Saving private Stanitzek

  • Hallo Forumsbenutzer,
    Paul Stanitzek und seine zwei Brüder waren Frontsoldat in Januar 1942. Als Paul Stanitzek nach schwerer Verwundung 19 Januar 1942 im Lazarett Warschau war gestorben, dürfte ein (Fritz) von seine zwei Bruder (Fritz und Hans) nach hause gehen und war nicht langer Frontsoldat.
    Ich kenne so etwas aus Saving Private Ryan, aber ich habe niemals geahnt das dies auch in Deutsland während der zweite Weltkrieg stattfand.
    Ist dies was ich jetzt erzähle ein Ausnahme, oder war dass Regel in der Deutsche Wehrmacht?
    Bitte, ich bin neugierig nach ein antwort!
    Grüsse, J.P. Bijl.

    J.P. Bijl

  • Hallo Jaap,


    das war wohl eher die Ausnahme oder ein Zufall - und der Grund dürfte auch nicht im Tode des Bruders gelegen haben. Oder nicht unmittelbar, in vielen Familien wurde auf so etwas keine Rücksicht genommen. Auch in meiner nicht.


    Ein Grund könnte sein, dass ein kriegswichtiger Betrieb vor dem Nichts stand...


    Gruß,
    Arnold

  • Es gab während des Krieges in Deutschland mehrfach Schutzbestimmungen, die dazu führen konnten, daß bestimmte Soldaten aus der Wehrmacht entlassen oder zumindest aus der kämpfenden Truppe versetzt werden konnten.


    Dazu zählten einmal Väter kinderreicher Familien (5 und mehr Kinder), zum anderen aber auch letzte Söhne (nur bis September 1943), oder einzige Söhne, deren Väter als deutscher Soldat im Weltkriege gefallen waren oder aus Familien stammten, die bereits 1914-18 oder im 2. Weltkrieg Blutopfer gebracht hatten. Die näheren Einzelheiten finden sich im Absolon, Band 5, Seite 312ff. mit genauer Angabe der Daten und Aktenzeichen der verschiedenen Erlasse.

  • Dieses wurde im Verordnungsblatt der Waffen-SS, 3.Jahrgang, 1942, Nr. 22 vom 15.11.1942, nach Veröffentlichung im Heeres-Verordnungsblatt, hinsichtlich der Angehörigen der Waffen-SS bekannt gegeben:


    „ Nachweisung über Angehörige der Waffen-SS auf die die Bestimmungen über „Zurückziehung von Soldaten aus der kämpfenden Truppe aus besonderem Anlaß“ (H.V.Bl. 1942/B Ziff. 757 u. V.Bl.d.W.-SS 1942 Ziff. 413) Anwendung finden


    Gruppe I (Einzige Söhne)


    a) Vater im gegenwärtigen oder Weltkrieg gefallen (Ziff. III, 1a o.a.Erl.)
    b) Vater nach dem Kriege an den Folgen einer Verwundung oder an einem als Kriegsbeschädigung anerkannten Leiden verstorben (Ziff. III, 1b, o.a.Erl.)
    c) Unehelicher Sohn, Erzeuger im Weltkrieg gefallen, Voraussetzungen nach Ziff. III, 1c o.a.Erl. sind erfüllt
    d) Vater im Weltkrieg gefallen, Witwe neue Ehe eingegangen, Stiefvater hat den einzigen Nachkommen unter gleichzeitiger Namensänderung an Kindesstatt angenommen (Ziff. III 1d o.a.Erl.)
    e) Vater durch eine im Weltkrieg erlittene Kopfverletzung unheilbar geisteskrank (Ziff. III 1c o.a.Erl.)
    f) Vater während der Kriegsgefangenschaft gestorben (Ziff. III 1f o.a.Erl.)
    g) Vater nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft an den Folgen er schlechten Behandlung während der Kriegsgefangenschaft gestorben (Ziff. III 1g o.a.Erl.)
    h) Vater gefallen, von 4 Söhnen 2 Söhne gefallen (Ziff.III 1h o.a.Erl.)


