Brand auf dem HAPAG-Dampfer Deutschland IV 1938

  • Hallo,


    in Zusammenhang mit dem Bürgerbräu-Attentat sandte die Gestapo einen Fragenkatalog zu Hintergründen der Ermittlungen an die schweizer Behörden, dieser Katalog enthält auch Fragen zu einem Brand auf dem HAPAG-Dampfer Deutschland im Herbst 1938, der mir unbekannt ist und zu dessen Hintergründen ich auch nichts finde. Offenbar ging die Gestapo hier von einem weiteren Attentat aus, wer weiß mehr?


    Hier die Fragen der Gestapo, die die schweizer Behörden nicht beantworteten:


    Betrifft: Dampfer Deutschland

         


    1.) Ist es üblich, dass Waren, die aus St. Gallen nach Amerika verschifft werden sollen, über Hamburg geleitet werden? zu Blatt 2      
    2.) Bei dem 2. Anruf des angeblichen Scherfl bei Jacky-Mäder u. Co. kam das Gespräch auf den Dampfer "Deutschland".

    Wurde ihm dieser von der Firma benannt oder kam er von sich aus auf den Schiffsnamen?

    Warum wurde nicht der nächste, sondern der übernächste Dampfer "Deutschland" gewählt? zu Blatt 3

         
    3.) Schriftliche Bestätigung der Auftragserteilung trug das Datum vom 13.10.38 (Röhrschach) und war ambulant aufgegeben. Wann und wo zur Post gegeben (der Begriff "ambulant" in diesem Zusammenhang ist hier nicht gebräuchlich und daher auch nicht klar)? Von ambulanter Aufgabe ist später nochmals die Rede, und zwar beim Eingang der Formulare über Konsularfakturen. zu Blatt 4/5      
    4.) Unterhaltung Pillmaier-Mühleis einige Tage nach dem 20.11. in den Räumen der Fa. Jacky-Mäder:

    M. erklärt, dass eine Spieluhr nicht so viel Sprengstoff enthalten könne, um einen Schiffsbrand zu verursachen. Frage: Hat M. die Spieluhr gesehen?

    Woraus schließt M., dass Scherfl Jude ist?

    Warum sollte Jacky-Mäder den Namen des Absenders der Kiste den deutschen Behörden nicht bekanntgeben?

    Welche Schritte wollte M. in jüdischen Kreisen gegen die Firma unternehmen? zu Blatt 6/7

         
    5.) Nach dem 10.12.38 zeigte M. dem Pillmaier eine Postkarte mit Poststempel "Kreuzlingen", worauf Scherfl mitteilte, dass er krank sei.

    Frage: Welche ständige oder zeitweilige Verbindung bestand zwischen M. und Sch. und was ergab sich noch aus der Karte? Elser, der Attentäter von München, ist oft in Kreuzlingen aufhältlich gewesen. Bestehen Verbindungen zwischen Mühleis, Scherfl und Elser? zu Blatt 7

         
    6.) Zu welchem Zweck hatte Mühleis ein Generalabonnement des SBB. im Besitz? zu Blatt 14      
    7.) Der im Verdacht der Mittäterschaft stehende Julius Wiesel stammt aus Kreuzlingen.

    Hatte W. Verbindungen zu Elser? zu Blatt 19

         
    8.) Woher hat Mühleis Kenntnis davon, dass der Inhalt der Kiste nicht aus Antiquitäten, sondern aus Goldwaren bestanden habe? zu Blatt 21/22      
    9.) M. weiß angeblich, dass sich Scherfl in einem Konzentrationslager befindet. Woher? zu Blatt 23      
    10.) Vollständige Personalien der Gebrüder Felix und Bernhard Mehl, da sonst Überprüfung nicht möglich, zu Blatt 29      
    11.) Näheres über den Aufenthalt des Mühleis in Kreuzlingen feststellen (ev. Verbindung mit Elser), zu Blatt 40

    Welcher politischen Richtung hat Mühleis angehört?

    Hatte er Verbindung zu deutschen Emigranten, insbesondere zu Strasser-Anhängern?

    Kannte er Strasser?

    Ist er jeweils an Orten aufhältlich gewesen, an denen sich auch Strasser aufhielt?

         
    12.) Wer von den anderen im Vorgang genannten Personen hat Verbindungen zu Strasser oder seinen Anhängern gehabt?      
    Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv Bern


    http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/schweiz.htm


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    in der Nacht zum 26.10.1938 erfolgte, auf dem Weg nach New York, im Laderaum der "Deutschland" eine Explosion.

    Es handelte sich um einen Sabotageakt der "Kommunistischen Internationalen".

    Durch die Explosion entstand ein schwerer Brand, der erst nach 10 Stunden von der

    Besatzung gelöscht werden konnte.

    Die an den Löscharbeiten beteiligten Besatzungsmitglieder wurden nach der Rückkehr

    gefeiert und geehrt und als "Beweis nationalsozialistischer Einsatzbereitschaft deutscher Seeleute" dargestellt.


    Deutsche Schiffe und deren Fahrgäste, waren vor Beginn des Zweiten Weltkrieges

    von Sabotageakten der "Kommunistischen Internationale" bedroht.

    So explodierte ein Sprengkörper am 3.11.1938 an Bord der "Vancouver".

    In den Rumpf wurde ein 2x2 m großes Loch gerissen. Nur durch auf Grund setzen,

    konnte der Untergang der "Vancouver" verhindert werden.

    Eine spätere Untersuchung ergab, das der Sprengkörper aussen mit Magneten am Rumpf

    befestigt wurde.


    Quelle: Kludas, Arnold: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt 1850 - 1990

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Thilo,

    hier was zu dem Dampfer

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_(Schiff,_1924)

    Der Brand muss wohl nicht so doll gewesen sein. Habe selbst einen Lukenbrand auf meinem ersten Dampfer erlebt, qualmte zwar viel, aber war ziemlich schnell gelöscht. Im Bordbuch stand eine Zeile dazu. Also nichts Bedeutendes.

    Was die Gestapofragen angeht, die Beantwortung der Frage 1 ist Kaffeesatzlesen. Wo was eingeschifft wurde, hängt von der Landspedition ab. Bei uns wurde sowohl in Bremen als auch in Hamburg Rheinwein geladen. In Hamburg auch noch Spirituosen aus Dänemark. In Bremen und Hamburg wurden auch noch andere Sachen geladen. Pferde, eine 160 Tonnen Turbine und anderes.

    In Antwerpen kam schottischer Whiskey, holländisches Bier und Saatgut aus Deutschland dazu. Und noch vieles andere.

    Gruss

    Rainer

    P.S.: Und in der Biskaya sind Haltenetze im Locker gebrochen, die Mischung aus Wein Whiskey, Aquavit und anderen Sachen schwappte in dem Raum so 30 cm hoch. Eine Stunde Arbeit zum Entfernen der kaputten Flaschen genügte um den Rest der Wache im Nebel zu erleben.

    Suum cuique

  • Hallo ihr beiden,


    Danke für Eure Antworten! Seltsam, daß die Schweizer bzgl. Elser recht auskunftsfreudig waren, in der Schiffsache aber nicht.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941