Todesurteile an Angehörige der Wehrmacht (Fahnenflucht usw.)

  • Hallo,


    ich lese den handschriftl. Eintrag wie folgt:

    Halle/Saale,

    den 29. August 1944.

    Auf Anordnungdes Amtsgerichts

    In Halle/Saale

    Wird berichtigend

    vermerkt, daß

    die Urkunde

    gelöscht wird.

    Der Sterbefall

    Ist unter Nr.

    2335/1944

    beurkundet.

    Der Standes=

    beamte

    In Vertretung:

    Winkelmann


    Beste Grüße


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo,


    wer war dann der in beiden Urkunden als Zeuge genannte "Verwaltungsangestellte Kurt Banse, Halle (Saale), Breite-Straße 5"?


    Gemäß Adressbuch 1940: Strafanstaltsaufseher!


    Gruß

    Jörg

  • Hallo,

    sind wieder ein paar Bausteine zusammengekommen. Leider ließ sich bis jetzt nicht klären, warum plötzlich die erste Sterbeurkunde gelöscht wurde. Mir erschließt sich nicht der Sinn. Letztendlich ist anzunehmen, dass die Angehörigen des Betroffenen erst nach dem Krieg erfahren haben, wodurch er starb.


    MfG Wirbelwind

  • N´Abend allerseits!


    Habe soeben was Interessantes gefunden in dem Buch "Finale 1945 - Rhein - Main" von Heinz Leiwig:


    " [...] Nach einem abenteuerlichen Nahe-Übergang in der Nacht zum 17. März fand der Chef des Stabes, Oberst Rodplf-Christoph Freiherr von Gersdorff, seinen Stab in Nieder-Olm wieder. Im Postamt richtete er seinne Befhelsstand ein, um mittels der noch intakten Telefonleitung die Verbindung zu den zurückweichenden Truppen herzustellen.


    Um Mitternacht, in der Nacht zum 18. März erschien der neuen Oberbefehlshaber West, Feldmarschall Albert Kesselring. Nach dem katatsophalen Lagebericht des Chef des Stabes der 7. Armee unterbrach ihn der OB West mit dem Hinweis, alle Deserteure am nächsten Baum aufzuhängen. Bei der Fahrt durch das ganze rückwärtige Gebiet habe er keinen einzigen Erhängten gesehen. Daraufhin verließ Kesselring den Stab mit dem Befehl in Zukunft seine Anordnung besser zu befolgen. Zurück blieb der erschossene Gefreite Karl Walter Gutmann, der sich hatte ergeben wollen. [...] "


    Eintrag aus dem VDK:

    Nachname: Gutmann
    Vorname: Karl Walter
    Dienstgrad: Obergefreiter
    Geburtsdatum: 20.09.1919
    Geburtsort: Wolfenweiler
    Todes-/Vermisstendatum: 19.03.1945
    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Karl Walter Gutmann ruht auf der Kriegsgräberstätte in Nieder-Olm. Endgrablage: Einzelgrab


    Grüße

    Sven

  • Hallo alle zusammen und ein frohes, neues Jahr,

    meinen Dank an alle, die bisher hier mitgewirkt haben.

    Hier ein weiteres Fundstück zum Thema.


    Lg Andre


    Ferdinand Schönfeld


    Nachname: Schönfeld

    Vorname: Ferdinand

    Dienstgrad: Grenadier

    Geburtsdatum: 27.08.1923

    Geburtsort: Gelsenkirchen (lt. Anklageschrift und Sterberegister)

    Todes-/Vermisstendatum: 05.02.1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Ferdinand Schönfeld ruht auf der Kriegsgräberstätte in Hamburg-Ohlsdorf.

    Endgrablage: Block Z40 Reihe 8 Grab 3


    Werner Enge


    Nachname: Enge

    Vorname: Werner

    Dienstgrad: Soldat

    Geburtsdatum: 04.12.1924

    Geburtsort: Leipzig (lt. Anklageschrift und Sterberegister)

    Todes-/Vermisstendatum: 05.02.1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Werner Enge ruht auf der Kriegsgräberstätte in Hamburg-Ohlsdorf.

