Industriesabotage am Kriegsmaterial der Wehrmacht

  • Hallo,


    gibt es Erkenntnisse/Statistiken etc. über Industriesabotage am Kriegsmaterial der Wehrmacht.

    Achtung: Ich meine hier nicht die Anschläge von Partisanen, sondern Inustriesabotage, also bei oder nach der Herstellung absichtlich/vorsätzlich beschädigtes /unbrauchbar gemachtes Kriegsmaterial, wie z. B. fehlerhafte Munition die zu Rohrkrepierern führte usw.

    Sicherlich gab es auch Todesurteile in diesem Zusammenahang.


    Wer hat Informationen?:?:


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    ich kann zwar nicht mit Statistiken auf Deine Frage antworten, vielleicht sind aber zwei mir glaubhaft von beteiligten Personen / Augenzeugen geschilderte Vorfälle für Dich von Interesse.


    1.) Panzerfertigung bei Henschel in Kassel, 1944.

    Ein noch lebender KFZ-Mechaniker war damals nach dort abgestellt und schilderte mir von umfangreicher Sabotage durch die ausländischen Zwangsarbeiter, daß im Schnitt die Fließbänder nur jeden zweiten Tag liefen und dann nur mit halber Leistung.


    2.) Untertageverlagerung "Goldfisch", Ogrigheim ( Flugzeug-Motorenfertigung Daimler Benz, Werk Genshagen )

    Zwei noch lebende französische Kriegsgefangene berichteten 2014 gleichlautend, daß dort Ende 1944 zwei "Arbeiter" ( im Moment bin ich mir aus dem Stand nicht sicher, ob es "Zebras", Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene waren ) exekutiert wurden, nachdem sie wiederholt Meßlehren durch auf den Boden werfen unbrauchbar machten. Beim ersten Mal wurden sie verwarnt, beim zweiten Mal erhängt..


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Karl,


    dürfte eine erhebliche Zahl sein, alleine 600 Erhängte im Mittelbau Dora wegen nachgewiesener oder vermeintlicher Sabotage. Rechne das aufs ganze Land hoch, wo wurde noch überall die Waffen- und Munitionsfertigung in Tunnel und Bergwerke verlagert.


    Gruß

    Rüdiger

  • guten Abend,

    ein ehemaliger niederländischer KZ-Häftling, der beim Motorenbau eingesetzt war berichtete mir, er und weitere hätten Kugellager vor dem Einbau in ihren Schraubstock eingespannt. Dieser wurde soweit vorsichtig zugedreht, bis es kaum hörbar "ping" machte. Anschließend wurden die nach außen hin unbeschädigten Lager eingebaut. Diese Vorgänge wiederholten sich immer wieder.

    Grüße von Hector

  • Guten Abend ans Forum und an Karl,


    Industriesabotage in Deinem angefragten Zusammenhang ist ein Teilgebiet des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

    Das wird meiner Meinung nach auch aus den bisherigen Textbeiträgen auf Deine gestellte Frage deutlich.

    Um auf vermutlich hauptsächlich fragmentiert vorhandenen Quellen zu stoßen, dürfte es nicht schlecht sein mit dem

    Suchbegriff "Widerstand" zu arbeiten.. Denn zum "Widerstand" dürfte man mehr Informationen finden, als zur "Industriesabotage".

    Ist zumindest meine Erfahrung. Ich gucke mal, ob ich mit themabezogenen Statistiken, Zusammenfassungen oder dergleichen fündig werde.


    Mit freundlichen Grüßen aus der NOrmandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,

    Denn zum "Widerstand" dürfte man mehr Informationen finden,

    Dank für Deine anstehenden Bemühungen.

    Natürlich zählt Industriesabotage zum Widerstand, das Problem ist nur, dass dann unzählige Beiträge eingestellt werden, die meine eigentlich Frage verwässern. Es ist ja eben mein Anliegen etwas zur Industriesabotage zu erfahren, gerade weil es wenig Informationen draüber gibt. Sobald man nachhakt kommt man im Netz immer wieder auf das Thema "Widerstand". Es geht mir aber spezielle um die Industriesabotage und die Auswirkungen auf die Front und natürlich auch auf die Verursacher, die oft mit ihrem Leben bezahlen mussten.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    im Buch "Nur 24 Zeilen" von Erika von Wietersheim wird berichtet, dass mehrere Torpedoangriffe auf Feindfahrten von U 56 unter Wilhelm Zahn und Otto Harms an Torpedoversagern scheiterten, u.a. z.B. der Angriff auf das britische Transportschiff DUNERA, das auf dieser Fahrt im Juli 1940 zum Personentransport von Internierten aus England nach Kanada eingesetzt war. Da sich die Torpedoversager auf U 56 auffällig häuften, sprach man wohl von Sabotage, wobei Dönitz lieber den Begriff "Konstruktionsfehler" verwendete.

