SS-Sonderinspektion " S " III in Bad Wimpfen - Für welche Aufgaben war sie zuständig ? - und ein "neuer" Quellenfund

  • Hallo in die Runde,


    den Beitrag habe ich hier eingestellt, obwohl es wohl auch eine Verbindung zur Luftwaffe gibt - die Flugmotoren-Produktion / - Instandsetzung aus Genshagen und deren betriebene Verlagerung in den auszubauenden Obrigheimer Gipsstollen ( UTV "Goldfisch" ) .


    Im Zuge meiner Recherchen zur Heeres-Muna Siegelsbach und der Untertageanlage im Gipsstollen von Neckarzimmern tauchen immer mal wieder Hinweise zu einer " Sonderinspektion S in Bad Wimpfen" auf, ohne daß der direkte Zusammenhang / der Tätigkeitsbereich dieser Dienststelle benannt wird. Die Hinweise sind hauptsächlich n den Jahren 1943 gegen Ende und im Jahre 1944 zu finden.

    Vor Ort in Bad Wimpfen konnte mir keiner der Archivare ( weder der pensionierte noch der aktive ), der Heimatforscher oder aus dem Heimat- und Geschichtsverein jemand etwas zu dieser Dienststelle mitteilen. Weder damalige Adresse, Telefonanschluß noch Personen oder Tätigkeitsbereich - man hatte noch nie etwas davon gehört... Gab sie es also wirklich oder war es nur ein "Planungsstand" ?


    Nun wundert es mich auch, wenn es tatsächlich eine Sonderinspektion " S " gewesen sein sollte - diese waren ja für "Sonderbauten" zuständig. Die damals üblichen Verlagerungen von Fertigungen und Betrieben fielen ja hingegen in den Zuständigkeitsbereich von Sonderinspektionen " A " und " B ".


    Nun gab es in der Gegend nur Untertageverlagerungen in die Gipsstollen im Neckartal im Bereich der Elz-Mündung um - richtig: Neckarelz.


    Und mehrere sagenumwobene Berichte von geplanten oder angeblich teilweise begonnenen Bauvorhaben wie etwa die einer unterirdischen Eisenbahnverbindung auf Meereshöhe zur Vermeidung von kräftezehrenden Steigungen.. ( ! - und was passiert bei Hochwasser / Sturmfluten ? ) zwischen den damaligen Machtzentren wie Berlin, Nürnberg, München und anderen Großstädten, wo ein Schnittpunkt "zufällig" unter der Muna Siegelsbach liegt und zum Kreuzungsbahnhof ausgebaut werden sollte... ( es gibt sogar eine alte Karte zum Streckennetz ! Wenn man versucht, einen Maßstab anzulegen, liegt der Schnittpunkt aber tatsächlich im Bereich Neckarsulm... :P )

    (Nebenbei bemerkt: zumindest die "Karte" ist wirklich zeitgenössischen Ursprungs, irgend ein "Spaßvogel" ist also schon früher als die "Spätzle - Connection" mit ihrem aktuellen, milliardenschweren Stuttgarter Untertage-Verlagerungs-Vorhaben auf eine derartige S(21)chnapsidee gekommen... )


    Doch nun genug gelacht... So etwas kann also nicht der zugewiesene Tätigkeitsbereich dieser Dienststelle gewesen sein - sollte es sie tatsächlich gegeben haben.


    Nachdem es in den letzten beiden Jahren keine neuen "Erkenntnisse" dazu gab, bin ich dieser Tage bei einem spontanen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz ( sehr zu empfehlen ! ) wieder auf diese Dienststelle in Bad Wimpfen aufmerksam geworden: Im Zusammenhang mit der UTV "Goldfisch" und den eingerichteten KZ-Außenlagern im Elz-Mündungsraum ist auf einer Karte mit den eingezeichneten Orten auch Bad Wimpfen eingezeichnet - mit der Dienststelle "SS-Sonderinspektion S "..


