Befreiung von deutschen-stämmigen Dörfern (Kolonien) in der Sowjetunion während des Russlandfeldzugs 1941

  • Hallo zusammen,


    ich suche Infos und Erfahrungsberichte aus der Zeit der Anfänge des Russlandsfeldzuges 1941, welche die Einnahme von deutschensprachigen Dörfern in der damaligen Sowjetunion enthalten.



    Der Großteil der deutschstämmigen Bevölkerung in der Ukraine und auch Allgemein alle deutschen Anwohner der Siedlungen welche westlich der Wolga lagen, wurden auf Befehl Stalins nach Beginn des Russlandsfeldzugs hinter den Ural, hauptsächlich nach Kasachstan und Sibirien deportiert.


    Allerdings konnte die Wehrmacht noch einige "deutsche" Siedlungen erreichen bevor die Bevölkerung dort durch die Sowjets deportiert werden konnte.


    Tageuchaufzeichnungen: http://chort.square7.ch/Buch/TNeud.htm


    Anbei noch ein kurzer Abriss der Geschichte der deutschen Siedler:;




    Ich suche nun nach Berichten über den Einmarsch/Eroberung/Befreiung dieser deutschen Dörfer durch die Wehrmacht. Genauso über Berichte von Deutschen aus diesen Gebieten in der Wehrmacht und Waffen-SS und ihrem Einsatz.


    Es gibt einige sehr interessante und hoch detaillierte Internetseiten über die Geschichte dieser deutschen Kolonien, mit den Namen und Daten nahezu aller Siedler, Heiraten und und und...


    Da es jedoch nur ein eher geringer Teil war, der durch die Wehrmacht befreit wurde, gibt es relativ überschaubare Mengen an Berichten darüber.

    ich würde mich freuen wenn hier etwas mehr zusammen kommen könnte.


    hier z.B. sieht man welche Dörfer in der Molotschna-Kolonie deportiert wurden und welche durch deutsche Truppen befreit wurden.


    http://chort.square7.ch/FB/D0717.html


    Auch wäre es interessant welche Einheiten dort gekämpft haben, durchgezogen sind.


    Natürlich spielt auch ein persönliches Interesse hierbei eine Rolle, da mein Urgroßvater in der Molotschna-Kolonie geboren ist und als die Kommunisten an die Macht kamen nach Deutschland geflüchtet ist ( da er als Dolmetscher für die Deutsche Armee gearbeitet hatte während des 1.WK) Ein Teil meiner Vorfahren kam dann 1943 nach Deutschland.



    Schöne Woche noch


    Grüße Ju


    EDIT: Unter den folg. Links sind ganze Bücher und z.T. auch Ausschnitte aus Publikationen u.Ä. zu sehen, für die die es interessiert mehr darüber zu erfahren.


    http://chort.square7.ch/Sitemap.htm#01

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    Edited 2 times, last by suchosju ().

  • Hallo Ju,


    ein sehr interessantes Thema.

    Ich habe heute zufällig in den NARA-Rollen T315 R932 der 46. Infanterie-Division vom August 1941 eine Verlautbarung mit "Maßnahmen" zum Schutz der Volksdeutschen entdeckt.


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Da es jedoch nur ein eher geringer Teil war, der durch die Wehrmacht befreit wurde


    hier z.B. sieht man welche Dörfer in der Molotschna-Kolonie deportiert wurden und welche durch deutsche Truppen befreit wurden

    Hallo suchosju,


    ist es jetzt die Zeit der großen Umdenken und Umbewertung angebrochen? Ist der Fall Barbarossa nunmehr auch ein Befreiungsfeldzug?


    Ansonsten waren es die Leute der 1. AA der Leibstandarte AH, die Anfang Oktober 1941 dort durchgesaust sind, bevor die nachfolgende Panzergruppe 1 unter Kommando derer von Kleist die ganze Gegend mehr oder minder kampflos einnahm. Beide Truppenteile durch ihre Befreiungstat beseelt, durchführten dann die von Heinz von Westernhagen detailliert beschriebene Erschießung von mind. 10.000 Juden in Mariupol, meiner Heimatstadt...

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor7,

    warum so gereizt?

    Ich dieser Teil gehört zur Wahrheit und es wurden auch mit Sicherheit Menschen oder Volksgruppen befreit.

