Todesurteile an Angehörige der Wehrmacht (Fahnenflucht usw.)

  • Hallo zusammen,

    besten Dank Johann Heinrich für dieses sehr Interessante Fundstück von der US-Armee.

    Vermutlich wollte man an Edward Slovik ein Exempel statuieren, um wohl weitere vermeintliche Fahnenflüchtige davor abzuschrecken.

    Unten ein weiterer Name zum Thema.


    Lg Andre


    Otto Abele

    1./Panzergrenadier-Regiment 111

    11.Panzer-Division


    Nachname: Abele

    Vorname: Otto

    Dienstgrad: Grenadier

    Geburtsdatum: 16.05.1925

    Geburtsort: Augsburg

    Todesdatum: 01.07.1944

    Todesort: Floirac/Gironde

    Otto Abele wurde am 01.07.1944 gemäß Urteil des Divisionsgerichts der 11.Panzer- Division,

    um 18.00 Uhr in Floirac b. Bordeaux hingerichtet.


    Otto Abele ruht auf der Kriegsgräberstätte in Berneuil (Frankreich)

    Bei den Umbettungsarbeiten in seinem ursprünglichen Grablageort konnte er nicht zweifelsfrei identifiziert werden, so dass er als "unbekannter Soldat" auf dem Friedhof Berneuil bestattet worden ist.


    Quelle Daten: Volksbund

    zusätzliche Quelle: Ancestry

    Quelle Fundstück: 11.Panzer-Division

    Files

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo Rico,

    interessante Aufstellung, die Du hier in den Thread gestellt hast. Was mich etwas wundert, ist der hingerichtete indische Staatsbürger Sanadkar, welcher am 06.04.1944 beerdigt wurde. Gibt es zu ihm noch nähere Informationen? Schließlich waren Inder in der dt. Wehrmacht nun nicht gerade häufig.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo Wirbelwind,


    Ich frage mal bei Herr Krukenberg nachfragen.

    Wäre wirklich interessant.


    Gruß Rico

  • Bemerkenswert sind die wohl von Messerschidt/Wüllner beigefügten Vergleichszahlen von hingerichteten Deserteuren folgender ausländischer Streitkräfte:

    • Großbritannien = 40
    • Frankreich = 102
    • USA = 146.

    Der Vergleich zwischen dem Dritten Reich und den genannten Westalliierten ist enorm.

    Hallo Peter,


    ich glaube, da hast Du die Zahlen falsch interpretiert. Die Engländer hatten keine Todesstrafe auf Fahnenflucht im 2. WK und die Amis haben 1 Deserteur hingerichtet.

    Für Zahlen kann ich ein neues Buch über Deserteure empfehlen:

    Stefan Treiber - Helden oder Feiglinge? Deserteure der Wehrmacht im 2. Weltkrieg


    Grüße


    Sven

  • Stefan Treiber - Helden oder Feiglinge? Deserteure der Wehrmacht im 2. Weltkrieg

    Allgemein empfehle ich: "Armeen und ihre Deserteure" von Ulrich Bröckling und Michael Sikora (Herausgeber) u.a.

  • Hallo,


    ein SS-Angehöriger, der wegen Fahnenflucht hingerichtet wurde; leider gehen aus dem Listeneintrag der Dienstgrad und Truppenteil nicht hervor.

    Quelle: Bundesarchiv/Invenio


    Gruß, J.H.


    Name: Schmidt, Helmut

    Geburtsdatum: 3.7.1923

    Geburtsort: Elster / Wittenberg

    Sterbedatum: 11.5.1944

    Sterbeort: Lutherstadt / Wittenberg
    Beruf: Tischler

    Bemerkung: Tod durch erschiessen um 2.00 Uhr

    Bemerkung: Festnahme wegen Fahnenflucht

    weitere Vornamen: Helmut Hermann Schmidt

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Allgemein empfehle ich: "Armeen und ihre Deserteure" von Ulrich Bröckling und Michael Sikora (Herausgeber) u.a.

    Das Buch ist schon 20 Jahre alt, die Forschung ist schon viel weiter. Im übrigen behandelt das Buch Fahnenflucht eher auf einer übergeordneten Ebene und enthält keine eigene Forschung, bzw. Zahlen.

  • Hallo,


    ich würde noch das Werk "Das letzte Tabu" von Wolfgang Wette und Detlef Vogel 2007 empfehlen. Es beschäftigt sich mit der NS-Justiz und Kriegsverrat. Es ist zwar eher mit dem Fokus auf den sogenannten Kriegsverrat (was anscheinend von der Feindbegünstigung über Spionage, Fahnenflucht und Wehrrkraftzersetzung alles sein konnte) angelegt, jedoch kommen dort auch Fahnenflüchtige vor.


    Grüße aus Franken,


    Georg

  • Hallo zusammen!

    Insbesondere in der Endphase wurden ja wohl Tausende von Soldaten von Kriegsgerichten oder auch Fliegenden Standgerichten (= Vorgesetzten) zum Tode verurteilt und kurzerhand erschossen.


    Fragen die mich in dem Zusammenhang umtreiben:

    1. Was erfuhren die Angehörigen des Soldaten davon? Wurde das üblicherweise totgeschwiegen oder erhielten diese eine Benachrichtigung über den unehrenhaften Tod?
    2. Hatte die Verurteilung Konsequenzen für die Rentenansprüche der hinterbliebenen Witwe und Waisen?
    3. Wie wurden die Toten begraben? Doch sicher nicht auf einem "Ehrenfriedhof"?

    Kennt jemand dokumentierte Fälle?

    Viele Grüße, Harm / Tetris L

    Suche alles zu: ● 22. Inf.-Div. (insbes. Sanitätsdienste) ● 58. Inf. Div. (insbes. Inf./Gren.Reg. 220) ●




  • Hallo Harm,

    sehr gute Fragen die du da stellst !

    Versuche diese mal zu beantworten.

    Zu Frage 1: Habe schon Dokumente gesehen, wo die nächsten Angehörigen über das vermeintliche Todesurteil unterrichtet wurden.

    Diese Nachrichten wurden wohl schon alleine aus Abschreckungs-Gründen usw. verschickt.

    Zu Frage 2: Die kann ich leider nicht beantworten.

    Zu Frage 3: Die Hingerichteten wurden meistens entweder an einem unbekannten Ort oder in der nähe der Hinrichtungsorte begraben.

    In den seltensten Fällen auf den jeweiligen Divisionsfriedhöfen.


    Hoffe das ich deine Fragen einigermaßen beantworten konnte.


    Lg Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo,

    1. Was erfuhren die Angehörigen des Soldaten davon? Wurde das üblicherweise totgeschwiegen oder erhielten diese eine Benachrichtigung über den unehrenhaften Tod?
    2. Hatte die Verurteilung Konsequenzen für die Rentenansprüche der hinterbliebenen Witwe und Waisen?
    3. Wie wurden die Toten begraben? Doch sicher nicht auf einem "Ehrenfriedhof"?

    Kennt jemand dokumentierte Fälle?

    das Schicksal des erst 17jährigen Marinesoldaten Kurt Albrecht ist hier im Thread bereits Thema gewesen und auch sehr gut dokumentiert, er war Matrose im Marine-Grenadier-Regiment 5, wurde am 28.April 1945 in Osterholz-Scharmbeck durch ein Kriegsgericht wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag erschossen: https://www.rheinpfalz.de/star…en-tod-_arid,1292021.html


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    1. Hatte die Verurteilung Konsequenzen für die Rentenansprüche der hinterbliebenen Witwe und Waisen?

    Hallo,


    während des Krieges (also unter der Regie des NS-Regimes) war ein Todesurteil i.d.R. mit der "Wehrunwürdigkeit" verbunden, d.h. Ausschluss aus der Wehrmacht. Damit verloren die Angehörigen auf jeden Fall die Familienunterstützung. Vermutlich auch die Witwenrente, denn der Hingerichtete war ja kein Angehöriger der Wehrmacht mehr.

    Nach meinem Verständnis waren Zeiten bei der Wehrmacht relevant für die Rente - man brauchte eine Dienstzeitbestätigung der Deutschen Dienststelle. Bei denen müsste man mal nachfragen, ob das dann auch für eine evtl. Witwenrente relevant war.


