Brief in die Heimat vom 3.8.1941 aus Russland

  • Hallo an Alle,


    ich habe hier einen Brief von Florian Völkl .. Uffz. San. Inf.Rgt. 199 "List", den er an seine Eltern schrieb.


    Viele Grüße


    Wolfgang

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    Ich suche alles von der Ardennenoffensive über Panzergrenadieregiment 25 HJ

  • wolfipichler

    Changed the title of the thread from “Brief in die Heimat” to “Brief in die Heimat vom 3.8.1941 aus Russland”.
  • Tag allerseits,


    der Brief schildert so richtig die damalige Situation von Infanteriedivisionen im Osten: marschieren, marschieren bis zur totalen Ermüdung.

    Dazu ein Bild von Soldaten des IR 199 beim Vormarsch im Osten (1941).


    Wenn man das Bild näher betrachtet, essen die Soldaten während des Marsches aus ihren Feldgeschirren....


    Und hier:


    http://www.57id.de/index.php?title=V%C3%B6lkl,_Florian


    Näheres zum Soldaten Florian Völkl.


    Grüße

    Bert

  • Schönen guten Abend.


    Bert ich danke Dir für deinen Beitrag. Ich habe von dem Völkl Florian nun insg. 92 Briefe. Danke auch für den Hinweis auf die Seite der Inf.Div. 57. Ich kenne die Seite und habe schon einige Details dort finden können.


    Es ist höchst interessant. Alle Briefe sind noch nicht ins reine geschrieben, weil ich Süterlin nicht lesen kann. Ich habe aber Unterstützung dabei.


    F. Völkl ist am Brückenkopf Woronesch gefallen/vermisst 01.1943. Wenn die Briefe fertig sind werde ich noch einige hier einstellen, denn es ist höchst interessant .

    WAST ist noch in Arbeit.


    Viele Grüße


    Wolfgang

    Ich suche alles von der Ardennenoffensive über Panzergrenadieregiment 25 HJ

  • Hallo, Wolfgang,


    wenn es Dir helfen sollte, dann kannst Du auch gerne hier einige Briefe zum Transliterieren einstellen. Einige Sütterlinkundige haben wir ja durchaus im Forum.


    Interessant ist der Inhalt allemal, denn es ist durchaus nicht selbstverständlich, daß man so offen über seine Strapazen und Erlebnisse schrieb. Viele gaukelten auch ein 'heiles Leben' vor. Das scheint bei Florian Völkl nicht der Fall.


    Bin gespannt und werde gerne hier weiter mitlesen.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Tag allerseits,


    mein verstorbener Vater war damals auch beim Inf.Rgt. 199. Was er mir hinsichtlich der täglichen "Laufleistungen" beim Vormarsch in Russland erzählte, deckt

    sich mit dem Brief des Soldaten Völkl. Laufleistungen von bis zu 40 km am Tag, das sind heute unvorstellbare Leistungen.


    Grüße

    Bert

  • Hallo und einen schönen guten Abend an ALLE,


    ich freue mich sehr, dass auch mancher von Euch hier seinen Kommentar dazugegeben hat.


    Vielen dank Diana für das Wort "Transliterieren", sehr gut, ich kannte das so nicht.


    Nun habe ich mir gedacht ich will im Jahr 1941 bleiben und wieder vom August einen Brief einstellen.


    Nur einige wenige Hintergrundinformationen:


    Florian Völkl war Theologie-Student. Zuhause in Obb. - Chiemgau nähe Chiemsee. Ortschaft Strassberg bei Staudach Egerndach.

    Jahrgang 1920.

    Sein Vater war Holzknecht.

    Sein Bruder Josef war auch im Krieg, gefallen ist Josef ebenfalls 1943, im August.

    Die Studenten wurden lt. Chronik vom Priesterseminar Wartberghöhe/Traunstein, geschlossen vom Ordinariat München-Freising zum Kriegsdienst angemeldet.(die Gebrüder Ratzinger- Papst Benedikt, Jahrgangsstufe 1935- besuchten dieses Priester-Seminar in Traunstein ebenfalls.)


    Viele Grüße


    Wolfgang

  • Hallo,

    Laufleistungen von bis zu 40 km am Tag, das sind heute unvorstellbare Leistungen.

    na ja, für viele mag das heute stimmen, aber bei der BW gibt es etliche, die sich heute für den Nijmwegenmarsch vorbereiten und dann mitmachen. Die aus Calw machen noch etwas mehr.

    Ich habe Nijmwegen als Soldat vor vielen Jahren mitgemacht, Training war in der Lüneburger Heide. Training auf Asphalt wäre besser als auf Sand gewesen. Die Sandlatscherei ging allen gewaltig auf den Keks. Aber aus unserer Marschgruppe fiel niemand aus.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Tag allerseits,


    es mag ja stimmen, dass es auch heute noch sportliche Typen gibt, die in Nijmwegen mitmachen und respektable Laufleistungen erbringen.

    Dennoch, der Krieg findet nicht im Saale (oder bei sportlichen Verantstaltungen in Nijmwegen) statt. Bei großer Hitze, beim Vormarsch im Mittelabschnitt

    40 km am Tage zu laufen, mitunter Fliegerangriffe über sich ergehen zu lassen, solche Probleme gibt es in Nijmwegen (Gott sei Dank) nicht!

    Das von mir eingebrachte Bild ist dazu aussagefähig genug!


    Grüße

    Bert

  • Schönen guten Tag Bert,

    danke für Deinen Beitrag.

    Gerade eben war ich Deinem link gefolgt, auf die Seite der 57.Inf.Div.

    Du hast den Brief von Florian soz. auf "seiner Seite" eingefügt, das finde ich toll. Danke.

    Gruß

    Wolfgang

    Ich suche alles von der Ardennenoffensive über Panzergrenadieregiment 25 HJ

  • Grüß Dich Wolfgang,


    es freut mich, dass Du es billigst, dass der Brief des Soldaten auf seiner Site beim Gren.Rgt. 199 "List", erwähnt wird.


    Bei meinen Arbeiten am Projekt der 57. ID fiel mir immer wieder auf, dass Frisöre und Studenten vielfach zum Sanitätsdienst eingeteilt wurden.

    Die meisten dieser "Studenten" belegten das Fach Theologie - so wie im Falle des Florian Völkl.


    Herzliche Grüße

    Bert

  • Hallo und guten Abend Bert,


    die Nachfahren in der Familie Völkl haben es erlaubt, nur wollen sie die original Briefe nicht aus der Hand geben. Ich habe vor einstellen der 2 Briefe gefragt. Alles kein Problem. Für mich ist das ein Schatz diese Briefe in der Hand halten zu dürfen, teilweise in sehr gutem Zustand.Dieser Bursche hat irgendetwas bemerkenswertes an sich... wirst selber noch lesen. Wir sind bald durch mit den Briefen, dann werde ich noch gerne einige einstellen, wie ich schon sagte.


    Ich bin mit den vielen Briefen noch nicht ganz durch, da ich nur geringe Teile lesen kann, aber soviel weiß ich schon, dass sich F.Völkl freiwillig dazu gemeldet hat, aber bestätigen werde ich das erst wenn es , ..Transliteriert... ist. (schweres Wort).

    Ich habe an den Entwerfer der Seite der 75. Inf.Div. vor einigen Wochen eine email geschickt, aber noch keine Antwort bekommen.

    Jetzt wo ich dich hier zufällig kennenlerne , vermute ich, dass Du die Mail gelesen hast, da die Seite von Flori aktualisiert ist. Danke das ist ein schönes Andenken. Wer weiß ob wir irgendwann mal so etwas haben werden, sorry nur ein Scherz.

    Wenn Du zufällig Einzelheiten zum Brückenkopf Woronesch hast -Januar 1943, wäre ich sehr dankbar für einen Hinweis.

