Was wurde aus den Einheiten des I.R. 531 der 383. ID nach der Vernichtung im Juni 1944?​

  • Hallo zusammen,

    laut Lexikon der Wehrmacht wurde das Grenadier-Regiment 531 im Juni 1944 bei der Heeresgruppe Mitte vernichtet.

    Was passierete aber mit den Einheiten die die Vernichtung überstanden hatten? Laut Meldebogen zur Entnazifizierung und Endmilitärisierung geriet ein Verwandter von mir erst im Mai 1945 in russische Gefangenschaft. Wo war er das letzte Jahr über?

    Die Angaben der Deutschen Dienststelle enden mir einer Meldung vom Juni 1944:


    Grenadier-Regiment 531 = Feldpostnummer 04447 B

    Unterstellung: 383. Infanterie-Division

    Einsatzraum: Woronesch, Orel, Brjansk, Mogilew, Bobruisk


    Kann hier jemande weiterhelfen?


    Beste Grüße

    Dedelaos

  • Hallo Dedelaos,


    das dein Verwandter erst im Mai 1945 in russische Gefangenschaft geraten ist, obwohl er Angehöriger des Grenadier-Regiments 531 war, welches bei der Heeresgruppe Mitte (Stichwort: Operation Bagration) im Juni vernichtet worden ist, kann sehr viele Gründe gehabt haben. Vielleicht hatte er zum Zeitpunkt der russischen Offensive Fronturlaub, vielleicht lag er aufgrund einer Verwundung irgendwo in einem Lazarett außerhalb des Bereich der Offensive - dies sind nur zwei Möglichkeiten. Er könnte auch ein sog. "Rückkämpfer" gewesen sein. Anschließend ist ein entsprechender Angehöriger einer vernichteten Einheit einer anderen Einheit zugeordnet worden ... Aufgrund der Kriegssituation haben es nicht immer alle Truppenmeldungen bis in die heutigen Akten der WASt geschafft ... manchmal wird aber auch erst später noch eine Meldung entdeckt ...

    Gibt es aus dem "fehlenden Zeitraum" vielleicht Feldpostbriefe?


    Mit harzl. Gruß

    Denys

    Suche Infos zum 744.PiBat. (41/42) der 25. PzDiv. (87. PzPiBat) (43/44) und 21. PzDiv (45), 62. ID bzw. 57.ID 41/42 (164 IR) sowie zur 168. (43) und 376. ID (44)

  • Hallo, paar wenige haben sich absetzen können. Häufig haben die sich dann in wilden "Haufen" zusammen getan und haben sich bis nach Goldap oder Heiligenbeil durchgeschlagen. Eine "Ordnung" in dem Sinne gab es dort kaum noch im Juni/Juli 44.


    Gruß Dirk

    Suche alle möglichen Infos von der Beobachter- Abteilung 9.

  • Hallo Denys und Sammler,


    ersteinmal vielen Dank für eure Nachrichten.

    Leider sind keine Unterlagen außer den Infos die ich von der Wast übermittelt bekam vorhanden, entsprechend auch keine Feldpostbriefe.

    Ich hatte noch versucht über die dokumentierte Verleihung eines Verwundetenabzeihens und eines Kriegsverdienstkreuzes mehr zu erfahren, aber auch hier wurde mir heute vom Bundesarchiv mitgeteilt dass keine Nachweise in den überlieferten Unterlagen zu finden sind. Also Fehlanzeige.

    Im Meldebogen gemäß Entnazifizierung konnte ich lediglich den Vorgesetzten von meinem Großvater finden, ein Obleutnant Lehmann. Leider konnte ich auch daraus keine neuen Erkenntnisse ableiten.


    Euch aber auf jeden Fall vielen Dank für eure Hilfe!

  • Die Unterlagen für die KVKs sind noch im Bundesarchiv vorhanden!

    Hallo Sammler,


    vielen dank für deinen Vorschlag. Meine Anftrage im Bundesarchiv hat leider nichts zu Tage gefördert. Es konnte keine Verleihung nachgewiesen werden.
    Ich vermute entweder ging die Meldung verloren oder die entsprechenden Bestände wurden zerstört.


    Gruß

    Dedelaos

  • Moin zusammen,

    Es konnte keine Verleihung nachgewiesen werden.

    hast Du einen Recherchedienst damit beauftragt? Die Mitarbeiter vor Ort machen das nicht.