    Leider auf kosten anderer.


    servus

    Manfred

  • Guten Tag Manfred,


    Quote

    Ich dieser Teil gehört zur Wahrheit und es wurden auch mit Sicherheit Menschen oder Volksgruppen befreit.

    mit Barbarossa wurden also Menschen und Volksgruppen befreit,

    welche denn?


    Quote

    Leider auf kosten anderer.

    Wer waren denn die "anderen"? "Auf Kosten" anderer, wer hat welchen Preis bezahlt?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hmm,


    ich denke, man sollte es sehr differenziert betrachten:


    Diese Betroffenen waren zunächst weniger Deutsche als viel mehr Mennoniten und als solche in der zweiten Hälfte der 30er auch den stalinistischen Verfolgungen ausgesetzt. Das sich diese Bevölkerungsgruppe seinerzeit subjektiv befreit gefühlt haben mag kann logisch erscheinen, zeugt aber auch von völliger Unkenntnis der Situation im Dritten Reich.


    Heute dagegen von Befreiung zu sprechen zeugt jedoch nur davon, nichts aus der Geschichte gelernt zu haben: Befreiung war tatsächlich kein vordringliches Ziel des Krieges gegen die Sowjetunion. Und vermutlich hätte sich jeder der "Befreiten" gewünscht, weiter in Ruhe sein Land bestellen zu dürfen und nicht der deutschen Armee als Kanonenfutter zu dienen.

    Ohne den deutschen Überfall hätte es vermutlich auch keine Deportation der Russlanddeutschen in den Osten gegeben, somit wird hier Ursache und Wirkung vertauscht.


    Gruß Frank

  • Hallo,


    mit dem Wort Befreiung würde ich höchst vorsichtig umgehen wollen, eigentlich sollte es in diesem Zusammenhang besser nicht benutzt werden.


    Die Molotschna-Kolonie wurde im frühen 19. Jahrhundert von Mennoniten (Täufer) gegründet, die als religiöse Minderheit über Jahrhunderte in Deutschland mehr oder weniger verfolgt wurde, zumindest ausgegrenzt. Sie sprachen eine besondere niederdeutsche Mundart. Sie lebten in der Kolonie ihr von der Religion geprägtes gesellschaftliches Eigenleben und genossen im Zarenreich einige Privilegien (zeitweise Befreiung vom Wehrdienst etc.). Die Gemeinden genossen eine relative Autonomie und Selbstverwaltung. Die zaristische Obrigkeit ließ sie weitgehend gewähren. Dies änderte sich in der Sowjetunion, das Regime gab den Takt vor und auch die deutschen Kolonien hatten sich diesem zu unterwerfen. Das führte selbstverständlich zu Problemen. Spätestens mit der Kollektivierung, d.h. der Enteignung der Bauern ab Anfang der 1930iger Jahre, ging es zur Sache. Auflehnung, und da war die Schwelle sehr niedrig, wurde in der Regel mit Arbeitslager bestraft, nicht selten mit Erschießen. Beim herannahen des Kriegs gab es dann große Deportationswellen deutschsprachiger Bevölkerungsteile nach Kasachstan und weiter östlich. Auch die Molotschna-Kolonie war davon betroffen, jedoch beweiten nicht in Gänze (s. anhängende Karte).


    Wichtig ist jedoch zu betonen, dass die Kolonisten / Mennoniten sowjetische Staatsbürger waren, keine deutschen Staatsbürger, erst Hitler mit seiner völkischen Blut und Boden Deutung des Staatsbürgerrechts, machte sie zunächst zu Volksdeutschen und sodann, bei dann Ankunft im Reich und Rasseprüfung ( ja, es wurde genau geprüft, es reichte nicht ein archaisches Deutsch zu sprechen, arisch sollten sie auch sein) zu Reichsdeutschen.


    Aufschlussreich ist die im Anhang befindliche Karte der Kolonie, sie stammt von Nachfahren der Kolonisten und wurde nach dem zweiten Weltkrieg angelegt. Auf der Karte sind sämtliche Dörfer der Kolonie eingezeichnet und in zwei unterschiedlichen Farben dargestellt. Diese Farben geben Auskunft darüber, wann die Dorfbewohner jeweils von den Sowjets oder den Deutschen "deportiert" wurden. Zumindest die Autoren dieser Karte verzichten darauf, die Ankunft der Wehrmacht und der damit einhergehenden anschließenden Deportation als Befreiung zu bezeichnen. Beide Vorgänge bezeichnen sie als Deportation.


