Die Bergführer der deutschen Ordnungspolizei

  • ... Die deutsche Ordnungspolizei hat nach der Besetzung Norwegens in Turtagrö (Horunger Gruppe im Jotunheimengebirge) einen Ausbildungsstützpunkt eingerichtet. Die offizielle Bezeichnung lautete „Hochgebirgsausbildungsschule der Ordnungspolizei in Norwegen“ ...


    Hallo,


    anbei ein kurzer PK-Bildbericht zur Hochgebirgsschulung in Jotunheimen/Norwegen. Namentlich werden in dem Bericht die beiden Polizeibergführer Hauptwachtmeister Lomberger und Zugwachtmeister Scholz genannt, als Berichterstatter ein Pol.-Hptm. Beuge.

    Quelle: Innsbrucker Nachrichten Nr.261 vom 5.November 1941, Seite 3


    Gruß, J.H.

  • Hallo Berggeist und alle weiteren Interessierte,


    ich habe mal die bisher erwähnten oder mir aus anderen Dokumenten bekannten Bergunterkünfte für die verschiedenen Lehrgänge der Hochgebirgsschule der Polizei zusammengestellt.

    Vielleicht gibt es ja noch Ergänzungen.

    Karl Grohmann hat geschrieben, dass die Alpenvereinshütten für Zwecke der Polizei und Wehrmacht "enteignet" wurden. Dies dürfte jedoch nicht in allen Fällen zutreffen.

    Wie ich bereits erwähnt habe, gab es einen regen Schriftwechsel mit der Sektion für die Regensburger Hütte, wo es um die Nutzung ging. Von Enteignung kann also, zumindest in diesem Fall keine Rede sein.

    Möglicherweise galt das für bestimmte Hütten, die ständig genutzt wurden (z.B. Wiesbadener Hütte als Hauptstützpunkt), während die anderen Unterkünfte nur bei Bedarf angemietet wurden. Vielleicht kann jemand diesen Punkt auch noch klären.


    Polizeieigene Ski-Schulen


    Oberjoch

    Sudelfeld

    Kitzbühel (?)

    Witow b. Zakopane


    Alpenvereinshütten


    Wiesbadener Hütte / Silvretta (am häufigsten für Bergführerlehrgänge genutzt)

    Franz-Senn-Hütte / Stubaital

    Knorrhütte / Zugspitzgebiet

    Dresdner Hütte

    Regensburger Hütte

    Similaunhütte / Oberstes Schnalsertal

    Gerlossteinhütte

    Grödnerjoch-Hospiz


    Sonstige Unterkünfte


    Hotel Sorapis / Misirunasee (Kampfausbildungslehrgänge)

    Ital. Zollhütte / Innerpflersch

    Lager Eben / Achensee


    Herzlichen Gruß

    Dieter

  • Hallo,


    anbei noch ein kleines Fundstück zu einem Gend.-Hauptwachtmeister und Polizei-Bergführer.

    Quelle: Gräberdatenbank Volksbund u. Innsbrucker Nachrichten Nr. 283 vom 30.November 1943, Seite 6

    Hallo zusammen,


    bezüglich der Unterstellung der Hochgebirgskompanie und des Todesortes/Grabstätte von Max Innerkofler gibt es folgende Information (Quelle Deutsche Dienststelle) im Dokumentenforum:


    Einheit. SS-Pol.-Rgt. 15

    Gefallen in Mesenzana

    Bestattet in Mailand


    Es grüt Euch

    Dieter


  • Hallo Marcus, hallo Peter

    und alle Interessierten.


    ich kann zu den aufgeworfenen Fragen die entsprechenden Antworten geben.


    Vorbemerkung:

    Marcus, Du schreibst, dass ab Frühjahr 1944 die Schutzpolizei Marburg die Beamten zur San. Ausbildung nicht mehr nach Berlin, sondern nach Wien abgeordnet hat. Dabei handelt es sich sicherlich um die normale San-Ausbildung für die San-Stelle der Dienststelle.

    Außerdem bezeichnest Du die Schutzpolizei-Bereitschaft als "Kampfeinheit" der Behörde. Insoweit ist es nicht "unlogisch" dass ein Angehöriger, auch wenn er dem Wachzug angehört, über entsprechende San.-Ausbildung für den Einsatz verfügt.


    Nun zu den Fakten:


    Die Hochgebirgsschule führte folgende Lehrgänge durch:

    1. Alpin-Ausbildungs-Lehrgang für San.-Personal vom 2.7.44 - 23.7.44

    2. Alpin-Ausbildungs-Lehrgang für San.-Personal vom 20.7. 44 - 20.8.44


    Weiterhin gab es einen 1. San.-Alpin-Winterlehrgang 1944-45.