    Auch L.G. Buchheim macht in seinen Büchern Andeutungen zu Sabotage in Verbindung mit zeitweise auffällig vielen Torpedoversagern bei der U-Boot-Waffe, so z.B. auch in "Das Boot".


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Guten Tag ans Forum und an Karl,


    wo man zur Industriesabotage fündig werden kann, sind die Monatsbericht der Wehrwirtschafts-Inspektionen.

    Ich zitiere mal aus dem Monatsbericht der Wehrwirtschafts-Inspektion XIII/Nürnberg vom 15.06.1939, die Widersetzlichkeit,

    Sabotage und Sabotageversuche als Ausdruck einer "tiefgreifenden Mißstimmung in Arbeiterkreisen" aufzeigt:

    • "Bei den Siemens-Schuckert-Werken, Nürnberg, versuchten zwei Arbeiter bereits fertiggestellte Transformatoren unbrauchbar zu machen."
    • "Im Panzerwerk Busenius und Co., Nürnberg, wurden zwei Leute wegen Aufhetzung und ein Mann wegen des Versuchs, die Hauptsicherung des Werkes unbrauchbar zu machen, von der Gestapo verhaftet. [...]"

    ( Martin Broszat u.a. (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit, Bd.I, S. 261, München/Wien 1977)


    Diese Berichte lesen sich wie die politischen Stimmungsbericht der Gestapo.


    Ich zitiere noch einmal allgemein: "Die ausländischen Arbeiter und Kriegsgefangenen stellten auch ein beträchtliches Widerstandspotential dar.

    Die weitaus meisten Verhaftungen der Gestapo während des Krieges erfolgten wegen Arbeitsverweigerungen von Ausländern. Es kam auch zu

    Sabotageakten und zur Bildung geheimer Widerstandsorganisationen, die teilweise zum bewaffneten Kampf übergingen."

    (Detlef Peukert: Lebenslage und Alltagserfahrungen der "Kleinen Leute" in Dritten Reich, in: Nationalsozialismus im Unterricht, Studieneinheit 5: Der Nationalsozialismus und das "Volk", Tübingen 1983, S. 83 ff.)


    Ich gehe mal davon aus, dass zu den Ermittlungen der Gestapo gegen ausländische "Industriesaboteure" Archivmaterial existiert.


    Noch eine Ergänzung zum Literaturhinweis auf Broszat: das genannte Werk umfasst 4 bzw. 6 Bände. Band 1enthält Dokumentenauszüge, wie sie hier als Zitate verwendet worden sind, Band 4 ist wohl eine Zusammenfassung zu Resistenz und Widerstand bestimmter bayerischer Arbeitsbereiche (Bergarbeiter in Penzberg, Industriearbeiter in Augsburg).

    Persönlich kenne ich diese Buchreihe von Broszat nicht.


    Karl, auch weitere Literatur zu Deinem Interessenbereich "Industriesabotage" "firmiert" unter dem Oberbegriff "Widerstand".

    In politischen Bildungszentren und im universitären Bereich gibt es ebenfalls themenbezogene Filme.


    Es scheint so zu sein, dass die Geschichtswissenschaftler lieber den gängigen Begriff "Widerstand" bevorzugen, als den vielleicht reißerischen Ausdruck "Industriesabotage", der

    eher so wie "Industriespionage" klingt und von den Historikern eher dem Tagesgeschehen zugeordnet wird.


    Das als Ergänzung von mir.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Servus,


    meine Grosseltern waren während des Krieges in einem Wiener Siemens-betrieb beschäftigt, in dem unter anderem E-Motore für U-Boote erzeugt wurden.

