Ernst Gotthard

  • Hallo Ernst,


    auf welcher Grundlage basieren denn die Recherchen, die Du bisher zu Deinem Vater unternommen hast? Liegt Dir bereits eine Auskunft der Deutschen Dienststelle/WASt in Berlin zu seinem militärischen Werdegang vor? Es gibt hier im Forum einen Beitrag mit etwas Hilfestellung zur Suche nach Informationen, der allerdings z.Zt. etwas überarbeitet wird:

    Grundlagen zur Suche


    Leider kann die Wartezeit bis zur Auskunft von der WASt inzwischen wohl ca. 2 Jahre dauern, aber anhand der von Dir eingestellten Bilder und der tröpfchenweise Informationen wird sich kaum etwas greifbares finden lassen, um Deine Vermutungen zu bestätigen.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo Johann Heinrich,

    der Antrag WASt ist erst ein Monat alt, aber die Recherchen beziehen sich auf unterschiedliche Erzählungen in der Familie. Während mein Vater mir kaum etwas erzählt hat, meint mein Sohn, sich an dies und das zu erinnern.

    Z.B. wäre er von Booten oder U-Booten mehrmals mitgenommen worden.

    Angaben über den Limfjord würden sich dann widersprechen, wenn er noch auf "Fahrt" nach Norwegen war. Und die Brillengeschichte verunsichert dann.

    Es gibt Bildmaterial, auf dessen Rückseite der Limfjord angegeben ist und An-und Abmeldeformulare von der britischen Besatzungsmacht. Aber dazwischen sind viele Mutmaßungen.


    Wenn man sich dann diese Abmeldeformulare genauer anschaut, stößt man wieder auf Fragen. Wo war er in Kriegsgefangenschaft? Er hat nämlich Marschverpflegung bis Februar 1946 erhalten, war aber von Jan. bis Dez. 46 lt. Papier in einer F.A.Z.51 tätig. Die Kriegsgefangenschaft fing allerdings schon 1945 an. Also vermute ich einen Transport von Eiderstedt nach Lübeck. Denn Lübeck war der letzte Wohnort der letzten Personenstandsaufnahme.

    Und zwar die St. Hubertus Kaserne. Die Kaserne muß wohl auch als Kriegsgefangenenlager der Briten gedient haben.

    Aber das alles werde ich nicht von der WASt erfahren. Deshalb hatte ich ein Bild ins Forum gestellt, um evt. zu erfahren, ob jemand den Landschaftshintergrund erkennt, sofern er mal dagewesen war, z.B. Urlaub in Thyboron.


    Ich habe etwas weiter ausgeholt, aber viele Grüße von

    Ernst Gotthard

  • Guten Morgen Ernst,


    wenn ich Deinen Hinweis auf Eiderstedt lese, dann wird Dein Vater im sogenannten Sperrgebiet G der Briten interniert gewesen sein. Dies umfasste die damaligen Kreise Eiderstedt, Norder- und Süderdithmarschen. Dem Status nach war er kein Kriegsgefangener, Praktisch alle Wehrmachtssoldaten die in Norwegen und Dänemark stationiert gewesen waren passierten dieses Sperrgebiet. Die Entlassung im Januar 1946 war aber recht spät, denn im Wesentlichen waren im Okt. 1945 die meisten Soldaten bereits entlassen. Das F.A.Z 51 könnte eine britische Einrichtung gewesen sein. Ehemalige Soldaten der Wehrmacht wurden durch die Briten angestellt z-B. für das Räumen von Minen. In diese Richtung würde ich meine Recherchen lenken.


    Gruß Paul

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • Guten Morgen Paul Spohn,


    vielen Dank, ich muss auf die Akte warten, aber das ist doch ein guter Ansatz für mich!. Ich melde mich wieder und hoffe, dass Du einverstanden bist.

    Auf alle Fälle nenne ich Dir 2 Dokumente, die er von den Briten bei Entlassung erhalten hat. Aber, da wird mein Text etwas länger....


    Gruß Ernst

  • Hallo Paul,


    als Nachweis der Kriegsgefangenschaft stehen mir leider nur 2 Entlassungsscheine zu Verfügung.

    Auf dem 1.Schein (Appendix "A") ist seine Nr. angegeben 11106, als Dienstgrad Arbeitsmann und als Diensttätigkeit allgem. Personal.

    Die Dienstgruppeneinheit F.A.Z.51; Zeitraum vom 26.01.46-8.12.46.

    Alles abgestempelt von der Royal Air Force, D.G. Administration Headquarters 84, Group!

    Davor liegender Zeitraum ist nicht bekannt!

    Bei dem Antrag auf Gewährung einer einmaligen Zuwendung für Vertriebene hat er die Kriegsgefangenschaft von 1945 bis 1946 angegeben.

    Ich selber bin nur auf Eiderstedt gestoßen, weil ich eine eingescannte alte Okkupationskarte meines Vaters auf dem PC näher angeschaut habe. Da waren Wege eingezeichnet und wieder herausradiert, hinterließen aber hellere Spuren , so dass ich den Spuren mal nachgegangen bin.

    Die Rückseite des 2.Entlassungsscheines habe ich mal angehängt(Entlassungsvermerk). Vielleicht kannst Du mehr erkennen.


    Und Kaserne St. Hubertus Lübeck erschein auf dem Anmeldeschein bei einer polizeilichen Meldebehörde am 5.1.1947 nachstehend.