    Dank eines Hinweises der sehr engagierten Leiterin der Gedenkstätte, Frau Roos, habe ich nun einen Hinweis aus einer Veröffentlichung der Gedenkstätte gefunden, der Bestandteil eines handschriftlich gezeichneten Organigramms ist und wohl den Stand von Mai 1944 darstellt. Vielleicht ist es hier für jemand von Interesse:


    Zitat: ( Auszug, es werden auch Organigramme anderer Dienststellen im Zusammenhang mit dem KZ Neckarelz aufgeführt )

    ----------------------------------------------------------------------------------

    SS-Sonderinspektin III

    (17a) Bad Wimpfen, Postfach 12

    Telefon: Bad Wimpfen 725, 739, 781


    L = SS-Hptstuf Oldeboershuis

    Stv- L = Regierungsbaurat Ott Lw

    SS-Ostuf ( F ) Rösner => Vermessung, Statistik

    Major Linzenmeier Lw Stabs-Offz des Lw-Wachkommandos

    Oberlt. Knüppel Lw nachrichtenwesen

    Bauing. Benz Lw Arbeitsbereich Treibstoffe, Organisation

    Ing. Boehm Lw Be- und Entwässerung

    Heiz.-Ing. Lotz Lw Bewetterung

    ----------------------------------------------------------------------------------------

    Quelle: KZ-Gedenkstätte Neckarelz


    Für mich sieht es somit danach aus, als wenn die Dienststelle tatsächlich mit dem Ausbau der Stollen zur Verlagerung von Fertigungsstätten für die Luftwaffe ( Genshagener Motoren-Fertigung ) beschäftigt war.


    Dies einerseits zur allgemeinen Information für die daran interessierten.

    Anderseits würde es mich freuen, wenn jemand zu dieser Dienststelle weitere Angaben, gerne mit Hinweis auf die Quelle, machen könnte. Herzlichen Dank.


    Im Bezug auf die Heeres-Muna Siegelsbach gehe ich durch den im oben zitierten Organigramm mehrfach enthaltenen Hinweis auf die Luftwaffe weiterhin davon aus, daß die

    Sonderinspektion in Bad Wimpfen nicht in Verbindung mit der Muna stand.


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo MunaLisa,


    ein möglicher Weg für mehr Infos ist m.E. die Recherche zur Person des Gerrit Oldeboershuis, Leiter des Führungsstabes III S in Jonastal/Ohrdruf.

    Das scheint ja ein " interessanter Charakter"(?) gewesen zu sein....


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ingo,


    habe mich mal gerade etwas eingelesen. Scheint ja in der Tat schon sehr früh ein "zeittypisch ausgeprägter Chrarakter" gewesen zu sein, schon wenn wann seine Aktivitäten noch zur Zeit als Haltinger BM ansieht.


    Im Bezug auf das Neckartal möchte ich aus seiner Vita ableiten, daß er dort eher "buchmäßig" vorstand und sein Schwerpunkt beim Themenbereich KZ lag.

    Somit wieder ein Punkt, der einen Abstand zur Muna Siegelsbach darstellt - dort waren keine "Zebras" im Einsatz, wie die KZ-Häftlinge in der Region genant wurden.


    Einen schönen Sonntag-Nachmittag wünscht Dir


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo zusammen,


    als kurze Übersicht:


    „... Bereits am 1.März 1944 ernannte Speer Kammler zum Mitglied des „Jägerstabes. In diesem Gremium war er für Bauangelegenheiten bei den Untertageverlegungen der Luftfahrtindustrie zuständig...

    Obwohl Göring explizit Pohl beauftragt hatte und Kammler nur die praktische Umsetzung übertragen worden war, konnte der SS-Bauchef weitgehend selbständig agieren...

    Darüber hinaus gelang es Kammler, in seiner Funktion als Verantwortlicher des Jägerstabes für „Sonderbauaufträge“ eine eigene, vom WVHA unabhängige Bauorganisation zu errichten, mit der er die im März 1944 auf einen Schlag übernommenen 20 Untertagebauvorhaben betreute.

    In Berlin installierte der SS-Gruppenführer eine „Sonderstab Kammler“ oder „Baubüro Kammler“ bezeichnete Koordinationsinstanz.

