Recherche zu meinem Großvater, der bei der Waffen SS war

  • Hallo Forum,


    da ich erst vor vier ca. Wochen bei der WaSt. eine Anfrage über die Dienstzeit meines Großvaters bei der Waffen SS gestellt habe und wahrscheinlich noch viele Monate auf eine Antwort warten muss, hoffe ich, hier im Forum ein paar Antworten auf meine Fragen zu erhalten.


    Also leider habe ich aus eigenen alten Unterlagen noch nicht viel herausbekommen, wo mein Großvater während des Krieges aktiv war. Was ich aber sicher weiß ist folgendes:
    - Mitglied der Waffen SS
    - beteiligt bei den Kämpfen in der Normandie
    - Gefangennahme am 27.07.43 durch kanadische Truppen


    Zudem habe ich mittlerweile die Entnazifizierungsakte erhalten. Leider kann ich daraus nicht auf die Einheit schließen. Kann mir hierzu jemand weiterhelfen?


    Aus dem Tag der Gefangennahme und der Info, dass er durch kanadische Truppen gefangen genommen wurde, schließe ich auf Verrières oder St. Martin de Fontenay während der Operation Spring. Da mehrere SS Division dort zu der besagten Zeit waren, bin ich noch nicht auf die Einheit gestoßen.


    Grüße

  • Hallo Chris,


    das wird sehr schwierig.
    Anhand deiner Infos, mit der Gefangennahme am 27.7.1944, sind folgende Divisionen möglich.
    1,9,10 und 12 SS-Panzerdivision. Die Erkennungsmarke hilft hier mmn nichts, da du nicht weist in welche Division bzw in welches Regiment er versetzt wurde.
    Mit sicherheit kannst du das ganze erst wissen wenn du von der Wast die Antwort bekommst.
    An den zwei Orten, die du genannt hast, gab es an dem Tag schwere Kampfhandlungen mit den Kanadiern aber auch da kannst du nicht sicher sagen, dass dein Großvater dabei war.
    Ausserdem ist das einmal zwischen dem Abschnitt der 12 und 1 SS-Panzerdivision und einmal im Abschnitt der 9.SS-Panzerdivision.


    Woher weist du denn das er an diesem Tag von Kanadiern gefangengenommen wurde?


    Also ich denke du musst warten, lasse mich jedoch gerne von anderen eines besseren belehren.


    Grüße
    Ernst

  • Hallo Ernst,


    das mit den Kanadier weiß ich noch aus seinen Erzählungen. Er gelang danach allerdings in britische, anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft.


    Mich irritiert das Datum der Gefangennahme. Meines Wissens gab es seitens der Kanadier nach dem 25.07. keine Geländegewinne mehr. Die Linie der Kanadier am 24.07. lag im Westen nahe der Orne bei St. André, das offenbar bereits eingenommen war und verlief durch St. Martin. Die Linie verlief nördlich von Verrières bis Bourguébus, das auch bereits von den alliierten besetzt war. Über Nacht dann starteten auf dieser Linie mehrere Angriffe der Alliierten. Von Bourguébus nach Tilly, im Zentrum auf Verrières und von St. André nach May bzw. Fortenay, wo es das Drama um die Black Watch gab.


    Die Deutschen starteten offenbar bereits am 25. Konterangriffe, so dass die Kanadier aus Tilly zurück gedrängt wurden. Auch Fortenay und May gelang es in dieser Operation nicht zu befreien. Die Deutschen drängten die Kanadier bis St. Martin zurück. Wenn ich nun richtig informiert bin, gelang es nur, St. Martin von Deutschen zu befreien und Verrières ging am 25.07. an die Alliierten und nicht mehr zurück an die Deutschen.


    Eine Gefangennahme am 27.07. deutet also darauf hin, dass er bereits am 25.07. hinter die kanadisch-britische Linie gelang und dort am 27.07. aufgegriffen wurde. Klar, das ist Spekulation und lässt sich wahrscheinlich nicht mehr eindeutig auflösen, aber trotzdem würde ich gerne viele Informationen aus diesen Gefechten sammeln.