    Ich kann mir diese Stellung dort nur sehr schwer vorstellen. Ich dachte eigentlich, anhand der großen Verluste im Januar 43, dass die Russen die Front beim Inf. Rgt.199 überrannt haben, aber das scheint nicht der Fall gewesen zu sein, weil von Florian die persönlichen Sachen zurückgeschickt wurden,nur eben die Gefallenen konnten nicht mehr geborgen werden.

    Also wenn Du mir bitte es irgendwie erklären könntest wie man sich diese Verteidigung eines Brückenkopfs vorstellen kann, wäre ich dankbar.


    VG

    Wolfgang

    Ich suche alles von der Ardennenoffensive über Panzergrenadieregiment 25 HJ

  • Ich habe Nijmwegen als Soldat vor vielen Jahren mitgemacht, Training war in der Lüneburger Heide. Training auf Asphalt wäre besser als auf Sand gewesen. Die Sandlatscherei ging allen gewaltig auf den Keks. Aber aus unserer Marschgruppe fiel niemand aus.

    Gruss

    Rainer

    Hallo,


    geht es auch etwas bescheidener? Ich würde einen läppischen 4-Tage Marsch ohne MG und Karabiner, dafür mit Jogginghose, Wanderschuhe und gereichten Schokoriegeln nicht als echte "Barbarossa-Leistung" ansehen. Zumal der Nijmwegenmarsch schon ab milden 26°C abgebrochen wird, wegen Gefahr für Leib und Leben. Mit 4 x 50 km kam man nicht mal schnurstracks bis nach Minsk, dazu fehlt die sommerliche Hitze von 1941, Staub- und Buckelpisteneinlage sowie die sportliche Betätigung, mal eben nebenbei einen Pferdekarren hunderte Meter mitzuziehen. Und das bitte genagelt über Wochen, bis vor die Tore Moskaus.


    Gruß

    Rüdiger

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  • Grüß Dich Wolfgang,


    die Wehrmacht hatte eine eigene Diktion für die verlustreichen Kämpfe in Woronesch um die Jahreswende 1942. Man nannte das damals "Rückmarsch

    von Woronesch". Die seinerzeitigen Verluste des Gren.Rgt. 199 "List" waren immens hoch.


    Dazu eine kurze Zusammenfassung aus dem Projekt 57.ID:


    http://www.57id.de/index.php?t…3%BCckmarsch_von_Woronesh


    Die vorstehenden Ausführungen enthalten eingangs auch eine sehr realistische Beschreibung der damaligen Verhältnisse, verfasst von einer russ. Historikerin.


    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo,


    geht es auch etwas bescheidener? Ich würde einen läppischen 4-Tage Marsch ohne MG und Karabiner, dafür mit Jogginghose, Wanderschuhe und gereichten Schokoriegeln nicht als echte "Barbarossa-Leistung" ansehen. Zumal der Nijmwegenmarsch schon ab milden 26°C abgebrochen wird, wegen Gefahr für Leib und Leben.

    Hallo Allerseits,


    ist vielleicht heute so?


    In den siebziger Jahren gings mit G3 und "Sturm"-Gepäck (Bedingung: in Summe mindestens 10kg, Offiziere mit P1 hatten eine Hantel im Gepäck mitzuführen) in Stiefeln, in der Regel ohne Tritt, ging auch phasenweise anders, im Gleich- oder Laufschritt, je nachdem wenn es zu beindrucken galt. Nix Abbruch wegen hoher Temperaturen.

    In der Gruppe lief ein Sani mit, seine Apotheke führte Salztabletten, Kodan und Pflaster.


    Sicherlich überhaupt kein Vergleich mit den Marsch-Leistungen und den Bedingungen der Infanterie!


    Aber auch nicht ganz ohne, innerhalb eines Quartals, mit Vorbereitungen, mehr als 1.500 km per pedes und häufigen Übernachtungen im Zelt oder beim Bauern im Heuschober.


