deutscher Soldat an der Ostfront in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft

  • Hallo allerseits!


    Mir liegt ein Konvolut eines deutschen Soldaten (Wehrpass, etc.) vor, der vom 30.08.1939 bis zum 17.02.1944 Angehöriger des Artillerie-Regiment 28 war. Die letzte Eintragung in dem Wehrpass endet mit dem 17.02.1944 (siehe Anlage 1), und laut Wehrpass wurde der Soldat nicht verwundet. Eine Ersatztruppenteil ist nicht genannt und nach dem 17.02.1944 wurde der Soldaten noch zum Hauptgefreiten befördert und ihm wurde der Orden "Kreuzzug gegen den Bolchewismus" verliehen (siehe Anlage 2). In dem Konvolut befinden sich u.a. auch Unterlagen, die bescheinigen, dass der Soldat 1948 aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft kam (siehe Anlage 3).


    Meine Frage daher: Wie kam der Soldat von der Ostfront in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft? Wurde zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht? Wo war der Soldat nach dem 17.02.1944?


    Grüße

    Sven

  • Hallo, Sven,


    Quote

    noch zum Hauptgefreiten befördert

    zum Stabsgefreiten ;)


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    was mich verwundert:


    Die rumänische Erinnerungsmedaille an den Kreuzzug gegen den Kommunismus wurde am 14.10.44 eingetragen, zu dem Zeitpunkt war Rumänien schon auf die andere Seite gewechselt-


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo allerseits!


    Meinst du, der Orden wurde sich selbst verliehen, nachdem Rumänien am 23.08.1844 aus dem Krieg ausgeschieden ist? Wie verhielt es sich danach mit dem Tragen solcher Orden? Das Tragen der dt.-ital. Erinnerungsmedaille wurde ja nach dem Wegfall Italiens Ende 1943 verboten.


    Grüße

    Sven

  • Hallo Sven,


    das tragen rumänischer Auszeichnungen war auch bei Strafe verboten. Aber wie Thilo schrieb ist der 14.10.44 der Tag der Eintragung im Soldbuch nicht der Tag der Verleihung. Wahrscheinlich hat er diesen bereits auf der Krim erhalten.

    Die Einträge im Wehrpass wurden, im Gegensatz zum Soldbuch, meist viel später, teilweise auch gar nicht mehr gemacht.

    Hat der Soldat nach dem 17.02.44 den Ersatztruppenteil gewechselt ?


    Gruß aus Freiburg

    Andreas

  • Hallo,


    an einer Abgabe von Kriegsgefangenen aus Ostpreußen glaube ich persönlich nicht. Die 28. Jäger-Div. inkl. Art.Regiment hatte im Februar 44 immense Umstrukturierungen nach schwerem Abwehrkampf. Vielleicht führte ihn eine Verwendung als Gebirgsartillerist auf den Balkan, ohne Aktualisierung des Wehrpass. Seltsam dann aber die Eintragung der Verleihung ohne Weitergabe bzw. weitere Vermerke. Die Verleihung wird wohl verspätet aus dem Krim-Einsatz stammen, könnte aber genau so gut im Süden Russlands/Rumänien, Sommer 44 erfolgt sein. Solch Auszeichnung wurde bereits verliehen, wenn rumänische Offiziere nur bei einer Waffenvorführung zugegen waren und sich Name + Einheit notierten.



    Gruß

    Rüdiger

  • Servus liebe Forumsnutzer,


    es geht hier um den Zweifel, dass ein Soldat von der Front in Russland in jugoslawische Gefangenschaft geriet.

    Aber ich habe bei meinen Recherchen über das Schicksal von Soldaten aus meinem Dorf den umgekehrten Fall. Ich weiß aber nicht, ob das in dieses eröffnete Thema gehört!


    Ein Soldat des Grenadier Regiments 1047 in der 237. ID wurde nach WAST am 30.1.1947 über das Durchgangslager Hof-Moschendorf aus "östlichen Gewahrsam" entlassen. Weitere Angaben gibt es nicht. Die Durchgangsstelle Hof-Moschendorf war nach Frankfurt/Oder als Einschleusungspunkt jedoch nur für Kriegsgefangene aus der Sowjetunion vorgesehen.

    Aufgrund der Geschichte der 237. Infanterie-Division müsste der Soldat in jugoslawische Gefangenschaft geraten sein, da sie nördlich Fiume, heute Rjieka, vor den Jugoslawen kapitulierte. Das Gren Rgt 1047 kapitulierte bei dem Ort Villa del Nevoso, der auch nördlich Fiume liegt .


    Nun stellt sich die Frage, wie der Soldat von Kroatien über eine Gefangennahme durch die Tito Armee in russischen Gewahrsam kam. Es bleibt eigentlich nur die Übergabe an die Sowjets übrig. Diese Diskrepanz konnte über die einschlägigen Stellen nicht geklärt werden.


    Ist jemand bekannt, ob die Jugoslawen auch Gefangene an die Sowjets übergaben???


    Vielen Dank für Eure Bemühungen!


    Gruß aus dem Bayernland

    Hans

  • Hi,


    Abgabe der Gefangenen an die Sowjets - freiwillige oder gezwungene- erfolgte mit Sicherheit während der Kämpfe in Serbien im September-Oktober 1944, und wahrscheinlich auch bei weiteren gemeinsamen Operationen (z.B. Brückenkopf Kraljevo im Oktober-November 1944, oder Syrmien, Dezember 1944). In ihrer Beziehung mit den Partisanen verstanden sich die Sowjets als "der ältere Bruder" wem der Vorrang bei Auswahl der Beute, sowohl "menschlichen", als auch materiellen, gebührte. Konkret hieß das, dass die Rote Armee alle so dringend gebrauchten Kfz restlos beschlagnahmte, und würde auch oft die von den Partisanen gemachten Gefangenen abschleppen, was zu wiederholten Streitigkeiten führte.


    [Quelle: Gaj Trifković, "‘Damned Good Amateurs’: Yugoslav Partisans in the Belgrade Operation 1944", The Journal of Slavic Military Studies, 29:2 (2016), S. 276-77; K.W. Böhme, Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941—1949 (München:1962), Bd. I/1, S. 90].


    Im Bezug auf Fall Eins (28. Jäg.-Div.) würde ich Rüdiger zustimmen; eine andere Möglichkeit wäre, dass er von den Sowjets als mutmaßlicher Kriegsverbrecher an Jugoslawien ausgeliefert wurde. Ob es solche Fälle tatsächlich gegeben hat, ist mir nicht bekannt; es ist allerdings Fakt, dass Jugoslawien die von den UdSSR gesuchten Personen auslieferte (z.b. Ewald von Kleist), was eigentlich eine mögliche Lösung für den Fall Zwei (237. Inf.-Div.) sein könnte.

    Mit freundlichen Grüßen,


    Gaius

  • N´Abend allerseits und vielen Dank für eure verschiedensten Theorien! :thumbsup:


    [...] Im Bezug auf Fall Eins (28. Jäg.-Div.) würde ich Rüdiger zustimmen; eine andere Möglichkeit wäre, dass er von den Sowjets als mutmaßlicher Kriegsverbrecher an Jugoslawien ausgeliefert wurde. Ob es solche Fälle tatsächlich gegeben hat, ist mir nicht bekannt; es ist allerdings Fakt, dass Jugoslawien die von den UdSSR gesuchten Personen auslieferte (z.b. Ewald von Kleist), was eigentlich eine mögliche Lösung für den Fall Zwei (237. Inf.-Div.) sein könnte. [...]

    Der Werdegang des Soldaten scheint für mich (bis Februar 1944) erstmal lückenlos und nachvollziehbar zu sein und weiter finde ich keine Beziehung der 28.Jägerdivision zum Balkan. :rolleyes:


    Grüße

    Sven

  • Hallo,

    Abgabe der Gefangenen an die Sowjets - freiwillige oder gezwungene- erfolgte mit Sicherheit während der Kämpfe in Serbien im September-Oktober 1944, und wahrscheinlich auch bei weiteren gemeinsamen Operationen

    wir sprechen hier aber von 1947, also keine unmittelbare Abgaben aus Kämpfen noch vor Kriegsende. Ich kann mir gut vorstellen, dass in Jugoslawien Massenentlassungen im Jahre 1947 logistisch per Bahn über Frankfurt/Oder getätigt worden Solche Menschenmassen kann man nicht geschwächt in Tausenderzahlen über Berge und Pässe Richtung Bayern loslaufen lassen.

    Da wurden schon bei schonenden Bahntransporten bis zu 100 täglich in Frankfurt/Oder begraben, die es nicht überstanden oder geschwächt die ersten Tage im Heimkehrerlager nicht überstanden.


    Zum Angehörigen des AR 28 - Russland hatte Gefangene für den polnischen und tschechischen Bergbau abgegeben, Abgaben an Jugoslawien sind keine bekannt.


    mfg

    Tac

  • Hallo allerseits!


    Ich habe die mir vorliegenden Akten des Konvolutes noch einmal nachgesehen und hier sogar noch eine Art "Kriegsgefangenenausweis für den jugoslawischen Gewahrsam" gefunden (siehe Anhang). Der Soldat wurde offensichtlich am 08.12.1948 in Löbau / Sachsen in einem "Auffanglager deutscher Kriegsgefangene der SMA des F.L. Sachsen" registriert. Weiß aber leider nicht, was die Abkürzung heißt.


    Grüße

    Sven