    Verleihungslisten:


    Kriegsverdienstkreuz

    Archivsignatur: RH 7/1403

    Titel: 383. Infanterie-Division

    Zeitraum: Juli 1942 - Apr. 1944

    Unterlagenart: Sachakte

    Alte Signatur: RH 7A/251

    Benutzungsort: Freiburg


    Eisernes Kreuz

    Archivsignatur: RH 7/2049

    Titel: 383. Infanterie-Division

    Laufzeit: Juli 1942 - Mai 1944

    Unterlagenart: Sachakte

    Alte Signatur: RH 7A/928

    Benutzungsort: Freiburg

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Moin zusammen,

    hast Du einen Recherchedienst damit beauftragt? Die Mitarbeiter vor Ort machen das nicht.

    Hallo DirkK,


    nein, einen Recherchedienst habe ich nicht beauftragt. Aber ich gab bei der anfrage die genaue Signatur an. Auf meine Anfrage beim MA in Freiburg erhilet ich die Antwort dass unter dem angegebenen Namen kein Eintrag in der Liste vorhanden wäre. Aufgrund des geringen Aufwandes wurde mir auch nichts in Rechnung gestellt.
    Zweifelst du daran dass hier nichts zu finden ist?


    Gruß

    Dedelaos

  • Hallo Dedelaos,


    kennst du hierzu diesen Post bzw. Thraed?


    Nach meinen bisherigen Recherchen zu 45.ID fehlen fast komplett alle Informationen der betroffenen Divisionen für den Zeitraum Anfang Juli bis ca. Mitte August 1944, ab hier meisst Neuaustellungen.

    383. ID war sehr oft Nachbardivision der 45. ID.

    Grüße Matthias

  • Hallo Dedelaos,


    mein Vater war als Unteroffizier beim II./531 Gren.Rgt. und hat Bobruisk 1944 überlebt. Seine Zugehörigkeit zu diesem Regement ist durch eine Urkunde belegt, er erhielt nämlich am 10.12.1943 das Eiserne Kreuz und in der Urkunde ist die Einheit genannt. Das Datum 10.12.1943 dürfte mit heftigen Rückzugsgefechten von Ende Nov. bis 5. Dez. 1943 an der betreffende Front in Bezug stehen, bis man im Raum Shlobin neue Stellung halten konnte.


    Allerdings hat mir ein Detail in der Urkunde erhebliches Kopfzerbrechen bereitet: Die Urkunde ist nämlich mit einem Stempel der 296. Inf. Div. versehen. Ich konnte aber außer dieser persönlichen Urkunde sonst nirgendwo einen Hinweis finden, der die Zugehörigkeit dieses Regiments zur 296. Inf.Div. belegt. In allen Quellen ist nur davon die Rede, dass das 531. zur 383. Inf. Div. gehörte. Da passt was nicht, und da mir das Original der Urkunde vorliegt, glaube ich der mehr als allem was im Netz steht. Aber dazu gleich mehr.


    Geklärt ist, dass es sich beim Gren.Rgt. 531 ursprünglich um das Inf. Rgt. 531 handelt, der Name wurde offiziell gewechselt, als das Regiment noch bei der 383 war. So weit, so klar.


    Ich fand aber einen Bericht, dass das II./531 am 30. Sept. 1943 im Zuge einer Umformung der Division 383 aufgelöst worden sei (Stichwort "Division Neu", I./531 und III./531 blieben bei der 383). Nur ist seltsam, dass die Urkunde vom 10.12.1943 - also gut 2 Monate später - bestätigt, dass das II./531 immer noch bestand, aber bei der 296. Inf. Division. Was war also passiert?


    Fakt ist: Das II./531 bestand also über den 30. Sept. hinaus, obwohl es bei der 383. nicht mehr vorhanden war und die Quellen von "Auflösung" sprechen. Also war wohl das passiert, was immer wieder vorkam: das II./531 muss von der 383. zur 296. Inf. Div. verlegt worden sein und das ist bisher nirgendwo im Netz bemerkt worden. Das ist so naheliegend wie die beiden Divisionen zu der Zeit nebeneinander lagen. Von der 296. weiß ich nur, dass sie von Anfang an in Russland in heftige Kämpfe verwickelt war und dadurch wohl viele Leute verloren hatte. Das könnte der Grund für die Herauslösung bei der Neuorganisation der 383 sein. Und soweit ich weiß, behielten Einheiten bei der Wehrmacht immer ihre Nummern, egal wo sie eingegliedert wurden. Es kann sich eigentlch nur so abgespielt haben.