    Schöne Grüße


    Chris

  • Hallo Chris,
     
    da Du sicherlich noch längere Zeit auf Post der WASt Berlin warten mußss, könnte es hilfreich sein, den Weg über seine Ausbildungseinheit in Nürnberg zu gehen.
    Ausweislich der Entnazifizierungsakte (lachsroter Fragebogen) war er SS-Oberfunker im SS Nachrichten-Ersatz-Regiment Nürnberg zu einem uns jetzt nicht bekannten Zeitpunkt vor dem 27. Juli 1944.
     
    Im BA-MA Freiburg findet sich ein relativ großer Restbestand an Akten der Dienststellen und Einheiten des Ersatzwesens und Ergänzungswesens der Waffen-SS.
     
    Der Bestand hat die Signatur BA-MA RS 5 und besteht aus mehr als 31 Meter lfd. Schriftgut.
     
    Die Bestandsgruppe vereinigt vor allem Schulungs- und Lehrgangsunterlagen Unterlagen der Ersatztruppenteile der Waffen-SS[…..]. Die Überlieferung des SS-Nachrichten-Ersatz- und Ausbildungs-Regiments in Nürnberg, ab November 1943 SS-Nachrichten-Ausbildungs- und Ersatz-Abt.1, mit rund 350 Akten (1941-1945) d.h. ca. 19,4 laufende Meter, die überwiegend Personal- und Verwaltungsangelegenheiten zum Inhalt haben, ist hervorzuheben.
    Möglicherweise finden sich in diesem Fundus Lehrgangslisten und Abkommandierungslisten von ausgebildeten Funkern zu den einzelnen Frontruppenteilen…(??).


    Es wäre einen Versuch wert, einmal mit Hilfe von "Invenio" im Bestand BA-MA RS 5 zu recherchieren.


    Beste Grüße
    Ingo

    Edited 2 times, last by Atlantis ().

  • Hallo Chris,


    das ist soweit richtig, auf der Lagekarte des 27.7.44 ist ein Angriff im größeren Ausmaße aus Verrière heraus aufgezeigt wurde jedoch abgewiesen. Dazu geschrieben : Von 5.+6. Kan.Brig.(2.Kan.ID.) sind 4BH. stark angeschlagen 1 weiteres soll zerschlagen sein. Zerstört 41 Panzer oder gepanzerte Fahrzeuge, 4 ungepanzerte Fahrzeuge, 1 s.Pak, 3 Karetten, 1Jagdbomber. 225 gezählte Tote 119 Gefangene. St. Martin war zu dieser Zeit noch in die HKL eingebunden.


    Aber und das ist ein großes aber, es gab immer scharmützel entlang der HKL bzw kleine Aufklärungstrupps bzw unternehmen. Darum ist es denke ich nur spekulation zu sagen "dort muss es gewesen sein" nur mit Einheit kann man den verlauf rekonstruieren :/ Ich kenne das und es ist nervig zu warten.
    Aber wenn du alles Wissen über den Abschnitt sammeln möchtest ist das sicherlich nicht falsch ;)


    Grüße
    Ernst

  • Hallo Foristen,


    danke für die Info schon mal. Zunächst zu Ingo:
    Ich habe mich jetzt mal bei Invenio registriert ind einige interessante Aktennummern zusammengetragen, allerdings noch nicht bestellt. Da ich keine genauen Beschreibungen zu Invenio gefunden habe, wie der Ablauf zur Archiveinsicht aussieht, würde ich erst mal hier fragen. Verstehe ich das richtig, dass ich ins Archiv nach Freiburg fahren kann, wenn ich zuvor die Akten bestellt habe? Eine Onlineeinskcht gibt es aber nicht, oder?


    Außerdem: Die rosafarbene Karte ist übrigens eine Informationskarte aus der Kriegsgefangenschaft vom 23.08.43 aus britischer Gefangenschaft. Dort ist dann bereits die Gefangenennummer verzeichnet und das Gefangenenlager, in das er daraufhin geschickt wurde. Ich verstehe hier den Eintrag meines Großvaters nicht. Warum schreibt er „SS Nachrichten Ersatz Regiment“? Ist das der Inhalt der Erkennungsmarke gewesen, die er zu seiner Ausbildung erhalten hat? Eine weitere Info aus seiner Entnazifizierungsakte habe ich bzgl. seiner Einberufung: Die erfolgte am 30.08.43 in Nürnberg. Und auf der Rückseite des Bildes oben in Uniform steht „Frankreich Februar 44“.


