Persönliche Mitarbeiter von Offizieren & Generälen

  • Hallo an alle,


    Hoffentlich habe ich hier das richtige Unterforum gefunden.

    Mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage was für Mitarbeiter den diversen Offiziers- und Generaldiensträngen zustanden.

    Ich habe mir hierfür die Gliederungen von Divisionen und Regimentern angesehen. Leider habe ich dazu nichts finden können.

    Lediglich Adjutant etc.


    Gab es eigens zugeteilte Mitarbeiter für Bedürfnisse des täglichen Lebens eines zB Divisionskommandanten?

    Fahrer, Leibwächter, "Diener", ..?



    Und wie sah es "daheim" aus? (Im Film "Rommel" zB sieht man, dass das Haus von Erwin Rommel von recht vielen Soldaten bewacht.)

    Entspricht dies der Tatsache? Hat die Wehrmacht dutzende Soldaten, Adjutanten, Diener, etc. bereitgestellt?


    Gibt es dazu idealerweise auch eine Übersicht?


    Vielen Dank für allen Input.




    Liebe Grüße,

    Nicolas

  • Grüß Dich Nicolas,


    hier im Lexikon der Wehrmacht gibt es einige "Kriegsstärkennachweisungen" in denen genau aufgelistet ist, wie viele Soldaten


    - zu einem Divisionsstab gehörten (allerdings von 1945, also schon sehr "ausgedünnt"):

    http://www.lexikon-der-wehrmac…riedivisionen/KStN/21.htm

    Demnach hatte der Divisionskommandeur gerademal 1 Mannschaftsdienstgrad als persönliche Ordonanz.


    - der Oberbefehlhaber einer Armee und sein Generalstabsschef hatten zusammen 2 Ordonanzoffiziere und 2 Mannschaftsdienstgrade als persönliche Ordonanzen:

    http://www.lexikon-der-wehrmac…rungen/Armeen/KStN/11.htm

    Zusätzlich wohl auch einen Kraftfahrer.


    - Gerade in einem Bewegungskrieg sind höhere Stäbe natürlich auch mögliche Angriffsziele. So hatte das Armeeoberkommando (AOK) eine "Stabswache" mit 26 Mannschaftsdienstgraden und natürlich waren auch alle anderen Soldaten des AOK bewaffnet.


    - Rommel war laut Gregors Beitrag vom 14.08.2014 mindestens einmal Ziel eines Kommandounternehmens:

    "In Paul Carells Buch "Die Wüstenfüchse", schreibt er von einem Kommando Unternehmen am 17.11 41 auf das ehemalige Hauptquartier Rommels in Beda Littoria. Der Führer des Kommandos war ein Major Keyes."

    Britische Kommandos während des Afrikafeldzuges


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo miteinander!


    Haltet mich nun bitte nicht für kleinkariert, aber mir stößt der Begriff "Divisionskommandant" etwas auf.

    Kommandanten sind meines Wissens nach Befehlshaber über Liegenschaften, Schiffe oder Flugzeuge.

    Du redest in diesem Fall wohl von "Divisionskommandeuren".


    Nichts für ungut und neugierig bleiben!


    Christian

  • Hallo Bernhard_63,


    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Das war genau wonach ich gesucht habe :-)


    jonny3/141

    Danke für die Info. Das war mir so nicht bewusst.


    Liebe Grüße,

    Nicolas

  • Moin Christian,


    auch bei Schiffen gibt es Kommandeure -sofern es sich um einen Verband, ein Geschwader, eine Flotille o.ä. handelt. Z.B. Kommandeur des 3. Minensuchgeschwaders (in dem wiederum so einige Kommandanten tätig sind) ;).

    Bei der Differenzierung Kommandeur-Kommandant geht es eher um Befehls- bzw. hierarchische Strukturen.


    Das zur Ergänzung.


    LG und schönes WE

    Justus

  • Hallo Justus, Hallo zusammen!


    Danke für deine Ergänzung.

    Nun hab ich auch wieder etwas gelernt. :-)


    Viele Grüße

    Christian

  • Schönen Guten Abend,


    grundsätzlich galt bei Kriegsbeginn das ab dem Dienstgrad Oberst eine Persönliche Ordonanz im Mannschaftsdienstgrad zustand war auch so in der Kriegsstärkenachweisung abgebildet. Im laufe des Krieges wurde der Dienstgrad auf Generalmajor erhöht. Im Friedensheer gab es das jedoch nicht!!!!!!!!!!!!!!

    Auch viele Einheitskommandanten habe sich einen Melder oder eine Ähnliche Funktion als Persönliche Ordonanz auserkoren.

    Mache hatten nicht immer Glück so schreibt Obst Wagener später Heeresnachschubführer in seinem Tagebuch das er einen sehr frechen Berliner als Persönliche Ordonanz zugeteilt bekam mit der kam er anfangs nicht zurecht.


    Grüße

    Ralf

  • Guten Tag,


    bin noch etwas im Zweifel, ob das Thema damit abgehandelt ist, formal sicherlich.


    Wie sind denn eigentlich Fahrer (Putzer?) einzuordnen, die Offizieren zur Verfügung standen?