    Analog zu den Bauinspektionen des WVHA gliederte er seine neue Organisation in sieben SS-Sonderinspektionen. Diesen Dienststellen in

    Porta Westfalica (I)

    Halle an der Saale, später Bischofferoda (II)

    Bad Wimpfen am Neckar (III)

    Wien (IV)

    Leitmeritz (V)

    Posen (VI) und

    Hamburg-Neuengamme (VII)

    waren mehrere SS-Führungsstäbe unterstellt, die die einzelnen Bau-Projekte überwachten.

    Insgesamt 10 der Bauvorhaben waren sogenannte A-Projekte, die bereits vorhandene unterirdische Räume ausnutzen und in acht Wochen nach Projektübernahme bezugsfertig sein sollten.

    Für die B-Projekte mussten völlig neue Stollenanlagen geschaffen werden...


    In der Gestalt Kammlers war es der SS zum ersten Mal gelungen, in einer Institution der Rüstungsorganisation Fuß zu fassen. Ihre Kompetenzen im Rahmen der Untertageverlagerungen bleiben jedoch begrenzt. Zwar überwachten Kammlers Mitarbeiter die diversen Bauprojekte. Da der SS das nötige „know how“ fehlte, mussten für die örtliche Durchführung aber Bau- und Bergbauexperten bzw. firmen beschäftigt werden. Kammlers Versuche, diese Experten seiner militärischen Kontrolle unterzuordnen, schlugen fehl. So konnte der Bauchef letztlich nur ein organisatorisches Gerippe stellen, die Masse der Fachkräfte blieb aber privatwirtschaftlich organisiert. „... Kammlers Bedeutung gründete somit einzig auf die Verfügungsgewalt über zehntausende KZ-Häftlinge, die er für die Bauvorhaben einsetzen konnte...“

    (Jan Erik Schulte, Zwangsarbeit und Vernichtung. Das Wirtschaftsimperium der SS, Schöningh, 2001, S. 409 – 411 oben, gekürzte Wiedergabe)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Roland,


    ich danke Dir für das Zitieren dieser interessanten, den Zusammenhang beleuchtenden Informationen.

    Zudem für mich ein weiteres Indiz, daß Bad Wimpfen für A- und B-Projekte und nicht in S-Projekte eingebunden war.


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo MunaLisa,


    ich bin leider kein Experte, was das Bauwesen des WVHA bzw. dieses Hauptamt allgemein angeht.

    Im Moment sehe ich keine Verbindung zwischen der SS-Sonderinspektion III und den S-Projekten..


    Andere Buchverfasser erwähnen im Zusammenhang mit dem Sonderstab Kammler durchaus die „Sonderbauvorhaben“



    „... Nach einer Großoffensive der Alliierten gegen die Flugzeugindustrie im Februar 1944 wurde die Verlagerung der Produktionsstätten immer dringender.

    Kammler gründete für den Bau bombensicherer Fabrikationsstätten der Luftfahrtindustrie im März 1944 einen „Sonderstab“, dem Mitglieder der Amtsgruppe C (des WVHA), der Wehrmacht und der Luftwaffe angehörten.

    Vier „Sonderinspektionen“ mit Sitz in

    Porta Westfalica (I),

    Bischofferode bei Wolfleben im Harz (II),

    Bad Wimpfen am Neckar (III) und

    Wien (IV)

    koordinierten die Bauvorhaben.

    Sie betrieben den Ausbau bereits vorhandener unterirdischer Räume, etwa in Höhlen oder Bergwerken („A-Vorhaben“),

    die Anlage von bombensicheren Räumen („B-Vorhaben“) und

    „Sonderbaumaßnahmen“ („S-Vorhaben“),

    wozu etwa der Bau eines „Führerhauptquartiers“ bei Ohrdruf zählte.

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 228, s. Anm. 170 nach Bornemann, Geheimprojekt Mittelbau, S. 86ff


    „... Die Sonderinspektion II hatte ihren Sitz in Bischofferode, firmierte aber zur Tarnung unter der Anschrift Halle/Saale.

    Später kam noch eine fünfte Sonderinspektion hinzu...“

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 228, s. Anm. 170 nach Bornemann, Geheimprojekt Mittelbau, S. 86ff, vgl. Wagner, Außenlagersystem, S. 726, Fußnote 17, vgl. auch den Bericht des Landeskriminalamtes von NRW von 1975 in ZSL Sammlung Verschiedenes, Ordner Nr. 188, Bl. 445ff, hier Bl. 446f., Übersicht bei Wagner, Produktion des Todes, S. 101 – 105)


    „... Ein beachtlicher Teil der Projekte lag im vor Luftangriffen relativ geschützten und geologisch geeigneten Harz, wurde mit Häftlingen aus dem KZ Buchenwald betrieben und gruppierte sich um dessen Außenlager „Dora“ in Nordhausen.


    Die in dieser Region ab Frühjahr 1944 als „Bauvorhaben Mittelbau“ bezeichneten unterirdischen Produktionsstätten zielten auf die Verlagerung von Betrieben mit geschätzten 140 000 bis 200 000 Arbeitern.

    Um die dafür notwendigen Maßnahmen zu koordinieren, wurde in der Sonderinspektion II eine Sitzung für den 18.Mai 1944 anberaumt, die sich den Fragen der Raumplanung, des Verkehrs, des Luftschutzes und notwendige Sicherungsmaßnahmen widmete. Anwesend waren neben Hans Kammler Vertreter der Sonderinspektion, des Thüringischen Landesministeriums, des Verkehrsministeriums, der Reichsführung Ss, der „Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft“ und der Firma Junkers.

    Als eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen wurde der Ausbau des Eisenbahnnetzes diskutiert...

    Für die Koordinierung von Eisenbahn- und Straßenbahnbau sowie weitere Infrastrukturmaßnahmen, etwa Be- und Entwässerung und Energieversorgung, wurde die Aufstellung eines neuen Führungsstabes „B 13 Außenanlagen Mittelbau“ beschlossen.... Die Reichsbahn griff dabei auf alte Planungen für eine 22 Kilometer lange Trasse zurück, die südlich der bestehenden Strecke durch das Helmetal führte und deshalb später „Helmetalbahn“ genannt wurde...

    Zum Zeitpunkt der Besprechung befanden sich bereits zwei SS-Baubrigaden einsatzbereit vor Ort: Am 16.Mai 1944 hatte die SS-Baubrigade III, einen Tag später die SS-Baubrigade IV mit der Arbeit im Harz begonnen...“

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 228 – 229)


    „... Die SS-Baubrigade III etablierte ihr Hauptlager in Wieda...in der Nähe der westlichen Trasse der Helmetalbahn... Die SS-Baubrigade IV richtete sich mitten in dem Ort Ellrich... ein... im östlichen Abschnitt an der geplanten Bahntrasse...

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 229 unten – S. 230, hinsichtlich der Wachmannschaften „... griff die SS hier in großem Umfang auf Soldaten der Luftwaffe zurück, die wegen Versorgungsengpässen der Luftwaffe ohnehin zur Verfügung standen und deren Abstellung sich angesichts der vornehmlich der Luftrüstung zugutekommenden Projekte anbot. Zum 1.September 1944 wurde sie in die SS übernommen...“)


    „... SS-Hauptsturmführer Alfred Sorge... der schon den Bau der Bahngleise zwischen Buchenwald und Weimar mit großer Brutalität vorangetrieben hatte, gehörte der Sonderinspektion an, die die Arbeiten im Harz koordinierte...“

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 232, Anm. 197: Kogon, SS-Staat, S. 296 und die Aussage Sorges im Dachauer Dora-Prozess in NARA M 1079 Roll 12 Bl. 675fff Die Tätigkeit Sorges in der Sonderinspektion II geht aus einem Besprechungsprotokoll vom 18.5.1944 hervor, vgl. BA NS 48/26, nach eigener Aussage blieb Sorge bis Ende Juli 1944 in der Sonderinspektion)

