Bergung abgestürzter Flugzeuge

  • Guten Abend zusammen,

    eine Frage beschäftigt mich seit Tagen, Recherche im Internet war sehr unbefriedigend zu folgenden Sachverhalt :


    Ein Jagdflugzeug wird beschossen und stürzt auf ein Feld und bohrt sich dabei nicht in den Boden, sondern bleibt zerschellt liegen. Der Pilot kommt dabei ums Leben und wird geborgen.

    Aber was passierte mit dem Flugzeugwrack ?

    Gab es spezielle Einheiten bei der Luftwaffe oder beim Heer, die solche Flugzeugbergungen vornahmen ? Wenn ja, wurden solche Bergungen auch noch in den letzten Kriegsmonaten vorgenommen ?

    Und wo finde ich darüber Informationen / Literatur ?


    Wie immer besten Dank im Voraus und beste Grüße

    Manni

  • Hallo manni,


    den jewiligen Leithorsten der Luftwaffe war eine Bergekompanie zugeordnet, die ein bestimmtes Einzugsgebiet abdeckte. Diese nahm dann unter Leitung eines Ingenieurs die Bergungen vor, die jeweils in einem sogen. "Anfassbericht" dokumentiert wurden. Diese Berichte sind heute meiner Kenntnis nach wenn überhaupt nur fragmentarisch überliefert. Oft wurden sie entweder bei Kriegsende vernichtet oder aber es wurde auch der ein oder andere Aktenordner im Chaos der letzten Tage vom Personal mit nach Hause genommen. Weiter könnte ich mir vorstellen dass, sofern nach Kriegsende noch vorhanden, zumindest in der amerikanischen Besatzungszone diese Berichte in die Suchunterlagen zu eigenen vermissten Maschinen/Besatzungen eigepflegt wurden.


    Nach dem Krieg waren diese "Anfassberichte" für diejenigen, die sich etwas vom Aktenmaterial gesichert hatten unschätzbare Quellen zum Metallschrott sammeln. In einem anderem Forum hat einmal vor ein paar Jahren ein Nutzer genau so einen Fall von einem alten Herrn berichtet, der einige Jahre lang nach dem Krieg auf diese Weise einen florierenden Altemetallhandel betrieb und damit das Startkapital für ein Folgeunternehmen einfuhr. Die Akten landeten danach im Altpapier. ;)


    In Spurensuche Band 3: Zeugnisse des Luftkrieges, Flugzeugbergungen und Fliegerschicksale von Michael Balss findest du, wenn ich mich jetzt nicht ganz irre, eine Seite eines Anfassberichtes abgebildet und auch ein paar allgemeine Worte zum Thema.


    Eventuell melden sich hier auch noch azapf1972 und/oder DR40eghs zu Wort, könnte mir vorstellen, dass beide wesentlich mehr zum Thema sagen können als ich.


    Beste Grüße


    OB

  • Hallo,


    mir liegt u. a. ein Dokument aus dem Jahr 1944 vor, in dem eine Gemeinde, dort wo der Absturz erfolgte, einen formlosen Bericht über " Die Bergung eines tödlich abgestürzten ( abgeschossenen D.U.) Fliegers" an die zust. Fliegerhorstkommandantur meldete.

    Bergungen ab 1944 wurden durch " Fremdarbeiter" , Landwirte, die HJ und die beauftragte Bevölkerung, soweit mir bekannt, ohne Ingenieuer vorgenommen. ( Ich meine dass dies nur bei mögl. techn. Versagen der Fall war).

    Trotz vielfacher offiz. Bergungen habe ich nie etwas von einem sog. "Anfassbericht" gehört. Aber ich lerne gerne dazu.

    OB, könntest Du bitte die besagte Seite einstellen?

    In den ersten Kriegsjahren erfolgte die Bergung durch die Luftwaffe und eine "Notlandung ist eine andere Sache..


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    da das Material urheberrechtlich geschützt ist, tue ich mir da etwas schwer eine Seite aus diesem Buch einzustellen.


    Natürlich habe ich nur den Idealfall beschrieben. Dass dies unter Kriegsumständen (Personalmangel, etc.) mitunter vielfach anders verlaufen ist,

    ist naheliegend.Die von Dir benannten Personengruppen wurden eingesetzt, kenne ich auch aus etlichen Schilderungen, allerdings unter

    entsprechender Aufischt und Anleitung von Luftwaffenpersonal. Manchmal zog man auch Flaksoldaten als Helfer heran.

    Dass die ortsansässgie Zivilbevölkerung mit der Bergung "beauftragt" wurde kann ich mir kaum vorstellen.

    Ich habe zum Thema Absturz schon ein paar Schriftstücke gesehen, die besagen, dass sich Zivilpersonen von abgestürzten (Feind-)Flugzeugen auf jeden Fall fernzuhalten haben. Dass es trotzdem jede Menge Schaulustige und "Andenkenjäger" an den Absturzstellen gab steht auf einem anderen Blatt.


    Zu Notlandungen: Hier kenne ich Fälle, wo notgelandete Maschinen auf dem Lande mit den entpsrechenden Transportmitteln zum nächsten Bahnhof verbracht und dort dann auf die Bahn umgeladen wurden.


    Ist in dem Dir vorliegenden Bericht mit "Flieger" wirklich ein Flugzeug gemeint oder möglicherweise doch ein "Flieger" im Sinne eines Flugzeugführers?


    Beste Grüße


    OB

  • Hallo OB und Karl,


    danke für die Infos und neuen Erkenntnisse. Von einem "Anfassbericht" höre ich auch zum ersten mal.....aber unter

    http://forum.12oclockhigh.net/…ad.php?p=137599&styleid=3

    wird von einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Stuttgart berichtet. Hier wird als Quelle neben dem Stuttgarter Stadtarchiv auch ein " Site survey report " (Anfassbericht)

    genannt.

    Ich werde mich hier in Köln-Wahn mal in der Bibliothek des Fliegerhorstes umsehen, ob ich da was näheres dazu finde........neue Erkenntnisse stelle ich dann natürlich hier ein

    Beste Grüße

    Manni

  • Hallo OdenwälderBub",

    Ist in dem Dir vorliegenden Bericht mit "Flieger" wirklich ein Flugzeug gemeint oder möglicherweise doch ein "Flieger" im Sinne eines Flugzeugführers?

    Das ist die Originalüberschrift des Dokuments und gemeint ist sowohl der Flugzeugführer, als auch das Flugzeug (- wrack).


    Dass die ortsansässgie Zivilbevölkerung mit der Bergung "beauftragt" wurde kann ich mir kaum vorstellen.

    Das kannst Du mir getrost glauben. Ich habe dutzende von "Absurz-/Abschusszeugen" gehört um die vermissten Piloten zu bergen.

    Im Rahmen der sog. Hand - und Spanndienste mussten die am nächsten gelegenen Landwirte sogar ein Fuhrwerk zum Abtransoport stellen.

    Und Ab Ende 1943 war es keine Freude mehr auf freiem Feld eine abgeschossene Maschine zu bergen ( Siehe im Thread "Tiefflieger" hier im FdW.)

    Da wurden sogar Häftlinge, Fremdarbeiter und auch Kriegsgefangene, die z. B. auf dem Bauerhof arbeiteten herangezogen. (Bauersfrauen konnte auf Antrag solche Arbeitskräfte bekommen, wenn der Mann und Knecht im Krieg war oder gefallen ist.)

    Dass eine Beaufsichtigung der Bergung durch Soldaten der nächstgelegenen Fliegerhorstkommandantur erfolgte und ein Polizeibeamter zugegen war und Verwertbares eingesammelt und abtransportiert wurde ist klar.

    Es war übrigens die Pflicht des Bürgermeisters/Ortsvorstehers, ggf. mit Parteifunktionären und einem Bestatter, wenn die Leiche eine Aufbwahrung ermöglichste, diese 3 Tage lang, möglichst öffentlich und standesgemäß, aufzubahren (Vorstufe des Heldenbegräbnises).



