Todesurteile an Angehörige der Wehrmacht (Fahnenflucht usw.)

  • Hallo Roland,

    hallo zusammen,

    Hallo Dirk,


    vielen Dank für die Infos.


    Das wär ein Ding, wenn sich die Identität doch noch klärt.


    Gruß Roland

    ich möchte Euch einen kurzen Zwischenbericht von meiner Recherche zum NS Verbrechen Nobert Robert geben. Ich habe alle mir bekannten und in Frage kommenden Stellen angeschrieben und habe lange Telefonate geführt. Alle Ergebnisse waren bisher negativ. Heute hat mir das Bundesarchiv geantwortet und ich bin sehr dankbar für die Unterstützung und Hilfestellung.


    Hier die Antwort:


    hiermit teile ich Ihnen Folgendes mit:

    Die Hinweis-Datenbank unseres Hauses enthält zwar mehrere Einträge (Fundstellen) für Namensträger „ROBERT, Norbert“ und „ROBERS, Norbert“, jedoch musste ich nach Sichtung in der Zentralen Personenkartei feststellen, dass von diesen Personen keiner als der von Ihnen Gesuchte infrage kommt, da die persönlichen und militärischen Daten nicht zu dem von Ihnen beschriebenen Sachverhalt passen.

    Es existiert jedoch eine Karteikarte mit den Personalien Roberz, Paul, geb. 24.02.1925 (Geburtsort nicht angegeben).

    Die einzige Auftragung lautet: „letzte Nachricht Januar 1945 von der Einheit Feldpostnummer 30777 B“.

    Die Feldpostnummer 30777 B war mit der Einheit 13. / Grenadier-Regiment 1097 besetzt.


    In den Erkennungsmarkenlisten ist für diesen Truppenteil mit Datum v. 15.03.1944 und 15.08.1944 verzeichnet:

    Roberts bzw. Robertz, Paul, geb. 25.02.1925 in Köln Lindenthal

    Heimatanschrift: Gebr. Rotbrust, Buchholz (Anmerkung: so gelesen) Eine Todesmeldung liegt nicht vor.

    Ob es sich um den von Ihnen Gesuchten handeln könnte, kann nicht beurteilt werden.


    zu Paul Roberz geb. am 24.02.1925 gibt es einen VdK-Eintrag.


    Nachname: Roberz

    Vorname: Paul

    Geburtsdatum: 24.02.1925

    Todes-/Vermisstendatum: 01.01.1945

    Todes-/Vermisstenort: Angerapp / Großwaltersdorf / Gumbinnen /
    Rodebach / Trakehnen /
    Nach den uns vorliegenden Informationen ist Paul Roberz seit 01.01.1945 vermisst.


    Was ist mit 13./ Grenadier-Regiment 1097 ??

    http://www.lexikon-der-wehrmac…dierdivisionen/549VGD.htm


    http://www.lexikon-der-wehrmac…Korps/Karte/XXXII0445.jpg

    die Lagekarte April 1945 sieht vielversprechend aus.


    Was meint Ihr dazu? Brauche Eure Meinung!

    Beste Grüße!
    Dirk

  • ... Nach den uns vorliegenden Informationen ist Paul Roberz seit 01.01.1945 vermisst ...

    ... Was ist mit 13./ Grenadier-Regiment 1097 ?? ...

    Hallo,


    der genannte Paul Roberz ist in den VBL im Band CE auf Seite 349 verzeichnet, als Truppenteil ist dort das von Dir schon vermutete Gren.-Rgt. 1097 mit dem Regimentsstab und der 13. u. 14.Kp. verzeichnet. Die Feldpostnummer lautete 30777, anbei der Eintrag - leider ohne Bild.


    Gruß, J.H.

    Files

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo Dirkk,


    vielen Dank für die Meldung.


    In den VBL finden sich einige bei Stettin und Stolzenhagen Vermißte.

    Er könnte als Versprengter also auch nach Schwedt gekommen sein.

    Allerdings passt dann der Vorname nicht.

    Bislang ist der Name "nur" mündl. überliefert, da könnte es schon Lücken geben.

    In der Gräberliste des Schwedter Soldatenfriedhofes ist er und auch das Rgt. nicht

    zu finden.


    Konntest du Paul Robertz noch woanders mit diesem Geburtsdatum entdecken?


    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo Johann-Heinrich,

    vielen Dank für Deinen Beitrag. Das ist ein sehr guter Hinweis von Dir. Ich wende mich übernächste Woche an den DRK Suchdienst München und versuche dort näheres herauszufinden. Nächste Woche kann ich nicht, da bin ich auf einer Übung.


    Ich glaube Mathias hat doch super Kontakte zum VdK ?!! Matthias, kannst Du bitte mal nachfragen ob zum Paul Roberz Daten bzw. Unterlagen vorhanden sind?