    Gruppe II (Letzte Söhne, deren Vater noch lebt)


    a) Von 2 Söhnen 1 Sohn gefallen (Ziff. III 2a o.a.Erl.)
    b) Von 3 Söhnen 2 Söhne gefallen (Ziff. III 2 b o.a.Erl.)
    c) Von 3 Söhnen 1 Sohn gefallen, 1 Sohn als Soldat verstorben (Ziff. III 2c o.a.Erl.)
    d) Von 4 Söhnen 3 Söhne gefallen (Ziff. III 2d o.a.Erl.)
    e) Von 4 Söhnen 2 Söhne gefallen, 1 Sohn schwer verwundet (Ziff. III 2e o.a.Erl.)


    Gruppe III
    Vater von 5 und mehr lebenden, ehelichen oder an Kindessattt angenommenen, unversorgten Kindern (Ziff. III 3 o.a.Erl.)


    Anmerkung: Es sind nur die Gruppen und Untergruppen in die Nachweisung aufzunehmen, die für die Meldung benötigt werden)“


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Alle,


    mir liegt der abschlägige Bescheid auf ein entsprechendes Gesuch
    (Versetzung des letzten Sohnes an weniger gefährdete Stellen der Front bzw. Heimat) vom 02.11.1943 vor.
    Wörtlich:"Die Schutzbestimmungen für einzige und letzte Söhne sind aufgehoben worden."


    Also: Es gab solche Bestimmungen, allerdings wohl nur bis zur Ausrufung des 'Totalen Krieges' nach Stalingrad.


    Grüße.
    Frank.

  • Quote

    Original von RolandP
    Dieses wurde im Verordnungsblatt der Waffen-SS, 3.Jahrgang, 1942, Nr. 22 vom 15.11.1942, nach Veröffentlichung im Heeres-Verordnungsblatt, hinsichtlich der Angehörigen der Waffen-SS bekannt gegeben:


    „ Nachweisung über Angehörige der Waffen-SS auf die die Bestimmungen über „Zurückziehung von Soldaten aus der kämpfenden Truppe aus besonderem Anlaß“ (H.V.Bl. 1942/B Ziff. 757 u. V.Bl.d.W.-SS 1942 Ziff. 413) Anwendung finden


    Kleine Ergänzung:


    MfG Andreas

  • Ich bin im Vermisstenforum noch aktiv,..
    wir haben da ein paar Fälle, auf die das zutreffen könnte.



    Frage: haben wir da einen Art zentrale Sammelstelle für solche "Zurückstellung",...oder gab das nur in der Division oder so ??


    JOschi

  • Quote

    Original von Joschi
    Frage: haben wir da einen Art zentrale Sammelstelle für solche "Zurückstellung",...oder gab das nur in der Division oder so ??


    Hallo wir helfen ja alle gerne, kannst du die Frage etwas ausführlicher stellen ?


    MfG Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • Hallo zusammen


    Vor einiger Zeit hat in unserer Regionalzeitung mal ein Artikel über eine Familie aus dem Oderbruch gestanden ,die hatten 11 Kinder.
    Davon 9 Söhne die alle im Krieg blieben !!!


    Wenn man auf Friedhöfen geht, steht auf den Grabsteinen manchmal
    im Gedenken an unsere Söhne.
    Steine mit 3 oder 4 Namen darauf ist daher eher der Normalfall.
    Und wenn man Pech hatte haben sie den Vater noch zu Volkssturm
    geholt !