    Im Rahmen der Sowjetisierung hat es viel persönliches Leid gegeben, die hat jedoch bei weitem nicht zur Auflösung dieser Minderheiten-Kolonie geführt, deren gänzliche Auflösung ist ursächlich als Kriegsfolge zu sehen.


    Sicherlich ist es spannend die vielleicht drei bis vier Jahre der Deportationen zunächst durch Stalin später durch Hitler zu erforschen. Dies zu dokumentieren hieße (vermute ich mal) eine Forschungslücke zu schließen. Aber wie gesagt, man bewegt sich schon bei der Begriffswahl auf dünnem Eis.



    siehe auch:

    http://chort.square7.ch/FB/D0717.html


    Beste Grüße


    Paul

  • Danke Paul,

    mit dem Wort Befreiung würde ich höchst vorsichtig umgehen wollen, eigentlich sollte es in diesem Zusammenhang besser nicht benutzt werden.

    so habe ich's gemeint..


    Um nun auch die Brücke zu den Opfern zu schlagen:

    Quote

    Bald nach dem Angriff auf Russland im Juni 1941 beschritten Himmler und Rosenberg drei Wege, um die Sowjetdeutschen zu erreichen: den Weg über die Volksdeutsche Mittelstelle - Sonderkommando Russland, über das Sonderkommando Stumpp und über das Einsatzkommando 6 der Einsatzgruppe C (ebenso über das Einsatzkommando 10a der Einsatzgruppe D). Das Einsatzkommando 6 rekrutierte an die zwanzig junge mennonitische Freiwillige aus den Dörfern Chortitzas als Hilfkräfte für den Sicherheitsdienst, die mit weiteren ukrainischen und russischen Freiwilligen das sogenannte Massaker von Saporoschje in einer Kiesgrube südlich des ehemaligen mennonitischen Dorfes Schönwiese im Oktober 1941 veranstalteten. Das ist das erste Mal, dass Mennoniten als Täter im Holocaust direkt beteiligt waren. SS-Hauptsturmführer Heinrich Wiens, ein Mennonit aus Muntau (Molotschna), nahm das Kommando des Einsatzkommandos 12 wahr und führte mehrere Massaker im Gebiet von Pjatiogorsk im Kaukasus durch, vor allem das berüchtigte Massaker an der Glasfabrik in der Nähe von Mineralnyje Wody (Rempel, Mennonites and Holocaust/ Mennoniten und der Holocaust, 2010).

    http://www.mennlex.de/doku.php?id=top:drittes_reich


    Gruss Frank

  • Hallo suchosju,


    ist es jetzt die Zeit der großen Umdenken und Umbewertung angebrochen? Ist der Fall Barbarossa nunmehr auch ein Befreiungsfeldzug?


    Ansonsten waren es die Leute der 1. AA der Leibstandarte AH, die Anfang Oktober 1941 dort durchgesaust sind, bevor die nachfolgende Panzergruppe 1 unter Kommando derer von Kleist die ganze Gegend mehr oder minder kampflos einnahm. Beide Truppenteile durch ihre Befreiungstat beseelt, durchführten dann die von Heinz von Westernhagen detailliert beschriebene Erschießung von mind. 10.000 Juden in Mariupol, meiner Heimatstadt...

    Hallo Viktor,


    mir wurde von Zeitzeugen, also von Menschen aus Fleisch und Blut, welche zwischen 1919 und 1932 in der Schwarzmeerregion in den deutschen Siedlungen geboren sind, persönlich erzählt dass sie es als eine Befreiung empfunden haben. Denn nachdem das Land durch die Wehrmacht besetzt worden ist, bekamen die deutschen Siedler ihr Land wieder zurück und was an Vieh noch da war. In den Jahren vorher war die deutsche Bevölkerung in diesen Gebieten drangsaliert und benachteiligt worden, es wurden einfach so deutsche Männer verhaftet und erschossen (das war 1937) - um 1930 wurde ihnen ihr gesamtes Land und Vieh, also ihre Lebensgrundlage entzogen und verstaatlicht.

    Sie durften dann ihr Land weiterhin bestellen, erfüllten sie den Soll nicht gab es Strafen. Ein tolles Leben war es, das nehme ich mir mal frech heraus, bestimmt nicht. Wenn du dir die Links anschaust und die Berichte dir dort sind verstehst du vielleicht was ich meine.


