Pistolen der Wehrmacht

  • Servus,

    soweit ich weis war die P38 und die P08 die meist verbreitetsten Pistolen bei der WH. Nun zu meiner Frage:

    Welche der beiden Pistole war ,,besser´´? Klar lässt sich das nicht allgemein sagen, aber was hatte die eine der anderen gegenüber für vor/nachteile,

    oder war das eher Geschmackssache? Und stimmt der Spruch: ,, 8 Warnschüsse, ein tödlicher Wurf ´´ ?


    Danke im voraus und Grüße, Max

  • Guten Tag ans Forum und an den erneut Anfragenden,


    zur Funktions- und zur Treffsicherheit bestimmter Faustfeuerwaffen gibt es jede Menge Sach- und Fachbücher, von denen ich jetzt hier

    im Rahmen meiner Antwort keine Auswahl aufstellen möchte.

    Jeder mag für sich entscheiden, ob und warum die P 08 oder die P 38 für ihn die "bessere" Pistole ist. Das mit dem "besser" ist unter

    an Waffen Interessierten eine "Glaubensfrage", die man zum Beispiel einem Opel- oder Fordbesitzer wegen seines jeweiligen

    Autos stellen könnte.

    Warnschüsse sind im übrigen keine Schüsse, die treffen sollen, sondern nur solche in die Luft abgegebene, wobei man ja nicht seine

    gesamte Magazinkapazität als Warnschüsse verballert. Dann wäre das Werfen mit der leergeschossenen Waffe die zwingende

    Konsequenz aus solch einem gelinde gesagt seltsamen Verhalten.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo,

    diesen Spruch hatte ich mal gehört. Er war so gemeint, dass acht Schüsse die treffen sollen daneben gehen und der Gegner aufgrund dessen vor dem Wurf gewarnt ist.


    Gruß Max

  • Guten Morgen,


    Opa Hans, als Offizier im RAD, seine Dienstwaffe, vermutlich eine PPK wurde im damaligen Sudetenland gestohlen, aus dem Hausflur, auf dem er die Waffe ablegte.

    (Erinnerungen meiner Oma...)

    Durch einen befreundeten RAD General wurde eine weitere Pistole "besorgt", so die Erinnerungen meiner Oma.

    Oma erinnerte eine "Mauser" Pistole, vermutlich eine Mauser HSc.


    Für einen damaligen RAD Offizier ganz sicher eine peinliche Situation, die persönliche Faustfeuerwaffe zu verlieren, aber

    gute Beziehungen waren sicher nützlich.

    Das ganze damalige Brimborium der Waffen und der Seriennummern ist mir unklar, aber wohl eher ein unwichtiges Detail..?


    Mein Senf zum Thema


    Gruß Micha

  • Hallo,


    zwischen der P 08 und der P 38 lagen über 30 Jahre Entwicklung, daher punktet die P 38 in allen für eine Dienstwaffe relevanten Kategorien, außer im Design.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,

    aus heutiger Sicht und aus meiner langjährigen Erfahrung im praktischen Schießen mit beiden Waffen nur zwei Gesichtspunkte:
    - Pistole 08: Immer wieder Probleme mit Ladehemmungen, weil der Kniegelenkverschluss nur geringe Toleranz für abweichenden Gasdruck der Pistolenmunition hat. Diese Pistole braucht Munition mit ganz exakt eingehaltenem Gasdruck. Über die bekannten Probleme mit der Sicherung und dem fehlenden Spannabzug brauche ich mich nicht auszulassen.
    - P 38: Problemlos in Handhabung und Zuverlässigkeit, verdaut nahezu jede Art von Munition des Kaliber 9 x 19 mm. Ein Kritikpunkt ist der Magazinwechsel. Das Magazin fällt nach Betätigen des Magazinhalters nicht von selbst heraus, was beim schnellen Magazinwechsel Zeit kostet. Aber das ist wahrscheinlich eher ein Problem beim Einsatz dieser Pistole in "zivilen" Combat-Situationen bei der Polizei. Ich denke, das längere Feuergefechte mit der Pistole im Kriege die große Ausnahme darstellten. Die Pistole war eine Waffe für den Notfall.

    Grüße
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    Quote


    Ich denke, das längere Feuergefechte mit der Pistole im Kriege die große Ausnahme darstellten. Die Pistole war eine Waffe für den Notfall.

    der Kampfsatz umfasste zwei Magazine, auch das begrenzte die Länge eines Gefechts etwas.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Gemeinde,

    ein Thema das mich auch schon lange beschäftigt.

    War die P08 nun Statussymbol für altgediente Offiziere?

    Oder bekam ein im Schnelllehrgang hergestellter Leutnant,

    zwangsläufig eine P38?

    Vielleicht kann da ja mal ein Kenner was rauslassen,

    was einen P08 Träger von einem (modernen P38 Offizier) unterscheidet.

    Ich freue mich über dieses Thema.

    Danke Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Hallo Ralph,


    die P08 war eine der meistgebauten Pistolen überhaupt und so war die Chance recht hoch, eine solche als dienstlich ausgegebene Schusswaffe zu erhalten.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • War die P08 nun Statussymbol für altgediente Offiziere?

    Oder bekam ein im Schnelllehrgang hergestellter Leutnant,

    zwangsläufig eine P38?

    Vielleicht kann da ja mal ein Kenner was rauslassen,

    was einen P08 Träger von einem (modernen P38 Offizier) unterscheidet.



    Guten Abend,


    Zur Frage, wer welche Pistole trug, sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Wehrmacht gerade bei Pistolen viele Beutewaffen übernahm bzw. diese in besetzten Ländern weiter fertigen ließ. Wenn wir nur die Faustfeuerwaffen im Kaliber 9 x 19 betrachten, besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Wehrmachtssoldat weder P 08 noch P 38, sondern eine andere Waffe trug. Das Verhältnis deutscher Pistolen ( 08 / P 38) zu „nichtdeutschen“ lag in dieser Kalibergruppe bei etwa 1,6 zu 1, also gut 40 % der Pistolenträger dürften eine nichtdeutsche Waffe geführt haben.


    Wenn wir die wichtigsten Beutewaffen im Verhältnis zur 08 und zur P 38 betrachten, ergibt sich folgendes Bild (ausgehend von den Fertigungszahlen im Krieg)

    - Pistole 08 (bis Nov. 1942 – Einstellung der Fertigung): 412.898

    - Pistole 38: 1.200.000

    macht zusammen: 1.612.898 Stück.


    Dem gegenüber stehen an vergleichbaren Beutewaffen im Kaliber 9 mm Parabellum:

    - die belgische FN HP (P.640 b): 319.000

    - die polnische Radom (P.35 p): 380.000

    - die alte österreichische Steyr (P.12 ö): 300.000

    insgesamt: 999.000 Exemplare.


    FN und Radom waren mit der deutschen Pistole 38 gleichwertig und der 08 überlegen, wobei die FN mit ihrem 13-Schuß Magazin über deutlich höhere Feuerkraft verfügte. Beide Waffen wurden problemlos in Frontverbänden verwendet, die FN z.B. in großer Anzahl bei der Waffen-SS.

    Die Steyr war eine österreichische Pistole des 1. Weltkriegs, die nach dem Anschluß 1938 in großen Stückzahlen verfügbar war und daher auf Kaliber 9 x 19 umgebaut wurde. Sie hatte kein herausnehmbares Magazin, sondern wurde von oben mit Ladestreifen geladen, was ihre Verwendbarkeit einschränkte. Bei Fronteinheiten dürfte diese Waffe daher selten gewesen sein, sie war sicher eher bei rückwärtigen Einheiten zu finden.


    Zahlen nach Hahn, Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933 – 1945, Band 1, S. 19 – 22.


    Grüße

    Jörg

  • Hallo,


    mir fällt hier auf, dass nur von der 08 gesprochen wird.

    Es gab derer verschieden Modelle, z. B. die Ari 08, die Marine 08, also auch Pistolen die mit Anschlagschaft/Ansatzkolben versehen werden konnten.

    Dann gab es dazu auch ein Trommelmagazin.

    Es kam also auch darauf an, bei welcher Waffengattung man diente.

    Diese fragmentarische Aufzählung dient nur der Ergänzung.


    Gruß Karl

  • Es gab derer verschieden Modelle, z. B. die Ari 08, die Marine 08, also auch Pistolen die mit Anschlagschaft/Ansatzkolben versehen werden konnten.

    Hallo,

    nach meinem Kenntnisstand wurden die "langen" 08 (Artillerie, Marine) im zweiten Weltkrieg nur noch in äußerst geringen Stückzahlen verwendet, da bis 1918 lediglich etwa 200.000 gefertigt wurden. Die ursprüngliche Verwendung der langen 08 als Karabinerersatz bei der Feldartillerie hatte sich bereits kurz nach Beginn des ersten Weltkriegs als unzweckmäßig erwiesen, die Pistolen fanden dann vor allem Verwendung bei den später geschaffenen Sturmbataillonen oder mit dem Trommelmagazin zur Sturmabwehr.
    Diese Einsatzzwecke waren aber im 2. Weltkrieg obsolet geworden, da es inzwischen die Maschinenpistolen gab. Das Trommelmagazin der langen 08 wurde ja auch gegen Ende des 1. Weltkrieges bei der ersten deutschen Maschinenpistole verwendet (MP 18 I), war allerdings recht unhandlich und umständlich zu

    Grüße
    Jörg

  • Hallo,


    Quote

    Wenn wir die wichtigsten Beutewaffen im Verhältnis zur 08 und zur P 38 betrachten, ergibt sich folgendes Bild (ausgehend von den Fertigungszahlen im Krieg)

    - Pistole 08 (bis Nov. 1942 – Einstellung der Fertigung): 412.898

    hier muß man auch die Vorkriegsproduktion berücksichtigen, viele dieser P08 dürften sich noch im Bestand befunden haben.