    Sie erzählten, daß durch kommunistische Widerständler insofern Sabotage betrieben wurde, indem die Kupferdrähte der Wicklungen an mehreren Stellen eingekerbt würden, und auch Isolierungen beschädigt wurden.

    Dies mit der Absicht, daß die Motoren bei längerer Volllast durchbrennen sollten.

    Ob's wirklich zu Schäden gekommen ist, weiss ich aber nicht.


    LG aus Wien

    Vormeister

  • Hallo J. H.,


    tatsächlich lag die Versagerquote bei den sog. "Cornelius G 7 a "Torpedos in den Monaten Sept. 1939 bis einschl. Dez. 40 bei ca.14 %.

    Im Einzelnen: 828 Torpedoschüsse ( Ein Torpedoschuss ist in diesen nachgenannten Fällen kein Einzelschuss, sondern ein Fächer) mit Aufsschlagzünder, (Torpedo -) Pistolenversager 3 ( 0,35 %) Torpedoversager 73 ( 9,02 %), ungekläte Versager 31 ( 3,01 %) ergibt Versagersumme 18,18 % ( zuzügl. fälschlicherweise im September 7 als Treffer gemeldet, waren aber Früh - oder Endstreckendetonierer.


    Besonders schwerwiegend waren die Versager während des Norwegeneinsatzes, wobei sher "lohhnende" Ziele unbeschädigt blieben.

    Dies führte letztlich zu einem Reichsgerichtsverfahren gegen den Chef der TVA, Vizeadmiral Götting, Konteradmiral Wehr,Ministerialrat Dr. Schreiber und Oberregierungsrat Dr. Rothemund. Götting: Freispruch, die anderen 3 Angeklagten wurden zu 2 - 4 Jahren verurteilt, wobei die U - Haft angerechnet wurde und alsbald eine Entlassung auf Bewährung folgte.

    Versagerurache: Vorbereitungsmängel ( Tiefenhaltung,Tiefenlauf MZ und AZ). Es hätte keine Anbordgabe geben dürfe.*


    * Rössler,E. " Die Torpedos der deutschen Boote" ab S. 84,

    Blair, C. "U -Bootkrieg Bd. 1, ab S. 223.



    Hallo Peter,


    mit Deinem Literaturhinweis zu Broszat muss ich mich erst noch befassen. Ein richtiger Ansatz sind die Meldungen, geheime Tagesmeldungen, sicher. Muss ich mal schauen.

    Das Problem der, meiner Überschrift ist, wenn ich Widerstand eingestellt hätte, wären sofort Mitteilungen zu Thema gekommen, aber ich glaube nicht zur " Sabotage", denn eine solche ist es, egal meinetwegen also aktiver Widerstand.


    Liebe Leser,


    Vielleicht hat jemand noch zusätzlich Beiträge von der Front über durch Sabotage funktionsuntüchtiges, zerstörtes Material.


    Hier ein Beispiel:

    "Nachdem im Vergaser Sand gefunden worden war, siebten wir grundsätzlich das Benzin beim nachfüllen"

    Friedli, Lucas: "Die Panzerinstandsetzung der Wehrmacht" (Auszug sinngemäß).


    Gruß Karl

  • Hallo


    Aufschlussreich sind auch Unterlagen der Sondergerichte (tw. auch Staatsanwaltschaften und Landgerichte), so in den lokalen (Haupt)Staatsarchiven erhalten. Ich kenne das aus Weimar, da sind Unterlagen von einzelnen Prozessen erhalten. Ich gehe davon aus, dass aus dem gesamten Reichsgebiet ein Teil der Prozesse im Duplikat an das Reichsjustizministerium ging (und deshalb im Bundesarchiv zu finden sein sollte). Da finden sich sicher etliche Prozesse wegen Sabotage. Nur ist das eben die Sicht der Behörden...Selbstverständlich längst nicht alles was in den Augen der Vorgesetzten und Gestapo Sabotage war tatsächlich Absicht gewesen. Der Begriff wurde mitunter so wachsweich definiert, dass ein Ausländer schon wenn er langsam oder "schlecht" arbeitete den Vorwurf bekommen konnte, was Haftstrafe oder schlimmeres bedeuten mochte. Für KZ-Häftlinge was es natürlich noch mal gefährlicher als ohnehin für Ausländer.

    Aufschlussreich könnten auch Monatsberichte etc. der Gestapo, des Sicherheitsdienst der SS (SD) und der interessanten Unternehmen sein. So noch vorhanden, machen sie zu so etwas natürlich Angaben.

    Ich weiß, dass beispielsweise (ausweißlich der Monatsberichte der Gustloff-Werke) in Weimar dafür mindestens ein Zwangsarbeiter hingerichtet wurde wegen "Aufwieglung zur Sabotage" (Sommer 1944), und ein Jahr zuvor eine Gruppe von mehr als einem Dutzend Ostarbeiter (und ein "Rotspanier", glaube ich) in das KZ Buchenwald überstellt. Leider konnte ich bisher nicht die Namen (und das Schicksal) der meisten ermitteln. Zweifellos gibt es ähnliche Fälle in den meisten großen Industriestandorten...


    Um Sabotage zu begehen brauchte es schon sehr viel Mut - oder Verzweiflung, denn ich vermute, etliche Sabotageakte waren nicht nur politisch-militärisch motiviert sondern auch durch den Wunsch, die verhasste und anstrengende Arbeit wenigstens für eine kleine Weile unterbrechen zu können. Das konnte katastrophale Konsequenzen haben, wenn man gefasst wurde.


    Freundliche Grüße

    Marc Bartuschka

  • Hallo,

    ich kenne in der Luftfahrtindustrie (Flugzeuge und Motoren) etliche Fälle von Sabotage, in deren Folge Flugzeuge abgestürzt und die Besatzungen ums Leben gekommen sind. Betroffen waren vor allem die Frontreparaturbetriebe und Werften der Kampfgeschwader, in denen viele Fremdarbeiter arbeiteten. Gern wurden Fremdkörper in Getriebe oder Flugzeugsteuerungen eingebracht, um diese zu blockieren.


    Da gerade bei fliegenden Verbänden das Leben unmittelbar von der Sicherheit des Fluggeräts abhing, halte ich drakonische Gegen- und Abschreckungsmaßnahmen durchaus für gerechtfertigt, um das Leben der eigenen Besatzungen bestmöglich zu schützen.


    Viele Grüße

    Peter

  • Hallo Peter,


    die Sachverhalte interessieren mich, aber bitte keine Bewertungen einstellen.

    Wir wollen das Thema mit Daten, Zahlen, Fakten abarbeiten, wie man so schön sagt.

    Gerne weiter Beiträge zur Sache.


    Danke,

    Gruß karl

  • Hallo Peter


    Ohne die Diskussion zu dem Thema unbedingt auswalzen zu wollen, halte ich diese Sichtweise mit dem "gerechtfertigt" definitiv für falsch. Es scheint mir vielmehr vollkommen gerechtfertigt, ja sogar als mutige Leistung bewundernswert, wenn Menschen, die oft unter enormen Druck dazu gezwungen wurden, für die Besatzer zu arbeiten, ihr Möglichstes taten - und dabei ein hohes Risiko für sich selbst und ihre Familien eingingen - um die Kriegsmaschinerie dieser Besatzer zu schädigen. Und das schließt eben auch die Inkaufnahme oder beabsichtigte Tötung der Besatzungen mit ein. Gleiches gilt natürlich auch für die Sabotage im Deutschen Reich selber, die ebenfalls vielfach großen Mut erforderte, und oft für die Beteiligten schreckliche Konsequenzen hatte.


    Höfliche Grüße

    Marc

  • Hallo,


    so unterschiedlich sind da die Meinungen: Wäre ich Monteur in so einem Betrieb gewesen und hätte einen Saboteur erwischt, so hätte ich ihm höchstpersönlich den Hals umgedreht, weil ich die Sache nämlich aus der Sicht der Besatzungen gesehen hätte und auch heute noch sehe. Ich hatte z.B. Kontakt mit dem Sohn eines Piloten, dessen Maschine 1941 durch Sabotage (Korund im Motor) abgestürzt ist. Er hat seinen Vater nie kennengelernt und die Frau hat den Tod des Mannes nie verwunden.


    Ich bin kein Jurist, aber für mich ist das eindeutig Mord oder zumindest Mordversuch. Bewunderung kann ich für solche Leute nun überhaupt nicht hegen.


    Keine Ahnung, wie man die absichtliche Tötung von Besatzungen gutheissen kann?


