Frage nach dem Verbleib der Flak-Batterie 126 nach dem 20.2.1945

  • Guten Tag,

    ich bin auf der Suche nach den letzten Tagen meines Vaters Kurt Otto Schmidt (1899-1945)

    Hier auszugsweise aus seinen Briefen Angaben zu seinem Werdegang als Sanitätsgefreiter sowie die Hinweise zu seinen Feldpostnummern.

    2.10.42 „Ich bin seit April Soldat und jetzt in Gross-Berlin“

    21.10.42 „Ich habe hier das Sanitätswesen einer Flak-Batterie zu betreuen“

    12.1.43 Neue Feldpostnummer 18234

    L18234

    (25.1.1943-31.7.1943) 3. Batterie schwere Flak-Abteilung 126 (o).

    25.5.43 Neue Feldpostnummer 16961

    L16961

    (25.1.1943-31.7.1943) Stab schwere Flak-Abteilung 126 (o).

    ??.??.43 Neue Feldpostnummer 17203

    L17203 Berlin Zehlendorf

    (25.1.1943-31.7.1943) 1. Batterie schwere Flak-Abteilung 126 (o).

    3.10.44 Abreise von Berlin

    6.10.44 L17203 Dresden: 10 km vor Leipzig

    10.10.44 Leipzig-Gaschwitz

    22.1.45 Leipzig-Gaschwitz: „Morgen soll es voraussichtlich fortgehen. Wahrscheinlich nach Osten“

    23.1.45 Böhlen: „Noch einen Gruss“

    29.1.45 z.Zt. Guben: „Seit Sonntag auf der Fahrt nach Osten“

    6.2.45 „Bald 7 Tage waren wir im Eisenbahnwagen nahe des Ostfront“

    9.2.45 „Seit Sonntag Abend sind wir hier in Stellung nahe der Ostfront“

    10.2.45 L17203: „Morgen gehen wir weg in eine andere Stellung

    20.2.45 „Wir sind hin- und hergewandert und haben nun endlich ein festes Dach über dem Kopf“

    Danach keine Post oder Nachricht mehr.


    Nach dem Krieg erhielt meine Mutter von einem überlebenden Kameraden Willy Horstkotte die Nachricht vom Tod meines Vaters. Zitat auszugsweise:

    „Am 21.4.45 musste sich unsere Batterie vom Feind absetzen und ging […] von Klettwitz vor Senftenberg über Kostebrau, Grünewald nach Elsterwerda mit Ziel Riesa/Elbe, wo sich unsere Abteilung sammeln sollte. […] Ich bekam den Befehl, diese 10 Mann […] rasch nach Elsterwerda zu führen. […] Im Morgengrauen des 22.4.45 erreichten wir Kahla bei Elsterwerda. […] erklärten 4 Kameraden, nicht mehr mitgehen zu können. Diese waren Obergefr. Vorpahl, Sani.Obergefr Schmidt, Kanonier Majewski und Obergefr. Fischbach. […] Ich habe dieses alles geschildert und gefolgert, wenn Majewski von den Russen erschossen worden ist, sind leider die anderen nicht verschont worden.“

    Meine Nachforschung soll herausfinden, wohin sich die Flak-Abteilung 126 nach dem 20.2.45 bewegte und ob sich diese auf dem Rückzug der SS-Division Frundsberg angeschlossen hatte.

    In Briefen oder Dokumenten erwähnte Namen:

    Willy Horstkotte, Pfeil, Majewski, Vorpahl, Orje Schneider

    Eine Anfrage bei der WASt war leider erfolglos. Sie hatte mir als Ergebnis die Unterlagen zugesandt, die ich ihr selbst zur Verfügung gestellt hatte.

    Mit bestem Gruss

    Reinhold

    Edited 2 times, last by Reinhold J ().

