Gefangennahme einer Sanitätskompanie bei Sonnen, Niederbayern

  • Hallo zusammen,


    man sollte es vielleicht nicht allzu wörtlich nehmen, im Vergleich zu deutschen Angaben variieren die Angaben oft erheblich und werden oft zusammenfassend geschrieben.


    Zumindest ist mir das oft passiert wenn ich mit den amer. Quellen recherchiert habe.


    Wie bereits gesagt evtl. war der GenMaj als Verw. im Laz. und die 20 Offz. auch - ich denke aber eher dass es ein Div.Stab oder ähnl. war, mit dem die San Kp. "unterwegs" war, da z.B. gleiche Div. - oder er wurde auf dem Weg nach Passau unabhängig von der SanKp. gefangen genommen.


    Aber das ist nur meine Erfahrung.


    Grüße Ju

    Suche alles zu 6. ROB Lehrgang f. Inf. VII Lenggries - 553. VGD - ab Herbst 44

  • Wie bereits gesagt evtl. war der GenMaj als Verw. im Laz. und die 20 Offz. auch - ich denke aber eher dass es ein Div.Stab oder ähnl. war, mit dem die San Kp. "unterwegs" war, da z.B. gleiche Div. - oder er wurde auf dem Weg nach Passau unabhängig von der SanKp. gefangen genommen.

    Moin "Ju",


    ja, das ist im Tenor das, was ich oben beschrieben habe - der Gen.Maj. und seine ca. 13 (!, denn ca. 6 - 8 waren sicher Ärzte der San.Kp.) Offiziere (ja, durchaus, vielleicht alles Offiziere aus dem Stab derselben Division, deren San-Diensten diese San.Kp. angehörte) befanden sich zweckmäßigerweise für alle Fälle (also der absehbaren Gefangennahme) als "Verwundete / Kranke / Verletzte", also als Patienten in der San.Kp.. Das erleichterte ihnen in gewissem Maß ihre Gefangennahme.


    Ich denke jedoch, eine separate Gefangennahme der Offiziere und der San.Kp. hätte auch die Amis erwähnt - gerade auch, weil im Satz zuvor erwähnt wurde, daß die andere Patrouille in Sonnen selbst auf Widerstand durch deutsche und ungarische Soldaten gestoßen war ...


    Na ja, vielleicht ist irgendwo noch etwas über diesen Vorfall herauszufinden.


    Und vielleicht hat ja ein Divisions-Kenner hier aus dem FdW eine Ahnung oder eine gewisse Vorstellung, welche Divisionen damals Ende April 1945 in dieser Ecke noch unterwegs waren bzw. gewesen sein könnten? Möglicherweise aus Richtung Südwest-Tschechoslowakei bzw. aus Oberösterreich ...

  • Hallo zusammen,


    Da sich hier ein paar Sanitäts-Experten eingefunden haben: wie war denn die Rechtslage? Konnte man eine Sanitätseinheit überhaupt 'legal' in Kriegsgefangenschaft nehmen? Ich meine nämlich, früher mal Gegenteiliges gelesen zu haben.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • wie war denn die Rechtslage? Konnte man eine Sanitätseinheit überhaupt 'legal' in Kriegsgefangenschaft nehmen? Ich meine nämlich, früher mal Gegenteiliges gelesen zu haben.

    Moin Thomas,


    nein, lt. den Genfer Konventionen war das selbstverständlich untersagt.

    Aber wen, vor allem wen von den westalliierten Siegermächten, hat das damals interessiert?

    Die hat auch nicht interessiert, daß Kriegsgefangene bspw. wie eigenen Soldaten zu behandeln und zu ernähren waren - sie (insbesondere die Amis) haben daher die deutschen Soldaten kurzerhand von geschützten "Prisoners Of War" in "Disarmed Enemy Forces" bzw. "Surrendered Enemy Forces" umdeklariert, um sie außerhalb der gültigen Konventionen entsprechend be- bzw. mißhandeln zu können (Verhungernlassen in den Rheinwiesenlagern, Minensuche, Menschenüberlassungen an andere Staaten wie z. B. an Frankreich, Belgien und die Niederlande, zur Ausbeutung der Arbeitskraft der Gefangenen, usw., usw.)

    Und die Sowjetunion hatte die Genfer Konventionen ohnehin nie anerkannt, da sie noch in vorkommunistischer Zeit vom Zaren ratifiziert worden waren.


