Flugzeugabsturz am 07.04.1945 bei Scholis bei Bad Schmiedeberg (Sachsen/Anhalt)

  • Hallo Zusammen,


    Mich beschäftigt schon seit Jahren o.g.Absturz bei dem folgende LW Angehörige ums Leben kamen und auf dem Pretzscher
    Friedhof beigesetzt wurden:


    Vogel, Heinz, BS
    Pinkert, Heinz, BF
    König, Horst, BM
    Bourdon, Hans, FF
    Häring, Herbert (auf seinem Grabkreuz steht:"Ofw und Fluglehrer")


    Jetzt habe ich einen 3.Augenzeugenbericht erhalten. Alle 3 sprechen von einer Ju 88 welche
    beim Ansetzen zur Landung auf dem Pretzscher Flugplatz von einem alliierten
    Nachtjäger abgeschossen wurde.
    Zu dieser Zeit waren in Pretzsch die II./LG1 sowie die II./KG4 stationiert. Die II./LG1 mit Ju88 flogen Kampfeinsätze gegen
    die Oder-Ponton-Brücken und die II./KG4 mit He111H als ihre Zielfinder.


    Das LG1 ist
    ja gut dokumentiert und hat an diesem Tag keinen Verlust. Von der II./ KG 4
    habe ich leider keinerlei Informationen aus ihrer Zeit in Pretzsch.


    Weiß jemand näheres von der abgestürzten Maschine sowie von dem alliierten Nachtjäger?



    Viele Grüße


    Frank

  • Hallo Frank,


    diese Besatzung war schon einmal Thema im (leider nicht mehr existierenden) LBB-Forum.


    Des Rätsels Lösung ist ein Eintrag im KTB der Lfl.6. Die Besatzung stürzte in einer He 111 H der 8./KG 8 mit Kennung 5J+HS ab. Die Werknummer der He 111 ist leider nicht dokumentiert.
    Die Besatzung befand sich in der Nacht 7./8.4.1945 kurz vor der Landung bei Rückkehr vom Versorgungseinsatz für die Festung Breslau.
    Als Absturzursache ist ein Abschuss durch einen RAF-Nachtjäger wahrscheinlich. Ein Mosquito-Nachtjäger der 406.Squadron meldete einen He 111 Abschuss "near Leipzig" (Foreman, Fighter Command War Diaries, Part 5, s.384/385).


    Gruß,
    Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Hallo Frank,


    richtig ist, daß es sich dabei um eine He 111 des KG 4 handelt. Diese ging beim Versorgungseinsatz von Breslau in der Nacht vom 07. auf den 08.04.45 aus unbekannter Ursache verloren. Quelle ist der NARA-Film T321, Rolle 51, S.1959.


    Einen dazu passenen Abschuss kann ich leider weder unter den britischen Mosquito- noch unter den amerikanischen P-61-Einheiten finden.


    Gruß,


    Jafü

  • Hallo Uwe, Hallo Jafü,
    Vielen Dank für Eure Antwort
    Ja die Besatzung war schon 2x Thema im LBB, aber soweit ich weiß ohne Ergebniß.


    Was mich jedoch noch wundert und auch bestimmt nicht mehr zu klären ist:
    Warum fliegt eine Maschine der III.Gruppe die nach meinen Angaben in Königgrätz stationiert war auf den Rückweg in eine ganz andere Richtung und will auf den Flugplatz der II. Gruppe landen?
    Und das nächste Kuriosum ist, im Pretzscher Kirchenbuch steht bei den Getöteten als Wohnort "Fliegerhorst Dresden", wo nach meinen Angaben die I.Gruppe des KG4 stationiert war.


    Viele Grüße
    Frank

  • Hallo zusammen,


    ich habe jetzt noch einige Informationen zu dem 5. Besatzungsmitglied, dem Ofw. Herbert Häring, erhalten.

    Dieser war mit einem gleichaltrigen Flugzeugwart und dessen Frau, die beide auf dem Flugplatzes beschäftigt waren befreundet.

    Diese beiden wollte er wohl besuchen!

    Beide Pretzscher pflegten bis zu ihrem Lebensende sein Grab.

    Jetzt stellt sich mir nur die Frage ob der Ofw. einfach so als 5.Mitglied zu einem Versorgungseinsatz mitfliegen und auf dem Rückflug mal einfach so seine Freunde besuchen konnte?


    Grüße....

  • Moien,

    naheliegend ist der Ofw. als Bordschütze entweder für die beiden Seitenwaffen oder die Bola mitflog. Gewissheit hätte man nur, wenn der schriftliche Flugauftrag vorliegen würde.

    h.

  • Hallo,


    > naheliegend ist der Ofw. als Bordschütze entweder für die beiden Seitenwaffen oder die Bola mitflog.


    Ofw. Häring war ja ausgebildeter Beobachter/Flugzeugführer mit jahrelanger Flugerfahrung bzw. Einsatz in der Ausbildung.

    Ich vermute, dass er bei dem Nachtflug als "Navigator" und zweiter Flugzeugführer zur Unterstützung von Fw. Hans Bourdon mitflog.

    Häring hatte eine EM der 10./KG 53, Pinkert, König und Vogel von der 11./KG 53. Bourdon war früher mal beim JG 26 (ebenfalls aus der EM).

    Zumindest Häring, Pinkert, König und Vogel kannten sich also schon vom KG 53.


    Was die Stationierung der verschiedenen Teilverbände des KG 4 angeht, lohnt sich ein Blick auf die Internetseite der tschechischen Forscherkollegen: http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-hk2.htm

    Dort wird berichtet, dass die 7. und 9./KG 4 erst am 10.4.45 von Österreich (Wels) nach Königgrätz verlegten. Die andereren Teile des KG 4 folgten.


    Davor werden von allen KG 4 Einheiten für das Beladen zu den Versorgungsflügen in die "Festungen" überwiegend die Flugplätze in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg benützt (Klotzsche, Alt-Lönnewitz). Grund dafür ist einfach der, dass dort die Nachschublager und Logistik noch gerade so funktionierten. Die große Flucht der Lw-Einheiten nach Böhmen erfolgte erst, als die Fronten von beiden Seiten der Elbe näherrückten.


    Die genaue Dislozierung der Einheiten bzw. Einzelbesatzungen lässt sich eigentlich nur aus Flugbüchern rekonstruieren, wobei bei mir diese Quellenlage für 1945 beim KG 4 sehr dünn ist. Das KG 4 war bis jetzt aber noch nicht im Fokus meines speziellen Interesses, nachdem die ehem. III.Gruppe den Geschwaderverband mit ihren Ju 88 im Oktober 1940 verlassen hat und zur III./KG 30 wurde.


    Was zur Dislozierung des KG 4 in den bekannten Internetseiten von Michael Holm, deZeng - aber auch hier im "Lexikon" - für die Zeit Februar bis April 45 (einschl.) steht, genieße ich eher mit großer Vorsicht. Da schreibt Jeder von Jedem ab (Tschul'jung - aber es ist einfach so).


    V. Grüße, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."