Piloten, Befehlsverweigerer

  • Hallo,

    ich bin zurzeit auf eine Reise in Polen, in einer Stadt namens Brodnica (deutsch Strasburg in Westpreußen).

    Es wurde mir hier erzählt, in der Nähe, ca 3 km südlich des Städtchens bei Szczuka (ab 25.06.1942 bis 1945 ein Dorf namens Hecht in Landkreis Strasburg) befände sich im zweiten Weltkrieg ein Lager für deutsche Piloten, Befehlsverweigerer, die Kampfflüge nach England aus irgendwelchen Gründen nicht akzeptierten (Humanität, Angst?). Was letztendlich mit den Gefangenen passierte, konnte mir jedoch keiner sagen.

    Stimmt diese Geschichte? Gab es so was?


  • Moien,

    aus persönlichen Erzählungen weis ich, das wenn Flugzeugführer etc. "abgeflogen" waren, die Nerven zitterten, der Fliegerarzt denjenigen zur Kur (bei den Jagdfliegern nach Bad Wiessee) schicken konnte, oder auch zu einer Ausbildungsstaffel etc. Meines Wissen zog die klassische Befehlsverweigerung automatisch ein Kriegsgerichtsverfahren nach sich. Wie das jetzt im einzelnen von den jeweiligen Vorgesetzen gehandthabt wurde kann ich generell nicht sagen. Von einm Familienmitglied weis ich , das er wegen übermäßigen Alkoholgenusses (wegen seiner Angst) eine Zeitlang Flugverbot bekam. Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu klären wie der Satz "Flugzeugführer entscheidet selbst ob der Flug zumutbar ist"! so steht es gedruckt im Flugauftrag bewertbar ist.

    h.

  • Hallo GertrudeX, hallo AviaB,

    es ist nicht zu bezweifeln, dass es nicht wenige Flugzeugführer gab,

    die aus gesundheitlichen und/oder ideologischen Gründen nicht länger Feindeinsätze mitmachen wollten.

    Bekannt ist der fahnenflüchtige Nachtjäger Heinrich Schmitt, der am 9.Mai 1943 mit Ju88 und dem neuesten Lichtensteingerät

    nach England desertierte. Er war ein britischer Agent.

    Ob es ein Sammel-Lager für diese Flieger gab, wage ich zu bezweifeln.

    Ich weiss nur aus eigener Erfahrung, dass bei der jungen deutschen Nachkriegs-Luftwaffe

    1961 auf den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck vor jedem Flug für Pilot und Flugschüler

    ein "NATO-Clearance für Fliegendes Personal" eingeholt werden musste.

    Vermutlich wurde immer wieder die persönliche Zuverlässigkeit abgefragt.

    Nach 1990 umgeschulte NVA-Piloten erhielten generell keine Landeerlaubnis auf britischen Flugplätzen.


    Charly CH zählte im Dezember 2010 eine Reihe von Flugzeugführern auf, die sich in die Eidgenossenschaft absetzten:


    Es grüsst jostdieter

  • Hallo

    es ist nicht zu bezweifeln, dass es nicht wenige Flugzeugführer gab,
    die aus gesundheitlichen und/oder ideologischen Gründen nicht länger Feindeinsätze mitmachen wollten.

    Was ist die Basis für eine solche Aussage?


    Bekannt ist der fahnenflüchtige Nachtjäger Heinrich Schmitt, der am 9.Mai 1943 mit Ju88 und dem neuesten Lichtensteingerät

    nach England desertierte. Er war ein britischer Agent.

    Ein "Agent" als Beispiel ohne weitere Belege?


    Ich weiss nur aus eigener Erfahrung, dass bei der jungen deutschen Nachkriegs-Luftwaffe ...auf britischen Flugplätzen.

    Welche Relevanz hat das die Frage?


    Die Schweizer Erfahrungen wiederum sind interessant. Allerdings - ab Mitte 44 also ging es zum Kriegsende hin.

    Grüße
    Ricardo


  • Hallo Ricardo, ich darf gleich mal auf Deine Fragen eingehen:


    1. Ricardo fragte  : "Ein Agent - Heinrich Schmitt - als Beispiel ohne Belege.?

    Jostdieter schrieb am 17. März 2018

    Lt. anderen Quellen,die ich raussuchen könnte,

    war Heinrich Schmitt im Spanienfeldzug aus ideologischen Gründen ein erbitterter Gegner der Hitler-Regierung geworden.

    Er wollte nach dem Krieg mithelfen, ein " sozialistisches Deutschland " aufzubauen.

    Er soll lt Quelle "aircrewrembered..." 1940 vom SIS/MI6 angeworben worden sein.

    Da er nie einen Abschuss meldete, soll Schmitt im Mai 1943 vor der Ablösung gestanden haben.

    Er kam ihr durch die Fahnenflucht zuvor.

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    2. Ricardo fragt, ich zitiere ihn:

    Quote

    es ist nicht zu bezweifeln, dass es nicht wenige Flugzeugführer gab,
    die aus gesundheitlichen und/oder ideologischen Gründen nicht länger Feindeinsätze mitmachen wollten.

    Was ist die Basis für eine solche Aussage?

    Antwort jostdieter: Ich beziehe mich auf AviaB.33 's Vortrag: "..persönliche Erzählungen .."am 20.7.2018.


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    3. Ricardo fragt, ich zitiere ihn:

    Quote

    jostdieter schrieb: Ich weiss nur aus eigener Erfahrung, dass bei der jungen deutschen Nachkriegs-Luftwaffe ...auf britischen Flugplätzen....
    Welche Relevanz hat das für die Frage?

    Antwort jostdieter:

    Die NATO und das deutsche Luftwaffenkommando haben nach dem Wiederaufbau der Luftwaffe 1956

    bestimmt nicht ohne Rückgriff auf frühere Erfahrungen diese Routine- Zuverlässigkeits-Überprüfung durch Dritte eingeführt.

    Die von AviaB.33 erwähnte Eigenauskunft auf dem Flugauftrag

    "Flugzeugführer entscheidet selbst ob der Flug zumutbar ist"! wurde meines Wissens nach 1956 nicht verlangt.

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    Stehe gern für weitere Fragen zur Verfügung

    Ein Wochende mit viel Regenwasser und weniger Hitze wünscht Jostdieter.