Kgf-Akte von DRK - mehr Fragen, als Antworten! Wer kann helfen?

  • Moin, liebe Kollegen und Freunde,


    mein Glaube, allein mit den Informationen aus der Kgf-Akte meines Schwiegervaters klar zu kommen, ist tief erschüttert! Beim ersten Versuch die Verhältnisse zu klären scheiterte ich bereits nach kurzer Zeit. Aber der Reihe nach.


    Mein Schwiegervater (einfachheitshalber nenne ich ihn Georg S.) wurde laut Akte am 28.06.44 eingezogen. Als Einheit hatte er am 18.08.45 im Lager 312 Kavallerie-Rgt. 139 und Kavallerie-Btl. 176 angegeben, Dienstgrad - Soldat (Kavallerist)


    Gleich die erste Frage: wäre es denkbar, dass er als am 03.02.26 geborener erst 4 Monate später eingezogen wird? Eine UK-Stellung käme bei einem Sattler kaum in Frage, es sei dem, man ließ ihn die Lehre beenden.


    Vier Jahre später im Lager 207 wierden die gleichen Angaben gemacht, jedoch durch den Eintrag "Div. Horst Wessel" ergänzt. Und das ist das, was mich verwirrt!


    Bei der SS-Div. Horst Wessel finde ich keine Kavallerie-Einheiten. So viele Reitertruppen hatte die Waffen-SS nun auch nicht, die Zahl ist überschauber. Am ehesten käme noch die SS-Div. Florian Geyer infrage, aber


    - konnte oder gar wollte man das verwechseln, schließlich wird er doch gewußt haben, wie seine Divsion hieß?
    - was kann man mit den Angaben Kavallerie-Rgt. 139 und Kavallerie-Btl. 176 im Zusammenhang mit SS-Einheiten anfangen?
    - es kann schon sein, dass er seine SS-Zugehörigkeit verschweigen wollte, aber war das nicht das erste, was überprüft wurd - linke Arm hoch, und dann ist schon alles geklärt!


    Und dann hat es mich gewundert, dass er am 18.05.45 in Görlitz gefangen genommen wurde. Man kann spekulieren, dass er versucht hatte in die Heimat nach Fraustadt (liegt nicht weit weg) zu kommen, womöglich Uniform gegeb Zivilkleidung getauscht, aber so spät noch?! Oder hatte es damals noch Verrückte gegeben, die auch nach der Kapitulation noch gekämpft hatten?


    Zwei Sachen noch:
    - am 29.11.49 wurde er entlassen;
    - eine Anfrage an die WASt habe ich noch nicht gestellt, da meine Frau noch nicht sicher ist, ob sie das alles wirklich wissen will...


    Ich danke euch für Geduld und Hilfe im Voraus!

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor,


    Quote

    Kavallerie-Rgt. 139 und Kavallerie-Btl. 176


    es gab weder ein Kavallerie-Regiment 139 noch ein Kavallerie-Btl. 176, zumal sich Kavallerie nicht in Bataillone, sondern in Abteilungen gliederte.


    Quote

    Und dann hat es mich gewundert, dass er am 18.05.45 in Görlitz gefangen genommen wurde. Man kann spekulieren, dass er versucht hatte in die Heimat nach Fraustadt (liegt nicht weit weg) zu kommen, womöglich Uniform gegeb Zivilkleidung getauscht, aber so spät noch?! Oder hatte es damals noch Verrückte gegeben, die auch nach der Kapitulation noch gekämpft hatten?


    Wer im wehrfähigen Alter war und ohne gültige Entlassungspapiere aufgegriffen wurde, wanderte ins Lager.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • zumal sich Kavallerie nicht in Bataillone, sondern in Abteilungen gliederte.


    Hallo Thilo,


    so wie die Schreiber in den deutschen Stalags die gebräuchliche deutsche Kürzel verwendeten, analog werden die Schreiber in den sowj. Lagern gehandelt haben. Aber die Zahlen 139 und 176 scheinen frei erfunden zu sein.


    Ich muss mich korrigieren, mit dem Datum 18.08.45 wurde die Ankunft ins Lager bezeichnet. Die Registrierung selbst wird mit dem 07.01.46 datiert.

    Gruß Viktor

  • Hallo
    Ich denke mal das er vertuschen wollte das er bei der W-SS war.
    SS und Russen waren eben nicht unbedingt die "besten Freunde".
    mfg Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Ich denke mal das er vertuschen wollte das er bei der W-SS war.
    SS und Russen waren eben nicht unbedingt die "besten Freunde".