    Gruss Erich

    Freiheit ist das Recht anderen zu sagen was sie nicht hören wollen.
    George Orwell

  • Hallo Andreas,


    Quote

    … Kleine Ergänzung:…. ..


    vielen Dank für diese ergänzenden Angaben!!!
    Das war mir so auch nicht bewusst!!! ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Andreas/alle,.



    wenn ein Soldate zurück durfte, aufgrund der vorliegenden Regelung, gab es da eine znetrale Sammelstelle, bei welcher vermerkt wurde, "Soldat Schmitt zurück in die Heimat wegen zwei Brüdern im Felde", oder so etwas ähnliches ???
    eine Art Kartei, wo alle die notiert waren/wurden,...


    Joschi

  • Hallo zusammen,


    kann es sein, dass für die Waffen-SS andere Regelungen betr. einziger und letzter Söhne galten?
    Wenn ja:
    Hat evtl. jemand die die Wehrmacht betreffenden Vorschriften dazu?


    Grüße.
    frank.

  • Mein Großvater Theodor Heinrich Gerdes fiel mit 8 Kindern unter diese Regelung. Aufgrund dieser wurde er wie die Feldpostnummer 15752 aussagt in der 3.Kompanie des Nachschub-Bataillons 690 eingesetzt.
    Am 15.09.1944 ist er als Grenadier der 2.Kompanie des Grenadier-Regimentes 506 bei Winiarki (Nähe Zawichost) gefallen. Also irgendwo dazwischen ist auch diese Regelung über den Haufen geworfen worden.


    Ich hab mal die beiden relevanten Schreiben eingescannt und ein Foto meines Großvaters:



    PS Ich habe die Anschrift unkenntlich gemacht, Raffael

  • Morgen,


    zwar passend zum Thema aber falsche Zeit, ich weiss. Aber man kann sehen das es 1918 noch nicht wirklich eine Regelung gab.


    Gruß Oliver


    [Blocked Image: http://s14.directupload.net/images/130926/4x9cawol.jpg]
    [Blocked Image: http://s7.directupload.net/images/130926/8zid9tkw.jpg]
    [Blocked Image: http://s7.directupload.net/images/130926/85nsm4j9.jpg]


    "1918 noch nicht wirklich keine Regelung ..."
    geändert zu "... eine Regelung"; kkn

    Tradition zu wahren, zu pflegen ist nicht die Anbetung der Asche. Es ist die Weitergabe des Feuers.
    *Erst wenn der letzte Soldat bestattet ist, dann ist der Krieg zu Ende* http://www.verdun14-18.de

  • Guten Tag ans Forum,


    der Onkel meines Vaters wurde im April 1942 „als einziger Namensträger“ (Vater und Mutter gestorben, Bruder gefallen) aus der kämpfenden Truppe herausgezogen.
    Grundlage war das H.V.Bl.1941-B-Nr.768.
    .Er war als „Zwölfender“ Brückenbau-Pionier und hatte bis dahin am Polen-, West- und Ostfeldzug teilgenommen.
    Nun wurde er Ausbilder in Wehrertüchtigungslagern.
    Obwohl er sich ja bei Fronttruppenteilen bewährt hatte und von seiner Dienstzeit als Unteroffizier her hätte befördert werden können, geschah nichts in diese Richtung.
    Im Juli 1943 war er dann kein Ausbilder mehr, sondern „Auszubildender“ und wurde zum Infanterie-Pionier „umgeschult“.
    Ein Gruppenführer-Lehrgang schloss sich daran an und am 01.02.1944 wurde er zum Feldwebel befördert.
    Am 02.02.1944 kam er dann mit seiner neuen Fronteinheit, dem Grenadier-Regiment „Feldherrnhalle“ nach Estland an die Ostfront.
    Am 26.02.1944 fiel er bei Auvere (Auwere) westlich Narwa.


    Leider geht aus den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen (u.a. Deutsche Dienststelle) nicht hervor, ob Onkel Paul an die Front zurückkehren musste oder freiwillig wieder zur Fronttruppe wollte.
    Zur erwähnten Quelle habe ich nichts Schriftliches.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

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