Start von V1 aus Wuppertal?

  • Hallo,


    es gibt aus der Feldpost des Opas meiner Frau zwei Passagen die mir Rätsel aufgeben. Dieser war auf dem Weg in den Westen und hat etwa zwei Wochen in verschiedenen Kasernen in Wuppertals verbracht. Dabei erwähnt er in zwei Zusammenhängen die V1:


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    Wuppertal, den 2.1.45

    Hoffentlich seid Ihr gut in das neue Jahr herein gekommen. Ich hatte gerade Wache. Punkt 12 Uhr war ein ungeheurer Krach hier in der Nähe. MGs fingen an zu schießen, Karabiner schoßen und natürlich alles nur mit Platzpatronen.

    Das schönste war als es sechs mal laut krachte und mit einem schaurig schönen Aussehen stiegen 6 feurige Bälle mit einem Feuerschweif gen Himmel. Das waren die Abschüsse der V I.

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    und


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    Wuppertal, den 4.1.45

    Wir sind von der Polizeikaserne zur Colmar Kaserne [*in Wuppertal Lichtscheid*] versetzt. Gerade ist Fliegeralarm aber wir haben es nicht so eilig in den Keller. Heute morgen hat sich hier eine V1 verirrt. Sie ist nicht zur Vollexplosion gekommen. Trotzdem standen bei uns die Spinte schief und die Straßenbahn ist aus den Schienen gehopst.

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    Es ist meines Erachtens nicht wahrscheinlich, dass der Opa den Start einer V1 beobachtet hat. Vor allem befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit keine V1 Abschussrampe in Wuppertal (die nördlichste linksrheinische war angeblich Wermelskirchen und von dort wurde wohl auch keine gestartet). Auch die Beschreibung des Ereignisses passt nicht recht zum Erscheinungsbilder der V1, oder?


    Wenn es sich nicht um die Beobachtung einer V1 gehandelt hat, was könnte es gewesen sein?


    Dank und Gruß,

    Alexander

  • Hallo Alexander,


    Quote

    Es ist meines Erachtens nicht wahrscheinlich, dass der Opa den Start einer V1 beobachtet hat. Vor allem befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit
    keine V1 Abschussrampe


    doch das kann sein denn die "Wuppertaler Kasernen" liegen oberhalb der Stadt auf einem Höhenzug.

    Von da aus wäre eine Abschuss im Raum Remscheid nachts zu beobachten gewesen.

    Das war die Zeit der Angriffe auf Antwerpen und Brüssel.


    Die verirrte V1 könnten eine Kreisläufer gewesen sein, auch plausibel.


    Da der Einsatz es Flak Rgt.155(W) recht gut dokumentiert ist müsste mann die Daten anhand der Akten und Literatur abgleichen.

    Gruss Dieter

  • Hallo Dieter,


    vielen Dank für die spannende Spur. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Abschussrampe in Wermelskirchen nicht zur Benutzung gekommen sei.

    Allerdings fand ich es auch unstimmig, dass die Soldaten da hinsichtlich der V1 in Ihrer Umgebung so daneben gelegen habe sollen.


    Welche Literatur würdest Du empfehlen und wie kommt man an Akten zur Flak Rgt.155(W)?

    Ich hatte mir das Buch "Die V1" von Wilhelm Hellmond bestellt, aber nichts darüber gefunden.


    Ich bitte um Entschuldigung, ich bin in solchen Recherchen ein Neuling.


    Dank und Gruß,

    Alexander

  • doch das kann sein denn die "Wuppertaler Kasernen" liegen oberhalb der Stadt auf einem Höhenzug.

    Von da aus wäre eine Abschuss im Raum Remscheid nachts zu beobachten gewesen.

    Das war die Zeit der Angriffe auf Antwerpen und Brüssel.


    Hallo,


    rein von der Entfernung her könnte ein Beschuss aus der Region Wuppertal ebenfalls passen, die V1 hatte eine ungefähre Reichweite zwischen 250 -280 km - damit erreicht man sowohl Antwerpen als auch Brüssel.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    Diese Seite enthält weitere Hinweise über die unbenutzte Stellung in Wermelskirchen-Dabringhausen-Forthausen und einen Buchtipp.


    https://www.rga.de/rhein-wuppe…rmelskirchen-4233227.html


    Wenn eine V1 am 04.01.1945 morgens in oder in der Nähe von Wuppertal explodiert ist, könnte der Bergische Geschichtsverein eventuell Auskunft geben.

    War es üblich, dass 6 V1 auf einmal bzw. kurz hintereinander gestartet wurden?


    Viele Grüße

    george







  • hallo George,


    gut gemeint, Dein Hinweis auf den Zeitungsbeitrag im RGA - doch leider ist der hinter einer Bezahlschranke...


    Eigentlich wollte ich mich aus Zeitgründen bei diesem Beitragsbaum nicht beteiligen, doch durch den Bericht ( der einleitende Text ist sichtbar ) sehe ich meinen spontanen Gedanken beim Lesen des Startbeitrags bestätigt: => Wermelskirchen kenne ich bisher nur im Zusammenhang mit der Aggregat 4 ( "V2" ) . Im Text wird von einer "Rakete" und von betonierten Flächen gesprochen.

    Also nicht von einer längeren, metallenen Rampe, von der eine "Flügelbombe" mittels Katapult-Start in ihre Flugrichtung gebracht wird.


    Anders herum gesagt: kann es sein, daß hier der Klassiker vorliegt: Verwechlung von V 2 ( senkrecht startende Rakete mit Überschall-Geschwindigkeit ) mit der V 1 ( auf einer schiefen Ebene startende, in damals üblichen Flughöhen vergleichsweise gemächlich auf einer flachen Flugbahn fliegende Flügelbombe ) ?


    Mit der V 1 beschäftige ich mich aus Zeitgründen nicht näher und verfüge daher auch nicht über speziellere Literatur aus alter Zeit. Daher kann ich auch von hier aus nicht ermitteln, wo es eventuell in der Nähe schießende Einheiten der Luftwaffe gegeben haben könnte.


    Vielleicht verfügt hier jemand über derartige Unterlagen und könnte die Recherche übernehmen ?


    Mit freundlichen Grüßen

    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Goldhamster,


    wie schon von Munalisa angesprochen gibt es bei dem Start einer V1 kaum nennenswerten Rauch oder gar ein "Feuerschweif" zu sehen.

    Flakzielgerät 76 - FZG 76 (1943) (V1)


    Bei der Zahl von 6 geschossen könnte es sich um den Abschuss eines Nebelwerfers gehandelt haben.?!

    Nebelwerfer


    Gruß,

    pvt.snafu

  • Hallo snafu,


    Quote

    Bei der Zahl von 6 geschossen könnte es sich um den Abschuss eines Nebelwerfers gehandelt haben.?!



    im Prinzip richtig aber auf was hätte man schießen sollen, im Januar 1945, bei +/- 10 km Reichweite ?

    Gruss Dieter

  • Hallo,


    die Idee mit dem Nebelwerfer finde ich interessant. Er beschreibt in dem Brief ja offenbar den Betrieb auf einem Übungsplatz (Lärm von "Platzpatronen"). Kann es sein, dass es für die Nebelwerfer ebenfalls Übungsmunition gab?


    Andererseits schreibt er im gleichen Brief auch noch: " Seit gestern hört man das Gebrummel von der Front".

    Die Front war ja glaube ich zu diesem Zeitpunkt schon kurz vor dem Rhein, also in überschaubarer Entfernung zu Wuppertal.


    Grüße,

    Alexander


    PS: Beim bergischen Geschichtsverein werde ich mich einmal freundlich erkundigen

  • Moien,

    in dem Buch von Dr. Uli Jungbluth V1 V2 V3 "Hitlers Geheimwaffen" steht etwas über die Stellung Wermelskirchen. V1 schließe ich aber aus, die Stellungen lagen in der Eifel, dazu hier eine LN-Stellung welche den Auftrag hatte die Einschlagorte funktechnisch einzumessen (Fug 25).

    Das komplette Kriegstagebuch der V2 Einheit ist im BA erhaltengeblieben, die verzeichnen jeden Kurzstart, Zerleger, Spitzendetonation teilweise mit Werknummer der A 4.

    h.

  • Hallo zusammen,


    nach einiger Recherche habe ich etwas ausgegraben und bin auch zu einer Einschätzung gekommen.


    Die nördlichste V 1 Feuerstellung (rechtsrheinisch) war die Stellung 114 Forthausen (Wermelskirchen-Dabringhausen) die von der 3.Batterie des Flakregiment 155(W)

    besetzt war. Gebaut wurde Stellung offensichtlich im Sommer/Herbst 1944. Ob aus der Feuerstellung gefeuert worden ist ist nicht klar. Ich habe nur Aussagen von Zeitzeugen

    gefunden die sagen das die Stellung nicht "aktiv" war, was ich für wahrscheinlich halte.


    Zu den "Beobachtungen"; Was der Protagonist gesehen bzw. gehört hat war ein Teil des Unternehmen "Bodenplatte". https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Bodenplatte


    Soweit meine Einschätzung bis hier her

    Gruss Dieter