Fragen zum Vorhaben Start von A4 ("V2") vom Schwimmkörper aus - Gab es tatsächlich Schleppversuche mit dem U-Boot U 1063 - hat wer Quellen zur technischen Beschreibung des Vorhabens ?

  • Hallo in die Runde,


    vielleicht kann mir jemand von Euch mit Hinweisen zu Recherche-Quellen weiterhelfen. Mich würden nähere Angaben zu der gegen Kriegsende noch geplanten Einsatzmöglichkeit des Aggregat 4 / "V2" zum Start von Schwimmkörpern ( auch als Schleppkörper benannt ) aus für Angriffe auf die amerikanische Ostküste interessieren. Leider habe ich bisher hierzu keinen Hinweis auf Erst-Quellen finden können. Vielleicht hat sich ja jemand aus der Runde schon mal damit befaßt und könnte Auskunt geben. Danke.


    Mich würde zum Beispiel interessieren:

    - Wann waren die Versuchsfahrten mit Schwimmkörpern und mit was als Versuchs-Körper ?

    ( es soll sich um U 1063 gehandelt haben ( Typ VII C / 41 ) . Gegen Ende 1944 war es noch im Einsatz, lt. U-Boot-Archiv wurde es erst am 15.4.45 im Ärmelkanal versenkt. Wäre also denkbar, denn nach diesen Versuchs-Schleppfahrten soll im Dezember 1944 ein Auftrag an die Vulkan-Wert in Stettin zum Bau von drei Schwimmkörpern erfolgt sein. Kriegsbedingt sollen diese aber nicht mehr abnahmefertig geworden sein.. )


    - wie hätte die Startvorbereitung des A4 erfolgen sollen ? ( Im Einsatzgebiet sollten wohl im Heck des Schwimmkörpers Ballasttanks geflutet werden, wodurch sich der Schwimmkörper aufgerichtet hätte. Alles weitere wie die Betankung, das Durchprüfen des Geräts u.s.w. , Personalbeadarf etc. sind bisher nicht benannt.. )


    - wie war die Lagerung und die Betankung mit den Treibstoffen vorgesehen ?


    - Kann jemand zum Decknamen für diese Entwicklung etwas konkretes mitteilen ?

    ( Es wurde in der jüngeren Vergangenheit wohl einmal mit "Schwimmweste" in Verbindung gebracht, doch "Schwimmweste" bezieht sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine ähnliche Entwicklung mit der Fla-Rakete "Wasserfall"... )


    - hat jemand das Buch "Waffen und Geheimwaffen Band 2" von Herrn Hahn vorliegen und könnte mir sagen, ob darin etwas (handfestes) zum Thema enthalten ist ? ( In der Buchvorschau im web konnte ich dazu nichts erkennen. .) Das Buch würde ich mir dann über Ferneihe beschaffen..


    Mit herzlichem Dank im Voraus und einen schönen Advents-Sonntag

    wünscht Euch

    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Lothar,

    ich danke Dir für die Links, der erste ist ja schon mal umfangreich und bietet ein paar Literatur-Quellen.

    Interessant, zum U 1063 beinhaltet er ein paar Details, allerdings wird dort nicht von einer Versenkung wie im U-Boot-Archiv - Eintrag zum Boot berichtet.


    Die Zeichnung im wiki-Beitrag ist ja leider ohne Quellenangabe.. Auf den ersten Blick fällt mir aber schon auf, daß dies von Seiten der Treibstoff-Komponenten so "noch nicht der letzte Entwutf" sein kann..


    Es bleibt spannend. Vielleicht findet sich noch ein Hinweis auf Erstquellen..

    Gruß MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Beate,

    interessanter Hinweis, das sind einige gute Stichworte dabei, mit deren Hilfe ich in den German Dokuments suchen kann. So müßte ja was in diesen Erstquellen zu finden sein. Herzlichen Dank!


    Hallo Manfred,

    auch Dir herzlichen Dank. Die A4-Fibel kenne ich.


    Mit freundlichen Grüßen

    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo MunaLisa,

    Zur Ausgangsfrage wurde U1063 für Schleppeversuche eingesetzt:

    Das Boot wird genannt http://dubm.de/wunderwaffen/ :

    "Mit dem gerade in der Ostsee bei der 5. U-Boot (Ausbildungs-) Flottille Stettin in Ausbildung befindlichen Typ VII C/ 41 U-Boot

    U 1063 gab es dann zum Jahreswechsel 1944/45 tatsächlich einen erfolg-reichen Schleppversuch mit einem Behälter."

    Leider ist im Text nicht erkennbar auf welcher Quellenangabe die Aussage basiert.

    und bei

    Joachim H.Rudek (Rostock 2002)
    "Peenemünde 1942 bis 1945. „Die Projekte „Ursel“ und „Schwimmweste“ und deren Folgen

    bei Rudek werden für die Schleppversuche der Deckname "Schwimmweste" genannt.


    Bei der Datenbank "duikboot" https://historisches-marinearchiv.de/projekte/duikboot/eingabe.php?active_duik=result gibt es für den Zeitraum 10-12 1944 die Bezeichnung "Versuchsboot" die Versuche fanden vor Aarhus und Rönne statt.


    Grüsse

    Beate

    „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

  • Servus,


    aus dem Luftarchiv.de folgendes:


    Projekt 'Schwimmweste' - Schiessen mit der A4 von See aus


    Direktor Lafferenz von der Deutschen Arbeitsfront hatte durch praktische Versuche nachgewiesen, dass ein U-Boot bis zu drei größte tauchfähige Schwimmkörper schleppen konnte. Mit U 1063 wurde der Unterwasserschlepp erprobt und zeigte nur minimale Probleme. Dadurch entstand die Frage, ob es möglich sei, in diesen Schwimmkörpern A 4-Raketen mitzuführen. Der Gedanke war, diese Raketen aus den Tauchbehältern zu starten. So entstand 1943 ein weiteres Projekt. Die Transport- und Verschussbehälter sollten eine Länge von 37 m und einen Durchmesser von 5,5 m haben. Bei der Größe sprach man von der enormen Wasserverdrängung von 500 Tonnen. Nach Erreichen des Zieles wäre das Heck geflutet worden und der Schwimmkörper hätte senkrecht gestanden und ca. 5 Meter aus dem Wasser geragt. Auf einer kreiselstabilisierten Plattform wäre das A 4 betankt und überprüft worden. Die Stromversorgung sollte durch das U-Boot erfolgen. Kurz vor dem Start hätte die Bedienermannschaft den Behälter verlassen. Das Startsignal wäre vom U-Boot aus gegeben worden. Auf dem Startweg innerhalb des Schwimmkörpers beabsichtigte man das A 4 in Schienen zu führen und den Gasstrahl über eine Schurre um 180° umzulenken, so dass er nach oben austreten konnte. Für die Fahrt über den Atlantik berechnete man bei 12 Seemeilen Geschwindigkeit zum geplanten Ziel (USA) etwa 30 Tage. Vorgesehen waren die sog. Elektro-U-Boote vom Typ XXI. Die Antriebstoffe wie flüssiger Sauerstoff und Äthylalkohol hätte man in den Schwimmkörpern neben der Rakete mitgeführt. Der Verlust an flüssigem Sauerstoff währen der Anfahrt wäre durch entsprechend große Tankbehälter auszugleichen gewesen. Das Projekt sollte in Verbindung mit der Stettiner Vulcanwerft erarbeitet werden. Noch am 9. Dezember 1944 fand bei der Waffen-Prüfabteilung 10 (Raketen) des Heereswaffenamtes eine Umfangreiche Besprechung statt. Bis Ende März 1945 sollten dann die Voruntersuchungen abgeschlossen sein. Im Februar 1945 wurde Peenemünde aber bereits geräumt. Auch die von der Werft begonnenen Muster konnten nicht mehr fertig gestellt werden.


    Auf der Seite ist auch eine Zeichnung zu sehen.


    Im Foren secretprojects.co.uk und hidden-places.de gibt es auch noch Infos.


    Im Buch Medical Disaster Response: A Survival Guide for Hospitals in Mass Casualty... steht ebenfalls etwas über das Projekt.

    Gruss, Holger

    Edited once, last by Sunninger ().

  • Hallo Beate,

    interessante Verweise auf Veröffentlichungen. Da lohnt es sich, bei den Autoren nach deren Quellenlage nachzufassen.. ( Kontaktmöglichkeit bereits ermittelt und bereits aufgenommen ;-) ) Ich danke DIr.


    Hallo Sunninger,

    auch an Dich ein Dankeschön für die Hinweise. Interessant zu sehen, wer im Lauf der Jahrzehnte hierzu schon alles publiziert hat. Ein Hinweis auf Erstquellen ist aber auch im Buch nicht enthalten..


    Insgesamt betrachtet..

    Allgemein ist interessant, wie in Foren offenbar gerne "voneinander abgeschrieben" wird, ohne daß sich der Informationsgehalt erhöht oder Details konkretisiert werden. Ein Hinweis auf Quellen fehlt in fast allen Fällen..


    Wenn ich bei den Autoren einen HInweis auf belastbare (erst-) Quellen erhalte, teile ich dies gerne mit.


    Mit freundlichen Grüßen
    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo,

    im Ergebnis weiterer Recherchen läßt sich eindeutig sagen, daß der Deckname "Schwimmweste" nicht für das Vorhaben mit Schleppkörpern für den Transport und den Start von A4 auf hoher See verwendet wurde, sondern für Startversuche der Fla-Rakete "Wasserfall".

    Der Deckname "Prüfstand XII" ist jedoch zutreffend.

    (Quelle: drei Protokolle von Besprechungen in Pee mit hochrangiger Teilnehmer-Riege um den Jahreswechsel 1944 / 45. Bestand DG Deutsches Museum, Archiv, München und BA / MA, Freiburg.


    Danke an alle, die mir bei der Klärung behilflich waren.

    MfG MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo MunaLisa,

    Danke für die Information zu "Schwimmweste" .

    Da explizit der Deckname für Startversuche der Fla-Rakete "Wasserfall" steht,

    geben die Protokolle Hinweise für Unterwasser-starts der Rakete?


    Grüsse

    Beate

    „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana