Der Fliegerhorst Perleberg - Entstehung und Nutzung

  • Hallo liebe Forschergemeinde!


    Vor einigen Jahren gab es Ansätze die Geschichte des Fliegerhorstes Perleberg zu Papier zu bringen. Vorarbeiten wurden dankenswerter Weise durch Dr. Wolfgang Fische/Potsdam geleistet. Auf diese lässt es sich aufbauen. Er hatte Hr. Freitag/Perleberg um Mithilfe gebeten, doch diese blieb aus. Nun möchte ich mich diesem Thema näher widmen und bin auf der Suche nach Informationen und Bildmaterial.

    Vor etwa 14 Tagen konnte ich ein kleines Konvolut aus Sachsen bekommen (Bilder von 1937, Bilder von Postkarten des Fliegerhorstes), auch aus Salzwedel bekam ich in der letzten Woche Bildmaterial zur Verfügung gestellt.

    In einem Auktionshaus sind von einem Flieger, der in Perleberg sein Flugausbildung geleistet hat, zwei Alben gegenwärtig in der Versteigerung, doch 850,- € sind für mich zu happig. Wer kann mit Bildmaterial behilflich sein und dieses Projekt unterstützen?

    Hilfreich waren auch für mich bisher die Listen der Luftwaffenoffiziere, die regelmäßig erweitert wurden. Aus dem Lexikon d. W. konnte ich auf die stationierten Einheiten zurück greifen. Welche Quelle gibt es noch?

    Von dem Artikel aus "Der Frontsoldat erzählt" von 1938 hatte ich mir zwar mehr erhofft, doch diesen Textbeitrag konnte ich dankenswerter Weise als digital Kopie aus der Berliner Museumsbibliothek bekommen.

    Die Geschichte als Produktionsstandort für die Donier-Werke Wismar konnte ich einer Veröffentlichung "Der Flugzeugbau in Wismar" entnehmen.

    Leider so detailliert wie die Veröffentlichungen zum Fliegerhorst Parchim wird es wohl nicht werden, jedoch möchte ich endlich auch zu diesem Thema das noch Vorhandene zusammentragen und somit der Nachwelt erhalten. Die Zeitzeugen werden immer knapper.

    Einen erste Überblick werde ich unter diesem Thema hier in Etappen veröffentlichen.


    Mit herzlichen Grüßen aus dem Norden der Prignitz


    Thomas

    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!

  • Hallo Thomas,

    kennst Du die Bücher von Karl Ries und Jürgen Zapf? Jürgen Zapf hat mehrere Bände zu den Flugplätzen in Deutschland herausgebracht!

    Gruß

    Frank

  • Hallo Frank!


    Sei gegrüßt. Die beiden Bücher habe ich noch nicht erwähnt gehabt, aber beide stehen bei mir im Bücherregal. Mit Informationen und Bildmaterial sieht es nicht so prickelnd aus. Auch im Stadtarchiv von Perleberg ist der Fundus sehr begrenz! Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass Hr. Freitag vielleicht noch als Co-Autor zu gewinnen ist und seine Materialien einbringen könnte.

    Zur Zeit bin ich auf Quellensuche.


    Mit herzlichen Grüßen aus dem Norden der Prignitz


    Thomas

    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!

  • Hallo Thomas,

    Seit 20 Jahren suche alles vom Pretzscher Flugplatz und mir geht es genau so wie Dir, die Infos sind mehr als dürftig!

    Ich glaube ich habe eine Unfallmeldung der FFS C 9 in Perleberg


    Gruß Frank

  • Ein frohes Neues Jahr liebe Forschergemeinde!


    Ich melde mich nach geraumer Zeit wieder zurück. Ende des letzten Jahres konnte ich ein Fotoalbum aus der Zeit - 2- Hälfte der 30iger Jahre bei ebay erwerben. Es wurde von einen Shop aus Wittenberge angeboten. Leider sind keine Informationen über den Eigentümer zu erfahren gewesen. Ein Infanterist aus dem Standort Guben wurde nach Perleberg versetzt und begann seine fliegerische Ausbildung. 5 Postkarten vom Fliegerhorst, Fotos von Paraden und Beerdigungszeremonien sind ebenfalls enthalten. Ich habe das Album dem Stadtarchiv Perleberg zum Einstandspreis veräußert. Mich schmerzt es, wenn heimatkundliche Sachen aus der Region verschwinden. Warum prüft man nicht erst einmal das Stadtarchiv, Museum oder Kreisarchiv ab, ob diese Einrichtungen nicht doch diese Sachen erwerben wollen?