    Vermerk: "Wohnort und Wohnung bei der letzten Personenstandsaufnahme bzw. am letzten vor der Anmeldung liegenden 10. Oktober".

    Antwort: " Lübeck" bei Ort, "St. Hubertus-Kaserne" bei Strasse und Hausnummer.


    viele Gruße

    Ernst

  • Hallo Paul,

    noch eine Ergänzung, vielleicht kannst Du damit etwas anfangen. Ein Buch von Lüben und Nacke:" Einführung in die Deutschen Literatur".

    Auf der 1.Seite ist von einem H. Reshöft eine Widmung eingetragen: "Tondern, p.f. Seminarist". und auf der Umschlagseite hat mein Vater wahrscheinlich etwas später das Buch als persönliches Eigentum deklariert.

    Tondern würde zu Eiderstedt passen?


    Gruß Ernst

  • Hallo Ernst,


    ich denke mal Du verwechselst Tönning und Tondern.


    Tönning ist eine kleine, sehr beschauliche Stadt an der Mündung der Eider in die Nordsee und war damals (Bis 1971) Kreisstadt des Kreises Eiderstedt.


    Das dänische Tönder (Tondern) liegt an der Westküste Dänemarks, nur wenige Kilometer nördlich der Grenze zu Deutschland und mit Sicherheit dürfte diese Stadt im Mai 1945 sehr viele deutsche Soldaten auf dem Marsch in die Internierung gesehen haben. So sicherlich auch Deinen Vater auf dem Weg vom nördlichen Ende Dänemarks zurück in die Heimat.

    Zu Tönder / Tondern wäre noch zu erwähnen, dass die Stadt und die Landschaft drum herum von 1864 bis 1918 als Nordschleswig zu Preußen bzw. dem deutschen Reich gehörte.

    Es war noch in den 1970iger Jahren so, dass die meisten Leute dort Deutsch sprachen, heute kommt man mit English besser durch.


    Als Literatur empfehle ich dazu:


    1. Piening, Holger, Als die Waffen schwiegen. Das Kriegsende zwischen Nord- und Ostsee.


    Es gibt noch einen Aufsatz eines jungen Wehrmachtssoldaten über seinen Rückweg von Dänemark nach Eiderstedt, den muss ich aber noch suchen.


    Beste Grüße


    Paul

  • Hallo Paul,

    ich danke Dir erst einmal für die Auskunft.Verwechselt habe ich da nichts. Ich habe nur erwähnt, daß in dem besagten Buch eine Widmung war, mit dem Hinweis "Tondern". Ich dachte wirklich an ein Seminar und der Durchführende war H. Reshöft-der Seminarist mein Vater.

    Ich habe den Forumsbeitrag von 32. Infanterie Division zum Sperrgebiet "G" gelesen, dann wären also Seminare usw. möglich gewesen, wie auch immer das Buch dann in seine Hände gekommen ist.

    Aber der Name Reshöft ist der einzige Hinweis zu einer Person über das Sperrgebiet hinaus. Evt. kann auch ein anderes Forumsmitglied mit dem Namen etwas anfangen?



    Der Aufsatz über den Soldaten würde mich aber sehr interessieren!


    Ich hatte gehofft, daß Du noch etwas sagen kannst zum vorigen Beitrag mit angehängter Datei.


    Beste Grüße


    Ernst

  • Hallo Paul Spohn.


    Es stimmt nicht ganz, daß Nordschleswig bis 1918 dem deutschen Reich gehörte. Es war bis 1920, wo eine Volksabstimmung gab nur ein Part von Dänemark von 1864 zurück zum Königreich Dänemark.


    Die Bevölkerung, die in Tønder, Sønderjylland ( Nordschleswig) geboren sind, spreche heute noch seht gutes Deutsch, aber viele von andere Teile Dänemarks hat sich dazu übersiedelt. Fast alle Dänen haben in die Schule Deutsch gelernt, aber hat es vielleicht nicht lange gebraucht und daher ist Englisch leichter zu brauchen. Ich wohne in Nordjütland, aber weil ich hier als Jehovas Zeuge Leute besuchen und viele Deutsche hier wohnen und in Sommerhäuser wohnen, brauche ich jede Woche Deutsch zu sprechen.


    Weiß du was wir alten Dänen, wenn wir deutsche Touristen, die Fahrräder mit haben sagen? Wir sagen: „Die wollen nicht noch einmal nach Deutschland zu Fuß gehen“. Die deutsche Truppen mussten ja zum Fuß in Mai 1945 gehen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Olaf

  • Hallo Olaf Berg Nielsen,


    vielen Dank für Deine Information, deshalb interessiert mich ja der Aufsatz, nach dem Paul Spohn schauen wollte. Da hat ein Soldat über seine Erlebnisse in einem Aufsatz geschrieben-Marsch in die Kriegsgefangenschaft. Allerdings habe ich da noch keine Antwort.


    viele Grüße an Nordjütland von


    Ernst


    (nach Nordjütland möchte ich nächstes Jahr auch , wenn ich denn weiß, wo mein Vater mal stationiert war)

  • Hallo Olaf,


    richtig, Südjütland wie ihr sagt oder Nordschleswig wie man in Deutschland sagte, kam nach der Volksabstimmung 1920 zurück nach Dänemark.


    Die Deutschen fahren Fahrrad, die Dänen knallertkørsel, wenn es nicht forbudt ist.


    Ich habe oft Urlaub in Dänemark gemacht und mag Deine Heimat sehr, natürlich die Menschen und besonders wenn es hygge zugeht.


    Gruß


    Paul