NSV-Knabenübungslager Rimdidim

  • Hallo,


    meine Oma war als Landjahrmädel 1941/42 im NSV-Knabenübungslager Rimdidim bei Messbach im Odenwald. Wir haben uns gestern lange darüber unterhalten, und ich will einen Teil ihrer Erzählungen hier wiedergeben:


    Das Haus war immer mit 60 Jungen von 10-14 Jahren belegt, die jeweils vier Wochen zur Erholung blieben.

    Der Begriff "Übungslager" ist wohl eher dem Zeitgeist geschuldet gewesen als dem Inhalt, denn das Programm entsprach dem eines normalen Erholungsheims für Kinder der damaligen Zeit, Wandern, Ausflüge usw.

    Die Jungen kamen immer zur Hälfte aus dem Gau Hessen-Nassau, die andere Hälfte aus Norddeutschland, was insbesondere bei den Essgewohnheiten auffiel, da die norddeutschen Jungen z.B. nur süß angemachten Salat kannten Die Jungen schliefen alle in einem Schlafsaal, die Hessen auf der einen, die Norddeutschen auf der anderen Seite, beide Parteien vertrugen sich meist erst gegen Ende des Aufenthalts.

    Als sie dort ankam, lebte die Frau und die Kinder des Lagerleiters noch im Haupthaus 1.Stock, dieser war allerdings bereits eingezogen und ist gefallen, die Familie ging dann zurück nach Österreich, an den Namen kann sie sich nicht erinnern.

    Die neue Lagerleiterin war eine Frau Brüggemann, eine große, kräftige Dame. Die pädagogische Leitung hatte eine Erzieherin, zwischen beiden gab es immer mal Meinungsverschiedenheiten. Die Erzieherin hatte ihr Zimmer mit kleinem Fenster in den Schlafsaal und führte auch die Nachtwache, die Landjahrmädels schliefen im Seitentrakt auf Stockbetten.



    Sie kennt auch noch die Namen anderer Landjahrmädels und hat private Fotos.


    Leider ist das Haus vor einigen Jahren abgebrannt und nun eine Ruine, die aber auch einen Reiz hat.


    Grüße

    Thilo

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    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Moin Thilo,


    Danke für diesen Bericht.


    Meine Großmutter mütterlicherseits (Jg. 1914) war Landjahrführerin (oder so ähnlich), allerdings in Odtfriesland. Sie hatte aus dieser Zeit eine Freundin, die Brüggemann hieß...


    Sie hat immer sehr gerne und gut von dieser Zeit gesprochen.


    Lg Justus

  • Hallo Justus,


    es ist wohl nicht unwahrscheinlich, daß es sich um die selbe Frau Brüggemann handelt. Meine Oma geriet zweimal mit ihr aneinander:

    Einmal wurde sie von der Erzieherin gebeten, für ein paar Stunden die Nachtwache zu übernehmen, weil diese in Lindenfels etwas zu erledigen hatte. Als Frau Brüggemann bemerkte, das daß Auto der Erzieherin (war wohl damals ein gut bezahlter Job) nicht im Hof stand, ging sie nachsehen und meine Oma bekam Ärger, Allerdings hat Frau Brüggemann später von der Erzieherin gesagt bekommen, daß sie sich um die Verwaltung kümmern soll und ihr nichts bezüglich ihres Bereichs zu sagen hätte.


    Ein anderes ,al gingen die Mädels abends auf ein Fest nach Billings, Frau Brüggemann fand den Ausgang zu lang und schloss die Tür des Schlafraums ab, so daß die Mädels nachts bei ihr klingeln mußten. Anschiss, aber der nette Abend wars wert.


    Generell war es besser, bei Freizeit nicht im Lager zu sein, denn von einer der Damen kamen immer Arbeitsaufträge, sobald man unbeschäftigt wirkte. Meine Oma ging daher oft mit zu einem Mädel, das in der Nähe (Lindenfels) wohnte..


    Grüße

    Thilo

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  • Hallo,


    vom Rimdidim finden sich etliche Postkarten, meist von Kindern geschrieben. Die unten scheint aber von einer erwachsenen Person zu sein, wer kanns genau lesen?


    Interessanterweise scheint man nach 1945 die Postkarten weiter verwendet zu haben, indem man das Wort Knabenübungslager und das Addibild im Essraum mit Kuli übermalt hat. Bei manchen ist auch Die Devise im Essraum "Was du heute nicht lernst wirst du in der Zukunft nicht können" blieb erhalten, bei einigen Karten wurde aber der Urheber unter dem Spruch ebenfalls unkenntlich gemacht, die retuschierte Karte auf dem letzten Bild lief 1946.


    Grüße

    Thilo

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  • Hallo Thilo,

    wer kanns genau lesen?

    Genau, ist immer so eine Sache;(


    Fam. Jakob Hofmann Bechtol(s)heim Ks. Hessen


    Lichtenberg, den 30.III. 41

    Von einem gemütlichen

    u.inhaltsreichen Sonntag

    ( wenn auch draußen d. Sturm

    die Tannen peitscht ) senden

    Euch die herzlichsten Grüße

    Mill.(?)

    Auch ich sende viele Grüße Eure Hett. (?)

    Freundl. Gruß erlaubt sich Frau K. Ries


    MfG Ludwig

    Never let go!

  • Hallo,


    Quote


    Als sie dort ankam, lebte die Frau und die Kinder des Lagerleiters noch im Haupthaus 1.Stock, dieser war allerdings bereits eingezogen und ist gefallen, die Familie ging dann zurück nach Österreich, an den Namen kann sie sich nicht erinnern.

    der gefallene Lagerleiter hieß Franz Wenninger, Obergefreiter in der 13./ Infanterie-Regiment 260. Seine Frau hieß Kathinka.


    Nachname: Wenninger

    Vorname: Franz

    Dienstgrad: Obergefreiter

    Geburtsdatum: 31.03.1914

    Geburtsort: Bad St.Bernhard

    Todes-/Vermisstendatum: 27.07.1941

    Todes-/Vermisstenort: Rudnja


    Franz Wenninger ruht auf der Kriegsgräberstätte in Kiew (UA). Endgrablage: Block 7 - Unter den Unbekannten Bei den Umbettungsarbeiten in seinem ursprünglichen Grablageort konnte er nicht zweifelsfrei identifiziert werden, so dass er als ''unbekannter Soldat'' auf dem Friedhof Kiew bestattet worden ist.


    Familie Wenninger hatte zwei kleine Kinder, 1941 noch nicht im Schulalter. Der etwas ältere Sohn fragte oft wo sein Vater sei und ob die Mädchen ihn zu Besorgungen usw. mitnehmen würden, was sie auch gerne taten. Frau Wenninger führte das Lager bis zu ihrem Umzug in die Heimat. Meine Oma fand sie deutlich umgänglicher als Frau Brüggemann. Der Dienst und auch der Umgang mit den zur Erholung geschickten Jungen dort wurde aber trotzdem als weniger straf empfunden als in Lagern von BDM oder HJ, was wohl an der Trägerschaft des NSV lag.

    Quote


    Fam. Jakob Hofmann Bechtol(s)heim

    Interessant, meine Oma stammt aus einem Nachbarort von Bechtolsheim. Und nach Frau Ries werde ich sie auch fragen. Danke!


    Die Mädel, die 1041/42 dort ihren Dienst taten, kamen aus:


    Armsheim Rheinhessen (meine Oma)

    Wehen bei Wiesbaden

    Gedern Oberhessen

    Lindenfels

    sowie eine Italienerin, die später einen Mann aus der Gegend geheiratet hat.



    Grüße

    Thilo


    (Ich bitte darum, vor Verwendung der Informationen auf anderen Webseiten u.ä. mich zu fragen)

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  • Hallo Thilo,


    vielen Dank, dass du das hier mit uns teilst. Die Ruine habe ich auch schon einmal erkundet. Das Wort RIMDIDIM soll sich wohl übrigens aus dem regionalen Dialekt ableiten, und bedeutet auf Hochdeutsch soviel wie "rundherum".


    Beste Grüße


    OB