    Viele Grüße


    Sven

  • Was erfuhren die Angehörigen des Soldaten davon? Wurde das üblicherweise totgeschwiegen oder erhielten diese eine Benachrichtigung über den unehrenhaften Tod?

    Hallo zusammen,


    i.d.R. wurden die Angehörigen offiziell informiert. Das war wichtig, denn z.T. wurden

    sogar noch Kosten geltend gemacht (der deutsche Bürokratismus läßt grüßen !).

    Es wurden regelmäßig auch entsprechende Verhaltensgebote erlassen, z.B. keine

    Todesanzeigen !

    Über den Verbleib der sterblichen Überreste gibt es sämtliche "Varianten"

    bis hin zu der Tatsache, dass z.B. über den Verbleib des Leichnams des OLt. z.S.

    Oskar KUSCH bis heute nichts bekannt ist.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,

    Wie wurden die Toten begraben? Doch sicher nicht auf einem "Ehrenfriedhof"?

    zur Bestattung von zum Tode verurteilten Soldaten und Selbstmördern hier noch mal das im Thread schon genannte Beispiel des anonymen Gräberfeldes "W" auf dem Kieler Nordfriedhof. Namen und Schicksale von zahlreichen auf der Schießanlage der Kriegsmarine in Kiel-Holtenau hingerichteten Soldaten sind auch hier dokumentiert: http://www.apt-holtenau.de/hol…ry/marineschiessplatz.htm


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • ich habe hier einen früheren Eintrag unter Klaus Falk, komme da aber nicht mehr rein

    "

    1. Was erfuhren die Angehörigen des Soldaten davon? Wurde das üblicherweise totgeschwiegen oder erhielten diese eine Benachrichtigung über den unehrenhaften Tod?
    2. Hatte die Verurteilung Konsequenzen für die Rentenansprüche der hinterbliebenen Witwe und Waisen?
    3. Wie wurden die Toten begraben? Doch sicher nicht auf einem "Ehrenfriedhof"?

    zu 1. die Angehörigen bekamen eine Mitteilung über einen Todesfall, mit der Angabe der Todesursache, "erschossen" "hingerichtet" (Fallbeil)

    zu 2. die Witwen hatten keinen Anspruch auf eine Witwenrente weil die Hinrichtung nach Ansicht der Versorgungsämter und höchstrichterlichem Urteil nach 1949 "rechtmäßig" gewesen sei. Bei den Alliierten Truppen sei Fahnenflucht ja auch strafbar gewesen. Wie hier bereits berichtet hat die US Armee nur ein einziges Todesurteil wegen Fahnenflucht vollstreckt. Der Bundestag hat mittlerweile alle Todesurteile der Wehrmachtsjustiz (ca. 30 000) als NS-Unrecht aufgehoben.

    zu 3. während des II. Weltkrieges wurden die Hingerichteten z. T. auf abseits gelegenen Gräberfeldern bestattet, so z. B. auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf. Erst viele Jahre nach dem Krieg wurden diese mehr als 360 Soldaten in ein eigenes Gräberfeld auf dem Soldatenfriedhof umgebettet. Mittlerweile gibt es eine Ehrentafel. Auf den meisten Friedhöfen in Westdeutschland hat der VDK die Soldaten einfach ohne Unterschied der Todesursache der Reihe nach nebeneinander gebettet. Es gibt vom VDK eine Stellungnahme von 1962 in dem er sich gegen besondere Gräberfelder ausspricht. "Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist daher der Auffassung, dass die Gräber von Kriegstoten wegen deren Todesursache nicht unterschiedlich behandelt werden können und dürfen." Auf dem Stadtfriedhof Fössefeld Hannover gibt es eine Ehrentafel zu den Deserteuren die auf diesem ehemaligen Garnisonsfriedhof bestattet sind und ein Denkmal „Ungehorsam 1939-1945“.