    Endgrablage: Einzelgrab


    Quelle Daten: http://www.volksbund.de

    weitere Quelle: Ancestry

    Quelle Bild: www


  • Hallo Andre,


    zur Vervollständigung und ein wenig Hintergrund:
    Höltigbaum war ab Mitte der 1930 Jahre Standort der Wehrmacht mit Schießstand und Übungsplatz. Bis 1995 noch v. D. BW genutzt ist jetzt Naturschutzgebiet. im Bereich der Schießstände entstand ein Gewerbegebiet.
    Hinter der Adresse Holstenglacis verbirgt sich bis heute das Untersuchungsgefängnis und die JVA.
    Hier stand das Fallbeil in Hamburg!


    Beste Grüße


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo Paul,

    hab besten Dank für diese zusätzliche Info und finde diese sehr interessant.

    Vielleicht kennst du ja einen guten Buchtipp über das Thema, den du mir empfehlen kannst.


    Lg und dir noch einen schönen Sonntag.

    Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo,

    hier habe ich noch etwas gefunden zu einem Todesurteil.

    Aus dem KTB der 353. VGD vom 31.03.1945


    00078.jpg


    Quelle: NARA T-315 R-2149


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Zu dem Beitrag oben von ralfanton62

    noch die Einträge beim Volksbund.


    Lg Andre


    Willi Kurt Demnik


    Nachname: Demnik

    Vorname: Willi Kurt

    Dienstgrad: Obergefreiter

    Geburtsdatum: 15.05.1911

    Geburtsort: Ellerkrug

    Todes-/Vermisstendatum: 17.04.1944

    Todes-/Vermisstenort: Galatz


    Willi Kurt Demnik konnte im Rahmen unserer Umbettungsarbeiten nicht geborgen werden.

    Die vorgesehene Überführung zum Sammelfriedhof in Galati war somit leider nicht möglich.

    Sein Name ist auf dem o.g. Friedhof an besonderer Stelle verzeichnet.


    Karl Luitpold


    Nachname: Luitpold

    Vorname: Karl

    Dienstgrad: Obergefreiter (Lt. Tagesbefehl)

    Geburtsdatum: 12.03.1920 (Lt. Tagesbefehl)

    Geburtsort: Viehausen (Lt. Tagesbefehl)

    Todes-/Vermisstendatum: 17.04.1944

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Karl Luitpold ruht auf der Kriegsgräberstätte in Galati (RO).

    Unter den Unbekannten


    Hans Xenapp


    Nachname: Xenapp

    Vorname: Hans

    Dienstgrad: Soldat (Lt. Tagesbefehl)

    Geburtsdatum: 04.02.1903 (Lt. Tagesbefehl)

    Geburtsort: Bremen (Lt. Tagesbefehl)

    Todes-/Vermisstendatum: nicht verzeichnet

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Hans Xenapp ist mit diesen Daten beim Volksbund nicht verzeichnet.


    Leopold Christoph


    Nachname: Christoph

    Vorname: Leopold

    Dienstgrad: Gefreiter (Lt. Tagesbefehl)

    Geburtsdatum: 15.10.1894 (Lt. Tagesbefehl)

    Geburtsort: Breslau (Lt. Tagesbefehl)

    Todes-/Vermisstendatum: nicht verzeichnet

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Leopold Christoph ist mit diesen Daten beim Volksbund nicht verzeichnet.


    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo,

    hier habe ich noch etwas gefunden zu einem Todesurteil.

    Aus dem KTB der 353. VGD vom 31.03.1945

    Hallo,


    über den Fall Dauber habe ich Anfang 2010 einmal versucht mit einem ehemaligen Angehörigen der 353. VGD zu sprechen.

    (Namen möchte ich hier ausdrücklich nicht nennen).

    Der Interviewpartner war zu jener Zeit Führer einer nach ihm benannten Kampfgruppe, gehörte ursprünglich dem Divisionsstab an. Über ihn hatte ich bereits vorher und nachher einige unschöne Geschichten erfahren, die wahr sein können oder auch nicht. Das tut hier aber nicht weiter zur Sache.


