Rotes Kreuz

  • Guten Morgen


    Weiss jemand, wie der Einsatz von Mädchen beim Roten Kreuz erfolgte. Wenn jemand eine Krankenpflegeausbildung (Jahrgang 1925) absolviert hatte, konnte man dann zum Roten Kreuz herangezogen werden. Also konkret: Hätte das Rote Kreuz jemanden für einen Einsatz verpflichtet. In diesem Falle in Ostpreußen? Oder wäre das immer freiwillig gewesen?


    Beste Grüsse und vielen Dank


    Karin

  • Hallo,
    Kann meine Mutter nicht mehr fragen (die Zeit ist ja schon bei fast allen abgelaufen--20-30 Jahre zu spät), aber so weit ich in Erinnerung hat sie sich "freiwillig" als Krankenschwester -- nicht Helferin verpflichtet, und kam nach Ihrer Ausbildung in ein Lazarett.
    Bei Kriegsende in ein Reservelazarett wo die Schwestern als "Quasi --oder richtige PW`s" bis zur Auflösung des Lazarettes (mitte ende 1946) arbeiten mussten ( wurde für die Pension angerechnet).
    Erst anschließend ging sie in anderer Stadt in ein städtisches Krankenhaus.


    LG Wolfgang

  • Hallo Karin, hallo Wolfgang,


    " Im 2. Weltkrieg hatte das Deutsche Rote Kreuz das Monopol auf die Freiwillige Krankenpflege in den Kriegslazaretten.
    Konfessionell gebundene Schwestern waren nur für den Einsatz in Heimatlazaretten zugelassen..."


    " Die Einberufung der Schwestern erfolgte durch den Inspekteur des jeweiligen Wehrkreises aufgrund der Notdienstverordnung vom 15.10.1938.
    Die Mutterhäuser hatten bereits vor dem Krieg dem Kommissar für die Freiwillige Krankenpflege diejenigen Schwestern benannt,
    die für den Kriegseinsatz vorgesehen waren. Auch während des Krieges entschieden die Mutterhausoberinnen über die Meldung.
    In jedem Wehrkreis wurde im Verlauf des Krieges eine Mutterhausoberin als Wehrkreisoberin eingesetzt."


    Zitat aus:
    Birgit Panke-Kochinke/ Monika Schaidhammer-Placke: Frontschwestern und Friedensengel; S. 19/ 20


    Karin,
    es wäre wichtig zu wissen, ob Deine Mutter Vollschwester oder Schwesternhelferin war. Man könnte es auf Fotos erkennen.
    Gibt es sonstige Unterlagen von ihr, Berichte, Briefe? Fünfstellige Feldpostnummern würden auf einen Einsatz außerhalb Deutschlands hindeuten.


    Hallo Wolfgang,
    Wenn ich Dich richtig verstanden habe ist Deine Mutter in Kriegsgefangenschaft geraten.
    Weißt Du, welches Reservelazarett das war und wo sie zuvor eingesetzt war?


    Liebe Grüße Christa


    Edith: Habe erst später gemerkt, dass Karin und Wolfgang unterschiedliche user sind. Sorry

    Edited once, last by cmzander ().

  • Guten Abend


    Vielen Dank für die Antworten.
    Es ist etwas kompliziert. Meine Großmutter machte ein 2jähriges Säuglingspflegepraktikum und wollte Hebamme werden. Mit der Hebammenausbildung wurde es im Krieg dann aber nichts. Sie hatte anschliessend ans Krankenpflegepraktikum einen Bürojob. Von dem wurde sie offenbar Ende September 1944 zum Roten Kreuz abberufen. Zumindest sagt das Arbeitszeugnis, dass sie zum Roten Kreuz wechseln würde und daher das Anstellungsverhältnis beendet wird. Sie ging aber dann nicht in den Rot-Kreuz-Dienst. Zumindest wissen wir nichts davon. Daher wollte ich eben wissen, ob man verpflichtet werden konnte und was es eigentlich für Konsequenzen gehabt hätte/hat, wenn man eine Verpflichtung beim Roten Kreuz nicht antrat.
    Ich blicke nicht durch...


    Beste Grüsse


    Karin

  • Hallo Christa,
    habe leider vor einigen Jahren alles von meiner Mutter entsorgt ( Vielleicht habe ich noch ein oder 2 Fotos)
    Sie war in Linz /Donau und dann in Gmunden ( Oberösterreich). Da gab es aber mehrere Lazarette ( vielleicht in Cumberland??)


