Polizei-Truppen von 1919 - 1935 - Versuch einer kurzen Darstellung

  • Hallo zusammen,


    da die Frage zu den Polizei-Truppen in der Weimarer Zeit und ihr Übergang in die Wehrmacht 1935 aufkam, möchte ich nach und nach einige Gedanken zu ihnen einstellen.


    Die Darstellungen werden sich aufgrund der vorhandenen zeitgenössischen und auch modernen Literatur sowie Original-Quellen beziehen, die ich dann als Literatur-Tipps aufführen werde.


    Ich will das dann in vier Abschnitte aufteilen:


    1. Anfang der Weimarer Republik 1919 – 1923

    2. Phase der relative Ruhe 1924 – 1929

    3. innerer Bürgerkrieg 1929 – 1932

    4. Übergang in die Wehrmacht 1933 – 1935

    5. Neuaufbau der Polizeitruppen 1937 – 1939


    Für Debatten würde ich einen eigenen Thread aufmachen wegen der Übersichtlichkeit.


    Dieser ist hier Diskussions-thread zu den Polizei-Truppen 1919 - 1935 zu finden.



    Gruß aus München

    Marcus

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  • Teil 1


    Nach der Revolution und den direkt darauf folgenden Kämpfen, in denen zumeist Militär- und Freikorpsverbände eingesetzt wurden, begann 1919 in den Ländern des Deutschen Reiches der Aufbau von Polizei-Truppen.

    Diese wurden verschieden benannt, ich möchte hier der Lesbarkeit halber den Namen „Landespolizei“ verwenden.


    Allgemein anzuerkennen ist, dass das Personal bei Gründung dieser Polizei-Truppen durchgehend aus ehemaligen Soldaten bestand. Gelernte Polizei-Beamte wurden zur Aufstellung so gut wie nicht verwendet, da eine truppenmäßige Organisation innerhalb der Polizei vor 1919 praktisch unbekannt war.


    In der Praxis bedeutete das, überspitzt gesagt, dass in den Landespolizeien Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der „2. Wahl“ Dienst machten, da die „Besten“ in die Reichswehr übernommen wurden. Viele Landespolizei-Angehörige fühlten sich bis zuletzt von den ehemaligen Kameraden, die in der Reichswehr geblieben waren, herablassend behandelt.


    Für die Mannschaften galt, dass in der Landespolizei grundsätzlich fast nur militärisch ausgebildet wurde. Für den Übertritt in den polizeilichen Einzeldienst waren gesonderte Lehrgänge erforderlich.


    Einheitlich war allerdings grundsätzlich die 12jährige Dienstzeit bei der Polizei, wobei Militärdienst angerechnet wurde. Das bedeutete einerseits, dass das vorhandene Personal bei den geschlossenen Einheiten nicht überalterte, andererseits fehlte aber die Erfahrung. Auch hatte diese Bestimmung zur Folge, dass ab Ende der 20er Jahre im größeren Umfang Entlassungen unter Aushändigung des Zivilversorgungsscheines erfolgten.


    Prinzipiell muss davon ausgegangen werden, dass aufgrund der Aufnahmebestimmungen die militärisch eingestellten Leute deutlich überwogen haben werden. Eine Republikfreundlichkeit dürfte man bei den Wenigsten der Landespolizei-Angehörigen erwarten können.


    Der militärische Hintergrund hatte auch andere Folgen.


    Der kursierende Spruch „man schafft eine zivile Polizei nicht nur damit, dass man Kompanien in Hundertschaften und Bataillone in Abteilungen“ umbenennt, war nur zu richtig. Es soll Klagen gegeben haben, dass der Drill in der Landespolizei schlimmer gewesen sei, als in der preußischen Armee.


    In den ersten Jahren der Weimarer Republik trat die Landespolizei wie eine Armee auf und handelte teilweise auch so.