    Nachtrag:

    Sofern hier die der San.Kp. nicht angehörenden Soldaten sich allerdings "sach- und fachfremd", also nicht als Patienten, vielleicht sogar bewaffnet und anders, also militärisch, ausgerüstet, bei der San.Kp. befanden, hatte die San.Kp. ihren Schutz durch die Genfer Konventionen verloren und galt als normale Einheit des Gegners. Ob der Chef der San.Kp. dies allerdings, im Wissen um diesen Rechtsschutzverlust, zugelassen hatte, ist sehr fraglich - es sei denn, er wurde dazu gezwungen.

  • Moin Jürgen,


    man sollte vielleicht noch ergänzen, was im "Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde“ von 1929 über die Erlaubnis zum Selbstschutz und Fremdschutz von Sanitätsformationen festgehalten wurde.


    Nachtrag:

    Sofern hier die der San.Kp. nicht angehörenden Soldaten sich allerdings "sach- und fachfremd", also nicht als Patienten, vielleicht sogar bewaffnet und anders, also militärisch, ausgerüstet, bei der San.Kp. befanden, hatte die San.Kp. ihren Schutz durch die Genfer Konventionen verloren und galt als normale Einheit des Gegners. Ob der Chef der San.Kp. dies allerdings, im Wissen um diesen Rechtsschutzverlust, zugelassen hatte, ist sehr fraglich - es sei denn, er wurde dazu gezwungen.


    Im Genfer Abkommen von 1929 steht unter anderem in Kapitel II:

    - Nach dem damals gültigen internationalen Recht durfte das Personal von Sanitätsformationen, Verbandsplätzen und Feldlazaretten bewaffnet sein.

    - Das Personal durfte außerdem die Waffen zum Selbstschutz oder zum Schutz seiner Verwundeten und Kranken einsetzen.

    - Die Einheiten und Lazarette durfte sogar "in Ermangelung bewaffneten Krankenpflegepersonals von einer militärischen Abteilung oder von Wachtposten bewacht" werden.

    Konnten sich die "Begleitoffiziere" im Fall Sonnen eigentlich nicht zu einer solchen "militärischen Abteilung" erklären?



    Hier zunächst der Wortlaut von Artikel 8 aus der Heeresdienstvorschrift 38/2, in der das Genfer Abkommen wörtlich wiedergegeben wurde:


    "Artikel 8

    Als geeignet, um für eine Sanitätsformation oder -anstalt den Verlust des durch Artikel 6 gewährleisteten Schutzes zu begründen, gelten nicht:

    1. die Tatsache, daß das Personal der Formation oder Anstalt bewaffnet ist und sich seiner Waffen zum Selbstschutz oder zum Schutz seiner Verwundeten und Kranken bedient,

    2. die Tatsache, daß die Formation oder die Anstalt in Ermangelung bewaffneten Krankenpflegepersonals von einer militärischen Abteilung oder von Wachtposten bewacht wird,

    [...]

    (Quelle: H.Dv. 38/2...Vorschrift für das Kriegsgefangenenwesen Teil 2, Berlin 1940, S. 51.)



    Hier dann nochmals der Wortlaut in englischer Sprache und der Link zum Internetdokument:



    Da Du auch die Sowjetunion erwähnt hattest... Nachdem das "Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde“ 1929 beschlossen worden war, hat es zumindest "Die Russische Föderative Sowjetrepublik" im September 1931 ratifiziert. Allerdings nicht die Sowjetunion als Ganzes.

    Theoretisch hätten also zumindest die Soldaten aus der Russischen Sowjetrepublik deutsche Verwundete und das Sanitätspersonal verschonen müssen. Was sie ja leider viel zu oft nicht getan haben.


    An der Ostfront war der militärische Schutz der deutschen Sanitätseinrichtungen daher mehr als geboten, wenn auch schwierig umzusetzen, so dass Frontärzte sich zeitweise selbst gegen russische Überraschungsangriffe zur Wehr setzen mussten (siehe z.B die Schilderungen von Heinrich Haape, Endstation Moskau 1941/42).



    Als Beispiel für die Bewaffnung einer Sanitätsformation an der Ostfront möchte ich aus einem Feldpostbrief zitieren.

    Von einer Sanitätskompanie der 25. Infanteriedivision (mot.) gibt es dort eine Aufzählung, welche Waffen zum Selbstschutz an der Ostfront Mitte Januar 1942 vorhanden waren. Aus dem Feldpostbrief eines Oberarztes der Kompanie vom Januar 1942:


    "[...] Für unseren eigenen Schutz ([der Sanitäts-]Kompanie) haben wir zwei Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Karabiner, Handgranaten und Armeepistolen! Das gibt zusammen schon eine ordentliche Feuerkraft!!"

    (Ingo Stader (Hrsg.), Ihr daheim und wir hier draußen. Ein Briefwechsel zwischen Ostfront und Heimat Juni 1941-März 1943, Köln u.a. 2006, S. 87.)


    Das vielleicht nur als Ergänzung, um das in den vorigen Beiträgen vollkommen richtig Dargestellte abzurunden.


    Beste Grüße

    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Moin Bodo,


    danke für Deine Vertiefung des Themas "Genfer Konventionen".


    Allerdings wissen wir anhand der dürftigen Angaben der Amerikaner ja nicht einmal zuverlässig, welcher Art die deutsche Gruppierung war, die die US-CC B damals bei Sonnen als "medical company" identifiziert, bezeichnet und gefangengenommen hatte. Der überlieferte Personenkreis ist jedenfalls nicht sanitätskompanie-typisch. Insofern ist alles um diese Gruppierung und ihre Gefangennahme so spekulativ, daß ich auf eben diese Spekulationen und Untersuchungen der möglichen Rechtslage verzichtet habe ...

    Da Du auch die Sowjetunion erwähnt hattest... Nachdem das "Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde“ 1929 beschlossen worden war, hat es zumindest "Die Russische Föderative Sowjetrepublik" im September 1931 ratifiziert. Allerdings nicht die Sowjetunion als Ganzes.

    Theoretisch hätten also zumindest die Soldaten aus der Russischen Sowjetrepublik deutsche Verwundete und das Sanitätspersonal verschonen müssen. Was sie ja leider viel zu oft nicht getan haben.

    "Bundesrecht bricht Landesrecht": Soldaten aus der RSFSR waren Soldaten der kriegsführenden UdSSR und nicht Soldaten der RSFSR (die keinen Krieg führte) und brauchten und durften sich daher nicht an das nur von der RSFSR ratifizierte Genfer Abkommen von 1929 halten.


    Allerdings gibt es auch die Darstellung, daß die UdSSR mit Wirkung vom 26. März 1932 der "Konvention zur Verbesserung des Loses der verwundeten Soldaten im Felde" vom 27.07.1929 beigetreten war (was sie 1918 schon für die Fassung von 1906 getan hatte), jedoch das Genfer Abkommen vom 27.07.1929 über die "Behandlung der Kriegsgefangenen" nicht anerkannte.

  • Moin Jürgen,


    Danke für die klärende Einordnung. Ich wundere mich nur, dass auf der Seite des IKRK (icrc) nur die "Russische Föderation"

    mit dem Datum 1931 verzeichnet ist und die Sowjetunion dort nicht erwähnt wird. Und warum hat Stalin diese "landesrechtliche Beschränkung" auf Russland arrangiert?


    Quote

    Convention for the Amelioration of the Condition of the Wounded and Sick in Armies in the Field. Geneva, 27 July 1929.

    Russian Federation

    Ratification / Accession 26.09.1931

    Reservation / Declaration 26.09.1931

    Dann stellt sich mir noch die Frage, ob die Sowjetunion während der gesamten Kriegszeit Mitglied des Roten Kreuzes war.

    Immerhin steht ja unter Kapitel 24 der Konvention, dass nur Sanitätsformationen und -einrichtungen das Zeichen des Roten Kreuzes verwenden durften, welche unter dem Schutz der Konvention standen. Aber wenn die UdSSR diese gar nicht anerkannte, durfte sie ihre Einheiten damit überhaupt den ganzen Krieg durchgehend ausstatten?


    Quote

    Art. 24. The emblem of the red cross on a white ground and the words "Red Cross" or "Geneva Cross" shall not be used either in time of peace or in time of war, except to protect or to indicate the medical formations and establishments and the personnel and material protected by the Convention.

    https://ihl-databases.icrc.org…T/300-420033?OpenDocument


    Ich hatte neulich bei Hans Jürgen Hartmann (Zwischen Nichts und Niemandsland. Tagebuch eines deutschen Soldaten im zweiten Weltkrieg, Norderstedt 2017) von einer sowjetischen Sanitäterin gelesen, die bei der Gefangennahme einen Rot-Kreuz-Ausweis vorzeigte.

    Leider weiß ich nicht mehr die genaue Textseite. Hartmann und seine Kameraden wollten sich eigentlich darum kümmern, dass die Sanitäterin in der Gefangenensammelstelle besonders gut untergebracht würde, mussten dann aber mit ihrem Panzerabwehrgeschütz schneller als gedacht weiterfahren. Das war 1941. Anscheinend war sie ohne Armbinde, wie auf dem Beispielfoto im Anhang.