    Von diesem liegt mir der Entwurf des Ausbildungsplanes vor, der eindeutig belegt, dass es sich um keine Lehrgänge für San.-Beamte des polizeilichen Einzeldienstes handelt


    A u s b i l d u n g s p l an


    1. Woche


    1. Vorbereitende Körperübungen mit Schi

    2. Formale Schiausbildung

    - Grundstellung mit Schi

    - Hinlegen, Aufstehen, Sturz

    - Laufschule

    - Wendungen

    - Aufstiegsarten

    - Abfahrtsschule

    - Bremshilfen


    3. Theoretische Ausbildung

    - Einführung in die Winterausbildung

    - Zweck des Lehrganges

    - Gefahren der Alpen


    2. Woche


    Theoretische Ausbildung

    - Seilgebrauch

    - Techn. Hilfsmittel

    - Schutz gegen Kälte und Schnee

    - Alpinismus im Hochgebirge im Weltkrieg 1915 - 1918

    - Besondere Taten im Alpenkrieg 1915 - 1918

    - Die höchste Geschutzstellung des Weltkrieges am Ortler


    Gefechtsdienst auf Schi


    - Trageweise von Waffen und Gerät

    - Vorarbeiten auf Schi

    - Fertigmachen zum Gleiten, Kriechen u. Sprung

    - Anschlagsarten

    - Geländeläufe mit Gefechtsübungen u. Bergen von Verwundeten mit Bootsakja

    - Marsch und Rast im Gebirge

    - Tarnung im Hochgebirge


    Praktische Ausbildung

    - Schwungschule

    - Übungsbergfahrten im mittelschweren und schwierigen Gelände

    - Seilknoten, Anseilarten

    - Seilfahrten

    - Schilauf nach Marschskizze

    - Biwak im Schnee

    - Bau von planmäßigen und behelfsmäßigen Verwundetentransportmittel

    - Abtransport von Verletzten

    - Bau von behelfsmäßigen Unterkünften (Schneehhütte, Dachsbau, Zelt und Waldhüttenbau

    - Suchen und Bergen von Verwundeten im Schnee bei Lawinenunglück

    - Orientierungsübungen

    3. Woche


    Theoretische Ausbildung

    - Bergrettungsdienst und Zusammenarbeit mit der Wehrmacht

    - Kälteschutz der Verwundeten

    - Wiederholung des bisher durchgenommenen Lehrstoffes


    Praktische Ausbildung

    - Übungsbergfahrten, als Einlage Abtransport der angeblich Verunglückten bzw. Verwundeten

    - Ausbildung mit dem Stahlseilgerät

    - Abseilen eines Verwundeten

    - Anfertigen einer planmäßigen Seilbahn für Verwundetentransport


    Abschlussprüfung



    Bei dieser Ausbildung steht eindeutig fest, das es sich um Fertigkeiten für den Kampfeinsatz im Hochgebirge für San.-Personal handelt.

    Es kann sicherlich davon ausgegangen werden, dass bei den San-Ausb.-Lehrgängen im Sommer ebenfalls ähnliche Inhalte vermittelt wurden.

    Ob es neben den oben erwähnten Lehrgängen noch weitere für San.-Personal gab ist mir nicht bekannt, ich halte es aber für eher unwahrscheinlich


    Herzliche Grüße

    Dieter

  • Guten Tag ans Forum und an Dieter,


    danke für Deine Ausarbeitung, die Du freundlicherweise auch an Marcus und mich gerichtet hast.

    Was die deutsche Polizeigeschichte betrifft, so lernt man glücklicherweise nie aus, da so immer wieder die Neugier geweckt wird.

    Mir ist bekannt, dass in den Zeitschriften "Der deutsche Polizeibeamte", bzw. "Die deutsche Polizei" relativ viele Artikel zum Thema Polizei und Skilaufen, Skisport, Berghütten, Hochgebirge, Wintereinsatz und so weiter und so fort stehen. Bisher habe ich solche Artikel meist nur überflogen. Ob ich mein Leseverhalten aus erweckter Neugier heraus ändern sollte?


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter


    P.S.: Hatte wohl zur falschen Zeit auf einen falschen Knopf gedrückt. Habe ich sofort korrigiert.

    (PH)

    Edited 3 times, last by Danuser ().

  • Hallo Berggeist und alle weiteren Interessierte,


    Lehrgänge der Hochgebirgsschule fanden erst 1944 statt.Vorwiegend waren es Kampfausbildungslehrgänge.

    Als Unterkunft diente das Hotel Sorapis, welches auch heute noch existiert. Fotos sind im Internet zu finden.


    Folgende Lehrgänge sind bekannt.