    Nun bin ich wieder an dem Thema Fliegerhorst Perleberg dran. Bei Herrn Zapf ist in dem Band Berlin-Brandenburg eine Handskizze zum Fliegerhorst abgebildet. Doch es existiert keinen Legende dazu. Ich wollte einen Übersichtsplan über den Fliegerhorst erstellen an Hand des Luftbildes von 1945. Leider kann ich die einzelnen Gebäude ihrer Bestimmung nicht zuordnen bzw. beschreiben. Hat einer von Euch eine Idee wer so etwas hat oder wo ich so etwas finden kann?


    Herzliche Neujahrsgrüße aus dem Norden der Prignitz


    Thomas

  • Hallo liebe Forschergemeinde!


    Erst einmal besten Dank an Dich Frank, ich habe Kontakt zur Firma aufgenommen.

    Eine Frage an die Spezialisten für Flugunfälle. Wo bekommt man Informationen über die Flugunfälle der Fliegerschule Perleberg von 1936-39 her? Ich habe Bilder von Trauerzeremonien auf dem Fliegerhorst und kann diese nicht zuordnen.


    Liebe Grüße


    Thomas

    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!

  • Hallo Thomas,


    eine Kartenskizze des Fl.Pl. Perleberg findet sich auf Seite 242 in:

    - Karl Ries / Wolfgang Dierich : Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe. (Motorbuch-Verlag, Stuttgart, 1996)


    Die genaue Bezeichnung der von dir so genannten Fliegerschule Perleberg ist ab 1.10.1936

    Flugzeugführerschule C Perleberg (FFS C Perleberg) .

    Davor war es die Fliegerübungsstelle Perleberg.


    Die Verwendung der exakten Bezeichnungen vereinfacht die Suche in Bibliotheken und Archiven.

    Zu deiner Frage

    > Wo bekommt man Informationen über die Flugunfälle der Fliegerschule Perleberg von 1936-39 her.

    - die Quellenlage für Flugunfälle und Luftwaffenverluste außerhalb von Kriegshandlungen (z.B. Einsatz Legion Condor in Spanien) ist ausgesprochen dünn

    - ein systematisches Verzeichnis in Form von Tabellen oder Listen in Archiven ist mir nicht bekannt

    - relativ unvollständige Tabellen für Flugunfälle im Zeitraum 1935-39 sind das Resultat großer Puzzlearbeit

    - die unfangreicheren DLV-Unfallmeldungen lassen sich zeitlich nur auf ganze Monate eingrenzen und enthalten keine Verbands-, Namens- oder Ortsangaben, die Zuordnung zu Namen (Personalverluste), Einheit, Datum und Ort ist wieder Puzzlearbeit.


    Viele Grüße, Uwe K.

    "Was sprechen die Diesel, Johann? - Die Diesel sind zufrieden, Herr Kaleu."

  • Hallo Uwe!


    Besten Dank für Deine Informationen. Ja, ich weis das Thema wird mich wieder lange im Griff haben. Die Aktenlage ist mehr als dünn.


    Gruß Thomas

    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!

  • Hallo liebe Forschergemeinde!


    Beim Suchen im Netz stieß ich auf folgende Seite: http://wgt.museumsserver.de/index.cfm


    Standorte und Liegenschaften der sowjetischen/russischen Truppen in Deutschland

    1.    

    Da der alte Fliegerhorst von Perleberg von Bodentruppen der Sowjetarmee von 1945 bis 1994 als Garnisionsgelände benutzt wurde, ist auch ein Lageplan aus den 90iger Jahre enthalten. Benutzung, Baujahr, Größe der Gebäude sind in Listen aufgeführt. Somit kann man die Gebäude aus der Entstehungszeit des Fliegerhorstes verifizieren. Leider habe ich noch keinen Überblick gefunden, wonach man die Unterkunfts- und Schulungsgebäude und deren Bezeichnung wie Haus Göring, Haus Wever, Haus Gotha und Haus Schleißheim entnehmen kann. Das Gebäude der Flugleitung meine ich soll Haus Wever gewesen sein, die Namensgebung erfolgte als Andenken an den Fliegergeneral Wever.


    Mit besten Grüßen aus dem Norden der Prignitz


    Thomas



    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!