    Viele Grüße

    Peter

  • Tag allerseits,


    Saboteure waren wohl auch Deutsche. Dazu ein (fast) passendes Beispiel.


    Eine süddeutsche Großstadt erlebte einen der ersten Angriffe auf Rüstungsbetriebe durch die RAF. Damals funkte eine deutsche Widerstandsgruppe

    nach London: "Tante verreist, Kinder allein." - Das sollte bedeuten, dass an einem bestimmten Tag ein sogenannter Standortwechsel der Flak stattfand.

    Es gab Tote bei der Zivilbevölkerung. Die "Funker" wurden nach kurzem Prozess hingerichtet.


    Man wird als Angehöriger von Toten dieses Luftangriffs auch heute noch wenig Verständnis für die damaligen "Widerstandskämpfer" empfinden.


    Man kann sich auch die Wut der Soldaten an der Front vorstellen, wenn sie mit Munition versorgt wurden, die nicht ordnungsgemäß funktionierte oder

    Kesselwagen mit Benzin massiv mit Wasser vermischt waren, so dass der Treibstoff nicht verwendet werden konnte.


    Gruß

    Bert

  • Hallo,


    um die Verursacher von Sabotageakten zu ermitteln waren neben dem Codesystem für Hertstellerfirmen, Industrie, Betrriebe usw. zusätzlich ein Zahlensystem an bestimmten Produkten eingeführt worden, um den Herstellerweg zurück verfolgen zu können; teilweise bis zum einzelnen Arbeitsplatz. Auch wurden die Teil - und Endabnahmekontrollen erheblich verschärft, das Denunziantentum durch Belohnungen oder Erleichterungen gefördert, deutsche Arbeiter dazwischengeschaltet usw.

    Es galt ja nicht nur die beschädigten Produkte festzustellen, sondern auch und vor allem den absichtlich produzierten Ausschuss zu verringern.

    Rohrkrepierer bei Geschützen waren keine Seltenheit. Nun waren diese aber nicht immer auf Sabotage zurückzuführen. Ausgeschossene Rohre, verschmutzte Granaten, zu kalte Geschützrohre und/oder Granaten bzw. feuchte Ladungen, Beschusschäden am Rohr usw. konnten die Ursache sein.

    Daneben war der Fachkräftemangel auch eine Ursache von Ausschussprodukten, da immer mehr zum Wehrdienst herangezogen und die Produktionssteigerungen zusätzlichen Kräftbedarf erforderten. (Auch die Wehrmacht brauchte im Feld Fachkräfte).

    Auch der Mangel an Erprobungszeit führte zu Ausfällen, insbes. offensichtlich im ersten Einsatz diverser Panzertypen ( Neben falscher Verwendung und falschem Einsatz).


    Gruß Karl

  • Hallo Peter


    Nun, das ist wiederum für mich rein gar nicht nachzuvollziehen. Du kannst nicht verstehen wie man Leute bewundern kann, die für ihr Land kämpfen, das von den Deutschen ganz oder teilweise besetzt wurde, in dem ganze Bevölkerungsteile deportiert, entrechtet oder direkt abgeschlachtet wurden? Mancher, der heute in einem Rüstungswerk oder bei dessen Aufbau schuftete, hatte vorgestern noch miterleben "dürfen" wie Heer (oder Luftwaffe) sein Dorf zerstört und/oder Bekannte umgebracht hatten. Du kannst Menschen nicht bewundern, die selber durch Druck, Täuschung oder auch Gewaltandrohung und -einsatz zur Arbeit für diese Besatzer gezwungen wurden? Die täglich demonstriert bekommen, dass sie nur als Menschen zweiter (oder dritter) Klasse gelten? Die trotz dieses Alptraum von Leben den Mut zum Handeln finden, obwohl man ihnen praktisch vom ersten Tag an mit dem Tod droht, falls sie Sabotage begehen (es gab ja entsprechende Aushänge, "Belehrungen" etc.)? Und die wissen, dass dies auch für ihre Familie Konsequenzen haben kann? Mir ist vollkommen unverständlich, wie man solche Menschen NICHT bewundern kann.