    Ich persönlich würde es auch als Befreiung empfinden wenn jemand kommen würde und mein Leben nachhaltig verbessern würde. Und ja - es herrschte anscheinend völlige Unkenntnis in den deutschen Siedlungen in der Sowjetunion. Genauso aber herrschte auch in Deutschland selbst kaum ein "Glasnost" - ich verstehe nicht wie man die heutige "political correctness" auf eine Zeit knapp Hundert Jahre davor ummünzt ????


    Wenn du möchtest kannst du auch gerne deine Sicht der Dinge ausführlich darstellen, damit ich bzw. wir verstehen können was du genau meinst und warum.

    Weil ich persönlich deine Einstellung diesbez. nicht bzw. noch nicht ganz verstehe,



    Vielen dank für die Info, das deckt sich mit meinen Quellen:)


    Grüße Ju

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  • Hallo Ju,

    ein sehr interessantes Thema.

    Ich habe heute zufällig in den NARA-Rollen T315 R932 der 46. Infanterie-Division vom August 1941 eine Verlautbarung mit "Maßnahmen" zum Schutz der Volksdeutschen entdeckt.

    Hallo Bernhard,


    vielen dank für die tollen Dokumente :) !


    Grüße Ju



    mit Barbarossa wurden also Menschen und Volksgruppen befreit,

    welche denn?

    Wer waren denn die "anderen"? "Auf Kosten" anderer, wer hat welchen Preis bezahlt?

    Hallo Thomas,


    es wurden Volksgruppen "befreit" , welche unter der Herrschaft der Sowjetunion litten - neben den Deutschstämmigen - als Bsp. die auch später in die Wehrmacht übernommenen Freiwilligen-Verbände, Kosaken, - Turkmenen, Inguschen, Tschetschenen, (diese z.B. begrüßten die WH mit an der Straße auf Stöcken aufgespießten Köpfen von Rotarmisten (das war im Kaukasus) - noch heute ist die Beziehung zwischen Russland und Tschetschenen angespannt) sowie alle moslemischen Minderheiten,- sie alle wurden in der SU benachteiligt - natürlich nicht offiziell - aber das ist jetzt nicht das Thema hier.



    Auf Kosten anderer - eben auf Kosten des russischen Zivilbevölkerung welche durch den Krieg natürlich extrem litt -das ist natürlich verständlich - wurden zwangsverpflichtet usw.


    Grüße Ju




    Hmm,


    ich denke, man sollte es sehr differenziert betrachten:


    Hallo Frank,


    du hast Recht - wer will schon in den Krieg ziehen.


    Allerdings hatten viele junge Männer Gründe:


    1930: Alles Land und Vieh wird weggenommen und verstaatlicht- und die Felder von denen du schreibst gehören einem nicht mehr. Reiche Familien werden über Nacht arm - denn das Geld ist auch kaum was wert.


    1937 und 1938 ist ein großer Teil der männlichen Angehörigen verschleppt und erschossen worden.


    Das sind für mich Gründe wütend zu sein besonders als junger Mensch. Man war jahrelang wohlhabend und plötzlich ist man als minderwertig erachtet. Natürlich bildet sich da Hass- das ist rein menschlich.


    Das ist aber nur meine Theorie, denn ich habe bisher keinen Überlebenden getroffen, welcher aus diesen deutschen Dörfern stammt und mir erzählt hat warum und mit welcher Einstellung und welchen Gefühlen er den Dienst an der Waffe tat. Falls jemand was dazu hat bitte ich sehr es doch zu teilen.



    Ich spreche trotzdem absichtlich von Befreiung - denn es ging den Menschen dadurch wieder viel besser, sie wurden also von dem System welches sie benachteiligte befreit und waren nun in einem System welches aus heutiger Sicht natürlich auch nciht viel besser war, aber für die Menschen damals um Welten besser war als ihr altes Leben. Denn niemand aus den Dörfern welche noch von den Russen deportiert wurden ist freiwillig mitgegangen. Es war Befehl zu erscheinen, wer konnte versteckte sich, da die WH doch schon sehr nahe war wurde nicht viel nach einem gesucht.


    Grüße Ju



    Hallo,


    mit dem Wort Befreiung würde ich höchst vorsichtig umgehen wollen, eigentlich sollte es in diesem Zusammenhang besser nicht benutzt werden.


    Die Molotschna-Kolonie wurde im frühen 19. Jahrhundert von Mennoniten (Täufer) gegründet, die als religiöse Minderheit über Jahrhunderte in Deutschland mehr oder weniger verfolgt wurde, zumindest ausgegrenzt. Sie sprachen eine besondere niederdeutsche Mundart. Sie lebten in der Kolonie ihr von der Religion geprägtes gesellschaftliches Eigenleben und genossen im Zarenreich einige Privilegien (zeitweise Befreiung vom Wehrdienst etc.). Die Gemeinden genossen eine relative Autonomie und Selbstverwaltung. Die zaristische Obrigkeit ließ sie weitgehend gewähren. Dies änderte sich in der Sowjetunion, das Regime gab den Takt vor und auch die deutschen Kolonien hatten sich diesem zu unterwerfen. Das führte selbstverständlich zu Problemen. Spätestens mit der Kollektivierung, d.h. der Enteignung der Bauern ab Anfang der 1930iger Jahre, ging es zur Sache. Auflehnung, und da war die Schwelle sehr niedrig, wurde in der Regel mit Arbeitslager bestraft, nicht selten mit Erschießen. Beim herannahen des Kriegs gab es dann große Deportationswellen deutschsprachiger Bevölkerungsteile nach Kasachstan und weiter östlich. Auch die Molotschna-Kolonie war davon betroffen, jedoch beweiten nicht in Gänze (s. anhängende Karte).

    Hallo Paul,


    anscheinend hast du mir meinen Text nicht ganz durchgelesen, da du viel wiedergibst was ich bereits schrieb, wie die Karte z.B. -aber das macht ja nix.


    Ich gebe nur wieder was mir persönlich erzählt wurde und ich aus Zeitzeugenberichten erfahre konnte. Ich möchte hier ganz bestimmt nicht ideologisches oder sonst was in die "rechte" Richtung weisendes Gedankengut etablieren


    Die Menschen in diesen Gebieten sahen es als Befreiung an. Punkt. Wie es 70 Jahre später von der Politik gesehen wird oder der Gesellschaft gesehen werden soll - das ist hier eigentlich nicht das Thema, man kann gerne die Überschrift in " Deutschen-stämmige Dörfer (Kolonien) in der Sowjetunion während des Russlandfeldzugs 1941" umbenennen.


    Ich denke hier im Forum soll doch gezeigt werden wie es früher war und nicht wie wir es nach 70 Jahren sehen, weil wir es besser wissen.


    Meiner Meinung nach verbesserte sich die Lebenssituation der Deutschen eindeutig. So habe ich es auch erzählt bekommen.

    Natürlich war es dann nicht Friede , Freude , Eierkuchen. Aber das ist dann klar - in Kasachstan wäre es ihnen nicht besser gegangen.

    Naja ich werde es vermeiden erneut von Befreiung zu reden, wenn es nicht erwünscht ist.



    Zu den Deportationen. Es gab zunächst eine große Deportationswelle nach Beginn des Russlandfeldzuges. Dabei wurde alles was deutschstämmig war deportiert, man schaffte aufgrund des schnellen Vordringen der WH nicht alle zu deportieren.


    Die deutschstämmigen aus den Gebieten der Sowjetunion welche das Glück oder laut der Ansicht einiger das Unglück hatten, von der WH erreicht zu werden, bevor sie nach Kasachstan deportiert werden konnten, bekamen nun große Landstriche zu Bewirtschaftung überlassen (Ukraine ,sollte Kornkammer des Deutschen Reiches werden usw. hat jeder sicherlich mal gehört).


    Ab 1943, als die Front stetig immer weiter nach´Westen kam, bildete man Trecks, ähnlich den Treck der Siedler welche um 1800 auswanderten, z.T. wurde auch bahnverladen und ins Warthegau transportiert. Dafür gab es auch abgestellte WH-Einheiten für den Schutz der Trecks.


    Die Trecks und Züge wurden oft durch Tiefflieger beschossen, es gab viele Tote durch Krankheiten, Kälte und Feindeinwirkung . z.T. zog man sich parallel mit den WH-Einheiten zurück, so nah war man an der Front. Es wurden laufend die Pferde von WH-Einheiten ausgetauscht, sprich die lahmen Pferde bekamen die Trecks, die gesunden die Soldaten.


