U-Boot Typ XXI gefunden

  • Moin, moin zusammen !


    Die Bild hat das "Nazi U-Boot" gefunden (...und vermutlich mit ihm dann auch noch das Bernsteinzimmer... )


    https://www.bild.de/news/ausla…gerrak-55381056.bild.html


    Demnach war der Typ XXI "selten" (wurden ja auch nur 118 Boote in Dienst gestellt) und es wurden nur U 2540 (das Boot aus Bremerhaven) und das jetzt gefundene Boot "eingesetzt".....
    Aha, schon wieder was gelernt.


    Die "Auffindesituation des Wracks" / bzw. die Grafik erinnert mich jedoch an eine Geschichte, welche mir ein guter Freund / Besatzungsmitglied von U 3518 mal erzählte.
    Demnach war ihr Boot in der Ostsee unterwegs in Richtung Westen, als durch die Brückenwache Flugzeuge gemeldet wurden.
    Statt in den Keller zu verschwinden, hielt der diensthabende Wachoffizier die Maschinen für deutsche Flugzeuge, jedoch entpuppten sie sich als Russen.
    Sofort ging es in einem viel zu steilen Winkel "auf Tiefe", sodass sich der Bug des Bootes ins Seebett grub und hierbei erhebliche Beschädigungen erlitt.
    Die Wassertiefe war so gering gewesen, dass die Hecksektion aus dem Wasser ragte und das Boot so wehrlos auf dem Präsentierteller lag.
    Weshalb die Russen das Boot nicht angriffen und vernichteten, kann sich Günter bis heute nicht erklären.
    Nach erheblichen Arbeiten wurde das Boot wieder in Fahrt gebracht und der Marsch nach Kiel fortgesetzt.
    Dort wurde der Schaden begutachtet und der Besatzung mitgeteilt, "dass das nix mehr wird".


    Beste Grüße,


    Rheinmetall

    "Die Sehnsucht nach der Heimat wächst mit dem Quadrat der Entfernung."
    (In Memorie of Jürgen Oesten † 05.08.2010)

  • Hallo


    Nun ja, verglichen mit anderen Typen wie etwa VII ist es "selten" zumal ja wie gesagt die meisten gewissermaßen nur auf Halde produziert wurden und nie wirklich eingesetzt (wären aber wohl auch nie die "Wunderwaffe zur See" geworden, die einige Leute bis heute zusammenphantasieren). Vor allem denke ich, da vom Typ XXI sicher viele eher regulär verschrottet/abgewrackt wurden gibt es wenig zu finden. Sprich als Wrackfund sind sie vermutlich relativ selten (während man im Gefecht oder von der eigenen Besatzung versenkte VII sicher in größer Zahl finden kann).


    Freundliche Grüße
    Marc

  • Hallo,
    na,ja so ganz schlecht scheint der Typ XXI nicht gewesen sein, sonst wäre meiner Meinung U 2540 nicht 1957 gehoben und als ,,Wilhelm Bauer" bei der Bundesmarine in Dienst gestellt worden. Ob bei ausreichender Anzahl Boote dieses Typs noch einmal eine Wende im U-Boot-Krieg hätte herbei geführt werden können, ist müßig zu diskutieren. Das Prinzip ,,Hätte, Hätte-Fahrradkette" bringt die Auseinandersetzung mit den damaligen Gegebenheiten nicht weiter. Immerhin war es so weit entwickelt und erprobt, dass es über 17 Knoten Höchstgeschwindigkeit unter Wasser laufen konnten. Das erreichten die meisten allierten Korvetten nicht mal über Wasser. Ganz zu schweigen von den zu erreichenden Tauchtiefen und der Tauchdauer. KK Schnee unternahm Ende April 45 mit U 2511 noch einmal eine Unterwasserfahrt, bei der der Scheinangriff auf eine britische Korvette von ihr selbst nicht bemerkt wurde.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo Wirbelwind,
    zwei kleine Anmerkungen: U 2511 unternahm Ende April 45 keine " Unterwasserfahrt", sondern eine reguläre Feindfahrt ( wohl die letzte deutsche des 2. WK?).
    Am 4. Mai 45 unternahm KKptn Schnee keinen (Schein-) angriff auf eine Korvette, sondern auf den stark gesicherten schwere Kreuzer HMS Norfolk ( 8× 20,3cm SK).


