Wast-Unterlagen bekommen- suche Informationen zu meinem Großvater

  • Hallo Michael,


    danke für die Hilfe habe dir eine private Nachricht geschrieben, weiß aber nicht ob du sie bekommen hast.


    Habe gerade deinen link geöffnet, und die Fragen sind sehr hilfreich.


    Gruß Gabriela

  • Hallo, Gabriela, u.a. a.,


    anliegend eine Karte "Heiligenbeiler Kessel Ende März 1945".
    Das Kriegstagebuch (KTB) des AOK 4 endet leider im Februar 1945. Das KTB für den späteren Zeitraum wurde beim Rückzug zwischen Allenstein und Königsberg vergraben, 2004 gefunden und in ein russisches Archiv gegeben. Inwieweit inzwischen Daten aus diesem KTB verfügbar sind, ist mir unbekannt.


    Zwei KTBs des AOK 4 stehen zum Download im Forum Axis zur Verfügung. In Rolle 262 befinden sich im hinteren Teil sehr gute Lagekarten, aber wie gesagt nur bis Februar 1945.
    https://forum.axishistory.com//viewtopic.php?f=48&t=223939
    Auf T312 klicken, bei One Drive die Rollen T312 R261 und 262 herunterladen, wenn Du magst.


    Vielleicht von Interesse:


    Kämpfe des XXVIII. Armee-Korps um Memel und im Samland Ende 1944 und Anfang 1945
    http://www.forum-der-wehrmacht.de/index.php/Thread/19213-Kämpfe-des-XXVIII-Armee-Korps-um-Memel-und-im-Samland-Ende-1944-und-Anfang-1945/?
    postID=180297#post180297


    Eine gute Karte vom Pillauer Gebiet
    http://maps.mapywig.org/m/Germ…TK25/1385_Pillau_1936.jpg


    Mit Gruß - Margarete

  • Vielen Dank Margarete,
    habe heute deine Antwort gelesen.
    Die Karte fand ich sehr interessant. Ich werde noch in dieses andere Forum gehen um die Kriegstagebücher zu lesen.


    Bei der Karte habe ich gesehen wo zu der Zeit die 24. Panzerdivision gekämpft hat. Doch mein Großvater kam ja ins Lazarett nach Pillau und in kein Lazarett was jetzt da in der Nähe der 24.Panzerdivision gewesen wäre. Das ist für mich ein Rätsel, da es ja alleine von Rosenberg bis nach Pillau ca. übers Haff , 6 Std mit dem Schlitten sind. So frage ich mich immer noch wo mein Großvater am 21.März 45 gekämpft hat, weil am 22. ist er ja schon in Pillau gestorben.
    Hier im Forum habe ich von einem Mitglied gelesen, dass sein Grossvater auch ein Granatsplittersteckschuss hatte auch am Knie, doch der hat es überlebt und konnte dann noch mit dem Schiff in sichere Gefilde kommen.
    Ich finde es so schade, dass es mein Grossvater nicht mehr geschafft hat, am 28.März war eh der Rückzug, ich glaube mit einem der letzten Schiffe.
    Sein Tod und so ging es sicher vielen Familien, war für die Familie meines Vaters ein großer Einschnitt, ein Schicksalsschlag und ich frage mich manchmal, was wäre geworden wenn der Großvater zurückgekommen wäre.
    Doch bei den Erlebnissen, bei dieser Hölle, wäre es für die Familie vielleicht genauso schlimm gewesen so einen Ehemann und Vater dann mitzutragen bez. auch auszuhalten.
    Ich staune auch immer wieder was ihr hier schon für ein großes Wissen habt und auch wo man es findet und worauf man zurückgreifen kann. So als ob ihr euch schon Jahre damit beschäftigt.
    Grüße Gabriela

  • Hallo Gabriele,


    bitte beachte die Datumsangaben auf der Karte von Margarete. Am 13.3.45 ist noch eine durchgängige Frontlinie mit einzelnen darin eingeordneten Divisionen erkennbar, so z.B. die 24. PD einige km südlich von Braunsberg. 10 Tage später d. 23.3. (dem Todestag Deines Großvaters) gibt es zwar auch noch eine Frontlinie, aber die dürfte mehr Fiktion als Fakt gewesen sein. Es werden auch keine Einheiten mehr verzeichnet.
    Die sechs Eisstraßen für Flüchtlinge über das Haff lagen von Heiligenbeil ausgehend westlich. Das Frische Haff war nur bis Ende Februar soweit zugefroren, dass die Flüchtlinge darüber ziehen konnten zur Frischen Nehrung. Von Balga - etwas nördlich von Heiligenbeil - aus gab es durchgehend eine eisfreie gehaltene Wasserrinnen nach Pillau. Dein Großvater wird also mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht auf einem Schlitten das Haff nach Pillau überquert haben, sondern mit einem Boot, Schiff oder einer Fähre.
    Wann genau das gewesen ist wird sich nicht mehr feststellen lassen.


    Anliegend noch eine Karte von Pillau aus den 1940iger Jahren in die nachträglich die Lage von vier deutschen Feldgräberarealen eingezeichnet wurde.


    Gruß


    Paul

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  • Hallo Paul
    vielen Dank für die Karte! Es sind also 4 Gräberfelder eingezeichnet und gehören diese alle zu Pillau? Kann man denn dann auch davonausehen, dass bei jedem Gräberfeld ein Lazarett stand? Wie mir die Dame von der dtsch. Kriegsgräberfürsoge mitteilte würde mein Großvater auf einem großen Soldatenfriedhof liegen, mit anderen zusammen, doch noch nicht gefunden so dass er umgebettet werden könnte ins Molegrab.
    Welcher Friedhof könnte dies dann sein?
    Auch habe ich mich jetzt mit den Bedingungen von Lazaretten, Ärzten und Verletzten in den letzten Tagen dort, des Krieges, beschäftigt und wenn ich richtig liege, gab es kein Penicillin, dass hatten anscheinend nur Briten und Amerikaner. Weil da ich den Verwundungszettel bez. Lazarettzettel meines Großvaters noch nicht habe ( bei WAST angefordert) weiß ich nicht ob er überhaupt operiert wurde, oder ob der Granatsplitter noch im Knie steckte und sich dann eine Wundrose entwickelt hat.
    Also heute gäbe man ja Penicillin, weil was ich auch traurig finde, dass er vermutlich noch nichtmal am Granatsplitter gestorben ist sondern an Folgekomplikationen. Aber vermutlich weiß ich noch zu wenig über diese Umstände, vielleicht war in diesen Tagen die hygienische Situation schon so schlimm, dass diese Bakterien in seine Wunde eingedrungen sind.
    Kannst du mir oder auch Jemand anderes zu meinen Fragen noch etwas sagen? Oder Bücher empfehlen? Ich habe mir jetzt noch ein Buch bestellt : Peter Bamm, die unsichtbare Flagge.


    Grüße Gabriela

  • Hallo Gabriela,


    Treffer von Granaten waren immer risikobehaftet mit Folgekomplikationen weil oftmals auch Uniformteile, Erde oder Dreck tief mit in die Wunde kamen. Deshalb auch meist die rigorose Praxis des sofortigen Amputierens,
    Sich entwickelnder Gasbrand konnte bereits nach 5 Stunden zum Tod führen. Die Wundrose hätte nicht zwingend zu einer Sepsis und den Tod führen müssen. Hier kommen wahrscheinlich mehrere unglückliche Umstände zum Tragen.
    Der Winter (vermehrtes Auftreten) und ein geschwächtes Immunsystem durch wochenlangen harten Kampf bei Eis und Schnee. Natürlich auch eine katastrophale Erstversorgungs- und Transportlage, allein für den 19.03. belief sich
    der tägliche Verwundetenanfall in Heiligenbeil auf 10.000 Soldaten. Das ging weit über zu bewältigende Großkampftage hinaus und lies sich hygienisch nur auf bescheidenem Level lösen.


    Ja ich kann mir sogar vorstellen, dass es für meinen Großvater eine Erlösung war zu sterben.Es muss die Hölle gewesen sein und welche Sinnlosigkeit!


    Der Mensch hängt doch mehr an seine Leben als wir uns das aus dem normalen Arbeits- und Couchalltag vorstellen können. Das mit der Sinnlosigkeit mag für viele Kriegsschauplätze der Jahre 44 und 45 gelten
    Aber bei den Kämpfen in Ostpreußen bekam jeder täglich vor Augen geführt, wie die nach dem Dreißigjährigen Krieg über Jahrhunderte mühsam aufgebauten Regelwerke zum Krieg und zur Behandlung der Zivilbevölkerung
    eingerissen wurden. Dein Großvater wird über Wochen das ganze Elend und die mit Flüchtlingstrecks überfluteten Strassen mitbekommen haben, ja mitunter im Gegenstoß wieder freigekämpft haben.
    Von daher war es ein Kampf mit dem "Mut der Verzweiflung", großartiges Nachdenken gab es angesichts der erdrückenden Masse an zu evakuierenden Zivilisten nicht.