  • Hallo Reinhold,


    in der DRK Vermisstenbildliste ist die schwere Flak-Abteilung 126 (gleich Deine letztgenannte Feldpostnummer 17203) unter LD 127-133 (Stab und 1.-7. Batterie) zu finden. Dein Vater ist nicht dabei. Auf LD 128 findet sich ein Kurt Vorpahl, evtl. der erwähnte "Vorpahl", vermisst seit April 1945


    http://193.159.223.62:8081/vbl/Feldpostnummer/FPN.aspx


    Am 21./.22. April 1945 ist die Frundsberg in Richtung Senftenberg aus. Insofern könnte sich die Einheit Deines Vaters und die 10. SS-Panzerdivision getroffen bzw. zusammen ein paar Tage gekämpft haben.


    Grüße


    Uli

    *** Suche alles zum 22. SS-Panzergrenadier-Regiment (10. SS-Panzerdivision "Frundsberg") und R.A.D. 2/214 Oedt. Wer hat Informationen zum Schützen-Regiment 69 (1941)? Wer hat Informationen zur Flugzeugführerschule Crailsheim (1943-45)? Danke! ***

  • Lieber Uli,

    Dank für deine Hinweise. Auf der DRK-Seite habe ich auch nachgeforscht. Diese ist leider nicht komplett bzw. nicht aktuell. Weitere Kameraden der Batterie fehlen. Und Vorpahl ist nicht vermisst sondern lt einem Augenzeugen (Horstkotte) ebenfalls gefallen. Man hat damals die 4 zurückgebliebenen Soldaten notdürftig beerdigt.

    Gruss Reinhold J

  • Hallo Reinhold,


    die o. g. Orte sind


    Klettwitz

    Kostebrau

    Grünewald


    Alle westl. v. Senftenberg auf dem Weg nach Elsterwerda.


    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo zusammen,


    ich habe die Daten zu der Abteilung noch einmal aufbereitetet und komme zu folgendem Schluss.


    Die Abteilung bzw. die Rest-Teile sind bis April 1945 in Berlin nachweisbar. Da die Einheit ortsfest in Stellung lag,

    d.h. die Geschütze waren auf einen Sockel festgeschraubt, war eine Verlegung so einfach nicht möglich.

    Das lässt drei Varianten zu:


    1. Die Einheit wurden mit neuem Gerät ausgerüstet und nach "Osten" verlegt.

    2. Das Personal wurde als Personal-Bttr. (ohne Gerät) nach "Osten" verlegt und eingesetzt.

    3. Der Protagonist kam zu einer anderen Einheit (die genannte Waffen - SS Einheit)


    Wenn keine weiteren/neuen Fakten auftauchen halte ich die zweite Variante für plausibe. l

  • Das geht ja hier im Forum wie’s Brezelbacken, sodass ich mit Antworten nicht nachkomme.


    Lieber Dieter

    Ich tendiere ebenfalls zur Version 2.

    Und nehme an, dass die Batterie zusammengeblieben war, da der Kamerad Vorpahl (ebenfalls im Berliner Standort) mit meinem Vater auf dem Rückzug gefallen ist.


    Hier noch einige Auszüge aus der Vita meines Vaters:


    Mein Vater war Buchhändler. Seine letzte zivile Anschrift war Leipzig, Kohlenstrasse 22 (nahe Bayerischem Bahnhof). Das Haus wurde um den 15.12.43 ausgebombt.


    In der Weltwirtschaftskrise und vor allem im Krieg war in seinem Beruf kein Brot zu verdienen. Im Krieg wurde nur kriegswichtige Literatur hergestellt und von der „Schönen Literatur“ wenn schon, dann höchstens 5% der Vorkriegsauflagen.