    28.7. - 28.8.1944 Rettungsdienst-Lehrgang 45 Teilnehmer

    1.9. - 30.9.1944 1. Kampfausbildungslehrgang 25 Teilnehmer

    3.10.- 4.11.1944 2. Kampfausbildungslehrgang 40 Teilnehmer

    8.11. - 21.11.1944 Unterweisungslehrgang der

    Unterführer der Schule 14 Teilnehmer

    15.11. - 16.12.1944 3. Kampfausbildungslehrgang 40 Teilnehmer


    Herzlichen Gruß und schönes Wochenende

    Dieter

  • Kommandeure der Hochgebirgsschule Innsbruck


    Hallo zusammen,


    unter dem damaligen Kommandeur der Gendarmerie Tirol, Oberst der Gendarmerie Joseph Albert, fanden ab 1938 die ersten Ausbildungs-Lehrgänge für den alpinen Bereich statt.

    Im Erlaß des RFSSuChdDtPol vom 17.10.1941 wurde die Errichtung einer Hochgebirgsschule der Ordnungspolizei in Innsbruck angeordnet.


    Bis zur Ernennung eines Kommandeurs wurde Oberst d. Gend. Albert mit der Führung beauftragt.

    Er wurde dann auch für die nächsten drei Jahre Kommandeur und 1944 zum General befördert. Seine neue Funktion ist mir leider nicht bekannt.


    Nachfolger wurde Oberstleutnant Lukas, der die Schule vermutlich bis Kriegsende führte.


    Ich würde mich freuen, wenn unsere Spezialisten biographische Daten zu diesen beiden Kommandeuren mitteilen könnten. Im Voraus meinen besten Dank.


    Es grüßt Euch

    Dieter

  • Hallo Dieter und Forum,


    da haben wir:

    Josef Albert, geb. 10.06.1885,

    NSDAP ab 22.04.33, Nr. 1604324,

    keine SS-Zugehörigkeit,

    Oberst d.Gend. m.W.v. ?, RDA. 20.04.1940,

    Gen.Major d.Gend. m.W.v. 01.01.44, RDA. 30.01.44.


    Johann Lukas, geb. 20.06.1899,

    NSDAP ab 01.05.1938, Nr. 6136337,

    keine SS-Zugehörigkeit,

    Major d.Gend. m.W.v. 06.01.1938, RDA. 06.01.1937,

    Oberstltn. d.Gend. m.W.v. 01.06.1942, RDA. 21.06.1942.


    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Werner,


    herzlichen Dak für die schnelle Antwort. Man kann sich doch auf Dich verlassen.


    Schönen Sonntag und bleib gesund

    Dieter

  • Hallo Dieter,

    Bis zur Ernennung eines Kommandeurs wurde Oberst d. Gend. Albert mit der Führung beauftragt.

    Er wurde dann auch für die nächsten drei Jahre Kommandeur und 1944 zum General befördert. Seine neue Funktion ist mir leider nicht bekannt.

    Generalmajor d.Polizei Josef Albert war im Januar 1944 (Planstelle Graz) abgeordnet als KdO Bozen

    Quelle T175-R7 #1208 (RMI-Schreiben vom 30.1.1944 - Beförderung zum Generalmajor d.Polizei)


    Grüße Frank

  • Hochgebirgsschule der Ordnungspolizei - Ausbildungsstützpunkt Misiruna


    Hallo Interessierte,


    nach einer Personalaufstellung der Hochgebirgsschule gehören (ständig?) zum Ausbildungsstützpunkt Misurina:


    Pol.-Sekr. Moosbrugger, Otto, Verw.-Beamter

    ROW d.Sch. Dermetz, Vinzenz, Verwaltungsgehilfe

    BOW. d.Gend. Stadelwieser, Hermann, Unterführer

    Obw. d.Gend.d.Res. Schranzhofer, Anton, Unterführer


    Herzliche Grüße

    Dieter

  • Moin zusammen,


    hier ein Hinweis auf 2 Lehrgänge:

    29.08.1942-13.10.1942 Hochgebirgsschule der Ord.Pol.Innsbruck

    01.05.1943-21.05.1943 1.Bergführeranwärter-Lehrgang Hochgebirgsschule der Waffen-SS


    Knapp, Wilhelm.jpg

    (Quelle: SSO SS-Hstuf d.Res. Wilhelm Knapp, *21.09.1910 Basel, 01.1943-09.1943 7.SS-Freiwilligen-Gebirgsdivision "Prinz Eugen"

    Wilhelm Knapp, Rechtsanwalt und Richter in der Schweiz, war 24.10.1941-19.01.1942 Angehöriger der Schweizer Ärztemission für die Ostfront (Smolensk, Zahlmeister) und wurde am 17.07.1942 mit Wirkung vom 1.06.1942 für die Dauer des Krieges als SS-Ostuf d.Res. in der Waffen-SS eingestellt.)

    Grüße Frank




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