    Hallo Jan,


    das war auch mein erster Gedanke, aber wie weit kam man, wenn sowohl bei den Russen, als auch bei den Amis die erste Handlung bei Gefangennahme hieß - Hemd runter und linken Arm hoch!? Die "0" bei meinem S.-Vater war nicht zu übersehen!

    Gruß Viktor

  • Hallo Gemeinde,


    die Anfrage an WASt ist nun raus. Anders ist wohl nichts mehr zu klären. Die Uhr läuft - tick-tack...

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor. Mein Großvater ist am 22.01.1945 in Litzmannstadt in sowjetische Gefangenschaft gekommen. Er gehörte der 8. SS-Kavallerie-Division an. Sein Truppenteil war die 1. Veterinär-Kompanie. Am 20.04.1944 wurde er zum Unterscharführer befördert. Vorher war er beim Kommando-Stab Reichsführer-SS in Russland. Auch er war tätowiert. Aus seiner Kriegsgefangenenakte geht hervor das er angegeben hat dem Heer anzugehören. Eine weitere Überprüfung scheint es nicht gegeben zu haben. Es ist demnach doch möglich, das sicher wegen der großen Anzahl deutscher Kriegsgefangener eine Prüfung der Angaben nicht durchgeführt wurde.

  • Hallo Caldan,


    dass es die Waffen-SS Angehörige Angst hatten, Opfer der Lynch-Justiz oder dergleichen zu werden ist nachvollziehbar. Obwohl sie wussten, dass man wegen unwahrer Angaben bestrafft werden konnte, hatt es sie nicht abgehalten, Fantasie-Einheiten anzugeben!


    Dass mein S.-Vater erst 1947 in den gefürchteten 207 nach Perm kam verwundert mich schon ein wenig!


    Er hatte mal erzählt, dass er die ganze Zeit in seinem Beruf als Sattler bei der Kavallerie gedient hatte. Nur seine Angabe bei der "Horst Wessel" gewesen zu sein passt irgendwie nicht richtig. Oder hatten auch Panzerdivisionen so viele Pferde, dass sie sich einen Sattler haben leisten können?

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor


    ich gehe davon aus, es heißt nicht


    Kavallerie-Regiment 139 und Kavallerie-Btl. 176


    sondern


    I./SS-Regiment 39 (Horst Wessel) Pferdebestand gesamt der Division: ca. 500 (?)
    und
    I./SS-Regiment 76 (31. SS-Division) - Pferdebestand gesamt der Division: ca. 3400


    Uwe

  • Hi
    Warum nicht? Es gab kaum eine Einheit die keine Pferde hatte. Zum Beispiel bei den Versorg.Truppen die ja fast alle bespannt waren.
    Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • I./SS-Regiment 39 (Horst Wessel) Pferdebestand gesamt der Division: ca. 500 (?)
    und
    I./SS-Regiment 76 (31. SS-Division) - Pferdebestand gesamt der Division: ca. 3400


    Hallo Uwe,


    das klingt plausibel...


    Gehe ich Recht in der Annahme, dass seine EM auf jeden Fall einen SS-Eintrag hätte? Ich vermute, wer keine EM hatte, machte sich schon verdächtig. Wenn er aber diese hätte, wäre die Einheit gleich in den Fragebogen eingetragen gewesen.

    Gruß Viktor


  • Oder hatte es damals noch Verrückte gegeben, die auch nach der Kapitulation noch gekämpft hatten?


    Hallo Viktor, die Rote Armee nahm es damit auch nicht so genau - aber auch die gesamte Akte ist hoch interessant - Uwe


    siehe
    http://wwii.germandocsinrussia…ge/70/mode/inspect/zoom/4



    http://wwii.germandocsinrussia…age/1/mode/inspect/zoom/4

  • die Anfrage an WASt ist nun raus. Anders ist wohl nichts mehr zu klären. Die Uhr läuft - tick-tack...

    Hallo zusammen,


    die Antwort ist nach wiederholten Nachfrage nun da. Ergebnis = 0

    Ausser dass er am 30.12.49 aus dem Gewahrsam entlassen wurde, keine weiteren Angaben und Auskünfte.

    Nun stehe ich auf dem Schlauch, gibt es noch irgendwo Stellen, die in der Sache helfen könnten?

    Gruß Viktor

  • Hallo Zusammen


    Leider keine Infos mehr zu Otto Vitus Ostermeier Wo kann ich mich noch hinwenden ? Gebe die Hoffnung nicht auf .


