Marine WASt 23. Landungsflotille Gruppe Narvik KVK II

  • Hallo zusammen,


    ich habe gestern eine spannende Auskunft der WASt enthalten.
    Ehrlich gesagt finde ich Marine-Laufbahnen meist noch viel Unübersichtlicher als die des Heeres.


    Die beiliegende WASt interpretiere ich so, dass sie von einem technisch versiertem Soldaten erzählt, der viel in der Ausbildung unterwegs war.
    Das KVK II hat er sicherlich nicht für verdienst im Kampf sondern wahrscheinlich eben aufgrund der Ausbildungstätigkeit erhalten.


    Als Maschinenmaat war er als Unteroffizier bereits aufgestellt.
    Wie wird man da Hafenkommandant in Amsterdam? Das muss doch ein Fehler sein. Zumal die Namen der Kommandanten die ich zu der Zeit finde ganz andere sind.
    Ach so...die Auskunft endet mit dem Hinweis dass es keine Nachweise über Kriegsgefangenschaft gibt, aber er wurde am 23.01.1946 bei einer britischen Entlassungsstelle registriert.
    Das ist ganz schön lang, oder? Kann man bei den Briten ebenfalls Protokolle zu den Kriegsgefangenen anfragen? Das muss doch?


    Kann man irgendwie rausfinden auf welchen Schiffen die Person dann gefahren ist?


    Bin gespannt was Ihr hier seht!?
    LG
    SG

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  • Guten Tag ans Forum und an den anfragenden Großvatersucher,


    der Marineangehörige war nicht Hafenkommandant von Amsterdam, sondern er gehörte als Maschinenmaat zur
    Dienststelle/zum Dienstbereich des Hafenkommandanten Amsterdam.
    Oder anders ausgedrückt: der Hafenkommandant Amsterdam war der "Arbeitgeber" des Maschinenmaats.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    davon gehe ich auch aus - das würde so keinen Sinn machen.
    Die Frage ist dennoch wie ich herausfinde auf welchen Schiffen er war.


    LG
    SG

  • Hallo SG,


    laut der WASt und so wie ich das sehe, dürfte der Proband nur auf der Marinefährprahm "F400" als Seemann unterwegs gewesen sein. Marinefährprähme waren große Landungsboote der Kriegsmarine.


    Gruß
    Lothar

  • Hallo zusammen,


    Quote

    Die Frage ist dennoch wie ich herausfinde auf welchen Schiffen er war.


    und dazu haben die Kollegen vom Marine Archiv umfangreiches gesammelt


    Marinefährprahm F 400


    Der Protagonist war Berufssoldat und erhielt er eine umfangreiche Ausbildung (Maschinenlaufbahn)
    So wie es aussieht war sein einziges Frontboot der Marinefährprahm "F400". Auf dem Pram war er
    die technische Nr. 1, auf großen Schiffen wäre das der leitende Ingenieur auf einem Pram war das
    ein Unteroffizier.

    Gruss Dieter

  • Hallo


    Die Bezeichnung Technische Nr1 (T1) ist teils noch heute gebräuchlich, vor allem auf älteren Booten. Sie bezeichnet aber nicht den LI, der ist auch auf kleinen Einheiten wie Landungsbooten, mindestens ein Bootsmannsdienstgrad (also Unteroffizier mit Portepee). Zumal der Großvater zu diesem Zeitpunkt noch Maschinenobergefreiter war.
    Der T1 könnte somit der Verantwortliche für den Bereich der Antriebsmotoren gewesen sein, zwar nur ein Teil der Schifftechnik, aber doch der wichtigste.
    Interessant finde ich die doch sehr umfangreiche Ausbildung!


    Gruß, Daniel (hatte ich vergessen ;-) )

    Edited once, last by meyer12 ().

  • Hallo,


    ich nehme an, Heizer, spätestens Motorbootheizer, bezeichnen in dem Fall Maschinenpersonal und haben mit Kohlenschippen nichts mehr zu tun?


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    ich nehme an, Heizer, spätestens Motorbootheizer, bezeichnen in dem Fall Maschinenpersonal und haben mit Kohlenschippen nichts mehr zu tun?