    Beste Grüße,


    Dieter

  • Schönen Nachmittag,


    um ein bisschen zu Schmökern würde ich empfehlen ihr sehr einmal hier nach: http://www.wwiidaybyday.com/

    Unter den Kriegsstärkenachweise hat Christoph die Originale des Bundesarchivs in Freiburg Bildlich umgesetzt. Dort sind z.B. alle KStN die zu Kriegsbeginn galten und in Freiburg liegen bearbeitet.

    Vielleicht beantwortet das einige Fragen.


    Grüße

    Ralf

  • Hallo zus.


    da will ich doch meinen Senf dazugeben was ich so in Erinnerung aus Gesprächen und Berichten habe.


    Fahrer:

    Vor ca. 10 Jahren habe ich einen Fahrer von Erwin Rommel kennengelernt, Hellmuth von Leipzig (RK 1945).

    Er ist auf Fotos zu sehen wie er hinter dem Steuer eines Kfz.15 oder Kfz.21 mit Rommel u.a. Offizieren sitzt.

    Allerdngs war er nicht der einzige Fahrer von Rommel, warum, wann auch andere fuhren weiss ich nicht,

    und konnte so detailiert auch nicht bei von Leipzig erfragen.


    Putzer, Burschen:

    Soweit ich weiss hatten bereits Unteroffiziere und Feldwebel z.T. einen "Burschen" oder "Putzer".

    Ich denke nicht, dass dieser Soldat bei diesen Dienstgraden ausschließlich für seinen Vorsetzten da war, sondern bei "Bedarf".

    Bei Offizieren war es eher fest zugeteilt meine ich, ohne jetzt in die Recherche-Tiefe einzufallen.


    Im Osten wurden ab 1941 oftmals auch "Hiwis" für solche Rollen verwendet. Mein Großvater hatte als Unteroffizier ab Sommer 1942 einen.

    Mir erzählte mein Großvater, dass er seinen "Pjotr" schätzte und gut behandelte da er immer zuverlässig war.

    Im Untergangsstrudel von Brody Juli 1944 verschwand Pjotr spurlos.


    Dies soweit.

    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • Hallo,

    mein Vater hatte als ZgFhr in einer Nachschubkompanie(K) einen Hiwi als Burschen bis zu seiner Abkommandierung nach Südnorwegen.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Tag ans Forum,


    man sollte wohl zwei Möglichkeiten unterscheiden:


    -erstens die offizielle nach amtlichen Stärkenachweisen; hier stand einem Divisionskommandeur eine persönliche Ordonnanz im Mannschaftsdienstgrad

    und ein persönlicher Ordonnanzoffizier zu. Weitere Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere mögen zwar auch wie Ordonnanzen "dienstbar" gewesen sein, aber es waren

    keine weiteren persönlichen Ordonnanzen,sondern anderweitige Mitarbeiter des Stabes oder anderer Organisationseinheiten, die wie Ordonnanzen in Anspruch

    genommen werden konnten.


    -zweitens die inoffiziellen Ordonnanzen, von ZAG zutreffend als Burschen und Putzer bezeichnet, frei nach dem Motto: "Mein Mann ist Obergefreiter, aber gut zu seinen

    Leuten." Vielfach wurden Angehöriger von Ostvölkern als "Privatordonnanzen" verwendet oder ließen sich als solche gerne einsetzen, weil es für sie von Vorteil

    sein konnte.Auch deutsche Soldaten waren privat angeheuerte Ordonnanzen, weil es auch für sie vorteilhaft sein konnte, z.B. besseres Quartier, weg aus dem

    Graben o.ä.


    Letztlich bleibt festzustellen, dass offizielle persönliche Ordonnanzen gemäß einem amtlichen Stärkenachweis selbst für Kommandeure

    rare Mitarbeiter waren. Wobei die Betonung auf offiziell und persönlich liegt.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Guten Abend,


    Danuser : Es war nicht die Funktion die Ausschlaggebend war es war der Dienstgrad!

    Wie oben geschrieben b.z.w. wie man aus den Stärkenachweisen erkennen kann so stand ab dem Dienstgrad Oberst eine Persönliche Ordonanz gemäß KStN zu.

    Später wurde der Dienstgrad auf Generalmajor erhöht, ca. 1942.


    Schönen Abend noch.


    Grüße

    Ralf

  • Moin,

    Nur mal als kleinen Exkurs.


    Ich war Donnerstag beim Grünkohlessen in Wietzenbruch. Der Kommandant, ein Oberst, begrüßte alle Gäste persönlich am Ende des roten Teppich. Ich war fast an der Reihe, als sich ein Kapitän zur See vordrängelte, der als Adjutant des Generalinspekteurs der Bundeswehr denselben direkt vor mich einwies. War schon ein beeindruckender Moment: Zorn eingerahmt von einem Vollkapitän und nem Marinezahnarzt:thumbsup:


    Ich war auch beeindruckt, dass sein Adju so hochrangig war.


    Lg und schönen 2. Advent

    Justus

  • Ich war auch beeindruckt, dass sein Adju so hochrangig war.


    Hallo Justus,


    die "hochrangigen" Adjus hießen bei uns immer "Zigarrenabbeißer"; war ein wenig despektierlich

    (und vielleicht war auch eine Portion Neid dabei), denn das war ein Karrieresprungbrett und die

    Folgeverwendung war i.d.R. Kommandeur einer Brigade (und da gibt es ja nun nicht mehr so

    viele in der Bw).


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)