    Jetzt wäre also die Frage, bei welcher dieser Einheiten des 531. Gren.Rgt. dein Verwandter genau war. Bei der I., II. oder III.?


    Nun ging es der 296. Inf. Div. Ende Juni 1944 nicht viel anders als der 383, bzw. vermutlich wurde sie noch schneller zerschlagen. Von der 296. ist in den Berichten relativ wenig die Rede, während die 383 von Hitler dazu auserwählt wurde, den ach so festen Platz Bobruisk als verlorenes Kommando zu halten (dann aber doch ausbrechen durfte). Ich weiß also nur relativ wenig und meinem Vater musste ich die wenigen Informationen mühsam entlocken, denn wie die meisten wollte er nicht darüber sprechen. Man sieht ja hier im Forum, wie schlimm es zuging. Da in den Berichten ab dem 27. Juni die 296. nicht mehr erwähnt wird, dürfte sie zu dieser Zeit schon nicht mehr als nennenswerter Kampfverband existiert haben, während die 383. noch den einen oder anderen Tag nach dem Ausbruch aus Bobruisk zumindest in definierbaren Teilen bestand. Da liegt die Vermutung nahe, dass die 296. bereits vor Bobruisk zerschlagen wurde, wenn sie nicht mehr in Bobruisk oder danach erwähnt wird.


    Wie kam mein Vater da raus? Er wusste nicht, wo und wann genau das passierte, er wusste nur: "irgendwo in den Pripjet-Sümpfen" und "Ende Juni 1944". Das Datum sagt uns schon, wo etwa das gewesen sein muss. Ich habe seine Geschichte mühsam mit den bekannten Fakten abgestimmt. Die 296. Inf. Div. lag zu Beginn des Angriffs südlich von Rogatschew, und nördlich von ihr - die berühmte Rollbahn Rogatschew - Bobruisk - muss einer der Hauptangriffe der Russen erfolgt sein. Die dortige Division muss gleich vernichtet worden sein. Von der 296. ist insoweit zum letzten Mal die Rede, dass sie bei den vielen Verbänden war, die dann die Rollbahn Richtung Bobruisk flohen. Mein Vater berichtete, dass er als Anführer eines Maschinengewehr-Trupps schließlich heftige nächtliche Kämpfe an einem großen Bahndamm hatte. Es sei sehr dunkel gewesen, habe geregnet, aber sehr warm gewesen und in der Dunkelheit und dem allgemeinen Chaos habe er seine Leute verloren und sei alleine umhergeirrt. Schließlich sei er in einem sumpfartigen Gelände todmüde eingeschlafen, habe aber noch zuvor seine Kleider auf einen Baum zum Trocknen gehängt. Als er am nächsten Morgen aufwachte (ich schätze, das war der 27.Juni), stand ein Russe mit dem Gewehr im Anschlag vor ihm. Ich überspringe die nächsten Episoden, er war jedenfalls am 17. Juli 1944 bei den über 55.000 deutschen Kriegsgefangenen, die Stalin durch Moskau marschieren ließ.


    Wenn ich diese Erzählung mit den Fakten vor Ort abgleiche, dann müsste es sich bei diesem markanten Bahndamm um den Eisenbahndamm unmittelbar auf der Ostseite der Beresina gehandelt haben. Warum? Wenn man von der Rollbahn von Rogatschew her kommt, stößt man erst kurz vor Bobruisk auf die Eisenbahnlinie, die hier durch den Damm auf die nötige Höhe für die Brücke über die Beresina angehoben wird. Ansonsten ist das Land ja offenbar flach wie Flunder. Vom Datum her vermute ich aufgrund der Kampfberichte, dass es sich um die Nacht des 26. auf den 27. Juni 1944 gehandelt haben müsste. Kämpfe auf dem Damm werden von Drittseite berichtet, und weil der Damm im Bogen nach Bobruisk zuläuft, eignet er sich gut als Deckung gegen einen von Osten anrückenden Gegner. So jedenfalls meine Vermutung. Wenn man dann im Dunkeln alleine rumläuft, dann geht es tendenziell eher die Rampe runter als rauf, und was liegt da im Winkel zwischen Bahndamm und Beresina? Richtig, Altwasserarme der Beresina, etliche Tümpel und Baumbestand. In den anderen Richtungen gibt es das nicht. Also dürfte das der Ort der Gefangennahme gewesen sein.