    Ich kenne aber auch ein anderes Foto vom Sommer 1941, wo eine sowjetische Sanitäterin mit Rot-Kreuz-Armbinde an einer Sammelstelle fotographiert wurde. Weißt Du, warum es da so große Unterschiede gab?


    Interessant ist vielleicht noch der Bericht des deutschen Sanitätssoldaten Karl Klinkhammer, wonach es den Deutschen verboten gewesen sei, in Russland Rot-Kreuz-Armbinden anzulegen:


    Rotkreuzbinde gezeigt


    "Zunächst aber war Klinkhammer als Sanitätssoldat gefordert. Alle drei bis vier Wochen kam es zwischen Deutschen und den Russen zu einem wechselseitigen Großangriff. Die Aufgabe des Sanitätssoldaten war es, nach dem Artilleriefeuer die Verwundeten aus den vorderen Linien zurückzuholen, was von ihm großen körperlichen Einsatz erforderte und wegen des Beschusses nur unter Lebensgefahr geschehen konnte. So kam es vor, daß Verwundete mit einem Schußbruch des Knochens gehunfähig wurden und dann auf einer Plane, über die Schultern Klinkhammers festgebunden, von ihm mühsam aus der Kampflinie herausgeschleppt wurden. Dies konnte oft Stunden dauern.


    Später tat er das, was dem Sanitätssoldaten streng verboten war: Er hielt die in der Tasche befindliche Rot-Kreuz-Binde hoch und bewirkte bei den Russen, daß sie aufhörten zu schießen. Deshalb galt er bei den Kameraden als "unverwundbar".


    "Ich habe immer gemeint, man muß auch mal gegenüber dem Gesetz, das gerade gilt, dagegen sein; das habe ich bei den Nazis getan, das habe ich hinterher beim Militär auch getan, sonst lebte ich gar nicht mehr."


    Wegen des Vergehens, die Rot-Kreuz-Binde gezeigt zu haben, wollten ihn einige Nazi-Soldaten anzeigen. Er konnte sie aber durch das Geschenk seiner gesammelten Zigaretten davon zurückhalten.

    Aufgrund seines Einsatzes bekam Klinkhammer das Eiserne Kreuz verliehen und wurde zum Sanitätsunteroffizier befördert."


    (Bruno Kammann, Carl Klinkhammer: Ruhrkaplan, Sanitätssoldat und Bunkerpastor 1903 - 1997 (Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, Band 55), Essen 1997, S. 148-149.)


    Grüße

    Bodo

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    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Moin Bodo,


    tut mir leid, mit der sowjetischen Seite habe ich mich nicht weiter in der Tiefe befaßt ...


    Allenfalls als Vermutlung zu a): Weil eine Anerkennung des Abkommens durch die RFSFR als mit weitem Abstand größtem Teil der UdSSR möglicherweise für den Rest der Welt gut aussah (die darunter vielleicht sogar die UdSSR verstand), aber überhaupt keine rechtlche Wirkung haben konnte, da faktisch / rechtlich die UdSSR als Gesamtstaat eben nicht ratifizierte und grundsätzlich nicht die RFSFR, sondern die UdSSR kriegsführende Partei war.

    Interessant ist vielleicht noch der Bericht des deutschen Sanitätssoldaten Karl Klinkhammer, wonach es den Deutschen verboten gewesen sei, in Russland Rot-Kreuz-Armbinden anzulegen:

    Zu Beginn des Ostfeldzugs trug das gesamte Sanitätspersonal vorschriftsmäßig seine Armbinden! Das wurde jedoch, nach entsprechend rasch schon in den ersten Tagen und Wochen mit den sowjetischen Gegnern gemachten, grundsätzlich üblen Erfahrungen abgestellt.

    U. a. stellte die Armbinde "weiß mit Rotem Kreuz" ein hervorragende Zielmarkierung auch bei schlechtem Licht dar, nicht nur für Scharfschützen!

    Und andererseits mußten Rotarmisten eben viel vorsichtiger sein, wenn sie deutsche Soldaten ohne Rot-Kreuz-Kennzeichnung vor sich hatten, die so durchaus als wehrhaft und eben nicht als wehrloses "Schlachtvieh" erschienen.