    Während des besagten Telefonates von rund 15 Minuten lief alles prächtig und ich erhielt einige detaillierte Informationen. Von ihm in höchstem Maße interessiert und klare Schilderungen über die Kämpfe entlang der Sieg im März und April 1945. Als ich auf Dauber zu sprechen kam, zu jenem Zeitpunkt nicht im geringsten über das Todesurteil oder die Person, ist mein Telefonpartner sofort über alle Maßen dem Gespräch ausgewichen.


    Zu dem Zeitpunkt hatte ich weder die Person Dauber erwähnt, noch dass der Mann Feldwebel war oder das es einen "Fall" geben würde. Ich hatte erwähnt, dass ich das im Fragment erhaltene KTB der Division vorliegen habe und hierin auch eine Verurteilung festgehalten ist, darauf meine Frage: "Können Sie sich an Standgerichtliche Verurteilungen erinnern?"


    Bevor das Gespräch plötzlich und unvorhersehbar beendet war, verlangte er von mir einen ausführlichen Brief zu erhalten, in welchem ich erklären sollte, warum ich über die Zeit recherchieren würde. Hiernach hat es nur noch zu einen Kontakt gegeben, telefonisch. Wobei er mich gleich mit den Worten empfing: Wir sollten ihn doch endlich in Ruhe lassen, da er sich nun in Pflege befinden würde und auch in einem Alter wäre, in dem er sich um anderes kümmern müsse!"


    Ich will nicht urteilen, aber anhand anderer Erzählungen, die mir zugetragen wurden, durch Zivilisten und Veteranen, würde ich aus heutiger Sicht festmachen wollen: Der Interviewpartner hatte direkten Anteil an dem Tod des Daubers.


    Also, was ich damit sagen möchte: Auch (damals 60 Jahre nach Kriegsende) und auch heute gibt oder gab es immer noch Zeitzeugen, die zu zahlreichen Schicksalen Wissen und Erinnerungen haben, welche sie allerdings bis zum letzten Tage begleitet. Es müssen nicht immer die Kriegsabenteuer sein, es können auch Verbrechen an der eigenen Truppe oder sonstiges sein, was manch einer mit sich trägt.


    Gruß


    Ralf Anton Schäfer

  • Hallo!


    Anbei drei weitere Todesurteile aus der Fränkischen Tageszeitung vom 12. April 1945 (Quelle jedoch Buch "Nürnberg im Krieg" von Robert Fritzsch). Alle drei Personen konnte ich leider nicht in der Datenbank des VdK finden:

    • Graf Franz von Montgelas
    • Geschäftsinhaberin Anna Wahlrab
    • Ostarbeiterin Valentina Witrak

    Grüße

    Sven

  • Hallo zusammen.


    Hier findet man bei Google Books was zum Grafen und den Umständen seiner Verurteilung usw.


    Dann hätte ich noch eine kleine Frage dazu.

    Das Adelsgeschlecht Montgelas kann man das irgendwie nach recherchieren wer davon alles bei der Wehrmacht also Offizier war und wo?

    Könnte dieser Rittmeister Graf Montgelas mit dem obigen verwandt sein? Falls jemand Ideen oder Ansätze dazu hat könnte er ja in dem verlinkten Thema Antworten um das hier nicht zu verspamen.


    Besten Dank schon mal!

    Grüßle Petzi

  • Hallo Petzi,

    der oben von Sven genannte Graf, könnte dieser sein.

    Franz von Sales von Garnerin Graf von Montgelas,

    hingerichtet am 06.04.1945, in Nürnberg

    Und unten noch der Telefonbucheintrag von 1941 mit dem Wohnort Berlin.

    Weitere Daten werde ich dann noch einstellen.


    Quelle hierzu: Graf von Montgelas


    Lg Andre

    Files

    • Montgelas.jpg

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    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo Petzi,


    vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich finde die Schilderungen in dem Buch sehr interessant.


    Sein vollständiger Name lautet:

    Franz von Sales Maria Eduard Anton Maximilian Josef Karl Petrus von Garnerin Graf von Montgelas

    Seien Eltern:

    Königlich Bayrischer Gesandter Eduard Anton Maximilian Maria, Graf von Garnerin von Montgelas

    Maria geb. von Petersen


    Im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde liegt eine Prozessakte zu Franz Eduard Graf von Montgelas


    Archivsignatur: R 3017/44258

    Montgelas, Franz Eduard Graf von
    Bestandsbezeichnung: Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof
    Aktenzeichen: 5 J 554/45
    Geburtsdatum: 18.1.1882
    Beruf: Architekt
    Rolle im Prozess: Beklagter
    Strafe: Verfahren wurde nicht abgeschlossen
    Unterlagenart: Strafprozessakte
    Alte Signatur: R 3017/1010051; VBS 6/5 J 554/45
    Benutzungsort: Berlin-Lichterfelde

    Bildschirmfoto 2020-01-18 um 21.27.03.png

    hierbei könnte es sich um den zu vor erwähnten Delinquenten handeln.



    https://geneall.net/de/title/1…n-garnerin-von-montgelas/


    Könnte dieser Rittmeister Graf Montgelas mit dem obigen verwandt sein?

    Definitiv ja !


    Archivsignatur: PERS 6/54826

    Montgelas, Thassilo Graf von
    Bestandsbezeichnung: Personalunterlagen von Angehörigen der Reichswehr und Wehrmacht
    Geburtsdatum: 23.12.1918
    Amtsbezeichnung/Dienstgrad: Rittmeister
    Unterlagenart: Personalakte
    Alte Signatur: PA/37639
    Benutzungsort: Freiburg

    Grüße

    Dirk

    Edited once, last by DirkK ().

  • Hallo Petzi,

    Unten noch der Stammbaum der Familie Montgelas den ich gefunden habe.

    Quelle hierzu: Stammbaum Montgelas


    Lg Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo zusammen,


    auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Höltigbaum drehe ich regelmäßig meine Gassirunden. Dabei denke ich dann hin und wieder an die hier ermordeten Wehrmachtsangehörigen.


    Etwa 300 Deserteure und Kriegsverräter wurden unter anderem auf dem Schießplatz Höltigbaum im Hamburger Stadtteil Rahlstedt erschossen, enthauptet oder erhängt. Quelle


    Es waren einfache Soldaten, Matrosen, Pioniere und Schützen, auch Obergefreite und Unteroffiziere sowie zwei junge Offiziere. Insgesamt geht man von etwa 330 erschossenen Deserteuren aus. Quelle


    Ich habe hier ein paar Nachweise dafür gefunden.


    Nachname: Richter

    Vorname: Herbert

    Dienstgrad: Oberjäger

    Geburtsdatum: 29.10.1920

    Todes-/Vermisstendatum: 1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet

    Herbert Richter ruht auf der Kriegsgräberstätte in Hamburg-Ohlsdorf.

    Endgrablage: Einzelgrab

    https://www.volksbund.de/graeb…9d3528ac7f8ba4dfc1168c3dd


    Nachname: Schönfeld

    Vorname: Ferdinand

    Dienstgrad: Grenadier

    Geburtsdatum: 27.08.1923

    Todes-/Vermisstendatum: 05.02.1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet
    Ferdinand Schönfeld ruht auf der Kriegsgräberstätte in Hamburg-Ohlsdorf.

    Endgrablage: Block Z40 Reihe 8 Grab 3

    https://www.volksbund.de/graeb…4f911fd0c8b39298e25a428fb


    Nachname: Kath

    Vorname: Hermann Emil Amandus

    Dienstgrad: Pionier

    Geburtsdatum: 09.11.1908

    Todes-/Vermisstendatum: 24.04.1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet
    Hermann Emil Amandus Kath ruht auf der Kriegsgräberstätte in Hamburg-Ohlsdorf.

    Endgrablage: Einzelgrab

    https://www.volksbund.de/graeb…5c2310d96272dc7154cd21f48


    Nachname: Junge

    Vorname: Otto

    Dienstgrad: Obergefreiter

    Geburtsdatum: 25.10.1916

    Todes-/Vermisstendatum: 01.02.1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet
    Otto Junge ruht auf der Kriegsgräberstätte in Hamburg-Ohlsdorf.

    Endgrablage: Einzelgrab

    https://www.volksbund.de/graeb…eb6d43852fee4770b1597c426