    Wenn ich Foto finde stelle ich ein.


    LG Wolfgang

  • ...wurde sie offenbar Ende September 1944 zum Roten Kreuz abberufen. Zumindest sagt das Arbeitszeugnis, dass sie zum Roten Kreuz wechseln würde und daher das Anstellungsverhältnis beendet wird. Sie ging aber dann nicht in den Rot-Kreuz-Dienst. Zumindest wissen wir nichts davon.


    Hallo Karin,


    es gibt eine Arbeitsgemeinschaft der Museen des DRK mit Sitz in Luckenwalde und weiterführend das Generalsekretariat des DRK in Berlin. Evtl. sind dort Aufzeichnungen/Dokumente zu ehemaligen Mitgliedschaften oder Anstellungsverhältnissen der Mitarbeiter des DRK aus der NS-Zeit erhalten geblieben? http://museum.drk.de/



    Meine Großmutter machte ein 2jähriges Säuglingspflegepraktikum und wollte Hebamme werden. Mit der Hebammenausbildung wurde es im Krieg dann aber nichts.


    In der NS-Zeit gab es zunächst nebeneinander drei Kategorien von "Schwestern" (später wurde dies umstrukturiert): Die sogenannten "blauen Schwestern", das waren Mitarbeiterinnen in den ganz normalen zivilen Krankenhäusern mit der erforderlichen medizinischen Berufsausbildung, die "braunen Schwestern", das waren Schwestern im Hilfsdienst der NSDAP-Organisation NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt), die von der Partei z.B. zur Betreuung der Bevölkerung in ländlichen Regionen ohne ständige hausärztliche Versorgung (oftmals mit parteiideologischem Hintergrund) eingesetzt wurden und eben die "grauen Schwestern" des DRK, die eine entsprechende Schwesternausbildung durchlaufen hatten (die Farbbezeichnungen sind jeweils von der Farbe der Dienstkleidung der Schwestern abgeleitet).
    Wenn Deine Großmutter ein zweijähriges Hebammenpraktikum in einem zivilen Krankenhaus absolviert hat, wird sie dabei ein für Hebammen erforderliches Maß an medizinischem Grundwissen gelernt haben. Vermutlich war dies die Grundlage für ihre spätere mögliche Tätigkeit als DRK-Schwester?
    Nach der Notdienstverordnung aus dem Jahr 1938, die mehrfach erweitert/ergänzt wurde, hatten alle Deutschen die Pflicht zum freiwilligen Dienst - dies hatte u.a. die Aufhebung eines bis dahin tatsächlich noch bestehenden Beschäftigungsverbotes für Ehefrauen zur Folge. Männer leisteten ihren Dienst i.d.R. z.B. im Reichsarbeitsdienst, für Frauen wurde ein "Pflichtjahr" in Haus- und Landwirtschaft eingeführt. Nach Kriegsbeginn 1939 wurden zunächst nur ledige Frauen dienstverpflichtet, ab 1943 wurde auch diese Regelung aufgehoben und die Dienstverpflichtungen erheblich erweitert: http://www.bpb.de/geschichte/n…ft-und-gesellschaft?p=all


    Gruß, J.H.

  • Hallo Johann


    Das ist sehr spannend. Vielen Dank für die wertvollen Hinweise. Hier kann ich gut weitersuchen.


    Meine Grossmutter war Jahrgang 1925. Ich gehe davon aus, dass sie 8 Jahre Volksschule besuchte. Bei Kriegsbeginn 1939 war sie 14 Jahre alt und wohl gerade mit der Schule fertig. Habe gefunden: "führte man 1938 das Pflichtjahr für Mädchen zwischen 14 und 25 Jahren ein". Konnte man das evt. auch auf einem Bauernhof machen? Ihr Onkel hatte einen Bauerhof und ich weiss, dass sie dort mindestens zeitweise wohnte. Das 2-jährige Praktikum im Krankenhaus war im Sommer 1942 zu Ende, da sie dann einen Bürojob übernahm (Kriegsaushilfsangestellte).


    Die Schwesterntracht auf dem einzig erhaltenen Foto ist übrigens weiß.


    Ein Pflichtjahr gab sie im Lebenslauf aber nicht an. Komisch.