    Daß die Rot-Kreuz-Kennzeichnung und die schwere Aufgabe der deutschen Sanitäter in Einzelfällen von sowjetischen Soldaten (wie von Dir erwähnt) mal respektiert wurden, ist die große Ausnahme.

    Es gibt schließlich unzählige Fälle, wo der Rot-Kreuz-Status des Sanitätspersonals, seiner Einrichtungen, seiner Ausrüstung und vor allem auch seiner Verwundeten, Verletzten und Kranken eben nicht respektiert wurden, sondern vielmehr offenbar geradezu zu unmenschlichen Massakern an quasi Wehrlosen und an jeglicher Fluchtmöglichkeit Gehinderten herausforderten!


    PS

    Die von Dir abgebildete sowjetische Sanitäterin trägt allerdings keine Rot-Kreuz-Armbinde, sondern eine Sanitätstasche mit Rotem-Kreuz darauf ...

  • PS

    Die von Dir abgebildete sowjetische Sanitäterin trägt allerdings keine Rot-Kreuz-Armbinde, sondern eine Sanitätstasche mit Rotem-Kreuz darauf

    Moin Jürgen,


    stimmt, ich hatte leider vergessen, auf die mit dem Roten Kreuz markierte Sanitätstasche hinzuweisen. Deine Überlegungen, warum nur die Russische Sowjetrepublik (RSFSR) dem Abkommen beitreten durfte, finde ich sehr überzeugend.


    Zu Beginn des Ostfeldzugs trug das gesamte Sanitätspersonal vorschriftsmäßig seine Armbinden! Das wurde jedoch, nach entsprechend rasch schon in den ersten Tagen und Wochen mit den sowjetischen Gegnern gemachten, grundsätzlich üblen Erfahrungen abgestellt.


    Ja, von diesen üblen Erfahrungen der deutschen Fronttruppe habe ich auch schon oft gelesen. Wenn mein Vater (Flakabteilung II./11, Panzergruppe Guderian) von seinen Kriegserlebnissen an der Ostfront berichtet hat, war das Massaker auf einem frontnahen Verbandsplatz kurz nach Kriegsbeginn im Sommer 1941 meist an erster Stelle. Dort waren etwa 50 deutsche Verwundete von einer (laut Berichten) usbekischen Einheit der Roten Armee erschlagen, der Arzt und mehrere Sanitäter (mit Rotkreuzbinden!) erschossen worden. Er kam mit seinen Kameraden vom leichten Flakzug gerade vorbei, als die Opfer geborgen wurden.


    Neulich hattest Du auf den insgesamt willkürlichen Umgang der Alliierten mit deutschen Kriegsgefangenen hingewiesen:


    nein, lt. den Genfer Konventionen war das selbstverständlich untersagt.

    Aber wen, vor allem wen von den westalliierten Siegermächten, hat das damals interessiert?

    Die hat auch nicht interessiert, daß Kriegsgefangene bspw. wie eigenen Soldaten zu behandeln und zu ernähren waren - sie (insbesondere die Amis) haben daher die deutschen Soldaten kurzerhand von geschützten "Prisoners Of War" in "Disarmed Enemy Forces" bzw. "Surrendered Enemy Forces" umdeklariert, um sie außerhalb der gültigen Konventionen entsprechend be- bzw. mißhandeln zu können (Verhungernlassen in den Rheinwiesenlagern, Minensuche, Menschenüberlassungen an andere Staaten wie z. B. an Frankreich, Belgien und die Niederlande, zur Ausbeutung der Arbeitskraft der Gefangenen, usw., usw.)


    Und die Sowjetunion hatte die Genfer Konventionen ohnehin nie anerkannt, da sie noch in vorkommunistischer Zeit vom Zaren ratifiziert worden waren.


    Heute wird ja meist verschwiegen, daß kriegsgefangene deutsche Soldaten und Zivilisten, aber auch Ausländer die auf deutscher Seite gekämpft hatten, für die alliierten Siegermächte völlig rechtlos waren. In einem Buch zum Kriegsgefangenenwesen habe ich dazu eine offizielle Mitteilung des Armeestabs des britischen Feldmarschalls Harold Alexander (ca. 7 Wochen nach der Kapitulation) gefunden.

    https://de.wikipedia.org/wiki/…._Earl_Alexander_of_Tunis


    Auf eine Anfrage des Generals des Deutschen Hauptquartiers Bellaria/Italien” teilte der britische Stab Alexanders am 28. 06. 1945 mit:


    “1. Sie haben keinen rechtlichen “Status”.


