Tapferkeitsbeförderungen

  • Hallo,
    während des Krieges gab es sehr viele Tapferkeitsbeförderungen von Unteroffizieren zu Offizieren. So soll es bereits im ersten Kriegsjahr 5000 gegeben haben. Viele dieser Männer waren "nur" mit dem EK I ausgezeichnet. Hingegen gab es andere Unteroffizieren mit Ritterkreuz oder sogar Eichenlaub die nicht befördert wurden. Hat jemand Kenntnisse darüber warum einige "Helden" mit höchsten Tapferkeitsorden niemals zu Offizieren befördert wurden?
    Gruß Martin

    ML

  • Guten Abend,


    die Beförderung geschah nicht allein aus Tapferkeitsgründen, sondern es mussten natürlich auch die Fähigkeiten zur Führung bzw. zur Ausübung des Offizierspostens gegeben sein.


    Dies galt vor allem für Berufssoldaten, die eine längere Ausbildungszeit schon hinter sich hatten- und mit entsprechender Fort- und Weiterbildung den Sprung in die Offizierslaufbahn schafften. Mut und Heldentum allein bedeuten keine Führungseigenschaften.


    In den 70er Jahren- wenn ich mich recht erinnere- gab es in der BW auch die Möglichkeiten, aus dem Unteroffiziersstand in den Offiziersstand (Fachoffiziere) übernommen zu werden, Qualifikationen vorausgesetzt. Wurde aber m.E. nicht häufig wahrgenommen, weil es sich einmal finanziell nicht lohnte und viele Unteroffiziere sich in der neuen Rolle nicht wohl fühlten.


    MfG
    BRBG

    Edited once, last by BRBG ().

  • Hallo,


    Quote

    Original von BRBG
    die Beförderung geschah nicht allein aus Tapferkeitsgründen, sondern es mussten natürlich auch die Fähigkeiten zur Führung bzw. zur Ausübung des Offizierspostens gegeben sein.


    Dies galt vor allem für Berufssoldaten, die eine längere Ausbildungszeit schon hinter sich hatten- und mit entsprechender Fort- und Weiterbildung den Sprung in die Offizierslaufbahn schafften. Mut und Heldentum allein bedeuten keine Führungseigenschaften.


    Was man auch nicht ausser acht lassen sollte das es einfacher und schneller
    ging die dringenden benötigten Offiziere so zu rekrutieren.



    Quote


    In den 70er Jahren- wenn ich mich recht erinnere- gab es in der BW auch die Möglichkeiten, aus dem Unteroffiziersstand in den Offiziersstand (Fachoffiziere) übernommen zu werden, Qualifikationen vorausgesetzt. Wurde aber m.E. nicht häufig wahrgenommen, weil es sich einmal finanziell nicht lohnte und viele Unteroffiziere sich in der neuen Rolle nicht wohl fühlten.


    Das ist wohl war ein Fachoffizier war dann nicht mehr Fisch noch Fleisch
    und sowohl die Unteroffiziere m.P als auch die Offiziere habe das die
    Fachoffiziere bei jeder Gelegenheit spüren lassen.

    Gruss Dieter

  • Ich dachte die "Offiziergewinnung" durch Tapferkeitsbeförderungen wurde in der Wehrmacht erst ab ca. 43/44 im größeren Umfang eingeführt. Während die Waffen-SS dies schon sehr viel früher im größeren Umfang nutzte. (?)


    Zur BW: Fachoffiziere gibt es bis heute und sind eigentlich in jedem Bat. zu finden.

    Suche alles zu Esten in Polizei, Wehrmacht & Waffen-SS

  • Quote

    Original von Ultima
    I
    Zur BW: Fachoffiziere gibt es bis heute und sind eigentlich in jedem Bat. zu finden.


    Hallo,
    die Fachoffiziere BW muss es chon mindestens ab Anfang Mitte der sechziger Jahre in Einzelfällen gegeben haben. Mir ist ein Fall bekannt, wo ein Oberstabsfeldwebel am gleichen Tag vom Oberstabsfeldwebel zum Fähnrich und von da zum Oberfähnrich befördert wurde. Und kurz danach war er Hauptmann.
    Wirklich eingeführt wurden die Fachoffiziere um 1970. Geeignete UmP konnten sich bewerben.
    Aber in den Anfangsjahren wurden sie von den UmP und auch von den anderen Offizieren geschnitten. Die Offiziere unterhielten sich z. B. auf Französisch, da die Fachoffiziere im Normalfall nur Englischkenntnisse hatten.
    In WK II gab es im Prinzip keinen Unterschied zwischen Tapferkeitsoffizieren, Reserveoffizieren und aktive, Offizieren. Es gab ja auch einige, die als Reservisten in die höheren Dienstgrade vorstiessen.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Abend,


    in den 60er Jahren gab es noch keine Fachoffiziere, Oberfähnrich wurde frühestens Ende 1970, wenn nicht später, eingeführt. Die Beförderung zum Hauptmann unter Auslassung der Leutnantsdienstgrade wäre nur möglich, wenn eine entsprechende Berufsausbildung die Einstufung direkt möglich machte.(z.B. Stabsarzt o.ä., Dipl.-Ing.)