    Im Arbeitszeugnis vom September 1944 steht: "wurde kriegsdienstverpflichtet". Sie ist zu diesem Zeitpunkt dann nicht in den Dienst des Roten Kreuzes eingetreten, sondern ging aus heiterem Himmel aus Liebesgründen weg und heiratete wenige Wochen später. Ist sie in diesem Sinne "desertiert"?


    Viele Grüsse und besten Dank


    Karin

    Edited once, last by Karin222 ().

  • Hallo Karin,



    Meine Grossmutter war Jahrgang 1925. Ich gehe davon aus, dass sie 8 Jahre Volksschule besuchte. Bei Kriegsbeginn 1939 war sie 14 Jahre alt und wohl gerade mit der Schule fertig. Habe gefunden: "führte man 1938 das Pflichtjahr für Mädchen zwischen 14 und 25 Jahren ein". Konnte man das evt. auch auf einem Bauernhof machen? Ihr Onkel hatte einen Bauerhof und ich weiss, dass sie dort mindestens zeitweise wohnte. Das 2-jährige Praktikum im Krankenhaus war im Sommer 1942 zu Ende, da sie dann einen Bürojob übernahm (Kriegsaushilfsangestellte).


    Die Ableistung des Pflichtjahres für junge Frauen war zunächst in der Haus- und Landwirtschaft vorgesehen, im Anhang hab ich Dir dazu noch mal etwas rausgesucht.



    Die Schwesterntracht auf dem einzig erhaltenen Foto ist übrigens weiß.


    Ohne das Bild gesehen zu haben würde ich mal folgern, dass es sich dabei um "Überbekleidung" oder sogar OP-Bekleidung handelt, die während der Arbeit zum Schutz der normalen Schwesterntracht über dieser getragen wird (Schürze, Vorbinder, Kittel u.ä.). In weißer Farbe deshalb, da sich weiße Wäsche als "Kochwäsche" waschen und sterilisieren lässt, ohne auszubleichen - bei blutbeschmutzter Arbeitskleidung in der Kranken- und Verwundetenversorgung zwingend erforderlich. Ist auf dem Bild vielleicht erkennbar, ob Deine Großmutter eine Halsbrosche an der Kleidung trägt? Eine weiße Schwesterntracht könnte natürlich auch ein Hinweis auf eine Ordensschwester sein, die Schwestern vom Orden der Franziskanerinnen tragen z.B. eine weiße Schwesterntracht.



    Ein Pflichtjahr gab sie im Lebenslauf aber nicht an.


    Es sollte aber damals durch das Arbeitsamt mit einem Eintrag im Arbeitsbuch Deiner Großmutter der Nachweis für die Ableistung ihres Pflichtjahres erfolgt sein.


    Gruß, J.H.

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    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

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  • Hallo Johann


    Tolle Quelle, herzlichen Dank! Darin steht, dass demnach eine "zweijährige geordnete Tätigkeit im Gesundheitsdienst" als Pflichtjahrdienst angerechnet wurde. Landdienst bei Verwandten geht auch, aber nur wenn sie vier oder mehr Kinder haben, was nicht der Fall war beim Onkel meiner Großmutter. Ich tippe daher auf das Krankenhauspraktikum. Das besagte Bild hat hinten vermerkt: "Praktikum für Hebammenschule und Krankenschwester 1940-1942. Im August 1942 war dann der Stellenantritt im Bürojob. Sie trägt eine weisse Krankenschwesterkleidung mit Ärmeln bis zum Ellenbogen. Hochgeschlossen. Schwesternhaube. Und einen Säugling auf dem Arm. Also keine OP-Kleidung, aber eventuell aus Hygienegründen in der Säuglingspflege ein weisser Kittel. Keine Anstecknadel, keine Brosche, nichts dergleichen. Da sie evangelisch war, käme nur Diakonisse in Frage. Schließe ich aber eigentlich aus. Es ist auch keine typische Diakonissenhaube. Die sind hinten in Falten, wenn ich mich recht erinnere.


    Sie war also eigentlich für einen Einsatz beim roten Kreuz qualifiziert. Es ist ohnehin verwunderlich, dass sie 42-44 im Büro war.


    Was die Einberufung zum Roten Kreuz Ende September 1944 betrifft (kurz vor der 1. Evakuierung in Ostpreußen), bin ich immer noch ratlos. Sie hätte ja wohl zu diesem Einsatz hinmüssen.


    Beste Grüsse


    Karin