    2. Der Ausdruck “bedingungslose Kapitulation” meint genau, was er sagt, nämlich daß deutsche Staatsangehörige, Soldaten wie Zivilisten eingeschlossen, alle, die für Deutschland kämpften oder am Kriege teilgenommen haben, keinerlei Rechte oder irgendwelche Ansprüche haben.


    3. Es steht ganz im Belieben der Alliierten, ob Sie als Kriegsgefangene oder als Angehörige der Truppenteile behandelt werden, die die Waffen streckten, und ihre rechtliche Stellung kann sich je nach Wunsch der Alliierten von Zeit zu Zeit ändern.


    4. Die Genfer Konvention kommt nicht in Anwendung, noch steht ihnen irgendeine schützende Macht zu, noch erfreuen Sie sich der normalen Vorrechte eines Kriegsgefangenen.


    5. Das Alliierte Hauptquartier hat obiges bestätigt.


    gez.: Lloyd Lowles, Lt.Col.”


    (Quelle: Verband der Heimkehrer Deutschlands e.V. (Hrsg.), Die deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Ein geschichtlicher Abriß in Fakten, Bonn-Bad Godesberg 1989, S. 8;

    übernommen aus: Helmut Wolff, Die deutschen Kriegsgefangenen in britischer Hand - Ein Überblick (Maschke, Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen, Bd. XI/1), Bielefeld 1974), S. 81.)



    Zum Schluß habe ich noch eine interessante Bemerkung von US-amerikanischen Soldaten in den Tagebuchaufzeichnungen der Berliner Journalistin Ursula von Kardorff gelesen. Diese könnte zum Thema "Sonnen" passen, weil nach Ansicht der Amis höhere (?) deutsche Offiziere unter dem Symbol des Roten Kreuzes zu fliehen versuchten.


    Die Journalistin hielt sich im April 1945 ebenfalls in Bayern auf, bei Günzburg (westlich von München, während Sonnen östlich liegt) und traf dort auf die amerikanische Panzerspitze. Übrigens ganz bewußt, weil sie durch enge Kontakte zu den 20. Juli-Verschwörern bei der Gestapo bereits in Verdacht geraten war und auf die Befreiung durch die Amis hoffte...


    "Ursula von Kardorff (* 10. Januar 1911 in Berlin; † 25. Januar 1988 in München) war eine deutsche Journalistin und Publizistin.

    [...]

    Wie praktisch ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis seit längerem regimekritisch eingestellt, wurde sie vor allem nach dem Tode ihres jüngeren Bruders Jürgen von Kardorff (1943) eine glühende Gegnerin der Nazis. Allerdings blieb sie weiterhin als Journalistin im angeblich unpolitischen Feuilleton tätig.

    Durch ihre nähere Bekanntschaft mit Mitgliedern des Widerstands, vor allem mit Werner von Haeften, Carl-Hans Graf von Hardenberg, Fritz-Dietlof von der Schulenburg sowie der Frau von Julius Leber geriet sie nach dem 20. Juli 1944 selbst in Verdacht und wurde zweimal von der Gestapo verhört, konnte sich aber geschickt herausreden.


    Im März 1945 wurde sie von der DAZ auf ihr Gesuch hin entlassen und floh vor der herannahenden Roten Armee nach Jettingen in Bayerisch Schwaben."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ursula_von_Kardorff


    Ursula von Kardorff hat wohl beobachtet, wie die US-Truppen auf deutsche Sanitätskraftwagen schossen, denn nun, wie Kardorff schreibt, "behaupteten die Amerikaner, in den Rot-Kreuz-Wagen säßen fliehende Offiziere.

    "Verwundete", protestierte ich. Nein, sie seien nicht verwundet, deshalb schössen sie auch auf die DRK-Sankas."

    (Eintrag vom 25. April 1945)


    Aber wie wollten die US-Soldaten eigentlich von weitem erkennen, wer in den Sankras fuhr? Und ob im hinteren Transportraum nicht doch Verwundete lagen? Hier noch einmal der ganze Eintrag zum 25. April für den historischen Zusammenhang (Bürklin ist übrigens ein befreundeter (desertierter) Wehrmachtsoffizier mit Beinprothese, der seine Truppe aus Reichenhall nach Hause geschickt hat und sich als Zivilist tarnt):


    Beste Grüße

    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

    Edited once, last by Bodo Franks ().

  • Moin Bodo,


    die Briten waren genauso wenig "ritterlich" wie alle anderen Alliierten. Wie man oben offiziell nachlesen kann, waren das - ich sags jetzt einfach so - "die letzten Drecksäcke"! Sie wollten und konnten mit den von ihnen selbst aufgestellten Regeln mit uns machen, was sie wollten. Und das taten sie ja auch zur Genüge ...