    Es ist mir eine Herzensangelegenheit . mehr über meinen Schwiegervater zu erfahren . Seinen weiteren Weg .


    Marianne Ostermeier

  • ich gehe davon aus, es heißt nicht


    Kavallerie-Regiment 139 und Kavallerie-Btl. 176


    sondern


    I./SS-Regiment 39 (Horst Wessel) Pferdebestand gesamt der Division: ca. 500 (?)
    und
    I./SS-Regiment 76 (31. SS-Division) - Pferdebestand gesamt der Division: ca. 3400

    Hallo Uwe,


    anbei stelle ich die Auszüge aus der Kgf-Akte ein. Es sieht schon sehr nach der Aussage:

    139 Kavallerie-Regiment der Div. "Horst Wessel"

    aus. Ich glaube btl. Nr. kann man vernachlässigen...

  • Hallo Viktor,


    lebte dein Schwiegervater nach Rückkehr in der DDR? Gibt es vielleicht beim DRK noch weitere Unterlagen? Sprich Heimkehrermeldebogen, Kgf.Entschädigung?


    Möglicherweise hat auch noch eine Entnazifizierung stattgefunden. Dann müsste man aber den Wohnort nach Heimkehr kennen. Falls die Familie aus den ehemaligen dt. Ostgebieten vertrieben wurde gibt es vielleicht auch noch Unterlagen im Lastenausgleichsarchiv.


    Gruß Alex

  • Hallo Alex,


    mein Schwiegervater kam aus Schlesien. Als er de facto 1950 entlassen wurde, war seine Familie längst in Thüringen. Bis dahin hat man von ihm nichts gehört. Ich vermute, dass aufgrund seines Alters - mit 18 eingezogen und mit 19 schon in Kgf eine Entnazifizierung nicht an der Tagesordnung stand, zumal wer 5 Jahre als Kgf in Russland verbracht hat, hatte schon seinen "Persil-Schein" in der Tasche.

    In der DDR wurde kein Lastenausgleich gezahlt und wenn, den hätte diesen sein Vater beansprucht, der bis Ende der 60-er in der Familie lebte.


    Ich werde jetzt die Augen bei den Publikationen oder Quellen zu Geschichte des Kreises Fraustadt, speziell des Gutes Geyersdorf aufhalten. Ich weiß nicht, warum er im Februar 1944 18 Jahre alt wurde und erst im Juni einberufen. Ist es kein Widerspruch, einberufen zu sein und in der 18. Freiwilligen W-SS Division zu landen? Oder war er doch ein Freiwilliger? Gibt es womöglich Quellen, die irgendetwas über Geschichte der SS im Kreis Fraustadt aussagen?

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor,

    anbei stelle ich die Auszüge aus der Kgf-Akte ein. Es sieht schon sehr nach der Aussage:

    139 Kavallerie-Regiment der Div. "Horst Wessel"

    aus. Ich glaube btl. Nr. kann man vernachlässigen...

    Solch eine Einheit gab es nicht bei der 18. SS-freiwilligen Panzer-Grenadier Division Horst Wessel.


    Wessel.JPG


    I./SS-Regiment 76 (31. SS-Freiw. Gren.Division) würde besser passen

    Im Bild unten rechts der Pferdebestand.


    31..JPG

    Grüße Matthias

  • Hallo Matthias,


    vielen Dank für die Übersichten, leider hatten die Vernehmer diese in den Stalags nicht gehabt, sonst hätten sie gleich nachgefragt.

    Leider hatte meine Schwiegermutter alle Dokumente und Fotos ihres Mannes kurz vor ihrem Tod verbrannt. Es waren drei Fotoalben, wo auch er in Uniform zu sehen war. Diese Bilder sah ich zum ersten mal ca. 1985 und fragte danach meine Frau, ob sie wüsste, dass ihr Vater bei der W-SS war. Sie wusste von nichts, war geschockt, aber es wurde danach nicht mehr darüber gesprochen.

    Ich unterstelle dem Vater nicht, seinen Vernehmer gezielt in die Irre zu führen. Es wird schon eher aus dem Kapitel sein, wer hat was gesagt, und wer hat was verstanden. Zumindest bei beiden Vernehmungen gibt er identische Rgt.-Bezeichnungen an. Bei der 2. Aufnahme kam wahrscheinlich seine W-SS Angehörigkeit heraus, das auch seine Verlegung in den anderen Lager erklären würde.

    Gruß Viktor