Rätselhafter Tod von NSKK-Führer Adolf Hühnlein

  • Liebe Geschichtsrätsel-Freunde,


    ich habe hier vorliegen die Aussage eines Oberarztes der Chrirurgischen Klinik der Charité, aus der hervorgeht, dass NSKK-Führer Hühnlein am 18. Juni 1942 während einer Leistenbruchoperation im Sauerbruch-OP verstorben ist. Dieser Oberarzt erinnert sich daran, dass Hühnleins Organe in einem schlechtem Zustand waren, aufgrund exzessiven chronischen Alkoholkonsums. Ob die Operation ein Unfall war, könne er nicht sagen, aber er erinnert sich an einen heftigen Disput zwischen Sauerbruch und Bernhard Rust zwei Tage später in der Charité, bei deren Gespräch er Zeuge wurde. Rust habe von Sauerbruch Aufklärung darüber verlangt, warum jemand an so einer harmlosen OP versterbe. Sauerbruch habe versichert, alles sei ein tragischer Unfall, den er sehr bedauere.

    Diese Darstellung wäre nicht nur neu, sondern widerspräche ja den offiziellen Meldungen, Hühnlein wäre in München nach langer schwerer Krankheit gestorben. Nie jedoch wurden die genaue Umstände seines Todes und seiner Krankheit bekannt. Oder hat hier jemand andere, bessere, detailliertere Infos?

    Vielen Dank!

  • Hallo,


    Quote


    Nie jedoch wurden die genaue Umstände seines Todes und seiner Krankheit bekannt.

    recherchiere mal in Richtung (Magen-) Krebs. Zuletzt wohnhaft war er in der Widenmayerstr. 28. III.Stock in München.


    Unten Hitler auf der Trauerfeier für Hühnlein am 21.06.42 im Kuppelsaal des Bayerischen Armeemuseums.


    Wenn in der Charité verstorben, müßte der Todesfall beim Standesamt Berlin-Mitte beurkundet worden sein, ist er aber nicht, siehe Auszug.


    Grüße

    Thilo

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    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo, Doc House,


    denkbar ist, daß Sauerbruch den Patienten in München operiert hat und nach der OP nach Berlin zurückkehrte, wo dann das o.e. Gespräch stattgefunden haben könnte.


    Die Sterbeurkunde von Hühnlein wurde in München ausgestellt, datierend vom 20.07.1942 (siehe --> hier).


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Tag allerseits,


    im Verwandtenkreis erlebte ich vor Jahrzehnten Folgendes:


    Ein Verwandter klagte über Beschwerden im Unterbauch. Er wurde dann wegen eines Bruchs operiert. In Wirklichkeit waren dies Metastasen eines bis dahin

    nicht erkannten Tumors. Vielleicht war es bei Hühnlein ähnlich.


    Gruß

    Bert

  • Guten Tag ans Forum und an den Anfragenden,


    aus den Informationen des Anfragenden geht für mich nicht hervor, dass die Operation an Hühnlein in Berlin ausgeführt worden sein soll, nur dass sie von

    Sauerbruch ausgeführt worden sei.

    Wann, wem und welchem Zusammenhang hat der namentlich ja wohl bekannte Oberarzt seine schriftliche Aussage abgegeben?

    War es was "Privates" (eigene Lebenserinnerungen, Buchprojekt, Absicherung) oder was "Amtliches" (für Partei, Behörde, Ärzteverbände)?

    Vor seiner Berliner Zeit war Sauerbruch übrigens in München tätig.

    Rust -wie Hühnlein ein Funktionär im Nationalsozialismus- und Sauerbruch sollen sich nahe gestanden haben. Außerdem war Rust ein Patient von Sauerbruch.

    Rust und Hühnlein waren beide Alkoholiker(und somit auch an Organen geschädigt).

    Wer hätte in dieser Konstellation (möglicherweise aus persönlicher Betroffenheit und/oder aus persönlicher Angst vor einem ähnlichen Schicksal) den gemeinsamen Arzt nicht befragt?

    "Zu Risiken und Nebenwirkungen...fragen Sie ihren Arzt..."

    War die schriftliche Aussage des Oberarztes vielleicht eine Reaktion (als Absicherung) auf das Verhalten von Rust?


    Im übrigen finde ich die Gedanken von Diana zu München als Ort einer chirurgischen Intervention für schlüssig.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Liebe Leute,


    ja der Oberarzt weist nicht darauf hin, dass die OP in Berlin war, sie könnte auch in München gewesen sein, was auch Sinn machen würde. Sauerbruch reiste ja hin und her, hatte in München auch einen OP, und wenn Hühnlein in München lag, wird wohl eher der Arzt zu ihm gekommen sein. Das ist schlüssig. Dennoch war es interessant zu erfahren, dass Hühnlein bei einer OP gestorben ist und dass Rust Sauerbruch aufgesucht hat. Aus dem Bericht (es ist ein nicht veröffentlichtes Interview aus den 60er Jahren) geht weiter hervor, dass Sauerbruch sich immer vor seine Oberärzte stellte, wenn etwas schief ging, also nach Außen hin. Im OP selbstverständlich verteilte er Ohrfeigen und schlug mit den OP Zangen auf die Pfoten derer, die sich nicht konzentrierten ;-)

    Vielen Dank, insbesondere Diana und Peter für die Anregungen.

    Doc

  • Hallo,


    Hühnlein ist in München gestorben, anbei zwei Fundstücke zu seinem Tod am 18.Juni 1942.

    Quellen: Völkischer Beobachter Nr. 170 vom 19.Juni 1942, Titelseite u. Nr. 171 vom 20.Juni 1942, Seite 6


    Gruß, J.H.