    Gruß Karl

  • Im Rahmen der sog. Hand - und Spanndienste mussten die am nächsten gelegenen Landwirte sogar ein Fuhrwerk zum Abtransoport stellen.

    Hallo Karl,


    ja dass solche Arbeiten obligat waren glaube ich schon. Wir haben uns hier glaube ich ein wenig missverstanden.


    Grüße


    OB

  • Gab es spezielle Einheiten bei der Luftwaffe oder beim Heer, die solche Flugzeugbergungen vornahmen ? Wenn ja, wurden solche Bergungen auch noch in den letzten Kriegsmonaten vorgenommen ?


    Hallo,


    es gibt hier im Forum bereits mehrere Threads zum Thema Flugzeugbergung und Luftwaffen-Bergekommandos bzw. -Trupps, zu finden mit der Forumssuche - z.B. hier:

    Höhere Fliegertechnische Schule Berlin-Adlershof/ Jüterbog Altes Lager / Bergungstrupp IV / Einheit


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo Johann Heinrich,


    danke für deine Information, das war, was ich suchte !. Hatte in der Forumssuche rauf und runter gesucht, aber wahrscheinlich unter einem falschen

    Schlagwort.......und folglich nix gefunden.

    nochmals danke und besten Gruß

    Manni

  • Moien,

    in diversen MACR und Flakabschußmeldungen sind Anfassmeldungen enthalten. Für das gesamte Prozedere hinsichtlich eigenen und allierten Abstürzen etc. gab es den klassischen Papierkrieg in Form von Vordrucken ( z.B. Sicherstellen von Treibstoffen und Ölen, wieviel davon wohin zu schicken war usw. usw.) Sind etwa fünf Blätter mit Anlagen (Fotos usw.) Bemerkenswert finde ich in der Verfügung "Es kann nicht angehen das Offiziere der Fliegerhorstkommandanturn an Sonntagen nicht erreichbar sind, wenn eine Bergung von eigenen Gefallenen ansteht" Dazu dann die übliche Drohung mit Kriegsgericht usw. wegen unwürdigen Umgang mit gefallenen Fliegern!! (Erlass stammt vom Juli 1944!!!!)

    h.

    .

  • Hallo,


    all die angeführten offiziellen Bergungseinheiten die o. a. sind, haben sicher ihre Pflicht getan, soweit diese - nach Auskämmaktionen für die Front, sowohl an Personal, als auch an Fahrzeugen - noch zur Verfügung standen. Sowieso sah ab Ende 1943 alles ganz anders aus. Ich kann hier versichern und ggf. belegen, das nicht einmal alle deutschen Piloten gegen Kriegsende, abgeschossen im Deutschen Reich, geborgen wurden, weil ich zwar bei einigen, wenigen "erfolgreichen" Bergungen zur Klärung von Vermisstenschicksalen aktiv zugegen war. Man muss bedenken, dass manche Maschinen nach Abscherung der Tragflächen und Leitwerke, sowie evtl. Propeller, die auf auf der Erdoberfläche zurückblieben, der Pilot bzw. dessen Torso hinter dem Motor bis zu 6, jawohl 6 Meter, je nach Beschaffenheit, ins Erdreich eindrang. Dort kogelte der brennende Aluminiummotor und evtl. Munition u. U. 2 - 3 Tage vor sich hin. Es wurde die Verlustmeldung gemacht und dann je nach Lage der Dinge und vor allem Möglichkeiten gehandelt.

    Den Überresten stand eine Grablage auf dem nächstgelegenen Friedhof mit ewigem Liegerecht ( Heldengrab) zu, wenn er geborgen worden war. ( Kosten muss/musste? Gemeinde tragen, wenn keine Angehörigen da oder nicht mehr lebend oder ohne finanzielle Mittel.

    Auch darüber gibt oder gab es einen umfangreichen Thread, den ich aber nicht auffinden konnte.


    Grüße von Karl