  • ... relativ unvollständige Tabellen für Flugunfälle im Zeitraum 1935-39 sind das Resultat großer Puzzlearbeit ... ... die unfangreicheren DLV-Unfallmeldungen lassen sich zeitlich nur auf ganze Monate eingrenzen und enthalten keine Verbands-, Namens- oder Ortsangaben, die Zuordnung zu Namen (Personalverluste), Einheit, Datum und Ort ist wieder Puzzlearbeit ...

    Hallo Uwe,


    vielleicht ein passendes Puzzlestück für Perleberg? Den genannten OTL Kuse konnte ich leider noch nicht finden bzw. den Lw-Einheiten im Lexikon direkt zuordnen...

    Quellen: Gräberdatenbank Volksbund u. Völkischer Beobachter, Ausg. Wien Nr.326 vom 22.November 1939, Seite 7


    Nachname: Gill

    Vorname: Franz

    Dienstgrad: Gefreiter

    Geburtsdatum: 09.08.1919

    Todes-/Vermisstendatum: 15.11.1939

    Todes-/Vermisstenort: Perleberg


    Franz Gill ruht auf der Kriegsgräberstätte in Wien-Zentralfriedhof Gruppe 97.Endgrablage: Block 4 Reihe 2 Grab 28


    Gruß, J.H.


    Edit: Es käme vielleicht der spätere Generalmajor Julius Kuse in Frage?

  • Hallo Johann-Heinrich


    Es gibt da eine Internetseite mit Luftwaffen-Offizierskarrieren, da habe ich ihn gefunden:


    KUSE, Julius. (DOB: 07.01.91 in Bromberg (Bydgoszcz)). (RkHS). WWI served with theFliegertruppe. 02.06.18 Ritterkreuz des königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern .1918 entered the Polizei. 01.08.35 designated as an Erg.-Offizier (Luftwaffe) with a rank of Maj.(RDA 01.07.35) and appt to Stab des Luftkreis-Kdo. IV. 15.03.36 appt to Stab des Luftkreis-Kdo. 9.28.02.37 appt to Stab/Luftkreis-Kdo. VII. 01.06.38 promo to Obstlt. 22.07.38 became a traininginstructor at FFS Salzwedel. 27.10.38 appt to Stab/Luftgau–Kdo. XI. 13.11.38 appt Kdr. FFS C,Nürnberg. 13.02.39 appt Kdr. FFS 22, Neustadt-Glewe/Mecklenburg. 01.11.40 appt Kdr. FFS 42,Neustadt-Glewe/Meckleburg and concurrently Kdt. Fl.H. Neustadt/Glewe. 01.04.41 promo to Oberst.01.10.41 activated. 1941 appt Kdr. 14.06.42 appt Kdr. FFS FFS A/B 11 Schönewalde and Kdt. Fl.H.Schönewalde. 15.02.43 concurrently appt Kdt. Fl.Pl.Kdo. A 41/III Schönewalde. 23.08.43 assignedto Führerreserve OKL. 09.10.43 at the disposition of Luftgau-Kdo. III, Berlin. 21.10.43 appt toStab/Luftflotte 3 for orientation instruction. 10.12.43 appt Kdt. Fl.H.Kdtr. A 225/XII Lorient (to05.44), then Fl.H.Kdtr. E(v) 226(236?)/XII (to 09.12.44 or 05.45). 07.44 appt Lw.-Kampfabschnitts-Kdr. in der “Festung Lorient-Süd”. 01.12.44 promo to Gen.Maj. 10.05.45 became Allied POW.1947 released. †09.03.49 in Peine.


    Perleberg war ein sogenannter Arbeitsplatz der Sch/FAR 22 (ich habe den Nachweis darüber allerdings nur für Juni 1940), die Schule selbst war seit mind. Juni 1939 in Neustadt-Glewe stationiert.

    Mehr kann ich leider nicht beisteuern.


    Viele Grüße

    JoMe

  • Hallo liebe Forschergemeinde!


    Ich war diese Woche im Stadtarchiv Perleberg und habe mir die Grundstücksunterlagen zum alten Fliegerhorst mal angesehen. Bisher war ich der Meinung das die Entscheidung in Perleberg einen Fliegerhorst zu errichten in Berlin aus strategischen Gründen erfolgt ist. Doch die Akten sprechen eine andere Sprache.