    Beste Grüße,

    Dieter

  • Hallo zusammen,


    Woronesch war vor einiger Zeit schon mal Thema.


    siehe hier


    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo zusammen.


    Was mich an solchen Briefen wie auch an den beiden beeindruckt ist wie der Schreiber es Schilder das Glück und die Verwunderung einen Angriff überlebt zu haben.

    In solchen Briefen steckt ganz viel Ehrlichkeit Menschlichkeit und viel Gefühl wie es dem Schreiber ging.


    Ich warte gespannt auf weitere Schilderungen von Florian...


    Danke für diese n Beitrag!


    ps: könnt ihr die Marschdiskussion wo anderst führen ich glaube der Beitrag wird sich sehr interessant weiterentwickeln...

    Grüßle Petzi

  • Schönen guten Abend,


    zu den 2 Briefen vom Aug. `41, möchte ich mir erlauben im Jahr 1941 kurz etwas zurückzugehen in den Monaten. Ich denke die Geschichte des Soldaten wird nicht nur mich interessieren. Florian Völkl war zur Grundausbildung in Mittenwald, Brannenburg und als Arbeitsmann in Erding.


    Anfang 1941 dann nach Frankreich, dann nach Polen - Zamosk.


    In den 5 Briefen lesen wir darüber ein paar Dinge. (auch wieder über das Marschieren)


    Gruß

    Wolfgang

  • Grüß Dich Wolfgang,


    typisch für die damaligen Verhältnisse in Frankreich sind die beiden letzten Briefe. Da geht es u.a. um die Beschaffung von Stoffen und Wolle in Frankreich.

    Im Jahr 1941 war zwar die Versorgung mit Lebensmitteln im besetzten Teil Frankreichs schon ziemlich beschränkt, aber im Gegensatz zu Deutschland

    gab es damals noch diverse andere Dinge (Bekleidung, Stoffe usw.), die man in Frankreich problemlos in Kaufhäusern ohne Marken bzw. Bezugsscheine erwerben konnte.


    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Schönen guten Abend Roland,

    vielen herzlichen Dank für den Tip.

    Ich habe gesucht und nicht gefunden. Ich freue mich riesig, dass doert auch einige Bilder sind und sogar eine Lagekarte. Hervorragend,


    Riesendank, ich hab es gesucht und nicht gefunden.

    Gruß

    Wolfgang

    Ich suche alles von der Ardennenoffensive über Panzergrenadieregiment 25 HJ

  • geht es auch etwas bescheidener? Ich würde einen läppischen 4-Tage Marsch ohne MG und Karabiner, dafür mit Jogginghose, Wanderschuhe und gereichten Schokoriegeln nicht als echte "Barbarossa-Leistung" ansehen. Zumal der Nijmwegenmarsch schon ab milden 26°C abgebrochen wird, wegen Gefahr für Leib und Leben.

    Hallo Rüdiger,

    anscheinend fehlt dir etwas Hintergrundwissen. Ich war in der offiziellen Bundeswehrdelegation, Delegationschef war der RKT OTL Lepkowski. BW-Delegation hiess Sturmgepäck(mindestens 7.5 Kg) und G 3 und alles in Marschordung(oft ohne Tritt). Abgebrochen wurde damals bei der Temperatur nichts, die einzigen die abbrachen waren Amerikaner.

    Auch bei der normalen Ausbildung ging es bei uns munter zu. 30 Km Marsch mit Gefechtseinlagen bei Frau Lorenz von oben. Rückmarsch zur Unterkunft unter ABC-Schutzmaske war nur 14 Km lang. Ich habe das MG die ganze Zeit getragen. Am nächsten Tag ,auch bei Frau Lorenz von oben, ein kleiner Orientierungsmarsch(35 Km) mit MG, Lafette, sPzFst , G 3 und Sturmgepäck. Unsere Gruppe brauchte fünf Stunden dafür. Ich glaube zu wissen von was ich rede.

    Auch bei Barbarossa gab es Rasttage für die Infanterie nach ein paar Tagen Marsch.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique