Von der Wehrmacht konfiszierte Privatfahrzeuge

  • Hallo zusammen

    Als ganz neuer Forumsnutzer habe ich folgende Frage.
    wie kann ich mehr über das Von der Wehrmacht beschlagnahmte Fahrzeug (Horch) meines Urgroßvaters erfahren? Mich würde interessieren welcher Typ genau es war und was damit passiert ist.


    ich danke euch schon mal im Voraus für mögliche Hinweise.


    Gruß

    Achim

  • Hallo,


    ist Dir bekannt, ob Dein Urgroßvater oder andere Familienangehörige nach dem Krieg einen Antrag auf Entschädigung für dieses Fahrzeug gestellt haben? Zuständig dafür waren damals die Ausgleichsämter der Länder, die inzwischen im Bundesausgleichsamt aufgegangen sind - im Link findest Du etwas zu der Organisation und Geschichte. Die gesetzliche Grundlage findest Du im Lastenausgleichsgesetz von 1952, die Altunterlagen für Kriegsschäden müssten sich in zwischen alle im Bundesarchiv/Lastenausgleichsarchiv am Dienstort Bayreuth befinden.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo und Willkommen Achim,


    das zuständige Kreisarchiv wäre auch eine Möglichkeit, setzt allerdings voraus, daß die Akten archiviert wurden.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • so viel ich weiß hat niemand aus meiner Familie einen Antrag auf Entschädigung gestellt. Die hatten ja alle Angst und waren froh dass sie unbeschadet waren

  • Hallo zusammen, hallo Mannheimer,


    vielleicht wirst Du ja beim Generallandesarchiv in Karlsruhe fündig? Evtl. besitzen Sie im Archiv Zulassungsunterlagen?


    Schöne Grüße, Thomas

  • Hier fehlt eine Anrede....


    Eine Frage dazu:

    Es gab eine Gesellschaft in Berlin - Abkürzung ATG (evtl. Auto-Transport-Gesellschaft) - die die Konfiszierung organisierte und durchführte.

    Gibt es dazu weiterführende Informationen?


    Besten Dank, Hugo.

  • Guten Abend ans Forum und an Hugo,


    in Ihrer Anfrage haben Sie behauptet, dass eine ATG aus Berlin für die "Konfiszierung" zuständig gewesen sei.

    Also besitzen Sie doch die weiterführenden Informationen, denn sonst hätten Sie das mit der ATG ja nicht behauptet.

    Was haben Sie für Quellen, um Ihre Behauptung belegen zu können? Ich denke dabei an Dokumente, Literatur oder Internetquellen.

    Die Foristen auf den billigen Plätzen würden sich sehr freuen, von Ihnen entsprechend informiert zu werden.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Guten Morgen aus Hamburg,

    in Ihrer Anfrage haben Sie behauptet, dass eine ATG aus Berlin für die "Konfiszierung" zuständig gewesen sei.

    Also besitzen Sie doch die weiterführenden Informationen, denn sonst hätten Sie das mit der ATG ja nicht behauptet.

    Was haben Sie für Quellen, um Ihre Behauptung belegen zu können?

    vielen Dank an Herrn Danuser für die sehr freundliche Rückfrage. Den Hinweis auf die ATG habe ich den Rentenunterlagen meines Vaters entnommen, der dort bis 1945 beschäftigt gewesen sein soll. Da ich nirgendwo im Internet Hinweise auf diese Gesellschaft fand, habe ich meine Frage hier in die Runde der Experten gestellt (die ich keineswegs auf billigen Plätzen sehe).


    Freundliche Grüße,

    Hugo

  • Hallo zusammen,


    die Abkürzung ATG stand ab 1939 für "Arbeitsgemeinschaft Kraftverkehrstechnik".

    Dabei handelte es sich um Arbeitsgemeinschaften des VDi (Verein Deutscher

    Ingenieure e.V.) auf Bezirksebene, die sich speziell mit Kraftverkehrstechnik

    beschäftigten.

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Organisationen etwas mit der Konfiszierung

    von Fahrzeugen zu tun hatten.

    Quelle: Aufsatz - VDI


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)

  • Nochmals ein Hallo in die Runde,


    und ganz besonderen Dank an Dr. Rudolf. Sie geben einen wertvollen Impuls, dem ich weiter nachgehen werde. Auch wenn sich ATG als Abkürzung für "Arbeitsgemeinschaft Kraftverkehrstechnik" nicht sofort erschließt, finden sich zahlreiche Verweise darauf. Insbesondere die Verbandszeitschrift "Automobiltechnische Zeitschrift" (ATZ) könnte zu weiterer Aufklärung beitragen. Nochmals vielen Dank für den Hinweis.


    Abgesehen davon: Welche Organisationen / Institutionen waren Ihrer Kenntnis nach für den Einzug privater Fahrzeuge zur Nutzung durch die Wehrmacht oder anderer nationalsozialistischer Organisationen zuständig? Ich finde hier im Forum Hinweise auf die Wehrersatzämter; welche den Einzug wohl ausgeführt haben. Gab es darüber hinaus eine zentrale Institution, die die Aktivitäten der Ämter koordinierte oder anleitete?


    Beste Grüße,

    Hugo

  • Ich finde hier im Forum Hinweise auf die Wehrersatzämter; welche den Einzug wohl ausgeführt haben.

    Hallo Hugo,


    das war als typisch staatliche (hoheitliche) Aufgabe dem Wehrersatzwesen zugeordnet.

    Das Wehrersatzwesen hatte den Auftrag der (kämpfenden) Truppe sowohl personellen

    als auch materiellen Ersatz bereitzustellen.

    Das kam zwar größtenteils nach einer Mobilmachung zum Tragen, aber eine Vielzahl

    vorbereitender Maßnahmen war auch schon in Friedenszeiten notwendig.

    So waren für materielle Ersatzleistungen die Leistungsbescheide i.d.R. im Frieden

    unterschriftsreif vorbereitet "in der Schublade".

    Im Dritten Reich gab es die "unmöglichsten" Dinge (z.B. Tarnorganisationen), aber in

    diesem Fall kann ich mir kaum vorstellen, was eine solche Organisation für einen

    Sinn gehabt haben soll.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Wenn wir mal die Anstellung Ihres Vaters bei einer Gesellschaft "ATG in Berlin" als

    unstrittig annehmen, ist immer noch nicht geklärt, wie sie auf eine Verbindung zur

    Konfiszierung von Kfz. für die Wehrmacht kommen. Diese Frage wurde bereits gestellt,

    eine Antwort haben Sie geschickt "umgangen".

  • Hallo Her Dr. Rudolf,


    vielen Dank für Ihre erneute Antwort und Ihre Informationen, auch das hilft mir für meine zukünftigen Recherchen. Bezüglich Ihres PS: Es war nicht meine Absicht, die Antwort auf eine Frage zu umgehen - geschickt oder ungeschickt. Ich habe mich in meiner vorherigen Antwort auf die Frage nicht umfassend genug ausgedrückt, bitte sehen Sie mir das nach. Mein Vater hat in einem Rentenantrag aus dem Jahr 1958 angegeben, von 1938 bis 1945 bei der Firma "Allgemeine Transport Gesellschaft (ATG)" in Berlin gearbeitet und dort den Einzug privater Fahrzeuge zur Nutzung für die Wehrmacht betrieben zu haben. Dem Umstand, dass ich hier nach dieser Gesellschaft forsche, können Sie entnehmen, dass ich dies gern validieren bzw. falsifizieren möchte.


    Nochmals vielen Dank und beste Grüße aus Hamburg,

    Hugo

  • ... Mein Vater hat in einem Rentenantrag aus dem Jahr 1958 angegeben, von 1938 bis 1945 bei der Firma "Allgemeine Transport Gesellschaft (ATG)" in Berlin gearbeitet und dort den Einzug privater Fahrzeuge zur Nutzung für die Wehrmacht betrieben zu haben ...


    Hallo,


    zu der Einziehung ziviler Kraftfahrzeuge für die Wehrmacht hatte ich in diesem Thread schon mal einen entsprechenden Bericht angehängt, zuständig für die Abwicklung waren die Wehrersatzinspektionen: Kraftfahrparktruppen


    Vermutlich ist der Vater nicht direkt in der Einziehung beschäftigt gewesen, sondern (mit einer entsprechenden Berufsausbildung z.B. als Kfz-Mechaniker, -Schlosser o.ä.?) bei der Fahrzeugannahme, -Prüfung oder -Bewertung?


    Gruß, J.H.


    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo,


    durch den VDI wurden ab 1939 folgende Arbeitsgemeinschaften gegründet:


    Arbeitsgemeinschaft Kraftverkehrstechnik (ATG),

    AG Heizungs- und Lüftungstechnik (AHT),

    AG-Betriebsschutz (ABS),

    AG-Kältetechnik (AKT),

    AG-Getriebetechnik (AGT),

    AG-Technik in der Landwirtschaft (ATL),

    AG deutscher Betriebsingenieure (ADB),

    AG deutsche Konstruktionsingenieure (ADKI),

    Wehrtechnische-AG (WAG),

    AG für industrielle Messtechnik (AIM),

    AG für industr. Vertrieb des VDI,

    AG deutsche Kraft- und Wärmeingenieure (ADK),

    AG-Verfahrenstechnik (AVT),

    AG-Textilingenieure (ADT),

    AG-Technikgeschichte.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Vermutlich ist der Vater nicht direkt in der Einziehung beschäftigt gewesen, sondern (mit einer entsprechenden Berufsausbildung z.B. als Kfz-Mechaniker, -Schlosser o.ä.?) bei der Fahrzeugannahme, -Prüfung oder -Bewertung?

    Hallo,


    besten Dank für die erneute Verlinkung des Artikels. Tatsächlich war mein Vater wohl eher Beamter bzw. Leiter einer (Teil-) Behörde, die mit dem Einzug beschäftigt war. Dem Vernehmen nach leitete er Mitarbeiter an, die ihrerseits die Zivilpersonen benachrichtigten, dass deren Fahrzeuge vorzuführen bzw. abzugeben sind. Wenn ich den Artikel des Salzburger Volksblatts richtig verstehe, müsste das tatsächlich die Wehrersatzinspektion gewesen sein. Möglicherweise arbeitete er auch im übergeordneten Wehrkreis.


    Nochmals vielen Dank für die Auskünfte und beste Grüße,

    Hugo.

  • Hallo Hugo,


    Quote

    Beamter bzw. Leiter einer (Teil-) Behörde,

    er gehörte zur Wehrersatzorganisation und war wenn er Beamter war Wehrmacht-Beamter. Die Wehr-Ersatz Orga. war nicht

    nur für die "Bewirtschaftung" der Personals zuständig sondern auch das ganze Ergänzungs-Gerät wurde von den Wehrkreisen

    verwaltet.


    Quote

    Dem Vernehmen nach leitete er Mitarbeiter an, die ihrerseits die Zivilpersonen benachrichtigten, dass deren Fahrzeuge vorzuführen bzw. abzugeben sind.

    die Fahrzeuge wurden genau wie Wehrpflichtige gemustert und schon sortiert für welcher Einheiten die das Gerät "passen" würde und wo es am

    X-Tag ( Tag der Mobilmachung) abzugeben war.

    Gruss Dieter

  • Hallo,


    für die Musterung der Fahrzeuge gab es die Kraftfahrzeugvormusterungsoffiziere (K.V.O)



    Gruß


    Reinhard


    Quelle: CAMO

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  • ... für die Musterung der Fahrzeuge gab es die Kraftfahrzeugvormusterungsoffiziere (K.V.O) ...


    Hallo,


    hier noch ein kurzer Pressebericht zu den sog. Pferde- und Kraftfahrzeugergänzungsvorschriften, die im Rahmen des Wehr- bzw. späteren Reichsleistungsgesetzes (im Anhang die Neuausgabe von 1939) zur Anwendung kamen. Wegen des Textumfangs aufgeteilt in drei Beiträge.

    Quellen: Jeversches Wochenblatt Nr.201 vom 29.August 1938, Seite 3 u. Reichsgesetzblatt 1939, Teil I


    Gruß, J.H.

  • Die weiteren Seiten 5 bis einschl. 9 des Gesetzestextes, die Überlassung von Kraftfahrzeugen ist im §15 geregelt.