    Zu weiteren Recherchen über Personen die wegen Desertion hingerichtet worden sind, die Gedenkstätte "Roter Ochse" in Halle die auch ein Hinrichtungsort für Deserteure gewesen ist, hat das ehem. Archiv von Fritz Wüllner übernommen und mittlerweile erweitert und verfügt über mehr als 16 00 Datensätze von hingerichteten Soldaten. Das Problem dürfte sein, das die Gedenkstätte nur über begrenzte Personalkapazitäten verfügt Anfragen zu beantworten. Beim VDK sind von mir recherchierte Soldaten aus Hannover die hingerichtet wurden, immer noch nicht über Online Suche zu finden. Auch die Beantwortung von Anfragen beim Bundesarchiv, das jetzt das Archiv der Deutschen Dienststelle verwaltet dürfte länger dauern, wenn es nicht aus Datenschutzgründen abgelehnt wird. Die Recherchen über Hannover finden sich unter deserteure-hannover.de . Auf dem Friedhof in Hannover liegen keine Deserteure die in Hannover geboren sind oder gewohnt haben.

  • Hallo zusammen,

    vielen Dank für die Antworten auf meine Fragen!

    Wie ich in diesem Thread berichtet habe, ist mein einer Großvater kurz vor Kriegsende desertiert; aber er ist nicht gefasst und auch nicht verurteilt worden (meines Wissens noch nicht einmal angeklagt worden). Er hat den Krieg überlebt.

    Mein anderer Großvater ist im April '45 gefallen. Da ich vor Kurzem das Buch "Das Ende" von Ian Kershaw gelesen habe, in dem eindrücklich geschildert wird, dass in den letzten Wochen des Krieges viele Soldaten kurzerhand erschossen wurden, die nicht mehr die geforderte Kampfmoral zeigten, waren bei mir Zweifel aufgekommen, ob es zum Tod meines Großvaters vielleicht eine inoffizielle Hintergrundgeschichte geben könnte, die meiner Großmutter nie mitgeteilt wurde. (Was in diesem Fall aber sehr unwahrscheinlich ist, da meine Großmutter unabhängig voneinander mehrere Briefe von Kameraden meines Opas erhielt, die im Einklang mit der offiziellen Mitteilung standen. Danach wurde mein Opa sogar posthum befördert.)

    Wie auch immer, es hat mich interessiert.

    Grüße, Harm

    Suche alles zu: ● 22. Inf.-Div. (insbes. Sanitätsdienste) ● 58. Inf. Div. (insbes. Inf./Gren.Reg. 220) ●




  • Hallo zusammen,

    unten ein weiteres Fundstück zum Thema.


    Lg Andre


    Ernst Streb

    7./Infanterie-Regiment 208

    79. Infanterie-Division


    Nachname: Streb

    Vorname: Ernst

    Dienstgrad: Schütze

    Geburtsdatum: 24.08.1915

    Geburtsort: Neu Isenburg

    Todesdatum: 23.12.1942

    Todesort: Mainz-Gonzenheim

    Ernst Streb wurde am 23.12.1942 um 7.58 Uhr gemäß Urteil des Divisionsgerichts 172 auf dem Schießstand in Mainz-Gonzenheim erschossen.


    Ernst Streb ruht auf der Kriegsgräberstätte in Mainz-Hauptfriedhof.

    Endgrablage: Block 7 Reihe 6 Grab 32


    Quelle Daten: Volksbund

    zusätzliche Quelle: Ancestry

    Files

    • Ernst Streb.JPG

      (233.08 kB, downloaded 38 times, last: )

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Krause, Werner

    1./Landesschützen-Bataillon 266


    Der Gefreite Werner Krause, geb. 4.10.1907 in Stettin wird am 15.10.42

    im Wehrmachtsgefängnis Athen gemäß Urteil des Gerichts des Wehrmacht-

    befehlshabers Südost vom 22.10.42 wegen Fahnenflucht erschossen.


    Quelle: NARA

    Files

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Bauer, Fritz

    7./Armee-Nachrichten-Regiment 257


    Der Gefreite Fritz Bauer, geb. 13.05.192 in Nürnberg wird am 15.10.42

    in Athen gemäß Urteil des Gerichts des Wehrmachtbefehlshabers Südost

    vom 08.08.42 wegen Fahnenflucht erschossen.

    Files

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.