Gottfried Strobl - SS-Polizeiregiment

  • Hallo,


    in der angehängten Traueranzeige für den gefallenen Gottfried Strobl werden die Bezeichnungen Hauptwachtmeister in einem SS-Polizeiregiment und Polizei-Inspektor verwendet. Handelt es sich dabei um ein Versehen der Angehörigen, oder konnte ein Polizei-Inspektor der Schutzpolizei gleichzeitig auch Hauptwachtmeister sein (z.B. in einer Artillerie-Einheit des SS-Polizeiregiments)? Oder bedeutet die Bezeichnung Hauptwachtmeister in diesem Fall, dass Strobl die Funktion eines Kompanie-/Hauptfeldwebels (Spieß) in einer (Artillerie?)-Einheit des SS-Polizeiregimentes ausübte? Beim Volksbund ist im Eintrag nur der Dienstgrad Polizei-Hauptwachtmeister verzeichnet.

    Quellen: Gräberdatenbank Volksbund und Innviertler Heimatblatt Nr. 42 vom 22.Oktober 1943, Seite 12


    Gruß, J.H.


    Nachname: Strobl

    Vorname: Gottfried

    Dienstgrad: Polizei-Hauptwachtmeister

    Geburtsdatum: 31.08.1910

    Geburtsort: Freiling

    Todes-/Vermisstendatum: 30.09.1943

    Todes-/Vermisstenort: Ossowo


    Gottfried Strobl ruht auf der Kriegsgräberstätte in Glubokoje. Endgrablage: Block 1 - Unter den Unbekannten

  • Guten Tag ans Forum und an Johann Heinrich,


    möglich wäre folgendes: Gottfried Strobl war von Beruf Polizei-Verwaltungsbeamter mit dem Dienstgrad eines Polizei-Inspektors.

    Polizei-Verwaltungsbeamte sind belegbar nicht als solche, sondern als Polizei-Reservisten in Polizeieinheiten (Bataillone, Regimenter) abgeordnet worden,

    Nicht für jeden Polizei-Verwaltungsbeamten gab es bei Polizeieinheiten eine Planstelle als Zahlmeister oder ähnliches.

    Verwaltungsbeamte fühlten sich aber auch berufen, für ihren Führer an die Front oder überhaupt in den auswärtigen Einsatz kommen zu wollen.

    Gottfried Strobl kann daher auf einem dieser Wege zum Beispiel Hauptwachtmeister der Schutzpolizei der Reserve gewesen sein.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • möglich wäre folgendes: Gottfried Strobl war von Beruf Polizei-Verwaltungsbeamter mit dem Dienstgrad eines Polizei-Inspektors.

    Polizei-Verwaltungsbeamte sind belegbar nicht als solche, sondern als Polizei-Reservisten in Polizeieinheiten (Bataillone, Regimenter) abgeordnet worden,

    Verwaltungsbeamte fühlten sich aber auch berufen, für ihren Führer an die Front oder überhaupt in den auswärtigen Einsatz kommen zu wollen.

    Gottfried Strobl kann daher auf einem dieser Wege zum Beispiel Hauptwachtmeister der Schutzpolizei der Reserve gewesen sein.


    Hallo Peter,


    vielen Dank für Deine Antwort!

    Überlegt hatte ich auch schon in diese Richtung: Ein Diplom-Handelslehrer, der in den Polizei-Verwaltungsdienst (vielleicht auch im Ausbildungsdienst? im Dienstgrad Inspektor) wechselt und sich auf eigenen Wunsch dann an die Front versetzen lässt, um sich dort ein paar "karriereförderliche" Auszeichnungen für die weitere Verwaltungslaufbahn zu verdienen - also so ungefähr der Verwaltungsbeamte mit "Halsschmerzen"...


    Danke & Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    meine Gedankengänge.


    1939 Polizeiinspektor (Verwaltungsbeamter)


    Wenn er vorher eine militärische Ausbildung in Reichswehr oder Wehrmacht hatte, wird er mit seinem alten Dienstgrad wieder verwendet in einem Polizei-Regiment.

    Dann sollte er also irgendwann mindestens Unteroffizier der Wehrmacht gewesen sein, dass er dann meinetwegen bis Oktober 1943 Hauptwachtmeister wurde.

    Wäre nicht soooo ungewöhnlich, er kann ja meinetwegen den Weg Landespolizei - Wehrmacht - Polizei-Verwaltungsdienst gemacht haben.


    Als aktiver Beamter wäre dann auch ein aktiver und kein Reserve-Dienstgrad passend.


    Gruß aus München

    Marcus

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

  • Guten Tag ans Forum und an Marcus,


    ich gehe mal davon aus Marcus, dass Du mit Deiner Alternative keinen Laufbahnwechsel meinst.

    Denn dieser hätte für Gottfried Strobl ja quasi den Verlust seines Dienstgrades als "Verwaltungsoffizier" bedeutet und vermutlich auch seines

    höheren besoldungsrechtlichen Status.

    Vermutlich habe ich Deine Alternative dienstrechtlich missverstanden.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    ich muss da am Wochenende in meinen Unterlagen nachschauen.

    Da gibt es Erlasse von 1943 (wenn ich es richtig erinnere) über die Verwendung von Verwaltungsbeamten im Truppendienst.


    Tenor war, wie von mir gesagt, zunächst einmal der vorhandene Dienstgrad der Wehrmacht sinngemäß zu übernehmen.

    Ein gehobener Verwaltungsbeamter müsste dann zunächst einen Offizierslehrgang besuchen, da man ihn ohne diesen ja kaum zum Kompanie-Offizier oder -Chef gemacht hätte.


    Es gab glaube ich auch noch die Überlegung, die Verwaltungsbeamte auf einen Reserve-Offiziers-Lehrgang zu schicken, so dass der gehobene Polizei-Verwaltungsbeamte dann Leutnant der Reserve

    der Schutzpolizei geworden wäre und nach dem "Endsieg" wieder zum Verwaltungsdienst hätte zurück können.


    Wie immer bei der Polizei nicht einfach.


    Gruß aus München

    Marcus

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  • Hallo zusammen.


    Erlass des RFSSuChdDtPol.


    O.-Kdo. I O (3) 1 Nr. 92/43 vom 19.03.1943


    Betrifft: Verwendung von Pol.-Verwaltungsbeamten, Angestellten und Lohnempfängern im Pol.-Truppendienst


    1.) Zur Ausbildung der für den Polizeitruppendienst zur Verfügung gestellten Pol.-Verwaltungsbeamten, Angestellten und Lohnempfänger der Geburtsjahrgänge 1908 und jünger

    werden folgende Pol.-Ausbildungsbatl. (V) aufgestellt:

    I. Pol.Ausb.-Batl. (V) in Deggingen,

    II. Pol.Ausb.-Batl. (V) in Bergzabern/Pfalz und

    III. Pol.Ausb.-Batl. (V) in Zabern/Elsass.

    Die Pol.-Ausb.-Batl. (V) werden dem Pol.-Ausb.-Regt. Oranienburg unterstellt.


    2.) (1) Die Verwaltungsbeamten, Angestellten und Lohnempfänger, die bei der Wehrmacht gedient haben oder bereits Angehörige des Polizeivollzugsdienstes gewesen sind, werden in

    weitgehender Angleichung an ihren letzten militärischen bezw. mit ihrem letzten Dienstgrad im Pol.-Vollzugsdienst, die ungedienten als Rottwachtmeister d.SchP. in die Polizeireserve

    übernommen.

    (2) Die Beamten, die z.Zt. noch einen Dienstgrad des aktiven Polizeivollzugsdienstes innehaben, behalten diesen bei.

    (3) Die Zuteilung zu den Pol.-Ausbildungsbatl. (V) ist aus den beiliegenden Nachweisungen Anl. 1 - 3 zu ersehen. Hinsichtlich der Einstufung der bereits gedienten Pol.-Verwaltungsbeamten,

    Angestellten und Lohnempfänger gelten folgende Richtlinien:

    Es sind einzustufen:                                                                             als:

    Oberfeldwebel / Feldwebel...……………………………...Rev.Oberwachtm. bezw. Zugwachtm.d.SchP.d.Res.

    Unterfeldwebel / Stabsoberwachtm.d.LP. ……………….Oberwachtm.d.SchP.d.Res.

    Unteroffiziere / Ma.Maat / Oberwachtm.d.LP. / ……….. Wachtm.d.SchP.d.Res.

    Truppwachtm.d.LP.

    Leutnant d.Res. in ausserdeutschen Heeren...………….Hauptwachtm.d.SchP.d.Res.

    Fähnrich in ausserdeutschen Heeren...………………….Rev.Oberw. bezw. Zugw.d.SchP.d.Res.

    alle übrigen...……………………………………………….Rottw.d.SchP.d.Res.

    […]

    5.) Die übrigen Pol.-Verwaltungsbeamten im Offiziersrang werden ebenfalls als Pol.-Reserveoffiziere in Aussicht genommen und nach ihrem Fronteinsatz bei Eignung zu einem

    Reserveoffizierslehrgang abgeordnet.

    […]


    Der Erlass ist insgesamt 5 Seiten lang, es folgen noch die Ausführungsbestimmungen.


    Man muss ihn im Zusammenhang mit der "Unruh"-Kommission verstehen.

    Ab Anfang 1943 beauftragte das OKW den General Unruh, die Stäbe auszukämmen, das hier kommt dann bei der Polizei raus.


    Man sieht also, dass der Mann offensichtlich einmal aktiver Hauptwachtmeister war und demzufolge diesen Dienstgrad wieder bekommen hat.


    Gruß aus München in die Normandie

    Marcus

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  • Hallo,


    einen hätte ich noch falls nötig.


    6seitiger Erlass


    Der Chef der Ordnungspolizei

    Kdo. II P II (2f II) 24a Nr. 79/43...………………………..Berlin, den 5. Mai 1943


    Betr.: Zulassung und Ausbildung der Polizei-Verwaltungsbeamten für die Reserve-Offizierslaufbahn


    Bezug: Erlaß vom 19. März 1943 - O-Kdo. I O (3) 1 Nr. 92/43 [siehe oben, Lockenheld]


    In Ergänzung der o.a. Erlasse wird hinsichtlich der Auswahl und Förderung der für die Reserve-Offizierlaufbahn geeigneten Polizei-Verwaltungsbeamten und Angestellten angeordnet:


    […]

    II. Ausbildungsgang für die militärisch in der Polizei bezw. Wehrmacht bereits Vorgebildeten.

    (Ohne ehem. Reserve-Offiziere bzw. Reserve-Offizieranwärter)

    1.) Unterführerausbildung. Dauer 8 Wochen

    […]

    2.) Bewährung als Unterführer im auswärtigen (Front-)Einsatz. Dauer 3 Monate

    Ziel: Bewährung als Gruppenführer.

    […]

    4.) Teilnahme an einem Reserve-Offizier-Anwärter-Lehrgang und Ernennung zum Reserve-Offizier. Dauer 4 Monate

    […]



    In Vertretung

    Winkelmann


    So einfach war es als gehobener Verwaltungs-Beamter also nicht, aktiver oder Reserve-Offizier zu werden.


    Gruß aus München

    Marcus

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

  • Hallo nochmal,



    hmmmmm, der Mann kam wohl aus dem Innviertel, war also "Ostmärker".


    Bei denen ist der "Herr Inspektor" sowas wie der Wachtmeister (SB), und das bis heute 8o


    Vielleicht war das umgangssprachlich einfach nur die heimatliche Bezeichnung und man ignorierte im Innviertel das reichsdeutsche Titel-Geflecht.



    Nochmals Grüße aus München

    Marcus

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
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  • Guten Tag ans Forum und an Marcus,


    Marcus, danke für Deinen fleißigen Einsatz in anstehender Sache.

    Ob und welche der aufgeführten Möglichkeiten die zutreffende wäre,

    könnte man wohl nur über die Personalakte des Gottfried Strobl feststellen oder mittels anderweitiger

    Zusatzinformationen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo,


    nochmals vielen Dank an alle Beteiligten für die bereitgestellten Informationen!


    Danke & Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • ... der Mann kam wohl aus dem Innviertel, war also "Ostmärker".


    Bei denen ist der "Herr Inspektor" sowas wie der Wachtmeister (SB), und das bis heute ... <

    Hallo,


    anbei noch mal eine weitere Traueranzeige eines in der Ukraine gefallenen Ostmärkers, in der zusätzlich zum Dienstgrad "Rottwachtmeister" die Amtsbezeichnung "Polizei-Inspektor" verwendet wurde - der Hinweis von Marcus zur "gewohnheitsmäßigen Weiterverwendung" der früheren österreichischen Bezeichnungen scheint sich also zu bestätigen :)

    Quellen: Gräberdatenbank Volksbund u. Völkischer Beobachter, Ausgabe 83 vom 23.März 1944, Seite 7


    Gruß, J.H.


    Nachname: Schenk

    Vorname: Erich

    Dienstgrad: Polizei-Wachtmeister

    Geburtsdatum: 05.03.1910

    Geburtsort: Troppau

    Todes-/Vermisstendatum: 23.02.1944

    Todes-/Vermisstenort: Zarzecze b.Tojkut i.R. Kowel


    Erich Schenk wurde noch nicht auf einen vom Volksbund errichteten Soldatenfriedhof überführt. Nach den dem Volksbund vorliegenden Informationen befindet sich sein Grab derzeit noch an folgendem Ort: Zarzecze / Wolhynien - Ukraine