    Zu Ernst:
    Woher zitierst Du diese Zustandsmeldungen?
    Und klar, so exakt lässt sich das wsl. nicht mehr sagen. In einer kanadischen Quelle habe ich zudem gelesen, dass in St. Martin Tunnelsyssteme entdeckt wurden, durch die angeblich deutsche Truppen immer mal wieder hinter die kanadischen Stellungen gelangen konnten. Eine Erzählung meines Großvaters war zudem, dass die Kanadier ihn über Nacht umzingelt hätten. Ob das tatsächlich so war, ist natürlich unklar. Seine Aufgabe soll gewesen sein, zerstörte Nachrichten,eitungen zu reparieren. Eine deutsche Quelle schreibt dazu, dass dies eine Standardaufgabe war, da Funkverkehr an der Front verboten war und darum ständig Nachrichtenlektungen gezogen oder repariert werden mussten.


    Tja, wenn ich sonst nix herausfinde, hoffe ich noch auf mehr Infos von der WaSt. Irgendwann in 2019 .


    Schöne Grüße


    chris

  • Hallo zusammen,


    Hier übrigens der erste Brief aus den USA vom 8.9.43 (Camp Atterbury), der zu Hause angekommen ist. Leider haben die Amerikaner die interessantesten Stellen - wahrscheinlich den Ort der Gefangennahme oder die Umstände - zensiert.


    Ich kann alles lesen bis “Mir geht es soweit ganz gut und ich bin gesund“. Danach kann ich die Schrift nicht mehr gut entziffern.


    Grüße

  • Hallo, Chris,


    Quote

    Danach kann ich die Schrift nicht mehr gut entziffern.


    kein Problem, da kann geholfen werden ;)


    .... Dasselbe hof-
    fe ich von Euch. Was machen denn die Kleinen. Sie wer-
    den mich gar nicht mehr kennen. Anni wird fest arbei-
    ten. Vater und Mutti werden immer noch Ihre beschwer-
    den haben. Ich hoffe, daß ich hier keine Post erwarten brauche
    bis dort wollen wir alle in der Heimat sein. Wir sind
    hier auf das angewiesen xxxxxxxxxxxxxxxxxxx
    aber den Glauben an Deutschland werden wir nie verlieren.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Danke Diana!


    Deutet darauf hin, dass er noch ziemlich indoktriniert war. Wen wundert‘s, wenn man mit 8 oder 9 Jahren in die Hitlerjugend eingezogen wurde...


    Grüße, Chris

  • Hallo Chris,


    nur zur Info: (Erst) mit 10 Jahren kam man zum "Deutschen Jungvolk" und mit 14 Jahren in die "HJ" . :-)


    Beste Grüsse
    Ingo

  • Hallo Ingo,


    laut Entnazifizierungsakte gibt er selbst und auch das Arbeitsamt (!) an, dass er seit 1934 und damit mit 8 oder 9 Jahren in der Hitlerjugend war.


    Grüße


    Chris

  • Hallo Chris,


    die Infos stehen auf der Lagekarte vom 27.7.44 für die Lage in der Normandie.


    Februar 44 waren noch nicht viele SS-Einheiten in Frankreich. Versuch es da einmal. Aus dem Kopf weis ich nur die 2.SS-Panzerdivision die im April 44 nach Südfrankreich kam. Im Februar war sie jedoch noch in Rußland.


    Viele Grüße
    Ernst

  • Hallo Chris,
    bevor wir beide uns "Meinungen" um die Ohren hauen ^^ ....
    sollten wir uns die FAKTEN im Reichsgesetzblatt ansehen.


    Zitat:
    2. DVO zum Gesetz über die Hitlerjugend (Jungdienstverordnung) vom 25. März 1939
    Auf Grund des § 4 des Gesetzes über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 (RGBL. I Seite 993) bestimme ich:


    §1 Dauer der Dienstpflicht
    Abs. 1 [.....]


