Kampfgeschwader 76-Fw Walter Reiske

  • Hallo!

    Ich forsche seit einigen Jahren nach meinen Vorfahren in Hinterpommern. Am 06.05.2015 bin ich im Internet "http://forum.12oclockhigh.net/archive/index.php?t-7416.html" auf einen Informationsaustausch gestoßen, den ich mir zwar ausgedruckt, zunächst aber nicht weiter verfolgt habe. Es handelte sich um die Frage nach dem Abschuss eines Jagdbombers am 10.05.1940 in der Nähe von Fontaine-les-Vervins in Frankreich bei Moranes (GC II/2). Bei der Besatzung wurden genannt: Fw Walter Reiske, Fw Heinrich Sedlak, Fw Ernst Brauer und Gefr Karl Fritz. Die Crew wurde gefangen genommen und ins Gefängnis gebracht.

    Vorangestellte Zahlen bzw. Buchstaben stellen für mich Hieroglyphen dar: "The DO-17Z F1+DR of 7./KG76 was shot down..."


    Ich bin auf der Suche nach einem Walter Erich Reiske *10.05.1917 in Felstow, Kr. Lauenburg/Pommern. Er war der Lebensgefährte meiner Großmutter Helene geb. Rettke und Vater ihrer unehelichen Kinder. Ob es sich um den o. g. Walter Reiske handelt, weiß ich nicht. Er galt längere Zeit um 1938 als vermisst (lt. Kirchenbucheintrag Ev. Ki. Schurow/Kr. Stolp/Pom, Taufen 1937/61 u. 1938/69), hat dann aber lt. Standesamtseintrag Nr. 109/1943 StA Weimar I. am 31.03.1943 geheiratet (aber nicht meine Großmutter). Des weiteren konnte ich als letzten Wohnort für Walter Reiske Selm in NRW ermitteln (Todesdatum lt. Altstadtfriedhof Selm: 22.03.2003). Leider habe ich ihn nicht mehr kennen lernen können. Über seinen Lebensweg außer den genannten Daten konnte ich bisher nichts weiter herausfinden. Für meine Oma war er tot, sie hat 1945 einen anderen Mann geheiratet und den Vater ihrer Kinder stets verschwiegen, allerdings war sie bis ans Lebensende mit der Schwester Hildegard geb. Reiske eng befreundet (die aber ebenfalls verschwiegen war bis an ihr Lebensende).


    Meine Hauptfrage ist: Kann man aufgrund dieser Hinweise ermitteln, ob es sich bei beiden Walter Reiskes um ein und dieselbe Person handelt bzw. wo könnte man mit weiteren Nachforschungen ansetzen.


    Vielen Dank!

    Ursula Spandler-Bußmann

  • Hallo!


    Ich habe mich inzwischen ein wenig durch die Beiträge hier gearbeitet und viele interessante Aspekte gefunden. So konnte ich mir bisher nicht vorstellen, dass 20jährige oder sogar Jüngere bereits Flugpiloten waren. Somit besteht nun zumindest die theoret. Möglichkeit, dass der Flugzeugpilot Fw Walter Reiske mein gesuchter (*1917) sein könnte.

    Den zu seiner Crew gehörenden Fw Heinrich Sedlak, der mit über Frankreich abgestürzt war, habe ich ebenfalls gefunden, er war *22.11.1919 und starb den Fliegertod am 01.07.1941 in Rußland (Kuban Fluß) - lt. http://www.kriegstote.org (sogar mit Foto). Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Oberfeldwebel und Bordfunker im Kampfgeschwader KG 76. Die Todesnachricht bekam die Familie übrigens lt. Anmerkung erst nach 11 Jahren am 02.09.1952. Über die beiden anderen konnte ich nichts weiter herausfinden...


    Außerdem kann ich nun die "Hieroglyphen": DO17Z F1+DR of 7./KG 76 entschlüsseln: Dornier 17 Z Kampfgeschwader 76, III., 7. Staffel. Ab dem 01.09.1939 war dieses Kampfgeschwader am Polenfeldzug beteiligt (von Flugplatz Zipers-Neudorf). Weitere Fliegerhorste waren anschl. Baltringen, Schwäb. Hall, Nidda, wo der Westfeldzug vorbereitet wurde; im Mai waren sie auf dem Fliegerhorst Bonn-Hangelar stationiert und starteten in den Westfeldzug und am 10.05.1940 gehörte das Flugzeug zu den ersten abgeschossenen.


    Das Kampfgeschwader KG 76, III. konnte ich gut weiter verfolgen: Angriffe auf England, Beteiligung am Rußlandfeldzug - wo o. g. Sedlak starb - ob die Crew zusammen geblieben war, konnte ich bisher aber nicht heraus finden, jedenfalls tauchen die anderen nicht in den Listen der Toten auf.

    Ob Reiske dann an den weiteren Feldzügen (Griechenlad/Kreta - Mittelmeerraum und schließlich Westfronteinsätze des gen. Geschwaders) teilnahm, konnte ich ebenfalls bisher nicht feststellen. Sowohl die Einsatzorte als auch die häufig wechselnden Flugplätze und die Flugzeugtypen konnte ich gut eruieren.


    Nun habe ich mich entschlossen, das WAST anzuschreiben.


    Viele Grüße!

    Ursula (Spandleru)

  • Guten Abend Ursula,


    erstmal ein herzliches Willkommen im Forum.:)


    Ich werde deinen Thread ins Sub Einheiten der Luftwaffe verschieben, macht Sinn, oder?


    Dort dürfte eher eine Antwort zu erwarten sein als im "angestaubten" Archiv.


    Viel Erfolg wünscht

    Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Ursula,


    > Über die beiden anderen konnte ich nichts weiter herausfinden.

    Der Beobachter, Uffz. Karl Fritz (* 4.10.1919 in Bernkastel - Anm.: Fritz ist der Familienname) ist am 27.10.1940 über der Südküste von England (über See) gefallen.

    Seine Leiche wurde am 15.12.40 bei Felixtowe angespült, gefunden, geborgen, identifiziert und bestattet.

    Er ist in Felixstowe (GB) auf dem "New Cemetery" enbestattet.

    Er gehörte am 27.10.40 noch zur 7./KG 76. Am 10.5.40 war Uffz. Fritz noch Gefreiter, in der Zwischenzeit aber zum Unteroffizier befördert.


    Nun zum "Pudels Kern". Ich habe da noch einen:

    Oberleutnant Walter Reiske

    in meinem Datenbestand, gefallen am 21.1.1944 als Flugzeugführer bei Waterloo, Brüssel, Belgien und endbestattet auf der Kriegsgräberstätte Lommel/Belgen.

    Er gehörte bei seinem Tod zur Flugbereitschaft, Lg.Kdo. Belgien-Nordfrankreich und wurde mit zwei Mitfliegern bei einem Routineflug von patrouliierenden Feindjägern in einer Focke Wulf Fw 58 "Weihe" tödlich abgeschossen.

    Dummerweise hat dieser Walter Reiske aber das Geburtsdatum: 12.4.1912

    Dieser Walter Reiske könnte aber durchaus identisch sein mit jenem am 10.5.40 notgelandeten Piloten der 7./KG 76 !


    Es ist durchaus üblich, dass Kampfflieger nach längerem Feindeinsatz auf einen (vermeintlich) "ruhigeren" Posten (hier: zu einem Kurier- und Vebrindungsverband) versetzt wurden, Auch die "Karriere", d.h. Mai 1940 noch Feldwebel, Anfang 1944 dann Oberleutnant, ist nicht ungewöhnlich.


    Es ist davon auszugehen, dass alle 4 Kriegsgefangenen vom 10.5.40 nach dem Waffenstillstand mit Frankreich am 25.6.40 wieder zur Luftwaffe zurückkehrten.

    Nur wenige gefangene Offiziere wurden im Westfeldzug (gefangen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich) nach England - und später weiter nach Kanada - überführt.


    Dummerweise habe ich aber zur Besatzung vom 10.5.40 NICHT die "Namentliche Verlustmeldung" (NVM) der III.Gruppe, KG 76, in der die hier nötigen Personaldaten der Besatzung vermerkt sind.

    Die Akte wurde angelegt, weil die Besatzung ja zunächst als "vermisst" galt.

    DIe NVM sollte aber bei der WASt. ( https://www.dd-wast.de/ ) in Berlin vorliegen - ein kurzer Blick des Sachbearbeiters in die Akte genügt.

    Es braucht zur Klärung der Frage:


    "Handelt es sich bei dem am 10.5.1940 bei der 7.Staffel, Kampfgeschwader 76 notgelandeten Fw. Walter Reiske um die fragliche Person mit Geburtsdatum ......?"


    keine umständliche Anforderung des "Miöitärischen Lebenslaufes" oder ähnlichen Lebenslauf-Klärungen.


    Ein solche Anfrage - mündlich oder schriftlich - an die WASt gestellt (Referat Luftwaffe), sollte schnell und ohne größere Umstände geklärt werden können.

    Nur die WASt verfügt über die notwendigen, vollständigen Unterlagen.


    Viel Glück bei der weiteren Suche,

    mit bestem Gruße,

    Uwe K.


    P.S.: ein kurze Info nach dem Gespräch mit der WASt an mich (per PN) ob der "40-er Walter Reiske" identisch ist mit dem "44-er Walter Reiske" - wäre sehr nett.

  • Moien,

    von dem Bruch dieser Do 17 gibt es Bilder und zwar in einer älteren frz. Fachzeitschrift, ist aber schon 15 Jahre her.

    h.

  • Hallo,

    die Fotos würden mich schon sehr interessieren - um welche Fachzeitschrift könnte es sich gehandelt haben?


    Viele Grüße!

    Ursula