    Deutsche Arbeitsfront von Mai 1941 bis April 1942 in einem Rüstungsbetrieb (welcher?) in Leipzig

    29.11.41: […] „Ich arbeite an einem Schraubstock und muss feilen und hämmern.“

    14.12.41 […] „Hier ist allein der Wille des Betriebsführers oder seiner Stellvertreter massgebend und diese geben mir nicht einen Tag länger frei. […] Denn hier bestimmt ausserdem noch die Wehrmacht.“

    2.10.42 „Ich bin seit April Soldat und jetzt in Gross-Berlin“

    uff s. erster Post


    25.12.42 […] „Für den Äskulapstab hat es aber bei der Prüfung bei mir gereicht. Nun bin ich hier bei einer Flak-Batterie und muss den (ca. 80) Kameraden Erste-Hilfe leisten. […] bin hier 2 Stunden Weg zum Revier. Dort helfe ich dann mit den anderen San.-Kameraden aus noch drei Batterien dem Arzt bei der Behandlung.“

    23.4.42 L18234: „Meine neue Adresse nach Ostern: Berlin-Zehlendorf S.-A.-Reitschule Truppenverbandsplatz

    20.6.43: Berlin-Zehlendorf, Königsweg 65, Trupp-Verb-Platz

    4.7.43 „Heute war ich dienstlich von Grunewald in Zehlendorf (???). Seit Mittwoch bin ich nämlich versetzt, weil hier eine Stelle frei war und die Batterie nicht ohne Sanitäter sein darf. Das wird noch oft geschehen, dass ich in einer Batterie mal Vertretung machen muss. […] Bitte schreibe mir weiterhin nach Zehlendorf, da ich nur vorübergehend hier bin.

    22.7.43 „Ich bin heute noch in Grunewald (nahe am Wannsee). Seit 2 Tagen ist ein neuer Mann zur Ablösung da. Morgen muss ich dann auf meine alte Dienststelle (L16961, Lgp Berlin) zurück.

    Mit Gruss Reinhold J

    Das Foto ist undatiert (Guben?) letzte Reihe links mein Vater

    Files

    Edited 3 times, last by Reinhold J ().

  • Hallo,

    und kurz ein Hinweis.


    Siehe Torsten Fudel (Krieg an der Oder) und auf Seite 287.

    Dort steht die Fp.Nr.17203 und gehörte zur 1.Batterie, schwere Flak-Abt.126.


    Auch erwähnt auf Seite 79. Einsatz im Abschnitt Altstadt von Küstrin.


    charkow18

  • Hallo zusammen,


    Quote

    23.4.42 L18234: „Meine neue Adresse nach Ostern: Berlin-Zehlendorf S.-A.-Reitschule Truppenverbandsplatz

    20.6.43: Berlin-Zehlendorf, Königsweg 65, Trupp-Verb-Platz

    diese beiden "Ortsbezeichnungen" handelt sich um die gleiche Liegenschaft.


    Unter der Adresse gab es zuerst die Reichs-Reiterführer-Schule die 1936 bis 1938 entstand.

    Ab 1937/38 wurde daraus die SA - Reichsreiterführerschule

    In unmittelbar Nähe befand sich "Deutschen Reitschule" des Majors a.D. Bürkner auf Gut Düppel

    die aber mit der SA-Schule zu dem Zeitpunkt nichts zu tun hatte.


    Nach einigen Nachkriegsstationen ist heute in dem Gebäude die Klinik für Klauentiere der Freien

    Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin, untergebracht.

  • Allen bisherigen und zukünftigen(?) Beiträgern danke ich,

    Es scheint nun so und macht mich hoffnungsvoll (charkow18), dass ich nach so langer Zeit doch noch mehr über die Flak-Batterie und meinen Vater erfahren werde. Mit Torsten Fudel versuche ich Kontakt aufzunehmen.Vielleicht hat er noch weitere Informationen anzubieten.

    mfg Reinhold J

  • Hallo zusammen,


    zu der 1. Batterie schwere Flak-Abteilung 126 (o) habe ich noch folgendes "ausgegraben"



    Noch eine Anmerkung zu dem letzten Gruppenfoto. Vor den "normalen" Flak-Soldaten sitzen

    "LwH (HJ)" - also Luftwaffenhelfer der Hitlerjugend.

  • Liebe Alle,

    Dank Torsten Fudel kann ich vermutlich die letzten Stationen nachvollziehen:

    Oder

    Küstriner Kiez (danach unter dem Stab Flak-Abt. 307)

    Raum Ruhland

    sowie die bereits weiter oben erwähnten Orte


    Besten Dank allen Beiträgern von

    Reinhold J