    Bekannte Beispiele hierfür sind


    • das Blutbad am Berliner Reichstag am 13.01.1920, als die preußische Landespolizei mit Maschinengewehren und Handgranaten gegen kommunistische Demonstranten vorging

    • die Befehlsverweigerung der preußischen Landespolizei, beim Kapp-Putsch im März 1920 gegen die Putschisten vorzugehen mit der Begründung, Armee schießt nicht auf Armee

    • die quasi-militärischen Operationen der preußischen Landespolizei bei der Niederschlagung des Ruhr-Aufstandes 1920 zusammen mit der Reichswehr im Anschluss daran

    • die quasi-militärischen Operationen der preußischen Landespolizei beim Mitteldeutschen Aufstand 1921

    • die quasi-militärischen Operationen der Hamburger Landespolizei beim kommunistischen Aufstand in Hamburg im Oktober 1923

    • das Verhalten der bayerischen Landespolizei beim Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923 (das nicht einfach zu beurteilen ist nebenbei gesagt).


    Rein formal gab es zwar durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages und der Militärkommission der Entente teilweise strenge Bedingungen für die Bewaffnung (z.B. ein Karabiner für drei Mann), die Geschichten, wie diese umgangen wurden, sind aber teilweise Legende. De facto herrschte bei keinem der oben erwähnten Einsätze ein Mangel an Waffen, nur Artillerie war nicht vorhanden, die wurde, wenn nötig, von der Reichswehr angefordert.


    Man kann sagen, dass mit der Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches die großen militärischen Operationen der Landespolizei zum Ende kamen.


    Literaturtipps:


    • Johannes Buder: Die Reorganisation der preußischen Polizei 1918 – 1923.

    • Peter Leßmann-Faust. Die preußische Schutzpolizei in der Weimarer Republik. Streifendienst und Straßenkampf. Frankfurt am Main 2012

    • Christian Knatz: Ein Heer im grünen Rock? Der Mitteldeutsche Aufstand, die preußische Schutzpolizei und die Frage der inneren Sicherheit in der Weimarer Republik. Berlin 2000

    • Wilhelm Hartenstein: Der Kampfeinsatz der Schutzpolizei bei inneren Unruhen. Berlin 1926

    • Jürgen Siggemann: Die kasernierte Polizei und das Problem der inneren Sicherheit in der Weimarer Republik. Fankfurt a.M. 1980



    Fortsetzung folgt.


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  • Teil 2


    De facto waren militärische Einsätze der Landespolizeien mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch beendet, was natürlich nicht vorhersehbar war.


    Die Landespolizei bereitete sich weiterhin auf den großen Kampf mit dem „inneren Feind“ vor, und damit waren durchgehend Kommunisten gemeint. Aufbauend auf die Erfahrungen des Mitteldeutschen und Hamburger Aufstandes erschien in den nächsten Jahren eine große Anzahl von Fachbüchern, die die Lehren aus diesen Einsätzen zogen und die Taktik verbessern helfen sollten.


    Es gab aber auch andere Stimmen, die bereits 1924 zu hören waren und die vom „Schießen mangels Alternative“ wegkommen wollten. So wurde das Seitengewehr als Schlagwaffe bis etwa 1927 durch den Gummiknüppel ersetzt, bei den berittenen Einheiten wurde die Stahlrohrlanze durch Knüppel und Reitgerte ersetzt.


    Die Sprache kam auch auf die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Tränengas. Dies wurde abgelehnt und kam nicht zur Durchführung. Als Begründung wurden zu erwartende Proteste der IMKK aufgrund des Verbotes für Deutschland, chemische Kampfstoffe zu besitzen angeführt, es dürfte sicherlich aber auch ein gewisser psychischer Aspekt eine Rolle gespielt haben. Auch viele Landespolizisten hatten schließlich, ebenso wie Demonstranten, nur wenige Jahre zuvor die Schrecken des Gaseinsatzes kennen und fürchten gelernt. Den Anblick, mit Gasmasken und Stahlhelm ausgerüstete Polizei-Truppen durch die Städte marschieren zu sehen, wollte auch die Polizeiführung offenbar nicht.


    In Bezug auf die Taktik im Polizei-Einsatz wurden durchaus auch heute noch als modern und zeitgemäß anzusprechende Taktiken zum Umgang mit Menschenmassen entwickelt und in der Fachliteratur verbreitet. Wie man Plätze absperrt und räumt, auch gegen Widerstand, wurde in einiger Ausführlichkeit debattiert.