    Beste Grüsse
    Ingo

  • Hallo Lothar,


    als User des Forums Marinearchiv, ist mir das auch bekannt.
    Da aber wohl das KTB von U 2511 nach Kriegsende verschollen ist, werden wir die letzte Wahrheit wohl nie erfahren(?)


    Liebe Grüsse
    Ingo

  • Hallo Ingo,


    ich bin auch User des Forum Marinearchiv und richtig, die Wahrheit wird man nicht mehr herausbekommen. Aber diese Aussage:


    Am 4. Mai 45 unternahm KKptn Schnee keinen (Schein-) angriff auf eine Korvette, sondern auf den stark gesicherten schwere Kreuzer HMS Norfolk ( 8× 20,3cm SK).


    hätte ich so nicht geschrieben. Es steht Aussage gegen Aussage. Und mit dieser Aussage entsteht der Eindruck das U 2511 einen Angriff auf den Kreuzer "Norfolk" gefahren ist, obwohl es kein offizielles schriftliches Originalbeleg gibt.


    Gruß
    Lothar

    Edited once, last by Albert64 ().

  • Hallo Lothar,


    da ich es ja "so" geschrieben habe, kann ich es leider nicht mehr " rückgängig" machen. :-(
    Dann laß es uns so formulieren: "Ob U 2511 am 4. Mai auf HMS Norfolk ein Scheinangriff gefahren hat, kann bis heute nicht mit hinreichender Sicherheit geklärt werden."


    Beste Grüße
    Ingo

  • Hallo Ingo,


    hört sich gut an. Vielleicht eine kleine Änderung: "Ob U 2511 am 4. Mai auf HMS Norfolk ein Scheinangriff gefahren hat, konnte (kann) bis heute nicht mit hinreichender Sicherheit geklärt werden." :D


    Gruß
    Lothar

  • zwei kleine Anmerkungen: U 2511 unternahm Ende April 45 keine " Unterwasserfahrt", sondern eine reguläre Feindfahrt ( wohl die letzte deutsche des 2. WK?).


    Moin, moin !


    Das ist nicht ganz richtig....


    Am Abend des 7. Mai 1945 sichtete U 2336 ( Kptl. Emil Klusmeier) vor dem Firth of Forth die Frachter Avondale Park (2878 BRT) und Sneland I (1791 BRT) und versenkte sie kurz vor 23 Uhr mit jeweils einem Torpedo.


    Gruß,


    Rheinmetall

    "Die Sehnsucht nach der Heimat wächst mit dem Quadrat der Entfernung."
    (In Memorie of Jürgen Oesten † 05.08.2010)

  • Hallo,
    ob nun von KK Schnee samt Besatzung ein Scheinangriff auf die HMS Norfolk oder eine engl. Korvette gefahren wurde, zu diesem bisher ungeklärten Sachverhalt kann ich nichts beitragen. Darauf kommt es mir auch vordergründig nicht an, sondern was der Bootstyp XXI unter einem erfahrenen Kommandanten und einer eingefahrenen Besatzung selbst unter den Bedingungen, wie sie April 45 herrschten, noch erreichen konnten. Mein Fazit, so schlecht konnte dieser Bootstyp nicht gewesen sein, ohne in eine Schwärmerei zu verfallen. Die Allierten hatten der dt. U-Boot-Waffe bis dahin arg zugesetzt und der bis dahin gängige U-Boots-Typ VII C war hoffnungslos veraltet.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo


    Schlecht sicher nicht. Aber eben auch nicht so "gut" wie es gelegentlich bis heute behauptet wird. Schon einmal aus dem Grund, dass es erfahrene Kommandanten und eingefahrene Besatzungen zu dem Zeitpunkt nur noch begrenzt gab. Und ich meine gelegentlich gelesen zu haben, dass die Sektionsbauweise, da unerprobt, zu tw. deutlichen Leistungseinbußen gerade bei der Tauchtiefe führte.


    MfG Marc

  • Hallo zusammen!

    Ich weiß zwar nicht, aus welchen Quellen Marc seine Erkenntnisse geschöpft hat, aber mit den Realitäten haben sie imho nur wenig zu tun. Da wäre z.B. die Aussage, dass...


    (…)
    ...zumal ja wie gesagt die meisten [Boote des Typs XXI] gewissermaßen nur auf Halde produziert...
    (…)


    …worden wären. Ich interpretiere diese Worte in dem Sinne, dass Marc die Ansicht vertritt, dass die deutsche Marineführung nicht in der Lage war zu erkennen, dass man für den erfolgreichen Betrieb von U-Booten auch Besatzungen benötigt. Dazu zwei Zitate aus Timothy P. Mulligan: „Die Männer der deutschen U-Bootwaffe 1939 -1945“, Motorbuchverlag, Stuttgart, 2001, der im Gegensatz zu Marc seine Darlegungen zur Qualität und Quantität der deutschen U-Bootsbesatzungen im Kriegsverlauf mit vielfältigen statistischen Untersuchungen untermauert und zu den nachstehenden Schlussfolgerungen kommt:

    Quote

    Es gab [zum Kriegsende] mehr qualifizierte U-Bootseeleute als Unterseeboote, die zu bemannen waren.

    (Zu finden auf Seite 179.) und

    Quote

    Daher ging für die deutsche U-Bootwaffe der Krieg nicht mit einer verzweifelten Personal- und Ausbildungssituation zu Ende, die für die übrigen Teile der Wehrmacht 1945 kennzeichnend waren.

    (Zu finden auf Seite 180.)


    Dazu wird auch noch gezeigt, dass die Erfahrung, als deren Indikatoren z.B. das Durchschnittsalter der Kommandanten bei der ersten Kommandoübernahme (Dieses lag in den ersten Kriegsjahren bei etwa 29,5 Jahren, in den Jahren 1942 bis 1944 bei knapp unter 27 Jahren und 1945 bei 28,8 Jahren) oder die vorherige Dienstzeit als WO oder Konfirmand dienen könnten, keinen Einfluss auf die Verlustwahrscheinlichkeit hatten, die unabhängig davon bei etwa 46% lag. Auch wird gezeigt, dass die gewonnenen Erfahrung der überlebenden U-Bootkommandanten, die später als Flottillenchefs eingesetzt wurden, so rasch veraltete, dass diese bei der Übernahme eines Typ XXI-Bootes kaum Vorteile gegenüber den Neulingen, die frisch aus der Ausbildung oder von ihrem Einsatz als WO kamen, gehabt hätten.

    Auch der so schnoddrig hingeworfene Verweis:

    Hallo
    Schlecht sicher nicht. Aber eben auch nicht so "gut" wie es gelegentlich bis heute behauptet wird.
    (…)


    …sollte erst einmal unterfüttert werden. Zunächst konnte ich in dem aktuellen Thread keine Behauptung finden, an der festgemacht werden könnte, dass man hier im Forum der Wehrmacht der Ansicht wäre, dass der Typ XXI die alleinseligmachende Seekriegswaffe hätte sein können, die, wäre sie nur zum Einsatz gekommen, den Untergang des Dritten Reiches aufgehalten und die Alliierten in den Staub geworfen hätte. Als Nächstes hätte ich von Marc auch gerne noch gewusst, welche der verschiedenen U-Bootstypen des zweiten Weltkrieges eigentlich besser für die atlantische Unterwasserkriegsführung in der Endphase des Zweiten Weltkrieges geeignet gewesen wären als der Typ XXI, also über das Stadium des gönnerhaft erteilten Prädikates „nicht schlecht“ hinaus die reelle Chance hätten, die Stufe der Einschätzung als „gut“ oder gar „sehr gut“ zu erreichen. Mit unreflektierten ex-post-Betrachtungen aus der heutigen Zeit würde ich mich dabei allerdings nicht begnügen wollen. Schließlich waren die Verantwortlichen der damaligen Zeit an ihren jeweiligen Kenntnisstand gebunden und der muss zur Beurteilung auch herangezogen werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

  • Hallo,
    noch eine andere Frage zur Problematik Eigenschaften von U-Booten des Typs XXI. Mir erschließt sich nicht, warum der Sektionsbau bei diesem Typ per se zu schlechteren Taucheigenschaften geführt haben soll. Zum Einen wurde der Typ erprobt und vor Indienstnahme eines jeden Bootes dieses Typs erfolgte nach Fertigstellung eine entsprechende Abnahme. Bisher konnte ich nichts in Erfahrung bringen, dass die projektierte Tauchtiefe nicht erreicht werden konnte. Sabotage schließe ich bei der Zusammensetzung der Sektionsteile aus.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo Interessierte,
    meines Wissens war das größte Problem, die Boote überhaupt komplett zu bekommen, und dann in Dienst zu stellen und die notwendigen Erprobungsfahrten zu machen.
    Durch die Entzifferung des deutschen Funkverkehrs durch "Ultra" wussten die Alliierten ziemlich gut über die Produktionszahlen und die beabsichtigten Einsätze Bescheid. Sie unternahmen folglich alles, um das Probem schon an der Wurzel zu packen und bombardierten verstärkt Betriebe, die Ersatzteile für die Boote herstellten, und natürlich die Werften.
    So verzögerte sich die Produktion, unfertige Boote lagen tatsächlich "auf Halde" (die Komponenten der Boote wurden absichtlich an verschiedensten Orten hergestellt und erst relativ spät zusammengeführt, um das Vernichtungsrisiko zu streuen).
    So wurden viel weniger Boote fertig, und der Zeitpunkt der ersten Einsätze verschob sich immer mehr. Möglicherweise konnten auch nicht alle technischen Probleme erkannt und behoben werden (dies zur letzten Frage von Wirbelwind).
    Fakt ist, dass die Boote durch ihre lange Seeausdauer unter Wasser und die geräuschlose Bewegungsmöglichkeit als sehr effektiv einzustufen waren; dies wussten die Alliierten, und darum hatte die Bekämpfung von deren Produktion eine hohe Priorität.


    Quelle hierzu beispielsweise: Günter Böddeker. Die Boote im Netz. Bergisch Gladbach 1981. Kapital 20 "Die letzte Hoffnung".
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Hallo


    Wirbelwind
    Das Risiko bei einer nicht eingespielten Sektionsbauweise ist, dass die Produktion nicht aufeinander eingespielt ist und es beim Zusammenbau Probleme gibt (ev. auch die Qualität der Produktion schwankt). Was die Tauchtiefe angeht, nennt sogar Wikipedia (bei aller berechtigten Kritik an dieser Quelle) mehr Fachliteratur und Quellen als mir bis dato bekannt war (mein wirkliches Fachgebiet ist das nicht), die deutlich den Tenor haben, dass die Tauchtiefe nicht wesentlich über der des Typ 7 lag, zumindest bei einem signifikanten Teil der Boote. Die mögen sich ja alle geirrt haben, aber mir scheint es doch recht überzeugend.


    Schorsch:
    Bist du denn der Ansicht, dass die stark erhöhten Zahlen an auszubildenden Besatzungsmitgliedern und die hohen Verluste im Verlauf des Krieges nicht dazu führten, dass die Ausbildung im Laufe des Krieges einiges verkürzt wurde im Unterschied zum Vorkrieg? Meinst du, dass die Auswahl und Ausbildung der Rekruten genau so langwierig und gründlich erfolgte - 1944 wie 1939? Dass die zunehmende Präsenz alliierter Flugzeuge und zunehmend auch Schiffe im Ostseeraum keine Auswirkung auf die Ausbildung und das Zurverfügung stehen von Rekruten hatte? Sind nicht beispielsweise eine Menge Angehörige einer U-Boot-Lehrdivision von S-13 versenkt worden?


    Ich bin allerdings der Ansicht, dass die Deutsche Seekriegsleitung offenkundig entweder unfähig oder aber wohl eher unwillig war zu erkennen, dass sich die militärische Gesamtsituation in einer Art und Weise geändert hatte, die den Zufuhrkrieg mit Großbooten wie dem Typ 21 immer weniger wichtig für besagte Gesamtsituation machte. Denn diese Situation war Anfang 1945 nun einmal eine ganz andere als vor der erfolgreichen Landung in der Normandie und der geglückten Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte, was beides auf den Sommer 1944 zu datieren ist. Mit der endlich erreichten Zurückdrängung von nazideutschland auf einen doch arg eingeschränkten Operationsraum war auch die Wirkungsmöglichkeiten für dessen U-Boote (und die Aufrechterhaltung der Produktion für deren betrieb) doch zunehmend eingeschränkt. Ich denke nicht, dass man um das zuerkennen eine Kristallkugel oder Nachgeborenenfähigkeiten braucht - das hätte den Verantwortlichen eigentlich spätestens Ende 1944 klar gewesen sein müssen. Hier greift meiner Ansicht nach das, was in vielen Sparten der militärwirtschaftlichen, politischen und militärischen Führung Nazideutschlands typisch war. Die Fokussierung auf Einzelaspekte, die man als bewältigbar ansieht, bei der Weigerung, das Gesamtbild ins Auge zu fassen in der irrigen Annahme (oder Selbstbetrug), durch ein Handeln nach Tunnelblick noch eine Änderung der Gesamtsituation erreichen zu können. Selbst beim damaligen Kenntnisstand. Denn dass alliierte Panzer praktisch an den Reichsgrenzen standen und der Kernraum des Reiches voll im Einwirkungsbereich alliierter Bomber lag, wird denn wohl auch der Seekriegsführung wohl nicht entgangen sein - bei aller Effektivität der Goebbelschen Lügenfabrik...
    Also ja, das mit "auf Halde" würde ich grundsätzlich aufrecht erhalten. Die Botte wurden zu einem Zeitpunkt noch in Masse produziert, in der auch den Verantwortlichen mit ihrem damaligen Kenntnisstand klar sein musste, dass die Boote zum größten Teil entweder niemals fertig oder nicht eingesetzt werden würden. Nur war eben niemand der Verantwortlichen fähig und willens, die Konsequenzen zu ziehen und die Sinnlosigkeit des Tuns einzugestehen. Statt dessen fokussierte man (oft unter schrecklichen Kosten - denn beim Bau und Produktion aller der neuen "Wunderwaffen" bzw. der Verlagerung/Einbunkerung ihrer Produktionsstätten kamen ja in unterschiedlichem aber beträchtlichen Ausmaß Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zum Einsatz, von denen viele zu Tode geschunden wurden) sich auf vermeintliche Teil- und Notlösungen für einen Zeitpunkt, an dem es ohnehin keine Rolle mehr spielte.


    Wenn du dich etwas eingehender mit dem Start der Diskussion befasst hättest, dann wäre dir eventuell aufgefallen, dass es um den Fund eines Bootes des Typs 21 und den Medienhype darum ging - einschließlich der mitunter nicht ganz zutreffenden Artikel dazu. Eine Recherche der Artikel zu dem Thema (einfach Fund U-Boot XXI 2018" oder dergleichen eingeben) ergibt denn auch eine Anzahl Artikel, in der sich durchaus solche Worte als Überschrift oder Zitat wie "Super-U-Boot" oder "Wunderwaffe" finden. Und die Verwendung solcher Superlative ist ja kein Novum. Darauf richtete sich meine Kritik an dem "nicht ganz so gut wie von manchen behauptet". Denn die Artikel, die mitunter eben eine Einordnung in den Gesamtrahmen vermissen lassen, entwerfen einen wie man so schön sagt "Mythos der Modernität" der nicht der Realität entspricht, weil sie primär das Produkt (und sogar dastw. unter Ausklammerung von "Minuspunkten"), nicht aber die Umstände unter denen es entstand beleuchten (jedenfalls nicht gründlich genug). Das aber ist meiner persönlichen Ansicht nach gewissermaßen Treibstoff der "hätte-wäre-könnte" Theorien, die wir auch nach 70 Jahren nicht vollkommen losgeworden sind.
    Die von dir genannte Behauptung findet man in der Tat hier und heute nicht - das habe ich ja auch gar nicht behauptet. Aber es gibt sie, und Artikel wie die im Zusammenhang mit dem U-Boot-Fund angeführten sind teilweise nicht geeignet, dem entgegenzuwirken, sie könnten sie meiner Ansicht nach sogar fördern.


    Höfliche Grüße
    Marc

  • Hallo,


    noch ein paar Worte von mir zu den erzielten Tauchtiefen im Vergleich Typ VII C versus Typ XXI.


    Ich muss mich da etwas korrigieren.


    Auch wenn nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden kann, aus welchen Tiefen beide Typen noch auftauchen konnten,
    so hatte der ältere Typ doch einen Vorteil, der wohl in seiner Querschnittsform des Druckkörpers liegt.


    Beim Typ XXI hatte er die Form einer 8 und war, was die Tauchtiefe und die damit einhergehende mögliche Verformung des Druckkörpers anfälliger als der Typ VII C.
    Ursprünglich wurde für Boote des Typs VII C eine geringere Zerstörungstauchtiefe ausgewiesen, als dann tatsächlich auftrat.(280-290m).
    Gefechtstaucntiefen jenseits der 200 m-Marke waren möglich und wurden auch von einzelnen Booten ausgenutzt bzw. sie sackten auf diese Tiefen durch und konnten wieder auftauchen,
    sofern es die Besatzung verstand, die zum Durchsacken geführten Schäden zu beheben.


    Etwas anders stellt sich die Situation beim Typ XXI dar. Konzipiert war der Bootstyp auf größere Tauchtiefen,
    aus denen diese Boote hätten wieder auftauchen können, als dann die Frontboote erreichten.


    Schließlich befand sich wohl in der Zenrale ein Papenberg-Tiefenmesser, der bis zu 400 m Tauchtiefe anzeigen konnte.
    Diese Tiefe wurde von keinem U-Boot des Typs XXI erreicht. Fertigungsmängel, andere Materialien/Stahlsorten führten nach meiner Erkenntnis dazu,
    dass letztendlich doch nur knapp 200 m Gefechtstauchtiefen gefahren wurden.
    Die Zerstörungstauchtiefe lag bei etwas über 300 m.


    Also hatte der Typ XXI keinen Vorteil was die Tauchtiefe anbelangte (das muss ich nun anerkennen), wohl aber bspw. bei der Unterwassergeschwindigkeit dank Schnorchel, Elektro-und Batterieanlage.
    Konnte also Verfolgern bspw. schneller entwischen, als es Booten vom Typ VII C möglich war.
    Der letzte Bootstyp der VII C-Klasse, VII C42 ist nie gebaut worden.
    Dieser Typ sollte mindestens bis 400m tauchen können.


    MfG Wirbelwind


    Post "formatiert", so sicher besser "lesbar"...Huba

  • Hallo Wirbelwind und Interessierte,
    die maximale Tauchtiefe dürfte wohl realistisch bei 300 m gelegen haben- die Hauptvorteile jedoch waren vor allem die Seeausdauer und die große Reichweite der Boote (mit 16.000 Seemeilen vergleichbar mit derjenigen der Panzerschiffe!) und eine sehr moderne Horchanlage (einzelne Schiffe konnten aus einer Entfernung von 10 - 11 Seemeilen, Geleitzüge schon bei fünfzig Seemeilen Entfernung wahrgenommen werden).
    Die Boote waren mit sechs Torpedorohren ausgerüstet, es gab eine automarrische Schnelladevorrichtung. Mühsames Nachladen von Hand war also nicht mehr.
    Torpedos konnten aus einer Tiefe von 50 Metern (!) auf Überwasserschiffe abgefeuert werden.
    Und ganz entscheidend war die große Unterwassergeschwindigkeit von 17 Knoten - das waren ganz enorme Vorteile, die diese Boote zu sehr wirksamen Waffen machten. Nur wie gesagt, die Gegenseite wusste bereits sehr früh durch "Ultra" und die Entschlüsselung der Funksprüche (und es wurde sehr viel gefunkt, vor allem auch mit den Japanern, mit denen man ja in dauernder Verbindung stand und die gerade ab 1944 auf eine neue deutsche Offensive in der Atlantikschlacht hofften, zu ihrer eigenen Entlastung) über diese Tatsachen genauestens Bescheid.
    Quelle(u.a.) wie im vorigen Beitrag.
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

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  • Hallo Eberhard,
    was Du zum Typ XXI in Deinem voran gegangenen Thread geschrieben hast, ist auch meine Auffassung. Allerdings 300 m Tauchtiefe würde ich so nicht bestätigen. Habe nochmal nachgeschaut, die Zerstörungstauchtiefe lag für diesen Bootstyp bei 337 m. Es wurde bei Kriegsende in Norwegen mit einem Boot diesen Typs ein Tieftauchversuch unternommen, der aber jenseits von 200 m abgebrochen wurde, weil dem Kommandanten die Knackgeräusche im Boot zu stark wurden und er dadurch die Befürchtung hatte, beim weiteren Absinken nicht mehr auftauchen zu können. Spätestens, wenn der Druckkörper schlapp macht, ist Schicht im Schacht.
    MfG Wirbelwind