Einsatz von Elektrikern beim R.A.D. Flak

  • Hallo,


    ich habe eine Frage zu einem Briefausschnitt den mein Schwiegeropa (Jahrgang 1927) von den ersten Ausbildung bei beim RAD Flak geschrieben hat:


    >>> Berlin Glienicke, d. 9.6.44

    .. Heute haben wir das erste mal Ausbildung gehabt. Bei der Flack werden Elektriker sehr gesucht.

    Ich bin in der Umwertung. Das ist sehr verantwortlich. Papa kann Dir ja sagen was das heißt. <<<


    Was bedeutet in diesem Zusammenhang Umwertung und was waren typische Tätigkeiten von Elektrikern?


    Vielen Dank im Voraus!

    Alexander

  • Hallo Alexander,


    jetzt muss wohl doch der gelernte Elektroingenieur mit dem verzweifeltet Versuch einer Erklärung an die Front.;)

    Dazu muss man verstehn, wie die Flugabwehr-Artillerie im 2.Wk funktionierte - technisch gesehen.


    "Umwertung"

    bedeutet, dass die 3D-Zielkoordinaten von Nachbarbatterien oder von einer zentralen Feuerleitung der Flakgruppe auf die geographische Position und Höhe der eigenen Batteriestellung umgerechnet (transponiert) werden. Die Daten wurden per Fernsprechleitung übermittelt. Zur Umrechnung der Zielkoordinaten wurde eine elektro-mechanische Konstruktion namens Malsi-Gerät verwendet. Dieses setzte die Zielkoordinaten in die benötigten Werte für Richtung, Überhöhing und Entfernung um.

    Die "Umwertung" wurde benützt, wenn die eigenen Zielvorrichtungen der Batterie gestört oder ausgefallen waren, oder wenn mehrere, verteilte Batterien unter zentraler Feuerleitung auf ein gemeinsames Ziel feuerten.


    Ohne die Umwertung kamen die Zieldaten entweder vom optischen Ziel- und Entfernungsmesser, der auf das Kommandogerät 40 aufgesetzt war (Optisches Schießen), oder aus dem Flak-Funkmessgerät FuMg 62 "Würzburg" (sog. "Elektrisches" Schießen). Letzteres wurde bei Nacht oder bei Tag bei gestörter Sicht (Wolken, Rauch, Nebel, ...) eingesetzt.


    Die ermittelten Daten wurden dann in das "Kommandogerät" (ein mech. Analogrechner) eingespeist, das aus den ballistischen Größen und dem Vorhalt aufgrund der geschätzten Zielgeschwindigkeit, die notwendige Zieleinstellung (Rohr-Überhöhung und -Richtung, Auslösezeit für den Zeitzünder der Flakgranate) für die Flakgeschütze ermittelte. Neben den Zieldaten wurden vom Kommandogerät auch aktuelle Temperatur, Luftdichte und Windgeschwindigkeit verarbeitet, da diese Größen die Luftddichte und damit die Ballistik bzw. die Abdrift der Granate auf der Flugbahn beeinflussen.


    Die ermittelten Einstelldaten für die Geschütze wurden vom Kommandogerät per Leitungsverbindung (analog) an alle Geschütze (4 bis 8 ) der Batterie übertragen und auf den Zeigergeräten für die Soll-Anzeigen für Geschütz-Richtung und -Überhöhung dargestellt. Die 2 Richtkannoniere für Richtung und Überhöhung mussten die Ist-Zeiger mit den Soll-Zeigern zur Deckung bringen, bzw. beim Salventakt-Schießen auf Deckung halten wenn das Ziel auswanderte. Das Rohr wurde per Handrädern gerichtet, und war mechanisch mit den Ist-Zeigern der Anzeigen gekoppelt.


    Der Werte für die Zündereinstellung (Uhrwerk-Zeitzünder) wurde direkt an die Zünderstellmaschine am Geschütz übermittelt. Der Ladekannonier musste vor dem eigendlichen Laden die Granate "kopfüber" in die Zünderstellmaschine stecken und die Elektromechanik stellte das Uhrwerk in der Granate auf den erforderlichen Zeitwert ein. Dann erfolgte das Laden und auf Kommando des Geschützführers der Schuss.


    Eine eingespielte Geschützbedienung erreichte so eine Schussfolge (Salventakt) von 4 sek, also 15 Salven pro Minute. Bis zur Explosion der ersten Granate auf Zielhöhe (6000-7000 m + seitliche Ablage bis 10 km) befanden sich schon 3-5 weitere Granaten (pro Geschütz) auf der Reise zum Ziel.

    Die maximale Zündereinsettlung betrug knapp 30 Sekunden, entsprechend ca. 12 km horizontaler Schussweite,


    Betätigung für Elektriker

    In einer Flakstellung gab es also reichlich Schaltkäste und Kabelverbindungen.

    Daher konnte man dort Bedienpersonal mit elektrotechnischen Grundkenntnissen und Fertigkeiten gut gebrauchen.


    V. Grüße, Uwe K.

  • Moien,

    ein Verwandter war als Elektriker (17 Jahre alt) in einer RAD 10,5cm Batterie bei Ludwigshafen im Einsatz (1943-bis Kriegsende).

    h.

  • Guten Abend zusammen,


    guten Abend Uwe,

    vorab, ich habe dir einen gelben Kopf gemopst,

    Quote

    an alle Geschütze (4 bis 8 )

    zwischen der 8 und der Klammer muss ein Leerzeichen, sonst wird es zum Smily.;)

    Ein altbekanntes Problem überall...


    Aber, und das sage ich sehr selten offen im Forum, ein erstkassiger Post, eine dolle Erklärung,

    schön, dass sich jemand die Zeit für solch eine Hilfe nimmt.


    Gut so.


    Beste Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo zusammen,


    Quote

    In einer Flakstellung gab es also reichlich Schaltkäste und Kabelverbindungen.

    Daher konnte man dort Bedienpersonal mit elektrotechnischen Grundkenntnissen und Fertigkeiten gut gebrauchen.


    das ist durchaus möglich es wurde aber nicht zielgerichtet Personal mit passender zivilen Vorbildung zu den Einheiten versetzt. Es war in der Regel Zufall.


    Ein Punkt der auch zu beachten ist, das die hier angesprochenen Fernmeldetechnischen Anlagen in ortsfesten Stellungen war Sache von Luftnachrichten-Einheiten war


    Der Protagonist war an der Umrechnung von Feuerleitdaten in Feuerkommandos für die Geschütze, mit, zuständig wie von Uwe schon beschrieben.

    Hierbei war das technische Grundverständnis eines Elektriker bestimmt förderlich.


    Zum Verständnis, das "Malsi-Gerät" war eine Brunsviga mit zusätzlich Strom

    Gruss Dieter