    Ich habe viele Jahre Erfahrung in Umkreis von Offizieren, aber dass französisch parliert wurde, habe ich nie erlebt- dazu hätten die Fertigkeiten nicht ausgereicht und man hätte sich blamiert.


    Gruß
    BRBG

  • Quote

    Original von BRBG
    Guten Abend,


    in den 60er Jahren gab es noch keine Fachoffiziere, Oberfähnrich wurde frühestens Ende 1970, wenn nicht später, eingeführt. Die Beförderung zum Hauptmann unter Auslassung der Leutnantsdienstgrade wäre nur möglich, wenn eine entsprechende Berufsausbildung die Einstufung direkt möglich machte.(z.B. Stabsarzt o.ä., Dipl.-Ing.)


    Ich habe viele Jahre Erfahrung in Umkreis von Offizieren, aber dass französisch parliert wurde, habe ich nie erlebt- dazu hätten die Fertigkeiten nicht ausgereicht und man hätte sich blamiert.


    Hallo BRBG,


    das auch nach meiner Erinnerung so.


    Bei den Offizieren einiger bestimmten Einheiten gab es schon einen gewissen


    Dünkel. Ich erinnere mich da besonders an die Herren mir den gelben


    Kragenspiegeln. Wenn wir vielleicht einige der Herren "von 7 " hier haben


    dann wissen die was ich meine. :D

    Gruss Dieter

  • Guten Abend,


    das war aber ein Dünkel auch gegenüber den sonstigen Offizieren der BW- siehe auch gelbes Halstuch. Konnten sie sich aber auch nur leisten, weil meist abgelegen stationiert.


    Sich auf Graf 9 zu berufen, wie häufig geschehen, war deshalb albern, weil sie in Freidenszeiten gleichartige Leistungen nicht nachweisen konnten. Aber es gab bei allen Offizierkorps Leute, die ihre Qualifikation und ihr Auftreten nicht in Einklang bringen konnten. Dies galt natürlich gegen die vermeintlich Schwächeren aus dem Uffz.-Stand um so mehr.


    Übrigens, der neue Kdr. Ausbildungszentrum ist Oberst Graf Strachwitz.
    Gruß
    BRBG

  • Zu den Tapferkeitsbeförderungen an sich hätte ich noch mal eine Grundsätzliche Frage. Wenn ein Soldat aufgrund von Tapferkeit von einer Dienstgradgruppe zu einer höheren (Mannschaften zum Unteroffizier/Unteroffizier zum Offizier) befördert worden ist, war dann mit diesen Beförderungen gleichzeitig der Besuch der für die Laufbahn eigentlich notwendigen Lehrgänge erforderlich und Pflicht? Oder entfiel dann ein Lehrgangsbesuch aufgrund der Tapferkeit?


    Vielen Dank für Antworten!
    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Quote

    Original von Johann Heinrich
    Zu den Tapferkeitsbeförderungen an sich hätte ich noch mal eine Grundsätzliche Frage. Wenn ein Soldat aufgrund von Tapferkeit von einer Dienstgradgruppe zu einer höheren (Mannschaften zum Unteroffizier/Unteroffizier zum Offizier) befördert worden ist, war dann mit diesen Beförderungen gleichzeitig der Besuch der für die Laufbahn eigentlich notwendigen Lehrgänge erforderlich und Pflicht? Oder entfiel dann ein Lehrgangsbesuch aufgrund der Tapferkeit?


    Vielen Dank für Antworten!
    Gruß, J.H.


    Hallo Johann wenn nach der Tapferkeitsbeföderung eine Weiterbildung entspr. der Funktion nötig war wurde sie sicher durchgeführt.


    Beförderungen aufgrund von Tapferkeit von Mannschaften und Unteroffizieren direkt zum Offizier konnten ohne Rücksicht in Einzelfällen auf:


    Dienstalter, Dienstgrad, vorhandensein des Status Offiziersanwärter, und ohne Ausbildung auf einem Waffenschullehrgang erfolgen.


    Beförderungen von Mannschaften und Unteroffiziersrängen direkt zu Offiziere galten für bes. hervorragenden Taten vor dem Feinde


    Später im Verl. des Krieges taucht u.a. die charakterliche Untadeligkeit mit in den Bestimmungen auf.


    MfG
    Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • Hallo Andreas,


    besten Dank für Deine Antwort!
    Zum besseren Verständnis nenn ich mal als konkretes Beispiel den Panzerjäger-Feldwebel Lilienthal: Diedrich Lilienthal war ja schon Unteroffizier, als er für seine hervorragende Leistung im Einsatz in Rußland 1943 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und zum Feldwebel befördert wurde. Hätte er nach seiner Leistungsbeförderung anschließend noch einen Lehrgang -> z.B. Feldwebellehrgang besuchen müssen?


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Quote

    Original von Johann Heinrich
    Hallo Andreas,


    Hätte er nach seiner Leistungsbeförderung anschließend noch einen Lehrgang -> z.B. Feldwebellehrgang besuchen müssen?


    Gruß, J.H.


    Da bin ich z.Z. überfragt und könnte nur spekulieren.

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • Hallo,
    zumindest nach allem was ich gelesen habe, mussten keinerlei Lehrgänge mehr besucht werden. Der Soldat namm sofort die Dienststellung ein und war sofort allen anderen des gleichen Ranges, zumindest formal, gleichstellt.
    GRuß Martin

    ML

  • Hallo,
    nach meinem Kenntnisstand war der Betreffende mit oder ohne Lehrgang den dienstgradgleichen gleichgestellt. Das einzigste was dann im Normalfall zählte, war das Rangdienstalter.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo,


    es gab Lehrgänge für die sog. Kriegsoffiziere ( Tapferkeitsoffiziere). Ob diese dann von jedem besucht wurden, weiß ich aber nicht. Auf jeden Fall war vor der Beförderung aber eine Beurteilung zum Kr.O. fällig.


    Gruß Karl

  • Zum Thema Bw und Fachoffiziere: mein ehemaliger Hauptmann wurde nicht befördert, sondern zum Oberleutnant ernannt. Er war damals OStFw.
    Etwa 1975.

  • Hallo,
    über Beförderungen/ Ernennungen bei der BW könnte man Bücher schreiben, so oft hat sich da etwas geândert. Ich bin ohne zu wissen warum, als Reservist plötzlich einen Dienstgrad hochgerutscht. Das habe ich erst ein paar Monate später kapiert, als ich einen Lehrgang bestanden hatte, und eine WÜ machte.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Die Herren von der Bw mögen bitte meine Störung verzeihen. :rolleyes:


    Auf jeden Fall war vor der Beförderung aber eine Beurteilung zum Kr.O. fällig.
    Karl, so’is’es und da spannt sich evtl. auch die Brücke zu dem verwandten Thema von falkmart?


    die Beförderung geschah nicht allein aus Tapferkeitsgründen, sondern es mussten natürlich auch die Fähigkeiten zur Führung bzw. zur Ausübung des Offizierspostens gegeben sein…
    Mut und Heldentum allein bedeuten keine Führungseigenschaften.

    Ja richtig!


    Unteroffizier zum Offizier) befördert worden ist, war dann mit diesen Beförderungen gleichzeitig der Besuch der für die Laufbahn eigentlich notwendigen Lehrgänge erforderlich und Pflicht? Oder entfiel dann ein Lehrgangsbesuch aufgrund der Tapferkeit?
    Jaein; bei „Adler sen.“ entfiel dann der Lehrgangsbesuch, weil er quasi selbst Lehrgangslehrer war – die Tapferkeit kam dann erst später.


    Später im Verl. des Krieges taucht u.a. die charakterliche Untadeligkeit mit in den Bestimmungen auf.
    Jaein; genau geschaut „wen haben wir denn da? “ wurde eben ständig und dies war auch aktenkundig.


    Der Soldat namm sofort die Dienststellung ein und war sofort allen anderen des gleichen Ranges, zumindest formal, gleichstellt.
    Ja, so ist auch mein Kenntnisstand.

    Auf jeden Fall war vor der Beförderung aber eine Beurteilung zum Kr.O. fällig.
    Ja, so ist auch mein Kenntnisstand.


    Im Einzelnen könnte man Bücher schreiben…
    Ja, das wäre sicher für Jahre eine interessante Beschäftigung, denn letztlich sind es Ausnahmen, Abweichungen von der Norm, Einmaligkeiten und bergen sicherlich erzählenswerte Sonderheiten. Vergleichen lassen sie sich kaum – zumindest die paar, die mir persönlich bekannt sind.


    Viele dieser Männer waren "nur" mit dem EK I ausgezeichnet. Hingegen gab es andere…
    Also „Adler sen.“ war zu dem Zeitpunkt seiner Beförderung [1.VII.41] zum Leutnant Kr.O. lediglich mit dem KVK II. Kl. m. Schwertern ausgezeichnet [15.XII.40], wie gesagt, die ganze „Tapferkeit“ kam später und das nicht zu knapp. EK II [ab 16.IV.42] usw.


    Schönen Sonntag
    TAK  8)


    verbessert

    Wer verurteilt kann irren – wer verzeiht irrt nie.

    Edited once, last by *AK* ().

  • Hallo,
    mein Onkel wurde 1941 nach Behängung mit EK II aus Tapferkeitsgründen vom U zum F befördert. Es kann auch sein, dass dem Regiment/Bataillon/ Kpmpanie in der Richtung etwas zugesprochen wurde.
    Januar 43 dann in Russland elend krepiert.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique