Todesurteile an Angehörige der Wehrmacht (Fahnenflucht usw.)

  • Hallo DirkK und Forum.


    Dirk, ich habe erst heute bewußt deinen Wunsch gelesen und komme ihm nach. Es betrifft Kampfhandlungen der MAA.613 im Landeinsatz in den letzten Tagen des April und den ersten

    im Mai 1944 auf der Krim bei Sewastopol.


    Gruß

    Dieter2618-0007 pg45736.jpg

  • Standrechtliche Erschießungen auf Ösel.


    Hallo Forum,


    ich suche Gerichtsurteile des Gerichtes der 23.ID aus dem Oktober/ November 1944. Bei BAMA sind die gewünschten Urteile nicht archiviert, ein Hinweis auf ein Archiv in Prag gegeben.

    Dort sollen vor allem Urteile des Reichskriegsgerichts vorhanden sein.


    Meine Frage: Hat bereits jemand mit diesem Archiv gearbeitet?


    Hintergrund:

    Bei meinen Recherchen bei der WASt habe ich insgesamt 19 standrechtliche Erschießungen auflisten können. 15 davon sind auf Grund von Urteilen des Gerichts der 23.ID zwischen dem

    24.10.-20.11.44 hingerichtet (erschossen) worden.

    Ein Lw-Soldat ist unmittelbar nach Ankunft im Hafen der Insel ohne Urteil erschossen worden, ein weiterer nach Regiments-Urteil 1 Tag vor der Räumung.


    Bei den erstgenannten 15 Soldaten ist eine gleichlautende Entfernungangabe zu einem Bezugspunkt angegeben, es müßte sich nach meinem Verständnis deshalb um ein Gräberfeld handeln.

    Eine Grabskizze oder ähnliches ist weder bei der WASt noch beim VdK/ DRK vorhanden.

    Nach Abzug der deutschen Truppen war das Gebiet miltärisches Sperrgebiet, einheimische Überlieferungen sind nicht vorhanden. Auch die Befragung von Waldarbeitern und Jägern brachte

    kein Ergebnis.

    In den letzten Jahren habe ich einige Tage lang den Bereich vergeblich abgesucht. Das Gelände ist heute stark mit jungen und alten Bäumen bewachsen, der Erdboden zusätzlich mit Gras

    bedeckt.


    Meine Hoffnung beruht auf eventuelle Überlieferungen von einzelnen Gerichtsakten der 23.ID in Prag, aus denen eine genauere Lage des Gräberfeldes hervorgeht (alles in Übereinstimmung

    mit dem VdK).


    Für Hinweise zu meiner o.a. Fragestellung wäre ich dankbar,


    Gruß

    Dieter


    Ps. Sollte mein Beitrag hier nicht hierher passen, bitte ich um "Umschichtung".

  • Hallo,


    zu dem am 14.Dezember 1944 (Todestag lt. Volksbund abweichend 12.Dezember) wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilten und in Wien hingerichteten Alfred Unterweger aus der 4.Bttr./schw.-Flak-Abt. 635 hatte ich vor einiger Zeit hier schon mal einen Beitrag eingestellt.


    Gruß, J.H.


    Nachname: Unterweger

    Vorname: Alfred

    Dienstgrad: Gefreiter

    Geburtsdatum: 17.12.1908

    Geburtsort: Himmelberg

    Todes-/Vermisstendatum: 12.12.1944

    Todes-/Vermisstenort: Wien

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo Zusammnen


    Hier mal ein Interessanter Totenzettel

    zu Wehrkraftzersetzung.


    Sinz, Hermann Dr.


    Nachname: Dr. Sinz

    Vorname: Hermann

    Dienstgrad: Leutnant der Reserve

    Geburtsdatum: 04.05.1912

    Geburtsort: Bregenz

    Todes-/Vermisstendatum: 15.03.1944

    Todes-/Vermisstenort: Borissow


    Dr. Hermann Sinz wurde noch nicht auf einen vom Volksbund errichteten Soldatenfriedhof überführt.

    Nach den uns vorliegenden Informationen befindet sich sein Grab derzeit noch an folgendem Ort:

    Borisow - Belarus


    Quelle: www


    Gruß Stefan

    Files

    • Sinz.jpg

      (394.07 kB, downloaded 113 times, last: )
    • sinz1.jpg

      (317.66 kB, downloaded 99 times, last: )
  • Hallo,

    wundere mich schon, dass zu Kriegszeiten solche Traueranzeige geschaltet werden durfte. Auch wenn diese sicherlich in Österreich erschien, so handelte es sich doch in den Augen des NS-Regimes in Österreich um ein verabscheuungswürdiges Verhalten von Dr. Sinz.

    Was wurde Dr. Sinz denn konkret vorgeworfen? In der Todesanzeige kann ich nur erkennen, dass sein christl. Gewissen gegen irgendein Vorkomniss oder geplante Handlung rebelliert haben muss bzw. ihm als Österreicher das Gewissen schlug.

    MfG Wirbelwind

  • Tag allerseits,


    der Text des "Gedenkens" geht in keiner Weise mit den Vorschriften und Vorgaben des NS-Staates konform.

    Kann es sein, dass dieses "Gedenken" erst nach Kriegsende gedruckt wurde?


    Grüße

    Bert

  • N'Abend zusammen,


    der internen Nummer der Druckerei (Tyrolia-Druck in Innsbruck) zufolge (3322 46) ist das Totenbildchen 1946 gedruckt worden - passt also.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Bert und Stefan,


    schön, dass nun geklärt ist, dass das Gedenken an Dr. Sinz erst nach Kriegsende erschien. Ansonsten hätte es mich stark gewundert.


    MfG Wirbelwind

  • Hallo,


    die Verurteilung und Hinrichtung könnte im KTB des Verbandes/ der nächsthöheren Dienststelle durch einen Tagesbefehl o.ä. erwähnt worden sein, war aber bei einem

    Offizier nicht unbedingt üblich.


    Mit Glück liegt das Urteil in Freiburg vor, sofern die Dienststelle bekannt wäre.


    Bedauerlich ist, daß alle diese Soldaten namenlos in einer Ecke eines Gemeindefriedhofs oder auch einfach in der Nähe des Hinrichtungsplatzes im Gelände beerdigt wurden.


    Bei meinen Recherchen bin ich erst einmal in einer Gerichtsakte auf eine genaue Beschreibung des Grabes gestoßen, auch hier war es ein Gemeindefriedhof (Kuban).


    Es ist erstaunlich, wie umfangreich die überlieferten Gerichtsakten sind, sie unterscheiden sich nur im (Todes)Urteil von den heutigen Strafgerichtsprozessen. Es rührt an, die

    (Bettel)Briefe der Mütter/ Ehefrauen zu lesen, die vergeblich um Abänderung des Urteils bitten.


    Grüße

    Dieter

  • Hallo zusammen


    Hab da was gefunden zu Sinz


    siehe hier


    im www gibt es da noch weitere Beiträge zu ihm. hier noch kurzer Auszug


    Dr. Hermann Sinz wird Leutnant im Abwehrtrupp 207 und fällt durch besondere
    Tapferkeit auf. Er wird mehrfach ausgezeichnet. Ihm wird am 28. Jänner 1943 das
    „Eiserne Kreuz zweiter Klasse“ verliehen und am 11. Februar desselben Jahres das
    Infanterie-Sturmabzeichen in Silber, das für besondere Tapferkeit in Kampfhandlungen
    verliehen wird.
    So mutig Hermann Sinz als Soldat auch handelt und so gern er auch Soldat ist, ihm ist
    dieser Krieg von Anfang an zuwider. Hermann Sinz fühlt sich nie als Reichsdeutscher, sondern immer als Österreicher, und
    als aufrechter Katholik ist er immer ein Gegner des Nationalsozialismus .
    Seine Einstellung verleugnet er nie, und das wird ihm schließlich auch zum Verhängnis.
    Hermann Sinz ist an der Ostfront im Einsatz, er ist im Gebiet des heutigen Weißrussland
    stationiert. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach seinen Auszeichnungen, im Oktober
    1943, wird er verhaftet, als er von einer Dienstreise nach Warschau zu seiner Truppe im
    Osten zurückkehrt. Sinz ist damals beim Abwehrtrupp 210 im Einsatz gewesen.
    Ihm wird vorgeworfen, die Moral in seiner Truppe zu schwächen. Er soll vor seinen
    Soldaten gesagt haben, dass Hitler den Krieg trotz größter Anstrengung nicht gewinnen
    könne und dass der Untergang des Dritten Reiches und das Ende des
    Nationalsozialismus die einzig mögliche Rettung Österreichs sei. Die Anzeige, so ist
    Hermann Sinz überzeugt, ist ein Racheakt von Seiten einiger seiner Soldaten.
    Wie üblich in solchen Fällen ist die Gerichtsverhandlung eine Farce. So wie etwa auch
    bei der Bregenzerin Karoline Redler ist das Urteil von vornherein festgestanden. Den
    Ausführungen von Hermann Sinz selbst wird keine Beachtung geschenkt, Zeugen, die
    ihn entlasten hätten können, werden nicht angehört. Besonderes Gewicht so behauptet der ehemalige Bürgermeister von Bregenz, Dr. Karl
    Tizian nach dem Krieg, hatte dabei ein politisches Gutachten, das die Parteidienststellen
    in Bregenz über Hermann Sinz und seine Familie angefertigt hatten. Ihm sei beim
    Verfahren große Beachtung geschenkt worden und es habe das Urteil wesentlich
    gestützt.


    Quelle Eder, Bregenzer im Widerstand siehe hier



    Gruß Stefan

  • Hallo Stefan,


    nachdem ich Deinen letzten Beitrag zu Ltn. Sinz durchgelesen habe, bin ich mir nicht selbst im klaren, ob die Soldaten, die gegen ihn ausgesagt haben, etwas über seine Kontaktaufnahme zum Maquis wußten oder andere Dinge mitteilten, die als Wehrkraftzersetzung und Defätismus zu interpretieren waren. Jedenfalls endete es tödlich für Sinz, nachdem er wohl 5 Monate eingesssen hatte.


    MfG Wirbelwind

  • Er soll vor seinen
    Soldaten gesagt haben, dass Hitler den Krieg trotz größter Anstrengung nicht gewinnen
    könne und dass der Untergang des Dritten Reiches und das Ende des
    Nationalsozialismus die einzig mögliche Rettung Österreichs sei.

    Tag allerseits,


    wer im NS-Staat solche Wertungen über den Krieg und das Dritte Reich abgab, der war im Sinne der NS-Justiz ein Schwerverbrecher, der sich einer massiven Wehrkraftzersetzung schuldig machte.

    Für die NS-Justiz war die Wehrkraftzersetzung durch Offiziere der Wehrmacht ein Kapitalverbrechen.


    § 5 der Kriegssonderstrafverordnung bestimmte, dass die Zersetzung der Wehrkraft grundsätzlich mit dem Tode bestraft wird. Nur in leichteren Fällen der Wehrkraftzersetzung kam es in Ausnahmefällen

    zu anderen Strafmaßnahmen. Für den Oberleutnant aus Österreich stand damit das Strafmaß schon vor dem Gerichtstermin fest. Deutschland war damals eben alles andere als ein Rechtsstaat.


    Übrigens: Das EK II und das Infanterie-Sturmabzeichen wurden im 2. Weltkrieg en masse verliehen. "Eine besondere Tapferkeit" wurde damals hinsichtlich der Ordensverleihung etwas anders bewertet.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,

    er ist überzeugt es wäre ein Racheakt von einigen seiner Soldaten.

    Da frage ich mich doch, ist er mit seiner Meinung einfach bei jeder Gelegenheit rausgeplatzt?

    Er wusste doch was darauf steht und ein Offizier ist nicht bei jedem Mann in seiner Einheit beliebt.

    Also das war doch eine große Dummheit von ihm seine Meinung laut zu Äussern, eine Dummheit die er leider mit

    seinem Leben bezahlen mußte.

    Sein militärischer Werdegang wäre hier sehr interessant, ob er bereits in der österreichischen Armee Offizier war oder

    erst im Laufe des Krieges befördert wurde.


    Ich möchte hier auf keinen Fall den Eindruck erwecken das ich dieses Todesurteil gut heiße.


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Tag allerseits,


    JEDER, der damals während des Krieges in Deutschland lebte, wusste, wie gefährlich Unterhaltungen und Wertungen zum Kriegsgeschehen waren! Schon relativ harmlose Bemerkungen, wenn es z.B. um die Erfolge der U-Boot-Waffe ging, waren gefährlich. Wer sich äußerte, dass die Ertrunkenen von Schiffen der Gegenseite ja auch Menschen sind, um die ihre Angehörigen im Feindesland trauern., solche Wertungen, wenn sie der GESTAPO

    bekannt wurden, führten zu sofortigem Einschreiten. Meist war die Verhaftung der Regelfall. Ich beziehe mich auf einen Vorfall des Jahres 1944 im engsten Familienkreis!


    Warum der Oberleutnant aus Österreich so massiv über die Kriegsführung und das Dritte Reich in aller Öffentlichkeit "wetterte", wir wissen es nicht....


    Grüße

    Bert

  • ... schön, dass nun geklärt ist, dass das Gedenken an Dr. Sinz erst nach Kriegsende erschien. Ansonsten hätte es mich stark gewundert ...


    Hallo,


    ein Totengedenken z.B. in Form von Todesanzeigen in Tageszeitungen oder Totenbildern wurde den Angehörigen der Hingerichteten damals ausdrücklich untersagt. Weiterhin wurde ein nach der Verurteilung von den Angehörigen (unter Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes als Rechtsbeistand) noch eingereichtes Gnadengesuch für Dr. Hermann Sinz abgelehnt, obwohl darin u.a. auch auf seine mehrfache Auszeichnung wegen Tapferkeit vor dem Feind hingewiesen wurde. Sinz hat in einem Brief an seine Angehörigen geschildert, dass im Zuge seines Gerichtsverfahrens als Anschuldigung zahlreiche, angeblich von ihm getätigte wehrkraftzersetzende Aussagen herangezogen wurden, an die er sich selbst gar nicht erinnern konnte.

    Quelle: Verfolgung, Entrechtung, Tod - Studierende der Universität Innsbruck als Opfer des Nationalsozialismus, Autorin Gisela Hormayr, Studien Verlag Innsbruck/Wien


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,

    Das Schicksal von Ltn. Sinz erinnert mich ein stückweit an das, von Kaleunt Oskar-Heinz Kusch, der ebenfalls durch die Denuziation von Besatzungsmitglieder zum Tode verurteilt wurde. Sicherlich gibt es Unterschiede, dass Vorgehen des nationalsoz.Regimes ähnelt sich in beiden Fällen stark. Mir ist bisher nicht bekannt, in welcher Weise, welchem Umfang sich Sinz kritisch äußerte. Daher bin ich vorsichtig in der Bewertung, dass Sinz leichtsinnig sich gegenüber von Untergebenen geäußert habe. Es kann doch sein, dass sich die Betreffenden erst dann offenbarten, als sie sich davon einen Vorteil versprachen oder von sich ablenken wollten, warum auch immer. Selbst loyal erscheinende Untergebene können unter bestimmten Umständen Verrat üben. das ist nichts Neues.

    MfG Wirbelwind

  • Moin,


    wir wissen nicht, aus welchem Grunde, wenn überhaupt, Hermann Sinz die "wehrkraftzersetzenden " Äußerungen tat. Auch in den nazivernebelten Köpfen vieler Wehrmachtsangehörigen mag es Menschen gegeben haben, die die Realität nicht aus den Augen verloren. Und für entsprechende Äußerungen bezahlten sie mit ihrem Leben. Eine Form von Widerstand? Ich weiß es nicht.


    Wirbelwind, vielen Dank, dass Du an das Schicksal von Kaleu Kusch erinnerst. Hier an der Küste ist dieses nicht vergessen.


    Beste Grüße


    Horst

  • Hallo an alle,

    meinen besten Dank für die bisherigen Einstellungen und Wortmeldungen.


    Unten ein weiteres Fundstück zum Thema.


    Lg Andre


    Rudolf Redlinghofer


    Nachname: Redlinghofer

    Vorname: Rudolf

    Dienstgrad: Schütze

    Geburtsdatum: 31.10.1900

    Geburtsort: Krems/Wien

    Todes-/Vermisstendatum: 11.01.1940

    Todes-/Vermisstenort: Berlin- Plötzensee


    Rudolf Redlinghofer ist beim Volksbund nicht verzeichnet.


    Quelle: www

  • Hallo Horst,

    das Schicksal von Kaleunt Kusch hat mich schon ein stückweit bewegt, Gerade auch der spätere Versuch, nach dem Krieg den Verantwortlichen für dieses Urteil juristisch beizukommen bzw. die Bemühungen seines Vaters, die Todesstrafe für ihn doch noch abzuwenden, war beides nicht von Erfolg gekrönt und läßt aufhorchen. Ob bei Kusch und Sinz die Annahme richtig ist, von Widerstand zu sprechen, darüber läßt sich streiten. Was aber für mich klar ist, beide sahen das, was das NS-Regime bedeutet, realistischer als viele vor und nach ihnen wärend des 2.WK. Sinz früher, Kusch später.

    Ob so eine Todeserinnerung, wie bei Sinz auch für Kusch gab, ist mir nicht bekannt.

    MfG Wirbelwind