K98 Gewehrgranate 1944

  • Hallo ihr Lieben,

    obwohl ich mich dem Thema Infanteriewaffen enthalten wollte,

    habe ich doch wieder ein Foto entdeckt was Fragen aufwirft.

    Wieso läuft Ende1944 noch ein Grenadiertrupp? im Häuserkampf mit einer aufgesetzten Gewehrgranate rum,

    (wo sind die Faustgranaten und die Ofenrohre)?

    Jede Volkssturmtruppe bekam mehr, oder nicht?

    Hatte die Granate überhaupt noch Wirkung gegen T34 und Stalin 2 ?

    Also Adrenalin runter,

    war die Gewehrgranate noch Zeitgemäß? (etwa eine Hohlladung).

    Oder hat man sie nur noch zum Bekämpfen von MG Nestern eingesetzt?

    Danke für Euer Interesse.

    Gruß Ralph

  • Hallo,
    was soll die künstliche Aufregung - von wegen "Adrenalin runter".
    Jedes Bild ist nur ein Ausschnitt. Vielleicht kniet 5 m vor den hier gezeigten Soldaten ein weiterer Soldat mit der Panzerfaust.

    Die Gewehrgranaten waren doch nicht nur zur Panzerbekämpfung gedacht, sondern primar als Sprenggranaten. Es wurden immer deutlich mehr Gewehrsprenggranaten als Gewehrpanzergranaten gefertigt. Siehe http://www.lexikon-der-wehrmac…fen/gewehrgranatgerat.htm


    Die Gewehrgranate ist gerade im Ortskampf als "Steilfeuerwaffe" des Infanteristen immer dort sinnvoll, wo man z.B. mit Handgranaten nicht hinwirken kann. Aus diesem Grund wurde z.B. auch bei der Bundeswehr wieder die Granatpistole eingeführt.

    Grüße
    Jörg

    Edited once, last by Nemere ().

  • Guten Tag ans Forum,


    das Gewehrgranatgerät 42, welches sich auf dem abgebildeten Repetierer befindet, diente dem Abschuss

    folgender Gewehrgranaten:

    • Gewehrsprenggranate
    • Gewehrsprenggranate mit gesteigerter Reichweite
    • Gewehrsprenggranate mit gesteigerter Reichweite und Allzeitzünder
    • Gewehrsprenggranate Übung
    • Gewehrpanzergranaten 30, 40, 46 und 61
    • Gewehrpanzergranate Übung
    • Gewehr-Fallschirmleuchtgranate
    • Gewehrnebelgranate
    • Gewehrblendgranate
    • Propagandagewehrgranate.

    Die Produktion des Systems und die Ausrüstung der Truppe damit, galt in der Ausstattungsphase (1942-1943) als relativ problemlos,

    später jedoch nicht mehr. Da es jedoch offensichtlich größere Lagerbestände aus der Ausstattungsphase gab, blieb selbst 1944 (und später)

    die Weitergabe des Systems an die Truppe noch gewährleistet.

    Man wusste in der Praxis jedoch sehr wohl, dass gerade die Gewehrpanzergranaten keine genügende Wirkung hatten. Das stand im Gegensatz zu

    offiziellen Erprobungs- und Erfahrungsberichten, die dieser Granate ihre Gebrauchstauglichkeit bescheinigten.

    Dieser Widerspruch konnte offensichtlich durch folgenden Gedankengang erklärt werden: lieber einen Panzer durch den Kettentreffer einer

    Gewehrpanzergranate bewegungseingeschränkt machen als überhaupt keinen Erfolg erzielen.

    Außerdem galt das Gesamtspektrum der Gewehrgranaten als positive Bereicherung der Infanteriebewaffnung.


    Das Thema Gewehrgranaten kann ich nicht mit "Adrenalin rauf oder runter" diskutieren, sondern mit waffenhistorischen Fakten, so wie es Jörg bereits

    begonnen hat.

    Das als Diskussionsbeitrag meinerseits.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • N'Abend zusammen,


    angesichts der Menge an Gewehrgranaten, Panzerfäusten und Panzerschreckmunition, die in den Jahren seit 1945 in den hiesigen ehem. Kampfgebieten (Ende 1944/Anfang 45) gemacht wurden und werden, gehe ich davon aus, dass die Gewehrgranaten offensichtlich kein Schattendasein führten.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo,


    Quote

    Außerdem galt das Gesamtspektrum der Gewehrgranaten als positive Bereicherung der Infanteriebewaffnung.

    man sollte ergänzen, daß das Gewehrgranatgerät den bis dato im Infanteriezug mitgeführten 5cm Granatwerfer 36 ersetzte, weil sich mit dem GGG eine vergleichbare Wirkung mit deutlich weniger materiellen und personellen Aufwand erzielen ließ.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo alle zusammen,

    überredet wenn das Zeug in großer Menge vorhanden war wurde es sicher ausgegeben.