    Hallo Roland,

    besten Dank. Übernächste Woche werde ich mich wieder mit den Stellen in Schwedt und Köln verbinden und die neuen Informationen weitergeben und das weitere Vorgehen besprechen. Wir werden sehen, die neuen Hinweise sind doch gut. Nicht aufgeben!

    Beste Grüße!
    Dirk

    Edited once, last by DirkK ().

  • Hallo Miteinander,


    zur Thematik habe ich auch drei Fälle in meiner Datenbank. (Vermisste und Gefallene des ehemaligen Landreises Ochsenfurt 1939-1945)


    Deppisch, Alfred, *02.12.1924 in Rittershausen. Schlosser. Gefreiter im Grenadierregiment 548/ 328. Infanteriedivision. Gemäß Urteil des Divisionsgerichts ( sTl: Nr. 325/43) der 328. ID wegen Fahnenflucht und Feigheit vor dem Feind hingerichtet am 13.09.1943 um 12.25 Uhr in Iwaschkowa/ Romuna bei Isjum in der Ukraine. Auch er wurde nach der Verurteilung aus der Wehrmacht ausgestoßen und als "Zivilist" erschossen- so steht es auf der Sterbefallanzeige: "Der aus der Wehrmacht entfernte........"


    Lenhart Josef, *22.11.1923 in Wolkshausen, wohnhaft in Wässerndorf. Grenadier in der 2. Kompanie/ Grenadierregiment 546/ 389. Infanteriedivision. Nach Urteil des Divisionsgerichts der 389. Infanteriedivisoni hingerichtet wegen Fahnenflucht und Feigheit vor dem Feind am 05.10.1944 am Fluss Ogre/ Lettland. Ein Angehöriger des gleichen Bataillons erzählte mir einmal, dass eines Nachts zwei Männer der Nachbarkompanie "sich davon machen wollten" und erwirscht wurden. Lenhart war wohl einer der beiden.

    Eck, Alfred, *17.8.1910 in Baldersheim, Landwirt, Gefreiter in der Marineaflakabteilung 821 in Triest, Eck war Mitte März 1945 nach einem Heimaturlaub in seinem Heimatort Baldersheim verblieben und nicht mehr zu seiner Truppe zurückgekehrt, da der Krieg ohnehin so gut wie vorbei war. Am 6. April 1945 versuchte er dann in Zivil deutsche Truppen in Baldersheim zur Übergabe zu überreden und wurde von ihnen verhaftet. Eck wurde am 7.4.1945 durch Standgerichtsurteil des Panzergrenadierbataillons Busse in Aub wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung hingerichtet.


    Vor allem in den letzten Monaten scheint es in zu hunderten "willkürlichen" Hinrichtungen eigener Soldaten und Zivilisten gekommen zu sein, die m. E. oft gar nicht durch die Kriegsstrafverfahrensordnung gedeckt waren. Auch hier im Fall Eck gab es kein ordentliches Gerichtsverfahren, da ihm kein Verteidiger zur Seite gestellt wurde Veeh erwähnt den Fall in seinem Buch "Die Kriegsfurie über Mainfranken und das Ende in den Alpen".


    Augenscheinlich wurde Eck Opfer von willkürlicher Selbstjustiz eines Bataillonskommandeurs, der soviel ich weiß, gar kein Gerichtsherr sein konnte, da dies nur bis zur Ebene der Regimentskommandeure nach unten reichte.

    Gruß,


    Georg.

  • Hallo an alle,

    und meinen Dank für eure bisherigen Beiträge.

    Unten ein weiteres Fundstück zum Thema.


    Lg Andre


    Gustav Heistermann von Ziehlberg


    Nachname: Gustav

    Vorname: Heistermann von Ziehlberg

    Dienstgrad: Generalleutnant

    Geburtsdatum: 10.12.1898

    Geburtsort: Hohensalza

    Todes-/Vermisstendatum: 02.02.1945

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Gustav Heistermann von Ziehlberg ruht auf der Kriegsgräberstätte in Berlin-Steg.-Lichterfelde II Parkfdh..

    Endgrablage: Block 25 Grab 142/4


  • Hallo,


    Quote


    Gustav Heistermann von Ziehlberg

    interessant in diesem Fall ist, daß selbst das Reichskriegsgericht kein Verhalten Heisterman von Ziehlbergs sah, das die Todesstrafe rechtfertigte und sein Urteil einzig auf die Entscheidung Hilters stützte, ihn hängen zu lassen.



    Heisterman von Ziehlberg hatte als Kdr. der 28. Jäger-Division den Befehl erhalten, seinen Ia Major i. G. Joachim Kuhn wegen möglicher Beteiligung am Attentat vom 20. Juli 1944 verhaften zu lassen. Er gab Kuhn Zeit, sich marschfertig zu machen, was dieser zur Flucht und zum Überlaufen nutzte.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo, Andre,


    Quote

    Gustav Heistermann von Ziehlberg

    man beachte, daß der Name korrekterweise "Heisterman" geschrieben wird und nicht mit zwei n.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Thilo,

    danke für deine sehr interessante Erklärung zu Gustav Heisterman von Ziehlberg.


    Hallo Diana,

    auch dir meinen dank für die Korrektur zum Familiennamen.

    Habe die Daten so vom Volksbund übernommen.

    Konnte diesen leider nicht mehr ändern.


    Lg Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo!


    Anbei ein Auzug aus der Zeitschrift "Militärgeschichte - Zeitschrift für historische Bildung" (Heft 1/2015 / frei erhältlich im Internet). Ich dachte mir ich hänge den Artikel mal mit dran, weil einfach auf die Quelle zu verweisen eigentlich recht wenig Sinn macht ;) ... Hier wird über eine Wehrkraftzersetzung einfacher Soldaten im Jahr 1944 bei der Sturmpanzer-Abteilung 216 berichtet. Hierbei wurden folgende Soldaten zum Tode verurteilt:


    Im Gedenken an:


    Nachname: Ruf
    Vorname: Hugo
    Geburtsdatum: 1910
    Geburtsort: nicht verzeichnet
    Todes-/Vermisstendatum: 1944
    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet (Anm.: Zuchthaus Halle/Saale)


    Nachname: Spenn
    Vorname: Werner
    Geburtsdatum: 1918
    Geburtsort: nicht verzeichnet
    Todes-/Vermisstendatum: 1944
    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet (Anm.: Zuchthaus Halle/Saale)


    Nachname: Luckaschitz
    Vorname: Johann
    Geburtsdatum: 1919
    Geburtsort: nicht verzeichnet
    Todes-/Vermisstendatum: 1944
    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet (Anm.: Zuchthaus Halle/Saale)


    Grüße

    Sven

  • Hallo Sven,


    vielen Dank für diesen Beitrag. Ein Beleg für die unglaubliche Brutalität und Perversität des damaligen Systems.


    Anbei stelle ich hier die Sterbeurkunden der drei ermordeten Soldaten ein. Jeweils zwei Sterbeurkunden, eine mit der tatsächlichen Todesursache und eine mit der gefälschten Todesursache.

    Files

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo zusammen,


    hier die beiden Urkunden von Johann Lukaschitz.


    Die anderen ermordetet Soldaten hießen:


    Martin Weber *28.01.1916 + 11.02.1944

    Otto Degenkolb *20.08.1896 + 11.02.1944

    Ernst Rauscher *24.03.1905 + 11.02.1944

    Edmund Wowra *20.02.1912 + 11.02.144

    Richard Zorn * 16.12.1912 + 11.02.1944

    Kurt Hahn *16.01.1916 + 11.02.1944

    Walter Buchholz *21.07.1914 + 11.02.1944

    Johann Hoops *28.01.1924 + 11.02.1944

    Siegfried Dietz *28.10.1915 + 11.02.1944

  • Hallo!

    Jeweils zwei Sterbeurkunden, eine mit der tatsächlichen Todesursache und eine mit der gefälschten Todesursache.

    Danke für deine Mühe ... "plötzlicher Herztot - Atemstillstand" ... kein Kommentar zu der Ursache!


    Diese Daten dürften den Volksbund interessieren wegen der Datenbank.


    Grüße

    Sven

  • Hallo,

    bei allem Perfiden, was sich dahinter versteckt, stellt sich mir trotzdem die Frage, warum später doch noch eine Sterbeurkunde mit dem tatsächlichen Todesgrund ausgestellt wurde?


    MfG Wirbelwind

  • Hallo zusammen,


    stellt sich mir trotzdem die Frage, warum später doch noch eine Sterbeurkunde mit dem tatsächlichen Todesgrund ausgestellt wurde?

    sehr interessante Fragestellung!

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo,


    doppelte Buchführung, einmal für die Angehörigen und einmal für die Wahrheit/ den Amtsschimmel. Das ist nachvollziehbar, aber warum zwei Registernummern.


    War auch bei T4 so.


    Gruss


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo zusammen,


    nach dem Seitenvermerk auf der Urkunde 678 vom 12.02.1944 gab es wohl eine Anordnung des Amtsgerichts Halle/Saale, daß die ursprüngliche Urkunde zu löschen sei. Diese Anordnung im Wortlaut wäre interessant.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    zu diesem Verfahren vor dem Reichskriegsgericht hatten wir hier im Forumsbeitrag zum Todesurteil gegen den GenMj Kegler vor einiger Zeit schon mal etwas zusammengetragen, die weiteren Verurteilten sind dort namentlich genannt: Biografie des Generalmajor Gerhard K e g l e r...


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!