    Bis 1918 ca. 1,5 Millionen

    1919-1939 rund 400.000

    1939-1942 über 400.000


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,

    hier muß man auch die Vorkriegsproduktion berücksichtigen, viele dieser P08 dürften sich noch im Bestand befunden haben.

    Laut Hahn, Waffen und Geheimwaffen, befanden sich bei Kriegsbeginn 1939 etwa 330.000 Pistolen im Bestand - mit der Masse wohl 08, da mit der Auslieferung der P 38 erst ab Sommer 1939 begonnen wurde.

    Grüße
    Jörg

  • Hallo,

    die lange „Ari-8“ wurde zum Teil auch gekürzt. Ob sie dann noch in der WH genutzt wurde bezweifel ich eher. Vermutlich wurden diese Modelle schon in den Zeiten der RW ausgemustert.

    Luger - Interessierten kann ich nur das englischsprachige Fachforum http://www.lugerforum.com

    ans Herz legen, in dem sehr kompetente Mitglieder sind. Auch etliche Fachbuchautoren. Allein die FAQ-Seite ist ein Füllhorn and Informationen!


    Um zur Anfangsfrage zurück zu kommen welche die bessere Pistole war, P.08 oder P38, dann würde ich aufgrund der Zweckbestimmung als Selbstverteidigungswaffe sagen: Eindeutig die modernere P38, wegen der einfacheren Handhabung und des Spannabzugs.

    Im Schussvergleich, sprich Trefferbild, ist die P.08 besser, auch wg. des ergonomischeren Griffstückwinkels. Aber wie gesagt, bei einer Selbstverteidigungswaffe, was so eine Kurzwaffe nunmal ist, sind die Vorteile der P38 ausschlaggebend.

    Nicht zu vergessen, die P38 war seinerzeit anderen Pistolen weit in der Zeit voraus, zum Beispiel der Colt Government 1911 A1 in .45ACP

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Hallo Jörg,

    die Ladehemmungen, bzw. die Zuführprobleme bei der P.08 werden oft von den nicht nummerngleichen Magazinen verursacht. Dass die Magazine mit der Waffe nummerngleich ist kommt selten vor, da die Waffen von dem Magazinen getrennt verwertet worden sind. Es gibt Fotos, wo man riesige Kisten mit 08 sieht u d separaten Kisten mit den Magazinen. Die feinen Fertigungs-Nuancen verschiedener Serien reichen oftmals schon aus diese Störungen zu verursachen. Es liegen ja oftmals 10-20 Fertigungsjahre zwischen den Mix n‘ Match Pistolen und Magazinen. Zum anderen wurde die P.08 für die Patrone 9mm Parabellum entwickelt, Kegelgeschoss, dass sich von der heutigen verwendeten 9x19 NATO, bzw 9 Para , 9mm Luger, unterscheidet. Die 9x19 ist viel zu brisant geladen, das Kniegelenk wird das nicht verzeihen. Auch wie Du schon richtig erwähnt hast, sind die Gasdrücke unterschiedlich. Die in D erhältliche Lapua-Munition ist gut geeignet, aber auch Winchester (White box) 9mm Luger mit dem 115grain Geschoss. Wohl nicht überall in D erhältlich, zumindest nicht bei Frankonia. Habe den Eindruck, dass schwerere Geschosse nicht vorteilhaft sind.

    https://www.cheaperthandirt.co…n/9mm-luger-parabellum.do


    In den USA wird von Luger-Enthusiasten die „Winchester WhiteBox“ empfohlen.


    Just my 2 cents.

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Hallo,


    ich hatte mir meiner 08 noch nie Ladehemmungen, allerdings wie von Andreas beschrieben mit 9 mm Lapua Munition. Man muss das Magazin sorgfältig und gleichmäßig füllen. Der starke Federdruck kann zu Verkantungen der Patronen führen. ( Habe zwischen Zuführer und Magazinlippen beim Zurückschnappen des Zubringers am Daumen schon eine offene Blutblase bekommen.)

    Allerdings ist mir die 08 zu schade um oft mit ihr zu schießen...konkret..seit Jahren nicht mehr.


    Gruß Karl

  • Grüß Dich Andreas,


    ziemlich genau getroffen - die lange 08 (Ari, Flieger, aber auch bei der Infanterie, bei Sturmkompanien und in Jägerbataillone im 1.Wk verwendet) war im 2. Wk nur in geringer Stückzahl im Einsatz. Die meisten Exemplare wurden 1917 angefertigt: 137.500 Stück.


    https://www.waffensammler-kura…08/geschichte-lange08.htm


    Servus


    Wolfgang