    Nach Thilos letzten Ausführungen muss ich aber davon ausgehen,

    dass die neu aufgestellten Inf. Regimenter (Ostfront) im vorletzten Kriegsjahr keinerlei Geschütze (in vorderster Linie) mehr hatten?

    Die 3,7cm Heeres-Anklopf-Geräte, wurden sicher schon mit Beginn des Rückzuges aufgegeben.

    Oder wurde im Notfall, oder beim Gegenangriff ja mal ein Panzer abgezweigt?

    Vielleicht kann jemand noch Angaben zu den Kompanie und Zugstärken eines Inf. Reg. zu diesem Zeitpunkt machen.

    Da ich mal gelesen habe, dass Kleinkampfgruppen eher wirksam waren.

    Danke

    Gruß Ralph

  • Guten Abend,

    Vorschlag:
    Lies Dir doch erstmal im "Lexikon" die Gliederungen der Infanteriedivisionen in der zweiten Kriegshälfte durch

    http://www.lexikon-der-wehrmac…nterie-Division16-35W.htm

    vor allem der Infanteriedivision neuer Art 44 (abgedruckt vor der 21. Welle) und der Volksgrenadierdivision (32. Welle).
    Dann siehst Du was planmäßig vorhanden gewesen sein sollte. Was vor Ort wirklich zum Einsatz bereit stand, konnte stündlich variieren.

    "Kleinkampfgruppen" (was immer das sein soll) gab es gliederungsmäßig nie. Kompanien und Züge konnten schon immer auftragsgemäß und lagegerecht umgegliedert oder verstärkt werden. Bei einem Stoßtruppunternehmen wurden z.B. alle MG, eventuell vorhandene Scharfschützen und vielleicht auch Schützen mit Gewehrgranatgerät in einem Deckungstrupp zusammengefasst, während für den eigentlichen Kampfauftrag zwei Sturmtrupps gebildet wurden. Bereits die Bildung eines Panzervernichtungstrupps, bestehend aus 2 Mann, innerhalb des Gruppe oder des Zuges ist eine "Kleinkampfgruppe".

    Grüße
    Jörg

  • Hallo,


    die Gewehrgranaten konnten nach abschrauben der Drallkappe auch als Handgranate verwendet werden.


    Gruß Karl

  • N'Abend Karl,


    aber nicht alle! Es gab auch Sprenggranaten ohne abschraubbare Drallkappe (und damit ohne Brennzünder und Verzögerungszünder), die dann nicht als Handgranaten verwendbar waren.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    Nur kurz zur Info: das Grenadierregiment 48 besaß im September/November 1944 noch 3,7 cm Pak, als es Stolberg (Rhld.) gegen die US-Armee verteidigte (von der Weiden: Zerschossene Heimat).


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Thomas,


    Zu Deiner Info:


    ich habe mehrfach gelesen, dass sich die 3,7 Pak - ausgenommen gegen Panzer - hervorragend bewährt hat und von der Infanterie, auch in den späteren Kriegsjahren gerne beutzt wurde. Als ein Grund wurde das Gewicht und die dadurch bedingte Möglichkeit, die Pak auch im Mannschaftszug bewegen zu können, angegeben, So soll sie besonders beim Angriff auf Ortschaften nützlich gewesen sein.


    F.M. von Senger und Etterlin: "Die deutschen Geschütze: 1939 - 1945"

    "Beurteilung: Unbefriedigende Durchschlagleistung. Diese wurde verbessert durch Einführung der Pz. Granate 40 mit Hartkern. Gute Beweglichkeit durch geringes Gewicht. Auch auf Fahrzeugen und für Lufteinsatz geeignet."


    Hahn: Waffen und Geheimwaffendes dt. Heeres 1933 - 1945":

    ......Die von der 3,7 Pak bekannte Stielgranate......lagen 1945 noch 12.000 Stück vor. Die anderen Bestände betrugen 559.400 Pz.- und 698.400 Sprg. für 759 noch vorhandene Waffen."


    Bewährt hat sich auch die 3,7 Pak auf SPW, Sd.Kfz. 250/10 und 251/10.


    Gruß Karl

    Edited 2 times, last by Karl Grohmann: Eränzender Hinweis. ().

  • Hallo zusammen,

    da ich sehe das die Pak 3,7 mehr Gemüter bewegt,

    mochte ich noch die Verwendung in der Ju87 (H. Rudel)

    hinzufügen.

    Außerdem meine ich, mal gelesen zu haben,

    dass im laufe des Krieges die Treibladung vergrößert wurde,

    um die Mündungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

    Danke für die zahlreiche Teilnahme.