    Bis zum Jahr 1928 hatte sich die Landespolizei im begrenzten Umfang modernisiert. Auch die vorhandenen Kommunikations- und Transportmittel waren als durchaus zeitgemäß modern anzusprechen.


    Wachtmeister der Landespolizei konnten nach 7 Jahren Dienstzeit nach Absolvierung eines mehrmonatigen Lehrganges in den Einzeldienst der Polizei übertreten. Ansonsten erfolgte nach 12 Jahren Dienstzeit die Entlassung.


    Literaturtipps:


    • „Die Polizei“, Zeitschrift herausgegeben von der „Freien Vereinigung für Polizei- und Kriminalwissenschaft“, verschiedene Jahrgänge, ab 1919

    • Christian Pirner: Die Stellung des Polizeioffiziers in der Polizeiverwaltung und seine Ausbildung, München 1926

    • Hsi-Huey Liang: Die Berliner Polizei in der Weimarer Republik. Berlin/ New York 1972

    • Sagerer / Schuler: Die Bayerische Landespolizei von 1919 - 1935. München 1954



    Fragen und Anmerkungen bitte hier Diskussions-thread zu den Polizei-Truppen 1919 - 1935

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  • Teil 3a


    Im Herbst 1929 beginnt die Weltwirtschaftskrise, die das Deutsche Reich besonders hart trifft.

    Die politischen Verhältnisse in der Weimarer Republik ändern sich, die (politische) Gewalt auf den Straßen explodiert.


    Die Polizei gerät zwischen die Fronten der verfeindeten politischen Lager.


    Die Landespolizeien, die den Großteil der geplanten Einsätze und auch die Überfallkommandos in den Städten besetzen, kommen vor allem ab Angang 1932 kaum mehr zur Ruhe.


    Diese Periode beginnt aus polizeilicher Sicht in etwa mit dem so genannten „Berliner Blutmai“ 1929.

    Die Beweggründe der SPD-geführten preußischen Regierung, am 1. Mai 1929 in Berlin keine Versammlungen zuzulassen, sind aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Die Leitung des Berliner Polizeipräsidiums hat jedenfalls einen Einsatz zu verantworten, bei dem bis zum 3. Mai 1929 insgesamt 33 Personen ums Leben kamen, teilweise von der Polizei in ihren Wohnungen von der Straße aus erschossen. Über Teile des Stadtgebietes wurde der Ausnahmezustand verhängt, die polizeilichen Sonderwagen fuhren, mit MG schießend, durch die Straßen.

    Die schlimmste Konsequenz aus den Ereignissen war aber wohl außer den Toten die vergiftete politische Atmosphäre zwischen der SPD und der Berliner Polizei auf der einen und der KPD auf der anderen Seite.


    Polizeitaktisch wurden in der Fachliteratur wieder die Rufe nach Tränengas laut. Nachdem bei den Unruhen durch die Polizei auch Wasser in Form von an Hydranten angeschlossene Schläuche zum Einsatz kam, wurde auch ein „Wasserspritzwagen“ gefordert. Dieser erste Wasserwerfer wurde 1930 bei der Berliner Polizei eingeführt, bleib jedoch in Preußen ein Einzelstück. Weiterhin nachweisen lässt sich lediglich anhand eines Fotos noch ein Wasserwerfer bei der Münchner Polizei. Belege für tatsächliche Einsätze der beiden Fahrzeuge finden sich aber nirgendwo.


    Auf polizeitaktischem Gebiet kommt ab ca. 1931 die Schriftenreihe „Einzelfälle aus der Polizeiverwendung“ durch das Preußische Polizei-Institut zur Veröffentlichung. Das Institut, zentrale Offiziers-Schule der preußischen Polizei, schildert darin tatsächliche Einsätze der Polizei aus der Vergangenheit und gibt dazu eine Lehrmeinung ab. Diese besteht in der Regel aus den Lehrsätzen „rechtzeitige Lagebeurteilung und angemessene Reaktion“, „ausreichende Kräfte“ und „(rechtzeitiges) entschlossenes Handeln erspart Blutvergießen“.

    Ganz klar ist für das Institut, dass der Schusswaffengebrauch zu den Einsatzmitteln gehört und in letzter Konsequenz angewandt werden soll und muss.

    Interessanterweise spielen die vorgestellten Fälle oft in deutschen Kleinstädten mit nur wenigen tausend Einwohnern und ohne eigene Landespolizei-Garnision. Die Landespolizei kam hier oft geplant unterstützend oder auch dringend um Hilfe ersucht zum Einsatz. Man reagierte mit solchen Schriften offensichtlich auf die Taktik von NSDAP und KPD, auch die kleineren Städten mit ihren politischen Veranstaltungen mehr und mehr in den Blick zu nehmen. Die dortigen kleinen Polizei- und Gendarmerie-Dienststellen waren auf eine solche Lageentwicklung weder personell noch ausbildungsmäßig vorbereitet, in solchen Städten befanden sich nur eine sehr kleine Anzahl von Beamten.


    Das Jahr 1932 als das große Krisenjahr wird für die Polizei zur Belastungsprobe.


    Personell muss beachtet werden, dass die Personalstärke der Polizei im Deutschen Reich durch die IMKK nach oben hin begrenzt war. Offiziell aus Kostengründen wurden bei den meisten Ländern die Landespolizei-Verbände im Laufe der Zeit auch reduziert. So sank zum Beispiel die Zahl der in München vorhandenen Hundertschaften von 28 im Jahr 1923 auf gerade noch 16 Ende der 20er Jahre. Die Bayerische Landespolizei wurde bis Ende der 20er Jahre etatmäßig um 2.200 Mann reduziert.

    Das Personal dürfte vor allem auf den polizeilichen Einzeldienst verteilt worden sein. Damit wurden zwar die Kriminalpolizei, Reviere und Gendarmerie-Dienststellen gestärkt, für die Unruhen des Jahres 1932 fehlte dann aber die Mannschaftsstärke.


    Im Jahr 1932 fanden insgesamt vier reichsweite Wahlen statt (2 Wahlgänge für den Reichspräsidenten im März und April, 2 Wahlen zum Reichstag im Juli und November). Der hierbei erforderliche polizeiliche Personalansatz führte an die Grenzen der Belastbarkeit und wohl auch darüber hinaus. Die Auswirkungen von Hitlers Wahlkampf mit dem Flugzeug, der teilweise täglich mehrere Versammlungen besuchte, dürften für die Polizei kaum handhabbar gewesen sein.

    Die berittene Bereitschaften der Münchner Landespolizei sattelten im Sommer 1932 auch nachts nicht mehr ab. Man war dadurch zwar einerseits in der Lage, die Kaserne in wenigen Minuten nach Alarmierung zu verlassen, die Belastung für Mann und Tier liegt aber auf der Hand.


    Als der Berliner Polizeipräsident Grzesinski am 20. Mai 1932 eine Bilanz zieht, führt er in der Zeit vom 1.1.1932 bis 24.4.1932 insgesamt 5.098 politische Veranstaltungen in Berlin an.

    Die Zahl der täglichen Todesopfer politischer Gewalt in Preußen steigt im Laufe des Sommers 1932 auf bis zu 20 an.


    Im Sommer 1932 bekennt der preußische Innenminister Severing sinngemäß „Die Polizei kann nicht mehr, wir sind am Ende“. Wenn politische Parteien Gewalt planmäßig einsetzen, könne die Polizei das auf Dauer nicht bekämpfen.


    Literaturtipps:


    • Leon Schirrmann: Blutmai Berlin 1929. Dichtungen und Wahrheit. Berlin, 1991

    • Die Polizei, Zeitschrift für das gesamte Polizeiwesen. Berlin Jahrgänge 1928 – 1932

    • Schriftenreihe des Preußischen Polizei-Instituts: Einzelfälle aus der Polizeiverwendung. Potsdam 1931-1932

    • Siegfried Zaika: Polizeigeschichte. Die Exekutive im Lichte der historischen Konfliktforschung – Untersuchungen über die Theorie und Praxis der preußischen Schutzpolizei in der Weimarer Republik zur Verhinderung und Bekämpfung innerer Unruhen, Lübeck 1979

    • Carsten Dams: Staatsschutz in der Weimarer Republik. Die Überwachung und Bekämpfung der NSDAP durch die preussische politische Polizei von 1928 bis 1932. Marburg 2002

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  • Teil 3b



    Die „militärischen“ Einsätze der Landespolizeien waren mit der Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches im November 1923 eigentlich beendet.


