Grußformeln

  • Guten Tag,
    in einem Brief meines Vaters vom November 1943 - mein Vater war zu dieser Zeit Flakhelfer - lese ich die Grußformel "Heil und Sieg". Ich habe schon allerlei in dieser Hinsicht recherchiert und dabei gelesen, dass es auch den Spruch "Heil und Sieg und fette Beute" gab, der angeblich bei den U-boot-Fahrern eine besondere Rolle gespielt haben soll. Weiß jemand Genaueres über diesen Spruch? Oder hat jemand eine Ahnung, in welchem Sinn mein Vater diese Formel verwendet haben könnte? Schließlich benutzt er nicht die offizielle Formel.
    Grüße von
    Thea

  • Tag allerseits,


    Rudolf von Sebottendorf reklamierte, dass das „Sieg Heil!“ von „Heil und Sieg!“ abstamme. Dieser Ausspruch wurde unter Mitgliedern der Thule-Gesellschaft in den 1920er Jahren geprägt und seiner Ansicht nach von Hitler in verkürzter Form übernommen.


    Quelle:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlergruß


    Gruß
    Bert

  • Hallo zusammen,


    eine interessante Frage von Thea, zu der ich auch gerne etwas beitragen möchte. Ich bin schon länger der Ansicht, dass die Nationalsozialisten,
    die sich ja gerne als "Bewegung" sahen, ihr Weltbild und viele ihrer symbolischen Grußformeln von allen möglichen Vorbildern übernommen haben.


    Neben dem Armrecken zum Hitlergruß als Abwandlung der römischen Kaiser- oder Ducegrüße (Mussolini), siehe Berts Wikipedia-Link,
    stammt das "Heil und Sieg!" schon aus den Zeiten Kaiser Wilhelms II., genauer als es im I. Weltkrieg für die deutschen und österreichischen Kaiserreiche
    ums nackte Überleben ging. Vorbild war für Wilhelm II. die frühere preußische Volkshymne "Heil dir im Siegerkranz" von 1795.


    Adolf Hitler hat sich ja quasi als "Wiedergänger" König Friedrichs II. von Preußen ("der Große") gesehen (der arme Alte Fritz konnte ja nichts dafür),
    mit einem historischen in Öl gemalten Porträt des Preußenkönigs an Hitlers Schreibtisch, also immer vor Augen, sogar bis zuletzt im Führerbunker.


    Grundlage für das "Heil und Sieg!" von Kaiser Wilhelm II. im Ersten Weltkrieg war wohl die Tatsache, dass die Hymne "Heil dir im Siegerkranz"
    mit der deutschen Reichsgründung von 1871 zur deutschen Kaiserhymne (für den allseits beliebten Kaiser Wilhelm I.) geworden war.
    Das Lied "Heil dir im Siegerkranz" aus dem alten Preußen war ja wie schon erwähnt über Jahrzehnte die preußische Volkshymne gewesen (1795 bis 1871).


    Näheres dazu findet sich hier bei Wikipedia:




    Die Melodie entspricht der britischen Nationalhymne
    „God Save the King“ bzw. "God Save the Queen".
    Als Textauszug hier vielleicht die interessanten 1. und 5. Strophen des deutschen Liedes (mit Bezügen zu Wilhelm II. als "Kriegskaiser" und später Hitler als selbsternanntem Staatsoberhaupt und "Führer" des Reiches):


    (1)
    Heil dir im Siegerkranz,
    Herrscher des Vaterlands!
    Heil, Kaiser, dir!
    Fühl in des Thrones Glanz
    die hohe Wonne ganz,
    Liebling des Volks zu sein!
    Heil Kaiser, dir!https://de.m.wikipedia.org/wiki/Heil_dir_im_Siegerkranz


    [...]
    (5)

    Sei, Kaiser Wilhelm, hier
    lang deines Volkes Zier,
    der Menschheit Stolz!
    Fühl in des Thrones Glanz,
    die hohe Wonne ganz,
    Liebling des Volks zu sein!
    Heil, Kaiser, dir!

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Heil_dir_im_Siegerkranz


    Die Kaiserhymne bezog sich ja ursprünglich auf Wilhelm I., der seit 1858 Regent und seit 1861 König von Preußen war,
    später Präsident des Norddeutschen Bundes (als der französische Kaiser Napoleon III. Preußen und anderen deutschen Staaten 1870 den Krieg erklärte)
    und dann seit 1871 erster Deutscher Kaiser.
    Er war wohl tatsächlich im Volk so beliebt, dass es noch in der Weimarer Republik ein populäres Lied gab mit dem Titel:
    Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederhaben (die 1. Strophe hat mein Vater, Jahrgang 1919, sogar noch in den 1980ern gern rezitiert):



    Im folgenden habe ich als Beleg noch eine Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg von 1914-1915 angefügt.


    Darin wünscht Kaiser Wilhelm II. (als Porträt) "Heil und Sieg dem Reserve-Ersatz-Regiment 2" (mit angebenen Gefechtsdaten des Regiments in Belgien und Frankreich von September 1914 bis Juni 1915),
    das Ganze überschrieben "Mit Gott für Kaiser und Reich".



    Feldpostkarte I.WK, für Kaiser und Reich.jpg


    Eine ganz ähnliche Feldpostkarte hatte ich früher schon einmal für eine Sanitätsabteilung im I. Weltkrieg gesehen, ebenfalls mit Wilhelm II. und dem Satz "Heil und Sieg" der Lazarett-Abteilung xy oder so.
    Bis zur abgewandelten Begrifflichkeit der Nazis im II. Weltkrieg war es also nicht weit.


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)