    Gruß Ralph

  • Hallo,


    vielleicht ist es noch erwähnenswert, dass die groß Gewehrpanzergranate auch aus der Granatbüchse 39 verschossen wurde.

    Die Panzerabwehrbüchse ist durch den Umbau ( Laufverkürzung und Granatbecheraufsatz) aus den inzwischen überflüssigen, weil sie sich nicht mehr zur Panzerbekämpfung eingneten, Panzerabwehrbüchse 39 und Panzerbüchse 38 entstanden.


    Überdies gab es zunächst noch ein am Karabiner zu befestigendes Granatvisier, das sich aber nicht bewährt hat. Es wurde dann einfach über die Visiereinrichtung des Karabiners gezielt.


    Auch war ein Dreibein ( Lafette) für den Verschuss vom Gewehr mit Gewehrgranatbecher in der Erprobung, das ein genaueres Zielen ermöglichen sollte.


    Gruß Karl

  • Hallo Zusammen,


    im Bosnien-Krieg wurden diese Gewehrgranaten auch eingesetzt.

    Ich habe vor Ort bei einer Inspektion Aufnahmen davon gemacht.

    Unglaublich wie viel von dem Zeug da rum lag.

  • Hallo an alle

    und Dirk.

    Tut mir Leid aber in deinen Kisten (siehe Fotos) kann ich keine Munition für das GGG 42 (Schießbecher) erkennen.

    Das sieht alles sehr neu aus.

    Ich gehe jetzt einmal davon aus das vom Schießbecher im Feldgefecht hauptsächlich Panzergranate + Hohlladung (siehe Foto1+2)

    benutzt wurde.

    Welche Munition der Schütze auf meinem Foto benutzt hatte, bleibt wohl Spekulation .

    Vielleicht kann noch jemand etwas zu den Treibladungspatronen schreiben.

    Natürlich möchte ich auch Peter danken, der alles klar analysiert hat.

    Es hat mich gefreut,

    Danke Ralph

  • Hallo Ralph,


    Das stimmt, Dirk hat modernes Gerät gezeigt. Das heißt aber nicht, dass im Zweiten Weltkrieg die Gewehrsprenggranate nicht weit verbreitet war. Das Abschussgerät heißt 'Gewehrgranatgerät'. Neben der Gewehrsprenggranate (richtig, sie konnte auch als Handgranate geworfen werden) kam vor allem die Große Gewehr-Panzergranate (von Dir "40" genannt) zum Einsatz. Sie unterschied sich von der 'Gewehr-Panzergranate' durch eine größere Hohlladung und damit größere Panzerdurchschlagsleistung. Die von Dir gezeigte Hohlladungs-Gewehrgranate "61" war nicht die Standardmunition.


    Also üblicherweise verwendet: Gewehrgranatgerät mit Gewehr-Sprenggranate oder Großer Gewehr-Panzergranate.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Leute,

    ich möchte das Thema noch nicht fallen lassen.

    Ich habe bei Paul C. ein Foto gesehen mit geschlossenem Becher,

    (Grenadier beim Laden ca.1942)

    Auf dem Goldap Foto 1944 ist nur eine untere Gleitschale zu erkennen.

    Ist das, dass selbe Gewehrgranatgerät?

    Welche Granate benutzt der Schütze bei Carell?

    schönes Wochenende,

    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    Auf dem Goldap Foto 1944 ist nur eine untere Gleitschale zu erkennen.

    Ist das, dass selbe Gewehrgranatgerät?

    Ich finde das Foto täuscht. Meiner Meinung nach ist es das selbe Gewehrgranatgerät. Man kann an dem Karabiner sogar das Granatvisier erkennen.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    Quote


    Vielleicht kann noch jemand etwas zu den Treibladungspatronen schreiben.

    nur die Große Gewehr-Panzergranate verwendete Treibpatronen, alle anderen Arten von Gewehrgranaten wurden mit Gewehrkartuschen verschossen.


    Zum Zielen war das Granatvisier übrigens nicht zwingend erforderlich, es ging behelfsweise auch über eine hochgeklappte Visierkimme.


    Grüße

    Thilo

    Files

    • 215.jpg

      (59.09 kB, downloaded 50 times, last: )
    • 363.jpg

      (53.99 kB, downloaded 50 times, last: )

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    hier etwas zum Einsatz des Schießbechers für Gewehrgranaten:


    Erfahrungsbericht der 24. Pz. Div.: Nr.377/42 geh. S. 14, zum Einsatz in Stalingrad, Auszüge abgedruckt in Wettstein:" Die Wehrmacht im Stadtkampf 1939 - 1945" S. 321:

    " Von der Bewaffnung her hatten sich auch die Schießbecher für Gewehrgranaten "vozüglich bewährt".

    Die Division besaß ganze 7 Schießbecher!


    Gruß Karl