    In der polizeilichen Fachliteratur und auch in der Ausbildung wurde jedoch weiterhin intensiv der „landespolizeiliche“ Einsatz durchgefochten.


    Der Schwerpunkt der „polizeitaktischen Schulung“ und den dazu gehörenden Planspielen und Lehraufgaben lagen in bewaffneten Aufständen größerer, organisierter Gruppen. In den Planspielen und Lehraufgaben wurde ein militärisches Vorgehen trainiert und durchgespielt, das ohne eine ausgebildete und eingespielte Truppe sicher nicht zu bewältigen war. Die Planspiele der Offiziere und auch durchgeführte Übungen der Einheiten dürften einen großen Teil der Dienstzeit in Anspruch genommen haben, so dass ständig ein nicht unerheblicher Teil der Landespolizei-Verbände nicht für die Einsätze zur Verfügung gestanden haben dürfte.


    Der in der heutigen Fachliteratur zur Polizeigeschichte erhobene Vorwurf, dass die Landespolizeien ab etwa 1930 wieder verstärkt mit militärischer Ausbildung in Erscheinung treten, kann aufgrund der Quellenlage für die Bayerische Landespolizei bestätigt werden.

    Über den Grund hierfür kann nur spekuliert werden. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Polizeiführung aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung seit Beginn der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 auf eine Lage wie im Jahr 1923 vorbereiten wollte.


    Die Planspiele der Bayerischen Landespolizei für die Offiziere ab 1930 teilten sich in verschiedene Bereiche. Einerseits in Planspiele für Leutnante/junge Oberleutnante (also Zugführer), Oberleutnante/Hauptleute (Hundertschaftsführer) und dann Stabsoffiziere ab Major. Andererseits wurden die Planspiele in „taktische“ und „polizeitaktische“ getrennt, wobei die „taktischen“ reine Militäreinsätze im Rahmen der Reichswehr gegen einen Feind von Außen behandelten. „Polizeitaktische“ Einsätze spielten im Rahmen der Aufstandsbekämpfung im Innern, wobei zumeist von Streiks oder Hungerdemonstrationen ausgegangen wurde, die dann in bewaffnete Aufstände mündeten.


    Die Landespolizeien verloren also bis zum Schluss (für München finden die letzten Planspiele im März 1933 statt) weder den Einsatz im Rahmen der Reichswehr, noch den gegen bewaffnete, organisierte Aufstände aus den Augen.


    Literaturtipps:


    • Wilhelm Hartenstein: Der Kampfeinsatz der Schutzpolizei bei inneren Unruhen. Berlin 1926

    • Wilhelm Hartenstein: Einführung in Wesen und Grundzüge der Schutzpolizei-Verwendung. Berlin 1932/33.

    • Wilhelm Hartenstein: Die Führung und ihre Mittel beim Kampfeinsatz der Schutzpolizei. Berlin 1933.

    • Dr. Beyer: Der Sonderwagen in der Polizeitaktik. Berlin 1931.

    • Dr. von Schaewen: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Polizeizweige im landespolizeilichen Einsatz. Berlin ca. 1930

    • Max Kreutzer: Der Einsatz der Schutzpolizei im Stadtgebiet. München 1932

    • Akten der Bayerischen Landespolizei im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und Staatsarchiv München

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  • Hallo Gemeinde, ergänzend zu den sehr umfangreichen Darstellungen von " Lockenheld " möchte ich noch ein

    weiteres Buch empfehlen.

    Hier handelt es sich um das sehr empfehlenswerte Buch " Die sächsische Schutzpolizei zwischen 1919 und 1933 "

    von Joachim Unger aus dem Verlag TECTUM.

    Neben zeittypischen Problemen zeigt der Inhalt über die drittgrößte Schutzpolizeistreitmacht in der Weimarer Republik auch

    eine breite Darstellung der Polizisten und deren Alltag zu damaliger Zeit.


    Gruß Frank