    Grüße
    Thilo


    Hallo Thilo,


    nein sie haben die drei Deutz 6zyl. 4takt. Dieselmotore gebändigt


    @Daniel,


    also gab es auf Booten u.v. einen leitenden" Maschinen-Bootsmann"
    Wäre dann die "technische Nr.1" dann die Rolle ?

    Gruss Dieter

  • Hallo Dieter


    Ja, es gab einen leitenden schiffstechnischen Bootsmann, da die damaligen (wie auch heutigen Landungsboote) keine Offiziere hatten.
    Ob dies in der Kriegsmarine als Technische Nr. 1 bezeichnet wurde, war bezweifele ich aus zwei Gründen:
    1. Der weiter oben erwähnte Großvater war als Maschinen-Obergefreiter Technische Nummer 1 (T1), ich bezweifele das er mit diesem Dienstgrad die Gesamtverantwortung für die gesamte Schiffstechnik eines Bootes hatte.
    2. Die noch heute geläufige Bezeichnung T1, beschreibt "nur" den Abschnittsleiter für den Bereich Antriebstechnik, also ein Teilbereich der gesamten Schiffstechnik. Der T1 ist auf Landungsbooten dem Schiffstechnischen Bootsmann unterstellt, dem die gesamte Schiffstechnik untersteht.


    Ich gehe demnach davon aus, daß der Großvater nicht der Schiffstechnische Bootsmann war. Trotzdem hatte er auch so eine große Verantwortung!
    Ist aber nur eine Vermutung, und basiert auf eigene Erfahrungen...


    Übrigens ist die umgangssprachliche Bezeichnung "Heizer" immer noch üblich.


    Schönen Advent
    Daniel

    Edited 3 times, last by meyer12 ().

  • Hallo und vielen Dank an Euch alle, ist sehr spannend das alles zu lesen.
    Die "Nr.1" erinnert doch an die Enterprise ;-)


    Ich finde an der Laufbahn bemerkenswert, dass er so stark in der Ausbildung war...aber im Grunde ja nicht "Nutzbar" eingesetzt war.
    Was soll die Landungsflotille in Narvik gemacht haben? Zu dem Zeitpunkt war Narvik doch bereits eingenommen? Eine Pram kann doch auch nicht zum Hafenschutz eingesetzt werden.


    Oder verstehe ich die Aufgabe des Gefährtes falsch?


    Hat jemand eine Ahnung, ob man die Unterlagen der Briten zu Kriegsgefangenschaft sich besorgen/anfragen kann?


    LG und einen schönen 3ten Advent
    SG

  • Hallo SG,


    die 23. Landungsflottille wurde am 1.10.1942 durch die 17. Landungsflottille in Swinemünde aufgestellt und verlegte anschließend nach Norwegen. Hier hatte die Flottille vor allem Minenlege- und Transportarbeiten entlang der Küste zu verrichten.


    Gruß
    Lothar


  • Das KVK II hat er sicherlich nicht für verdienst im Kampf sondern wahrscheinlich eben aufgrund der Ausbildungstätigkeit erhalten.


    Hallo,


    eine Verleihung des KVK mit Schwertern war laut Stiftungsverordnung nur nach Einsatz unter feindlicher Waffenwirkung oder für Verdienste in der militärischen Kriegführung vorgesehen. Für Verdienste in einer Ausbildungstätigkeit hätte der Großvater sicherlich das KVK ohne Schwerter erhalten: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Orden/kvk.html


    Wo kann ich das nachlesen?


    Leider hat es sich in der letzten Zeit wieder "eingebürgert", dass die meisten Beiträge im Forum ohne Quellenangabe getätigt werden, obwohl dies ein Bestandteil der Forumsregeln ist. Die Württembergische Landesbibliothek hat auf der Basis der Arbeit von mehreren Marinehistorikern eine umfangreiche Sammlung zur Kriegsmarine im 2. Weltkrieg zusammengestellt, da kannst Du einiges (auch zu den Einheiten und Truppenteilen der KM) nachlesen. Es gibt dort z.B. auch eine Chronik zu den weltweiten Kriegsereignissen auf See in den Jahren 1939 - 1945, aufgebaut ähnlich wie ein Tagebuch: http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/chronik.htm


    Eine Pram kann doch auch nicht zum Hafenschutz eingesetzt werden.