    „... Wegen seiner zu freizügigen Behandlung der Häftlinge soll es zwischen Karl Völkner (Leiter der Baubrigade III) und Alfred Sorge wiederholt zu Auseinandersetzungen gekommen sein... Am 12.Juni 1944 wurde Völkner nach eigenen Angaben wegen der „humanen und vorschriftswidrigen Behandlung der Häftlinge“ nach Flossenbürg versetzt...“

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 232, s.a. Anm. 198: Im Oktober ging er für zwei Wochen in Arrest, wobei es sich nach Aussage Völkners um die Bestrafung für das Abhalten des Fußballspiels (in Wieda zwischen den zur Bewachung eingesetzten Luftwaffensoldaten und Häftlingsmannschaften) handelte, BA Z 42 V/3772; BDC/SSO

    Völkner war bis November 1944 Kommandoführer des Außenlagers Leitmeritz, unter Völkners Kommando soll sich, nach anfänglichem Chaos, Unterbringung, Verpflegung und Bekleidung der Häftlinge verbessert haben)


    „... Wenige Tage später, am 27.Juli 1944, erschien Sorge nachts betrunken und in Begleitung von mehreren SS-Sturmführern in Wieda und randalierte dort in Wild-West-Manier. Am nächsten Morgen soll Sorge den Befehl zum Abtransport aller Häftlinge (der SS-Baubrigade III) nach „Dora“ gegeben haben...“

    (Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 233 oben, Anm. 200 laut Bornemann, Geheimprojekt Mittelbau, S. 212, die Häftlinge wurden gegen andere Häftlinge aus „Dora“ ausgetauscht)


    Da Alfred Sorge nur bis „Ende Juli 1944“ der Sonderinspektion II angehört haben will, könnte sein Verhalten vom 27.7.1944 durchaus ein Grund für die Versetzung gewesen sein.

    Er scheint aber bei den Sonderinspektionen geblieben zu sein, da er in den Erinnerungen von Georg Wilhelm Schäfer in Verbindung mit dem Bauvorhaben „Dogger“ genannt wird.

    Auch Schäfer verblieb nach seiner Ablösung als Bauführer im Bereich der „Sonderinspektionen“!


    SS-Obersturmführer Karl Völkner kam mit seiner Versetzung als Kommandoführer in der Außenlager nach Leitmeritz (Verlagerungsvorhaben der Firmen Auto-Union und Osram) unter den Befehl der ab August 1944 neugeschaffenen SS-Sonderinspektion V! Seine Tätigkeit nach November 1944 bis Kriegsende ist nicht bekannt.

    (s.a. Karola Fings, Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden, Schöningh, 2005, S. 332 Kurzbiographie von Völkner, Internierung seit dem 15.5.51945 im Lager Staumühle...)


    Wann dann die bei Schulte genannten beiden Sonderinspektionen VI Prag und VII Hamburg-Neuengamme hinzukamen, und vor allem WARUM, ist bisher nicht bekannt.



    Durch Googlen finden sich noch weitere Hinweise.


    „... Neben den A- und B-Vorhaben für den Jägerstab leitete der Kammler-Stab schließlich noch einige andere Verlagerungsprojekte, so das Projekt „Zement“, also den Ausbau einer Stollenanlage bei Ebensee, in die das Peenemünder Entwicklungswerk einziehen sollte, und das „Sonderbauvorhaben“ S 3, den Bau eines neuen „Führerhauptquartiers“ bei Ohrdruf im Thüringer Wald...“

    (Jens-Christian Wagner, Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora, Wallstein-Verlag, Göttingen, 2015, S. S. 96, in diesem Buch



    „... Den Sonderinspektionen waren im Mai 1944 folgende SS-Führungsstäbe zugeordnet:

    SS-Sonderinspektion I: A 1 bis A 6

    Sitz: Porta Westfalica


    SS-Sonderinspektion II: B 2, B 3, B 5, B 11, B 12, B 13

    Sitz: Wolfleben, Postanschrift: Halle


    SS-Sonderinspektion III: A 7 bis A 10

    Sitz: Bad Wimpfen/Neckar


    SS-Sonderinspektion IV: B 7 bis B 10 u. „Zement“

    Sitz: Wien


    Aus unbekannten Gründen wurde im Frühsommer 1944 der SS-Führungsstab B 12 (Verlagerung eines Junkers-Zweigwerkes in ein Stollensystem bei Halberstadt im Nordharz) der SS-Sonderinspektion I unterstellt, obwohl die Zuordnung zur Sonderinspektion II, der die Junkers-Verlagerungsvorhaben im Südharz unterstanden, eigentlich sinnvoller gewesen wäre.


    Auch die Zuordnung des SS-Führungstabes A 5 zur Sonderinspektion I ist nicht nachvollziehbar – immerhin handelte es sich hier ebenfalls um ein Verlagerungsprojekt des Junkers-Konzerns in der Umgebung Nordhauses, und im März 1944 war das Projekt A 5 tatsächlich auch noch von der Sonderinspektion II geleitet worden...


    Anfang August 1944 wurde das Vorhaben B 5 aus der Sonderinspektion II herausgelöst und der neugebildeten Sonderinspektion V unterstellt...“

    (Jens-Christian Wagner, Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora, Wallstein-Verlag, Göttingen, 2015, S. 97 - 98, Anm. 208)


    Vielleicht lässt sich ja noch klären, wann die beiden Sonderinspektion VI und VII hinzukamen und wie u.a. das Sonderbauvorhaben S 3 (S III) (im November 1944?) hinzukam.

    Gab es auch Vorhaben S I und S II?

    Wurde die bisherige "Sonderinspektion III" evtl. im Herbst 1944 "überflüssig" und konnte so ein Vorhaben mit der Bezeichnung "S 3" oder "S III" übernehmen?



    Die Literatur dazu ist ja recht umfangreich, vielleicht hat ja der eine oder andere Mitleser noch Möglichkeiten und Angaben???



    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Halo,

    zur Sonderinspektion VII HH-Neuengamme könnten Informationen in der dortigen KZ-Gedenkstätte vorliegen.

    Gruß,

    JR

  • Hallo JR,

    danke für den Hinweis. Ich möchte jedoch annehmen, daß dort keine direkten Angaben zu den Tätigkeitsberiechen / betreuten Bauvorhaben der Wimpfener Dienststelle zu finden sein wird.

    Inzwischen bin ich auf eine jahrzehnte zurückliegende Zulassungsarbeit gestoßen, die sich mit den Rüstungsvorhaben im Elz-Mündungsraum auseinandersetzt. Diese habe ich mir via Fernleihe bestellt und werde sie im Verlauf der nächsten Tage durcharbeiten. Wenn überhaupt, dann dürften wohl nur noch dort Hinweise auf oder Zitate von Quellen zur Bad Wimpfener Dienststelle enthalten sein. Wenn ich mit dem dickem Werk durch bin werde ich gerne hier kurz berichten, ob sich was finden lies.


    Nochmals Danke für die Unterstützung und einen schönen Abend

    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Vor Ort in Bad Wimpfen konnte mir keiner der Archivare ( weder der pensionierte noch der aktive ), der Heimatforscher oder aus dem Heimat- und Geschichtsverein jemand etwas zu dieser Dienststelle mitteilen.

    Liebe MunaLisa,


    auch wenn ich Dir direkt zu der von Dir angefragten Dienststelle nichts mitteilen kann, gebe ich jedoch für weitere Nachforscungen folgendes zu Bedenken. Bad Wimpfen war zu dieser Zeit ein Teil des Landkreises Bergstraße. Wegen Akten solltest du dich also auch auf jeden Fall einmal im Staatsarchiv Darmstadt genauer umsehen. Besonders auch größere Zusammenhänge überdenken, in denen diese Dienststelle im Schriftgut einer Kreisverwatung auftauchen könnte! ;)


    Beste Grüße


    OB

  • Hallo Odenwälder Bub,


    daran habe ich in der Tat bisher nicht gedacht! Danke für die Erinnerung.

    ( "An was man alles denken muß... " ;-) )


    Schöne Grüße hoch in den Odenwald

    von MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.