    Und den Amis in Deinem Beispiel kam doch jeder, noch so absurde (da nicht im voraus beweisbarer) Verdacht gerade recht, um mit ihren deutschen Opfern umgehen zu können, wie es ihnen beliebte.


    Auch der US-amerikanische Strolch, Kriegsverbrecher und feige Mörder Ernest Hemingway hatte sich ja stets gerühmt, auch schriftlich in seinem Briefnachlaß nachlesbar, wieviel wehrlose "Krauts" er so einfach mal aus Vergnügen abgeknallt hatte: 122 Morde waren es seiner eigenen Zählung nach! Er war damals nicht mal Soldat, nur wichtigtuerischer Korrespondent bei den US-Truppen, und entgegen aller Vorschriften bewaffnet!


    Diese aggressive Überheblichkeit der Sieger setzte sich auch noch nach Kriegsende gegen die deutsche Bevölkerung weiter fort, nicht nur in der sowjetisch besetzten Ostzone, auch in den Westzonen. Auch mein Vater hatte öfters erzählt, was er in den Jahren nach dem Krieg seitens der "Befreier" selbst oder an anderen an launischen Übergriffen aller Art seitens alliierter Besatzerso mitgemacht hatte und auch als Arzt bei entsprechend lädierten Patienten feststellen mußte - u. a. Belästigung von Frauen, Raub und Ausplündern, grundloses Anpöbeln, Zusammenschlagen oder, ganz konkret in meiner Erinenrung, bspw. das plötzliche Öffnen der rechten Seitentür des Jeeps beim Passieren eines Radfahrers, der auf diese Weise einfach mal so zur Belustigung rasant von der Straße ins Feld gekickt wurde. Die deutsche Ploizei durfte natürlich nichts dagegen unternehmen, die Fälle mußten allenfalls an die US-Militärbehören weitergeleitet und von denen verfolgt werden - was natürlich nur allzu oft nicht der Fall war.


    Und ich selbst stamme aus einer Stadt mit jahrzehntelang zahlenmäßig hoher US-Truppen-Stationierung und habe selbst erlebt, wie die Kerle sich außerhalb der vielen Kasernen so aufgeführt haben, bis hin zu provozierten Massenschlägereien mit Deutschen und Italienern sowie nicht selten ebensolche Massenschlägereien zwischen ausgerasteten GIs und deren Militärpolizei! Solche unhaltbaren Zustände waren eigentlich immer wieder Thema in der Tageszeitung. Grund der "Wildwestzustände" war, wie mir mein amerikanischer Cousin 3. Grades Robert erzählte, damals hier jahrelang im HQ in Heidelberg stationierter US-Major, daß der für die Kasernen in der Stadt vorgesetzte Kommandeur und Standortälteste Weißer war, die ganz überwiegende Mehrheit der GIs jedoch Neger. Er konnte nie konsequent disziplinarisch durchgreifen (oder traute sich das zumindest nicht), da ihm sofort ganz massiv Rassismus vorgeworfen wurde, und Krawalle dann neu auflebten. Deutschland war damals außerdem, nach dem Vietnamkriegs (zu dessen Zeiten die Strafversetzungen eben nach Vietnam gingen), für das US-Militär quasi "Strafkolonie" und "Bewährungsgebiet" für alle Soldaten, die sich irgendwo sonst auf der Welt entsprechend daneben benommen hatten und dann eben zur Strafe nun gezielt nach Deutschland versetzt wurden. Zudem hatten die hier stationierten Mannschaften und NCOs quasi durchweg eine entsprechend asoziale Herkunft aus Slums in den USA, bis auf die Offiziere.


    Noch im Jahre 1980 wurde ich dann selbst, immerhin mit einem Beifahrer als Zeugen, Opfer eines solchen mutwilligen Übergriffs. In der Stadt wurde ich beim Fahren mit 50 km/h plötzlich und unvermutet von einer US-Militärpolizeistreife (einer weiß, der Beifahrer schwarz) überholt und völlig unzulässig und absolut filmreif durch rasantes Querstellen des MP-Fahrzeugs vor mir auf der Straße "gestellt". Der Fahrer, ein uniformierter Militärpolizist, sprang heraus, zog den Schlagstock, rannte die etwa 10 m auf mich zu und brüllte mich dann minutenlang fortwährend auf Englisch an, ich solle gefälligst langsam fahren, und schlug dabei fortwährend mit seinem Schlagstock drohend in seine linke Handfläche. Der Beifahrer hatte sich währenddessen beobachtend hinten rechts am MP-Fahrzeug postiert. Mein Einwand, er habe mich als Deutschem nicht anzuhalten und mir gar nichts zu befehlen, er könne ja die deutsche Polizei rufen, wenn er Probleme mit etwas habe, brachte den Kerl noch mehr auf und sein Gebrüll "Slow down, slow down!" ging weiter. Ich gab dann schließlich Gas, um aus dieser brisanten und unkalkulierbaren Situation zu kommen, und fuhr den beiden davon, sicherheitshalber direkt zur nur zwei Straßen entfernten deutschen Polizeistation. Verfolgt wurde ich dann nicht. Einige Bekannte von mir kamen in der Zwischenzeit vorbei und berichteten mir später kopfschüttelnd ihre Eindrücke.

    Meinen sofortigen, detaillierten Bericht über den unerhörten Vorfall brachte dann die Tageszeitung gleich am übernächsten Tag. Daraufhin meldeten sich Tage später jedoch nicht etwa deutsche Dienststellen bei mir (bei denen ich Anzeige erstattet hatte), sondern eine US-Dienststelle, die offenbar für das Auskommen der US-Truppen mit der deutschen Bevölkerung zuständig war. Der betreffende Offizier bezweifelte zwar den Vorfall erstmal nicht grundsätzlich, da ich ja auch einen Zeugen im Wagen hatte und zudem noch auf die vorbeigefahrenen Bekannten verweisen konnte. Er habe sich bei seinen Dienststellen bereits einschlägig erkundigt und konnte sich nicht erklären, daß MP-Angehörige sich an Deutschen vergreifen würden (die würden ihre Vorschriften kennen) und eine gemischte, weiß-schwarze Streife gäbe es in den US-Dienststellen der Stadt angeblich gar nicht (obgleich ja genau diese personelle Zusammenstellung bei Vorfällen unter Amerikanern viel Sinn machte und von mir auch später des öfteren tatsächlich beobachtet werden konnte, da ich ab da die Augen nach den Herrschaften offenhielt). Vielleicht seien es ja MP-Angehörige gewesen, die sich aus einer benachbarten Garnisonsstadt hierher verfahren hätten (analog den russischen Putin'schen Truppen, die sich 2014 "im Urlaub versehentlich, sogar mit ihrer vollen Ausrüstung, die man ja im Urlaub immer so mit sich herumschleppt, in die Ost-Ukraine und auf die Krim verlaufen haben sollen und dort ebenso aus Versehen die Territorien besetzt hatten", wie er ungeniert und dümmlich der Weltöffentlichkeit glauben machen wollte). Aber auch seine Rückfrage bei den US-Dienststellen der Nachbarstädte hätte nichts ergeben. Es verlief also alles im Sande ...

  • Hallo Jürgen,


    glücklicherweise hat sich das Verhältnis in den späteren Jahren zum Guten geändert, wie ich selbst feststellen konnte.

    Ich habe damals mit der US - MP sogenannte "kombinierte Streifen" (Hinten, neben dem Funkgerät im Jeep eingeklemmt) gefahren und dadurch haben sich auch kameradschaftliche bis freundschaftliche Verhältnisse eingestellt.

    Ich konnte mich in der US - Kaserne frei bewegen und war auch bei deren Familien eingeladen.

    Schlägereien gab es aber immer noch und die "Black Panther" Bewegung bereitete große Sorgen.

    Es stimmt, was Du schreibst, bei der MP musste immer ein farbiger und ein weißer MP -Soldat gemeinsam Patrouille fahren.

    Viel schlimmer ging es aber nachweislich im Oberland, Alpenvorland, Raum Biberach, Ravensburg usw., der frz. besetzten Zone mit den Marokkanern zu. Zusätzlich mussten viele Landwirte der einzeln gelegenen Höfe unter DP´s , fast wie im im 30 jährigen Krieg, leiden.

    Aber auch hier muss man sagen, dass die frz. Offiziere, wenn unvermeidlich, auch sehr hart gegen diese vorgegangen sind.

    Später war ich öfter Gast in frz. Offizierscasinos. In einem Fall haben mich sogar frz. Soldaten vor gewalttätigen Demonstranten beschützt, in ihre Kaserne begleitet und versorgt.

    Heute verbinden mich vielschichtige Bande mit den ehemaligen Alliierten.


    Grüße von Karl