    Die Fährprahme waren ursprünglich als Landungsboote konzipiert, wurden aber für alles mögliche eingesetzt. Zum Hafenschutz kann man Fährprahme z.B. als Flak- oder Nebelträger verwenden, es gab sogar Fährprahme, die durch Bestückung mit Artilleriegeschützen als sogenannte Artillerieträger verwendet wurden: http://www.wlb-stuttgart.de/se…ik-inseln/amphibik/fp.htm


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo SG,


    viel habe ich über die 23. Landungs-Flottille nicht. Die Hauptquelle habe ich aus dem Lexikon der Wehrmacht.


    hier Link zum LdW: http://www.lexikon-der-wehrmac…ott/Landungsflott23-R.htm


    oder hier gibt es Infos zu den Landungsflottillen in Norwegen: http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/km/landung/lfl-nord.htm


    Im Buch "Das Landungswesen in Deutschland seit 1900" von Randolf Kugler, Oberbaum-Verlag von 1989 habe ich folgenden Absatz gefunden:


    "Die zum 1.10.1942 ebenfalls in Swinemünde neuaufgestellte 23. L.-Fl. (Korv.-Kpt. Mehler) folgte mit den SATs "Berkelstroom" und "Soemba", einem LAT und 10 MFP-Neubauten. Der Verband lag über Weihnachten in Oslo und lief dann erst nach Norden weiter . Die Wetterlage verzögerte den Seemarsch, und auch Feindmeldungen zwangen mehrfach zu Zwischenaufenthalten. Nachdem der Verband im Balsfojord bei Tromsö noch einen massierten Angriff sowjetischer Torpedoflugzeuge ohne Verluste abgewehrt bzw. ausmanövriert hatte, erreichte er am 9.4.1943 den Hafen Kirkenes, wo die Flottille durch eine größere Zahl von MFPs der 21. L-Fl. aufgefüllt wurde."


    und folgenden Absatz


    "Auch Teile der 22. und 23.L-Fl. waren ständig zu Sicherungs- und Versorgungsaufgaben Kdt.Altafjord zugeteilt, ohne beispielweise verhindern zu können, daß in der Nacht zum 22.9.1943 britische Klein-U-Boote das Schlachtschiff "Tirpitz" in seinem Netzkasten mit Grundminen angriffen und beschädigten."


    Vielleicht auch interessant:


    "Am 31.12.1943 waren im Kommandobereich des Admirals Polarküste zusammen 73 MFPs der 22. und 23. L-Fl. verfügbar. Hierzu kamen einige wenige MFPs bei HS- und VP-Flottillen der Bereiche Nord- und Westküste....."


    Die Abkürzungen bedeuten:
    SAT = Schwerer Artillerieträger
    LAT = Leichter Artillerieträger
    HS = Hafenschutz-Flottille
    VP = Vorpostenboot-Flottille


    Bei Fragen, einfach melden


    Gruß
    Lothar

  • Hallo,


    anbei noch ein kurzer Pressebericht zur Verwendung der Fährprahme der Kriegsmarine als sogenannte "Kampffähren".
    Quelle: Neue Warte am Inn Nr. 48 vom 29.November 1944, Seite 4


    Gruß, J.H.

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    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,
    bei Narvik waren die Marinefährprahme voll in die Transportaufgaben an der Reichsstraße 50 eingesetzt. Die Organisation Todt, Oberbauleitung Narvik unter Marinebaurat Stampp errichtete an dieser wichtigen Verkehrsader u.a. Anlegestellen für Fähren und MFPs um über die zahlreichen Wasserhindernisse zu kommen b.z.w. die Fahrstrecke zu verkürzen. Es gibt dazu im Bundesarchiv unter der Signatur R50 I/102 einen sehr ausführlichen Plan.
    Gruß Uwe

  • Hallo,
    Im Bundesarchiv Berlin habe ich das Findbuch zur Organisation Todt (R 50 I) eingesehen und dann einige Akten bestellt u.a. die oben genannte. Habe zwar nach Sachen bzw. Bauvorhaben im Reich gesucht, war aber beim durcharbeiten der Akte dermaßen erstaunt was man in Norwegen bis Ende 44 noch alles plante und auch vollendete. Wie der Titel der Akte heißt weiß ich nicht mehr, habe auch keine Ahnung wie man mit Invenio bzw. Argus zum Erfolg kommt.
    Gruß Uwe