    Abs. 2 Alle Jugendlichen vom 10. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind verpflichtet, in der Hitler-Jugend Dienst zu tun, und zwar:
    1. die Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren im "Deutschen Jungvolk" (DJ)
    2. die Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren in der Hitler-Jugend (HJ)
    3. die Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren im "Jungmädelbund" (JM)
    4. die Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren im "Bund Deutscher Mädel" (BDM)
    [......]


    Ob es überhaupt vor 1936 möglich war evtl in einem jüngeren Lebensalter "freiwillig" in die HJ einzutreten müsse ich erst noch recherchieren.
    Vorstellen könnte ich mir das für die sogenannte "Kampfzeit" bis zum Januar 1933...., aber da wäre der Großvater erst 7 Jahre alt gewesen ?(


    Beste Grüsse
    Ingo


    .

    Edited 4 times, last by Atlantis ().

  • Guten Tag zusammen,


    Ingo,
    jetzt "überfalle" ich dich mal,
    Vorschriften sind immer gut, aber auch immer und jederzeit gültig, unbedingt festgemacht?


    Nur so ein paar Gedanken,
    der Junge, besser die "strammen" Eltern, wollten, dass der Sprößling eher dabei ist, ein Ding der Unmöglichkeit?
    Vitamin B oder Ausnahmen bestätigen die Regel?
    Oder ist durch diese Verordnung eine Zugehörigkeit zum Jungvolk mit schon 8 oder 9 Jahren definitiv ausgeschlossen?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Lieber Thomas,


    das weiß ich leider nicht. ?(:O;) 
    Ich vermute (!) aber bei der bekannten deutschen" Vorschriftenfrömmigkeit", dass spätestens mit dem Gesetz vom 1. Dezember 1936 ein früherer "offizieller" Eintritt mit 8 oder 9 Jahren nicht ausgeschlossen war. Aber wie gesagt, das ist meine Vermutung. Man müsste konkrete Beispiele für eine früheren Eintritt finden können.... 8|


    Da heut "Tag der Arbeit" ist, stelle ich jetzt meine Bucharbeit am PC für heute ein und fahre mit Freunden zum Ausflug an die Elbe im schönen Wendland :D 
    Mal sehen, vielleicht bin ich bis heute Abend ein bißchen "schlauer"...


    Mit besten Grüßen
    Ingo

  • Hallo Ingo,


    ich will nicht rechthaberisch sein, sondern entnehme die Informationen lediglich der Entnazifizierungsakte. Mein Großvater selbst weißt lediglich in seiner Reaktion auf die Klageschrift darauf hin, dass er „wie jeder andere Junge beim Jungvolk war“, bevor er zur Hitlerjugend kam, widerspricht aber nicht der Klageschrift, in der 1934 angegeben wurde. Diese Info erscheint unter „Auskunft des Arbeitsamtes“ und unter „Auszug aus dem Meldebogen“ in der Akte.


    Ernst : Wo finde ich denn diese Lagekarte? Ich habe bisher nur Karten vom 24./25.07. und Tage später nach „Spring“. Die SS Divisionen in der Gegend kenne ich schon, würde jetzt halt noch gerne wissen, in welcher Einheit er genau war und wie es dazu kommen konnte, dass er erst am 27. in Gefangenschaft geriet, obwohl da eigentlich gar keine größeren Vorstöße der Kanadier verzeuchnet sind.


    Schöne Grüße


    Chris

    Edited once, last by 77chris ().

  • Hallo Chris,


    wie ich dir oben aufgezeigt habe gab es am 27. sehr wohl Vorsstoßversuche und noch nicht mal so kleine.
    Du musst bedenken, dass dein Großvater nicht nur bei Geländeverlusten gefangen genommen werden konnte.
    Das hin und herwogen eines Gefechtes macht das auch möglich.


    Grüße
    Ernst

  • Hallo Ernst,


    ich bin auf dem Gebiet absoluter Laie. Mein Großvater war ja Oberfunker und laut seinen Aussagen am Tag seiner Gefangennahme angeblich beauftragt, Fernmeldekabel zu reparieren. Sollte das stimmen, hätte ich ausgeschlossen, dass er in feindlichem Gebiet, begleitet von einem Spähtrupp operiert oder ganz vorne mit der Artillerie mit marschierte. Allerdings kann ich hier völlig falsch liegen und werde hier gerne eines Besseren belehrt.


    Grüße


    Chris