    Ich finde es offen gestanden auch sehr unverständlich, wie du den begriff "Mord" für die Sabotageakte verwenden kannst, aber für die "drakonischen Gegen- und Abschreckungsmaßnahmen" (verstehe ich das richtig, dass das jetzt ein Euphemismus für Hinrichtungen bzw. Todesandrohung etc. ist? Das kann ich mir jetzt eigentlich nicht vorstellen...) Begriffe wie gerechtfertigt gebrauchst. Das klingt für mich wie wenn man die Dinge von den Füßen auf den Kopf stellt.


    Was ich auch nicht verstehe ist, wie man Empathie für die Deutschen (ob die bombardierten oder die Soldaten) geltend machen kann, ohne dabei zu bedenken, dass gerade die Soldaten (und die Kriegsindustrie eben auch) Teil einer Maschinerie war, die nun mal halb Europa in Schutt und Asche gelegt hat und für den Tod von grob geschätzt über 30 Millionen Menschen verantwortlich ist. Wir alle sind uns natürlich einig, dass es notwendig und gut war, dass das Reich den Krieg verloren hat - nur kann man einen Krieg eben nur verlieren, wenn entweder die Führung einsieht, dass es sinnlos ist weiterzukämpfen (das war selbstverständlich keine Option bei DER Regierung, nicht zuletzt weil sie wussten, dass sie für ihre Taten würden büßen müssen). Oder wenn die Kriegsmaschinerie besiegt bzw. ihr Funktionieren verhindert wird. Und das geht eben nicht auf friedlichem Wege. Die Sabotage hat nach meiner Ansicht ihren Beitrag dazu geleistet, den Krieg ein kleines bisschen zu verkürzen, und die Männer und Frauen, die bewusst sabotiert haben, brauchten ein großes Maß an Mut, und oft auch Findigkeit, und nur zu oft haben sie dafür oft einen hohen Preis bezahlt. Man versetze sich der Abwechselung halber mal in deren Haut (oder besser, versuche es, wirklich nachfühlen, was sie gefühlt haben, kann man natürlich nicht)... Natürlich verdient das, was sie getan haben, Respekt und Bewunderung, da gibt es für mich keine Frage. Natürlich hatte das den Tod von Menschen zur Folge, es hat aber auch eine ganze Anzahl Menschen gerettet - alliierte Soldaten an der Front wie auch alliierte Zivilisten im Hinterland.


    Höfliche Grüße

    Marc Bartuschka

  • Hallo,


    wäre ich Zwangsarbeiter gewesen, hätte ich dem Feind auch in den Kaffee gepisst wo es nur geht und mich wahrscheinlich noch geärgert, daß ich nicht mitbekomme, welche Auswirkungen meine Sabotage hat.


    Quote


    Daneben war der Fachkräftemangel auch eine Ursache von Ausschussprodukten, da immer mehr zum Wehrdienst herangezogen und die Produktionssteigerungen zusätzlichen Kräftbedarf erforderten. (Auch die Wehrmacht brauchte im Feld Fachkräfte).


    Ein weiterer Aspekt, der hier bedacht werden sollte, ist das Missmanagement und die Profitgier seitens der Unternehmen. Ein kurz gefasstes Beispiel, von dem mir der Chronist eines Unternehmens meiner Heimatstadt erzählt hat:

    Der Betrieb hatte damals rund 600 Mitarbeiter und fertigte eigentlich Lodenstoffe und Kopfbedeckungen. Während des Krieges kamen noch Benzinfilter hinzu, Teile des Geländes wurde an Hartmann&Braun zur Herstellung von Verbandsmaterial verpachtet. 1944 wurden weitere Teile an FAG Kugelfischer zur Herstellung von Wälzlagern verpachtet, insbesondere hier wurde neben einer überhöhten Pacht jede Gelegenheit benutzt, irgendetwas in Rechnung zu stellen, so hatte FAG z.B.(wahrscheinlich staatlich subventioniert) für den Estrichschaden durchs Aufstellen der Maschinen im voraus zu zahlen, der durch FAG kaum genutzte betriebseigene Bahnanschluß mußte monatlich extra pauschal bezahlt werden, jede Leistung der Betriebsschlosserei beim Aufbau der Anlagen usw.

    Insbesondere durch ungeeignete Infrastruktur wie viel zu schwachem Stromanschluss und Fachkräftemangel hat nie auch nur ein Lager den Betrieb verlassen, aber der Unternehmer hatte sein Ziel erreicht.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941