    Im Spätherbst 1933 bekam der Perleberger Bürgermeister Mende ein Schreiben von dem Rittmeister Remme vom Rittergut in Ponitz. Der Rittmeister hatte Mitglieder der DVS in Berlin getroffen und von ihnen erfahren, dass man nördlich von Berlin noch einen Flugplatz schaffen will. Voraussetzungen waren 400 Morgen (quadratisch) Land kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Stadt wollte sich die Möglichkeit nicht entgehen lassen, weil in der Vergangenheit der Zuschlag der Eisenbahntrassen Berlin-Hamburg an Wittenberge ging und Perleberg als Kreisstadt nicht zum Zuge kam. Nun wollte man an der Entwicklung der Flugverkehrs nicht wieder das Nachsehen haben. Die Stadt fragte offizielle Ende 1933 im Ministerium für Luftfahrt an, aber bekam ein Absage, Perleberg stehe nicht zur Auswahl. Doch man wollte sich die Örtlichkeit mal ansehen und vielleicht in der fernen Zukunft könnte man bei Bedarf auf die Sache zurück kommen.

    Verwunderlich ist nur, dass im Frühjahr 1934 alles so schnell ging, das Flächen des ehemaligen Gutes Tonkital von der Stadt gekauft wurden und an die DVS übergeben wurde und bereit im Frühsommer mit den Vermessungs- und Erschließungsarbeiten bereits für den zukünftigen Fliegerhorst begonnen wurde. Solche schnellen Entscheidungen würde ich mir heutzutage auch mal wieder wünschen, denn die Planungs- und Entscheidungszeiträume sind heute nicht mehr zeitgemäß!

    Ob es durch den direkten Einfluß der NSDAP-Höheren im Landkreises zur dieser positiven Wende kam, ist leider nicht quellenmäßig zu erschließen.

    Ob Herr Kannegießer in Berlin bei Göring Druck ausgeübt hat?

    Hat einer von Euch sich mit der Entstehung der neuen Luftwaffen und dem Bau der neuen Luftwaffenstandorte beschäftigt? Welchen Quellen könnte man zu diesem Thema noch etwas neues zu Perleberg entlocken?


    Die besten Grüßen aus dem Norden der Prigitz


    Thomas

    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!

  • Hallo Thomas,


    dir ist klar das 1933 die Luftwaffe noch verboten war und nur Tranogas´s des Heeres in dem Bereich aktiv waren.


    Quote

    Der Rittmeister hatte Mitglieder der DVS in Berlin getroffen und von ihnen erfahren, dass man nördlich von Berlin noch einen Flugplatz schaffen will.

    Das waren Wünsche aber um sich diese Wünsche zu erfüllen braucht man eine Zeitfenster, Lobby und Geld. Das ist dann so wie du es beschreibst

    und das ist "ei der Dau´s" nicht viel anderes als heute.


    Die Planung wird im Ursprung von den Leuten um Göring gekommen sein und Göring wir die Standort dann verteilt haben und das unter der

    Prämisse das seine Macht und die der Partei gestärkt und gesichert wurde.

    Gruss Dieter

  • Hallo Thomas,

    Hat einer von Euch sich mit der Entstehung der neuen Luftwaffen und dem Bau der neuen Luftwaffenstandorte beschäftigt? Welchen Quellen könnte man zu diesem Thema noch etwas neues zu Perleberg entlocken?

    wie Dieter schon schrieb, war dies damals eigentlich verboten und wurde wahrscheinlich nur von einem kleinen Personenkreis bearbeitet. Deshalb ist auch heute fast gar nichts darüber zu finden, bis auf z.B. der

    "Befehl des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe zur Erkundung neuer E-Häfen vom 8. Oktober 1935"

    Hat einer von Euch sich mit der Entstehung der neuen Luftwaffen und dem Bau der neuen Luftwaffenstandorte beschäftigt? Welchen Quellen könnte man zu diesem Thema noch etwas neues zu Perleberg entlocken?

    Die beiden bekanntesten sind Karl Ries und Jürgen Zapf. Aber auch sie haben keine wirklichen Hinweise gefunden warum gerade der Ort ausgewählt wurde.

    Viele Grüße

    Frank

  • Hallo Dieter und Frank!


    Besten Dank für Eure Beiträge!


    Mal sehen was ich im Stadtarchiv noch so finden kann.


    Beste Grüße aus dem Norden der Prignitz


    Thomas

    2019 - 600 Jahre Kleeste - Grüße aus dem Norden der Prignitz - Die Geschichte ist nicht schwarz und weiss - sondern hat Grautöne oder ist farbig!