    Ich gehe also davon aus, dass mein Vater mit seiner Truppe als Nachhut zur Verteidigung des östlichen Brückenkopfes am Eisenbahndamm eingeteilt war und die Geschichte so endete - echt Glück gehabt. Als Ort für seine Erzählung finde ich nur den Bahndamm bei Bobruisk, denn einen anderen Bahndamm für den fraglichen Zeitraum mit chaotischen Nachtgefechten habe ich in der Gegend nicht ausfindig machen können, weil die Gegend ansonsten zu flach für einen auffälligen Bahndamm ist. Die ungeklärte Frage ist auch, ob die 296. Inf. Div. noch als Verband existierte, bzw. ob die II./531 noch existierte oder ob die Gruppe meines Vaters ein trauriger Rest der II./531 waren.


    Ob das jetzt zur Erhellung deiner Frage beiträgt, weiß ich nicht, aber vielleicht gibt es ein Bausteinchen mehr zu deiner Geschichte. Es wäre logisch anzunehmen, dass alle, die nicht über die Beresina kamen, es nicht mehr zurück zu den eigenen Truppen schafften.


    Ach ja, ein Detail fällt mir noch ein: bei der Urkunde ist die Unterschrift unleserlich, es könnte evtl. Weber oder Maler, aber auch sonstwas heißen, halt in Sütterlin undeutlich hingekrakelt. Der erste Teil des Namens sind eine Anzahl hoher Auf- und Abschwünge, ähnlich einem modernen "W" oder "M", nur eben noch mehr Schwünge, dann kommt nach der Mitte ein hoher Buchstabe, vielleicht ein "b" oder "k" oder "l", das Ende ist mit "er" am besten zu lesen. Mit der Schreibmaschine ist hinzugefügt: "Generalmajor und Div.-Führer". Nun ist in den Listen als Kommander der 296. zu jener Zeit Generalleutnant Kullmer berichtet. Als "Kullmer" kann ich die Unterschrift aber nun wirklich nicht lesen, weil das "m" fehlen würde. Also andere Idee: Weiß jemand, ob so was unter Umständen ein Stellvertreter unterschrieben hat? Auch zum Kommandeur der 383. passt die Unterschrift nach meiner Überprüfung definitiv nicht.


    Als Kommandeur der 296. kommt nur Kullmer in Frage. Aber dann wäre Kullmer im Dez. 1943 bereits zum Generalmajor befördert gewesen und das ist im Netz auch nicht bekannt, jedenfalls finde ich ihn nur als Generalleutnant. Eine Beförderung wäre denkbar, denn offenbar hatte er beim OKW einen Stein im Brett. Es steht nämlich geschrieben, dass er ausgerechnet am 20. Juni 1944, also ganz, ganz kurz vor dem Bagration-Angriff, zur sog. Führerreserve abkommandiert wurde.


    istaparte


    Nachtrag:

    Ich habe im "Lexikon der Wehrmacht" doch noch was über die 296. Inf. Div. bei Bobruisk gefunden:


    Um Mitternacht [Anm.: vom 26. auf den 27. Juni 1944] erhielt die 296. ID dann Befehl zur Besetzung der Brückenkopfstellung Bobruisk […], was bis zum Morgen des 27. Juni unter weiteren Verlusten auch gelang.

    Demnach wäre meine Vermutung bestärkt, dass mein Vater bei denjenigen Kräften war, die den Brückenkopf auf der östlichen Seite der Eisenbahnbrücke Bobruisk zu halten hatten. Nur könnte sich das vermutete Datum um einen Tag nach hinten verschieben, denn der Halbsatz "was bis zum Morgen des 27. Juni ..... gelang" lässt den Schluss zu, dass am Morgen des 27. Juni die Stellung noch gehalten war. Dann hätte es am Morgen des 27.6. noch keinen Grund für meinen Vater gegeben, im Gelände hinter dem Damm umherzuirren bzw. eine ruhige Gefangennahme in der Umgebung des Damms ist unter den geschilderten Umständen noch nicht vorstellbar. Also müsste ich die Gefangennahme meines Vaters wohl auf den 28. oder sogar 29. Juni "verschieben".


    Mein Vater erzählte, dass er sich viele Notizen über gefallene Kameraden machte (er war von Beruf Lehrer), dass die Russen ihm aber in der Gefangenschaft den Zettel abnahmen und nach den Strapazen der Gefangenschaft konnte er sich nicht mehr an die Namen und Adressen erinnern. Das hat ihn später sehr beschäftigt.

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