    Insgesamt gab es drei "Deportationen" (wären die deutschen Siedler in ihren Siedlungen geblieben wären sie wohl erschossen oder zumindest gen Osten deportiert worden ) Aber das zählt ja nicht.


    Es gibt mehrere Diplomarbeiten über die Russlanddeutschen, in denen auch darauf eingegangen wird mit genauen Daten.




    Grüße Ju







    Hallo Frank nochmal,


    ja dieser Mann ist mir gut "bekannt" - habe von über ihn gelesen.



    Mir ist völlig klar das es auch unter den deutschstämmigen Soldaten aus der Sowjetunion welche gab, die Kriegsverbrechen begangen haben - aber das ist ein zu großes Thema und es hier mit rein zu packen, das wird zu unübersichtlich, ist es jetzt leider schon mit den ganzen Kontroversen über Formulierungen.


    Könnte man sich evtl. bitte auf folgende Bereiche beschränken und wenn gewünscht ein weiteres Thema aufzumachen?



    Ich suche nun nach Berichten über den Einmarsch/Eroberung dieser deutschen Dörfer durch die Wehrmacht. Genauso über Berichte von Deutschen aus diesen Gebieten in der Wehrmacht und Waffen-SS und ihrem Einsatz - erstmal rein militärische Informationen - Danke :)


    Grüße Ju

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  • Ich spreche trotzdem absichtlich von Befreiung - denn es ging den Menschen dadurch wieder viel besser,


    Die Menschen in diesen Gebieten sahen es als Befreiung an. Punkt. Wie es 70 Jahre später von der Politik gesehen wird oder der Gesellschaft gesehen werden soll - das ist hier eigentlich nicht das Thema

    Hallo,


    nur noch eine Frage für Allgemeinverständnis, wie alt bist du eigentlich, wo kommst du und all deine Weißheiten her, wann hast du die Leute, die 1919 geboren sind gesprochen?

    Der Rest ist bereits mehr oder minder ungeschminkt...

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor,


    all meine "Weisheiten" wie du sie nennst, kommen

    a.) aus schriftlichen Zeitzeugenberichten (viele aus der o.g. Quelle)

    b.) aus Zeitzeugenbefragungen zwischen 1994 und 2011.


    Das andere tut hier erstmal nichts zu Sache, da es nicht zum Thema beiträgt.


    Da ein Teil meiner Vorfahren 1943 aus dem Osten nach Deutschland "deportiert" wurde, lernte ich viele Menschen kennen die das gleiche/ähnliches Schicksal teilten - z.B. Verwandte meiner Großmutter welche erst um 1990 nach Deutschland zurückkamen.


    Wenn du andere Berichte zu diesem Thema hast die Gegenteiliges berichten oder sonst welcher Art würde ich mich sehr freuen du sie hier teilst.


    Denn auch ich weiß nicht alles, zu Mal dieses Thema nicht meine Lebensaufgabe ist und ich vieles auch noch nicht weiß und mich nicht mit allen Facetten befasst habe.


    Nachtrag: Wenn das Thema dadurch weiterkommt, wenn ich das empören verursachende Wort "Befreiung" weglasse, da es nicht politisch korrekt scheint, mache ich das gerne, denn ich bin nicht hier um irgendein politisches Statement oder sonst etwas abzulegen.


    Grüße Ju

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  • Hallo,

    in den "Ereignismeldungen UdSSR" steht was zu den deutschen Minderheiten drin. Für den Schreiber war es offenbar überraschend dort diese Deutschen vorzufinden:


    Ereignismeldungen UdSSR


    Da stehen dann quasi gleich beide Gruppen nebeneinander: die wenigen Glücklichen und die vielen, vielen Unglücklichen!


    Traurige Grüße

    Andre

  • Hallo Andre,


    funktioniert die angegebene Seite bei dir? Ich habe Silverlight installiert, allerdings gibt es die Seite anscheinend nicht...


    Grüße Ju

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  • Hallo,


    mag sein, dass der Schreiber der Ereignismeldung von der Existenz deutschsprachiger Menschen in der Gegend überrascht war. Die Existenz der deutschsprachigen Kolonisten im Zarenreich und dann in der UdSSR war aber allgemein bekannt und es gab in der SS bereits früh eine Volkstumsforschung, die sich explizit mit diesem Thema befasste.


    Es war aber eine Erfindung der Nazis diese Siedler zu Volksdeutschen zu machen und die Souveränität über sie zu reklamieren. Völkerrechtlich damals ein Novum. Wie ernst Hitler diesen Standpunkt vertrat lässt sich an der Besetzung des Sudetenlandes erkennen und auch im Vorfeld und zu beginn des Polenfeldzuges. In beiden Fällen wurden die sogenannten Volksdeutschen für die Ziele der Nazis instrumentalisiert. Dies wurde natürlich in der SU registriert und die Schussfolgerung dort war, die präventive Umsiedlung der dann per Nazidefinition zu Volksdeutschen gewordenen. Stalin überließ, soweit es ging, nichts dem Zufall und er hatte keine Scheu das zu tun, was man heute social-Engineering oder ethnische Säuberung nennt. Letztlich fiel die Umsetzung der völkischen Ideen durch Hitler schwer auf diese Kolonien zurück.


    Die Mennoniten gibt es seit fast 500 Jahren, sie waren über viele Jahrhunderte ausgesprochen pazifistisch eingestellt, ihre gesellschaftliche Ordnung und Organisation erfolgte, um es mit einem heutigen Begriff zu umschreiben, basisdemokratisch. Diese Gesellschaftsorganisation hatte vor dem Hintergrund der sich durchsetzenden bolschewistischen Gesellschaftsorganisation keinen Überlebenschance. Die Menschen in den Kolonien gerieten zwischen die Mühlsteine der großen Politik und der kriegführenden Mächte.


    Nur wenn man diese, hier nur sehr grob umrissenen Verhältnisse mit in die Geschichtsbetrachtung der Kolonie einbezieht, kann man Einzelschicksale einigermaßen anständig einordnen. Ich würde mich bei der Bearbeitung dieses Themas auf quasi Dorfebene einfach nur auf die Tatsachenschilderung beschränken und Begriffe wie Befreiung, Schuld etc. soweit es geht verzichten.


    Beste Grüße von


    Paul


    der im Moment unter den Folgen einer dreistünden Wurzelbehandlung leidet.

  • Hallo,


    danke für deine Antwort und Erklärung Paul.


    Bereits im 1.Weltkrieg deportierte man im Zarenreich viele Deutschstämmige aus frontnahen Gebieten nach Sibirien. Genauso Ethnien bzw. Nationalitäten welche mit den Deutschen Truppen kollaborieren könnten.

    Das betraf vor allem die westlich Ukraine und Moldawien.



    Allerdings war die Deportation der Deutschen 1941 , zunächst nicht geplant gewesen, was auch die unvollständige Deportation erklärt.

    Es dienten tausende deutschstämmige Soldaten in der Roten Armee - beim Angriff auf Finnland und zum Zeitpunkt des Überfalls auf die Sowjetunion - wäre das geplant gewesen, hätte man diese Soldaten natürlich entfernt.

    Viele dieser Soldaten liefen dann auch zur WH über.


    Ich würde noch vieles schreiben, aber das ist hier anscheinend nicht erwünscht.




    Ich habe einen Link eingestellt mit versch. Publikationen und Büchern welche als pdf-Dateien einzusehen sind bereits eingestellt, hier noch einmal.

    Wer möchte bzw. falls es evtl. unter Umständen jemanden interessiert.


    http://chort.square7.ch/Sitemap.htm#01



    Auf den geschichtlichen Hintergrund und die Brisanz gewisser Ausdrücke wurden nun hingewiesen und ist zur Kenntnis genommen worden.


    Jetzt würde ich mich freuen wenn man auf das eigentliche Thema zurückkommen könnte :)



    Ich suche nun nach Berichten über den Einmarsch/Eroberung dieser deutschen Dörfer durch die Wehrmacht. Genauso über Berichte von Deutschen aus diesen Gebieten in der Wehrmacht und Waffen-SS und ihrem Einsatz - erstmal rein militärische Informationen - Danke :)


    Grüße Ju

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  • Hallo zusammen,


    habe bei der Suche einen Text des Users "sori" entdeckt, welcher selbst im Krieg Soldat war und leider schon verstorben ist.


    Ich möchte hier einmal meine Erlebnisse als Soldat wahrend des Krieges in der Ukraine schildern. Ich fand ein Land in groester Armut, mit Verhältnisse für uns unbegreiflich. Es gab keine Wasserleitung, kein Strom, die Strassen waren eine Sandwüste. Wir fanden dort einige Dörfer, die Deutsche Namen hatten. Es waren Aussiedler, die sich vor hunderten von Jahren dort angesiedelt hatten, und noch ihr Plattdeutsch sprachen. Sie erzählten mir ihre leidvolle Vergangenheit. Sie sagten mir ihre Not und Armut sei auf der erfolgten Umstellung der bäuerlichen Landwirtschaft zur staatlichen Kolchhoswirtschaft. Ihnen wurde alles genommen was sie hatten. So geschah in der Ukraine 1932 eine große Hungersnot. Ihnen fehlten die kleinsten Lebensnotwendigkeiten. Seit Jahren, kannten sie nicht einmal die Seife.


    Nun kamen wir die Deutschen, sie sahen in uns die Befreier von einer Zwangswirtschaft. Sie hofften auf ein seit Jahren erhoffte Freie selbständige Ukraine. Nahmen uns in ihre Hauser auf wie ihre Söhne. Teilten mit uns ihre letzten Lebensmittel. Kämpften mit uns als Freiwillige gegen die Russen in der Slaskowarmee und in den Kosakenverbaenden


    Grüße Ju

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  • Hallo Ju,


    in dem Buch "Die Krim unter deutscher Herrschaft 1941-1944", Norbert Kunz, 2005, ISBN 3-534-18813-6

    gibt es ein paar Seiten (217 - 224) über die Betreuung der Krimdeutschen durch die deutschen Behörden in dieser Zeit.

    Vor den Umsiedlungen durch die Sowjets im Sommer 1941 lebten auf der Krim ca. 50.000 Krimdeutsche. Bis Mitte 1942 wurden von den dt. Behörden auf der Krim nur noch 1.252 Krimdeutsche registriert.


    S. 218: ..."Hatte man im Reich den landwirtschaftlich orientierten Krimdeutschen, als den angeblich ´besten Kolonialisatoren´vor Ort, ursprünglich die Bedeutung eines Bevölkerungskerns im künftigen Gotengau zugewiesen, so mußten die Eroberer der Halbinsel bei ihrem Eintreffen konstatieren, dass die deutsche Bevölkerung im Sommer 1941 fast vollständig verschleppt worden war." ...
    "Nicht wenige von ihnen starben während ihrer Deportation an den Strapazen oder, dies gilt es nicht zu vergessen, im Hagel deutscher Bomben auf die Evakuierungstransporte."


    Auf Seite 219 heißt es, dass die deutschen Behörden bis April 1944 in der gesamten besetzten UdSSR 326.436 "Volksdeutsche" erfasst hatten.


    Ich habe das Buch und kann Dir gerne noch etwas heraussuchen


    Viele Grüße

  • Hallo Ju,


    die I.Art.Rgt.77 kam 1941 von Kishinew aus über Iwanowka durch Hoffnungsthal und Neu Freundenthal richtung Nikolajew.

    Bildunterschrift : "Bei Volksdeutschen in Hoffnungsthal 8.8.1941"

    Quelle: Fotoalbum eines ehem. Angehörigen


    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • Hallo Bernhard,


    vielen Dank für die Zahlen - diese fehlten mir nämlich noch - die Zahl der durch die Sowjets deportierten betrug ~971.000 Deutschstämmige - davon starben etwa 300.000 zum größten Teil nach erfolgter Deportation, da man quasi im nichts (kasachische Steppe) neu anfangen musste - dazu kommen noch die Toten der in die Arbeitslager verschleppten - dazu gibt es leider keine Zahlen.


    Mich würden besonders weiter Zahlen und Beschreibungen der deutschen Kolonien und der Menschen sowie der Umgang mit WH interessieren , wäre echt toll wenn du was heraus suchen könntest :)



    Hallo ZAG,


    danke dir, das ist auch eine Top-Info - Datum und Einheit sind gute Infos :) Da kann ich weiter anknüpfen. :)


    Grüße Ju



    Ergänzung: Ich habe eine wie ich finde sehr interessante Seite entdeckt - dort werden auch z.T. über die negativen Folgen unter Deutscher "Herrschaft" berichtet. man erkennt Parallelen zu den Flüchtigen aus Ostpreußen .


    https://dierusslandsdeutschen.wordpress.com

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