar hundert oder selbst ein paar tausend Kilo leichter geworden ist, sowie das heil wieder nach Hause kommen.

    Ob das was er da abwirft nun "Wummst" oder nicht ist ihm eigentlich erstmal schnuppe


    Gruß,

    pvt.snafu

  • Hallo,


    nur ganz kurz etwas zur Ergänzung:


    Auf dem Truppenübungsplatz Münsingen habe ich scharfe Übungswürfe gesehen.

    Im Jahr 1968 Manöver " Schwarzer Löwe" mit Abwurf von schrafen Napalmbomben auf dem Truppenübungsplatz Münsingen.

    Warum zum Abschluss der Ausbildung kein scharfer Wurf..wäre doch sinnvoll.


    Gruß Karl

  • Im Jahr 1968 Manöver " Schwarzer Löwe" mit Abwurf von schrafen Napalmbomben auf dem Truppenübungsplatz Münsingen.

    Hallo Karl,


    so etwas wird meistens für die Presse oder Politiker/Steuerzahler gemacht die was für's Auge brauchen.


    Gruß,

    pvt.snafu

  • Hallo pvt

    so etwas wird meistens für die Presse oder Politiker/Steuerzahler gemacht die was für's Auge brauchen.

    An Deiner Aussage ist was dran!

    Allerdings schildern die Videos von Uwe eine andere Situation, nämlich am Ender der Ausbildung (mindestens) einen scharfen Wurf und untermauern meine Vermutung. Hinsichtlich der Situation im II. WK bin ich noch in der Recherche.


    Gruß Karl

    https://books.google.de/books?…Ctzen%20Luftwaffe&f=false

    Zitat zu Ausbildung von Bomberpiloten:

    S. 58: + Bombenabwürfe Zementbomben auf Zielfläche 10 m Radius

    + Abwurf auf reale Bombenziele

    Edited once, last by Karl Grohmann: Ergänzung ().