Brückenkapzitäten in der Kesselschlacht von Kamenez-Podolsk

  • Hallo,


    Ich recherchiere zur Ausbruchsschlacht aus dem Kessel von Kamenez-Podolsk. In dieser mussten mehrere nördliche Zuflüsse des Dnjestr, mindestens der Zbrucz und der Seret kämpfend überwunden werden.

    Soweit ich das verstanden habe standen der 1. Panzerarmee nur geringe Kapazitäten an ausgewiesenen Einheiten von Brückenpionieren und Brückengeräten zur Verfügung (in einer Brückenkolonne B dort hat mein Großvater gedient, daher mein Interesse).


    Meine Frage daher, wie muss man sich die Überwindung solcher Flussläufe im Kampf vorstellen? Welche Möglichkeiten hatten die kämpfenden Infanterie- und Panzerdivisionen selbst?

    Waren die Brückenkolonnen auch unmittelbar im Angriff zur Errichtung des Brückenkopfes eingesetzt oder eher nachfolgend für die Bereitstellung der Brücke für die nachfolgende Kolonne?


    Grüße,

    Alexander

  • Hallo Alexander,


    Schweres Brückengerät hätte man doch nur gebraucht bei einem südlichen Durchbruch über den Dnjestr. Den Zbrucz konnte man per Furt überwinden und dann die Stellen verminen.

    Am Seret dürften Brückenköpfe mit Übergängen erobert worden sein.


    Gruß

    Rüdiger

  • Hallo Rüdiger,


    herzlichen Dank erstmal.


    Lässt sich denn zumindest spekulieren ob und wie die Brückengeräte während des Ausbruchs noch eingesetzt wurden?

    Beispielsweise für die Überbrückung unpassierbarer Stellen auf der Rückzugsroute oder über die Flüsse zur Erhöhung der Kapazität.


    Ich weiß, das ist keine exakte Wissenschaft jetzt. Aber ich tappe momentan ganz im Dunkeln, ob die Brückenkolonne B noch irgendeine militärische Relevanz hatte nach der Entscheidung, nicht über den Dnjestr auszuweichen.


    Viele Grüße,

    Alexander

  • Hallo zusammen,


    Wenn es so war wie oben von Rüdiger vermutet dann wurde das schwere Gerät eventuell zurück gelassen ( vernichtet ) und die Soldaten infanteristisch eingesetzt. Es war wertvolles Gerät aber wenn es für den Ausbruchsversuch an sich nicht relevant oder sogar hinderlich war könnte ich mir das vorstellen.

    Das ist natürlich alles reine Spekulation.


    Gruß

    Reinhard

    Ich suche Informationen zur 212. Infanterie Division, insbesondere zum IR 423.

  • Hallo Alexander,


    du denkst zu sehr an geordnete Verhältnisse, vielleicht regt dich das Foto einer vollmotorisierten Flakeinheit zu einer realistischeren Betrachtung an,

    was Spritmengen und geschlossene Einsätze von Einheiten angeht.

    Der Ausbruch stieß für die russische Armee überraschend gen Nordwest, entsprechend waren für brusttiefe Gewässer keine großartigen Schlachten notwendig.

    Vielleicht gibt es noch in irgendeiner Form NARA-Materialen dazu, ansonsten hilft dir der Erlebnisbericht von P. Erlau (Flucht aus der weissen Hölle).

    Praktisch wärst du hautnah dabei, wandernd durch den Kessel über hunderte Kilometer.


    Gruß

    Rüdiger

  • Hallo Rüdiger,


    das Buch von Erlau habe ich tatsächlich verschlungen. Allerdings berichtet der ja aus dem apokalyptischen hinteren Teil der Kolonne, mit aufgerissenen und zerstörten Straßen, brennenden Wracks etc. Über die Flussübergänge gibt er nicht viele Informationen. Einmal beschreibt er, dass Pioniere ein unwegsamen Teil der Rollbahn überbrückt hätten. Mehr Hinweise habe ich nicht gefunden.

    Allerdings hat mich dann auch wieder der Artikel von Carl Wagener in der Militärwissenschaftlichen Rundschau überrascht, der ja vor allem auf den militärischen Quellen basiert.

    Der erweckt den Eindruck, dass die Armeeführung bei der Operation doch viel koordiniert hat. Und die Brückengeräte könnten ja höchst nützlich gewesen sein, auch wenn man 200.000 Leute in kurzer Zeit über die Flüsse bringen muss, auch wenn viele schon mit dem Panjewagen unterwegs waren.


    Grüße,

    Alexander

  • Meine Frage daher,wie muss man sich die Überwindung solcher Flussläufe im Kampf vorstellen?

    Hallo Alexander,


    die 1. Panzer-Division lief mit einer Handvoll Soldaten schießend über die 30 to.-Brücke des Seret, dann war diese unversehrt im deutschen Besitz (siehe Buch R. Stoves zur Division). War danach überhaupt noch ein südlicher Übergang notwendig?


    Gruß

    Rüdiger

  • Hallo Rüdiger,


    das ist nochmal eine interessante Information. Dann werden Brückengeräte vermutlich nicht zum Einsatz gekommen sein.

    Trotzdem finde ich die Frage interessant, ob Mansteins und Hubes Plan eines Ausbruchs nach Westen zumindest die Option einer eigenen Kriegsbrücke vorgesehen hat.

    Eine Sprengung der Brücken durch die Russen war ja nicht unrealistisch.

    Und immerhin war Geschwindigkeit der entscheidende Faktor. Aber das ist natürlich spekulativ.


    Danke nochmal!


    Grüße,

    Alexander


    PS: Das Buch von Rolf Stove habe ich mir gleich mal bestellt

  • Hallo Peter,


    so habe ich es die Tage auch noch in einer Divisionchronik gelesen (Pz.Div), sind beim Zbrucz einfach durch knietiefes Wasser gerauscht.


    Ich bezweifle fast, dass die Wegeverhältnisse im Kessel das Mitführen von klobigen LKWs mit Brückengerät erlaubt hätten.


    Zu wenig Sprit und alles diente der Mitnahme von Verwundeten.


    Gruß

    Rüdiger

  • Dieser Fluss war wohl tatsächlich kein Problem. Ich glaube es wird wohl eine Spekulation bleiben.

    Ich könnte mir aber vorstellen, dass alleine die Fähigkeit zum Brückenbau den Aufwand (Treibmittel) wert gewesen ist.


    Die Diskussion war in jedem Fall hoch interessant.