    Ein Halbfranzose der damals in Ostpreußen auf Seiten der Wehrmacht mitkämpfte hat das in seinen Erinnerungen sehr eindringlich zusammengefasst:
    „Hier schlägt man sich mit einer Hartnäckigkeit, die dem Oberkommando Bewunderung abringt,
    einzig und allein in der Hoffnung, daß noch eine Schaluppe übrig bleibt, uns abzutransportieren,
    sobald der letzte Zivilist Memel verlassen hat. Selbst der Kleinmütigste und Durchschnittlichste
    wird hier zum Kämpfer, weil ihm nichts anderes übrigbleibt. In Memel ist nur noch Platz für Leute,
    die kämpfen.
    Kinder, ganz junge Mädchen haben ihre Tränen getrocknet, pflegen die Verwundeten, verteilen Lebensmittel
    und widerstehen dabei tapfer dem Verlangen, sie selbst aufzuessen. Es geht um Tod oder Leben,
    und diese Kinder spüren das, wenn sie auch nicht darüber sprechen oder es erklären können.
    Wer durch diese harte Schule gegangen ist, der wird die Schwierigkeiten eines normalen Lebens nie mehr
    ernst nehmen können.




    Oder Bücher empfehlen? Ich habe mir jetzt noch ein Buch bestellt : Peter Bamm, die unsichtbare Flagge.


    Literatur von Ärzten ist immer gut, die Tragödien und der Einzellfall am seidenen Faden machen den Krieg viel greifbarer als die schieren anonymen Zahlenmengen wo die egene Vorstellungskraft irgendwann versagt.
    Es gäbe diese zwei Tagebuchaufzeichnungen, welche die heraufbrechende Hölle abhandeln, inklusive der Schilderung des elendigen Hungersterbens von 100.000 Königsberger Zivilisten in den zwei Jahren nach Kriegsende.
    Ostpreussisches Tagebuch: Aufzeichnungen eines Arztes aus den Jahren 1945-1947
    Ich sah Königsberg sterben Aus dem Tagebuch eines Arztes


    Oder detailreich im ganz großen Kontext. Der aufmerksame Zeuge vom Anfang 1933 bis zum bitteren Untergang:
    Zeugnis vom Untergang Königsbergs: Ein "Geltungsjude" berichtet


    Auch zu Pillau existiert eine tagesgenaue Chronik wenn du wissen willst wann wo welches Gebäude, Kino oder die Zitadelle mit Verwundeten vollgestopft wurde:
    Nur zu den exakten Grablagen der 8000 Zivilisten und Gefallenen kann man auch dort keine Hilfe erwarten
    Pillau. Chronik eines Untergangs, Helmut Blocksdorf



    Viele Grüße
    Malte

  • Hallo Gabriela,


    Du schreibst:
    "Wie mir die Dame von der dtsch. Kriegsgräberfürsoge mitteilte würde mein Großvater auf einem großen Soldatenfriedhof liegen, mit anderen zusammen, doch noch nicht gefunden so dass er umgebettet werden könnte ins Molegrab."

    Diese Auskunft hat mich hellhörig gemacht. Sie klingt so, als wenn man beim Volksbund die damalige Grablage in einem sogenannten Kameradengrab / Massengrab verzeichnet hat, aber noch keine Gelegenheit hatte für eine Umbettung. Bitte Frage nochmals genau an, telefonisch oder schriftlich, ob eine Meldung zur damaligen Begräbnisstelle vorliegt.


    Beste Grüße


    Paul

    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • Hallo zusammen,
    Hallo Gabriela.


    Quote

    Es sind also 4 Gräberfelder eingezeichnet und gehören diese alle zu Pillau? Kann man denn dann auch davonausehen, dass bei jedem Gräberfeld
    ein Lazarett stand? Wie mir die Dame von der dtsch. Kriegsgräberfürsoge mitteilte würde mein Großvater auf einem großen Soldatenfriedhof liegen,
    mit anderen zusammen, doch noch nicht gefunden so dass er umgebettet werden könnte ins Molegrab.


    zur erste Frage, nein nur die drei rechts. Das linke Gräber sind schon auf der Halbinsel Hela richtig Frische Nehrung ich möchte den Damen und Herren beim Volksbund
    nicht zu nahe treten aber sie sollten das verbreiten von Halbwahrheiten lassen. Mir ist keine belastbar Quelle bekannt die beschreibt wo in Pillau von
    Januar bis März in Lazarette waren und wo die dort Verstorbenen beerdigt worden sind. Was bekannt ist das es deutsche Befehle gab das Grablagen
    bei Räumung der Gebiete unkenntlich gemacht werden musste. Die UdSSR hat auch keine Interessen hier irgendwas zu erhalten oder zu dokumentieren.
    Sie haben das Werk der deutschen, wenn überhaupt, vollendet und alles zu "Wiese" gemacht.. Was dann zufällig, zumeist bei Bauarbeiten, gefunden wurde
    auf der Nordmole bestattet oder eben auch nicht ! Mann muss sich klar machen das Baltjsk einer der Hauptstützpunkte der russischen Ostseeflotte war
    und das ganze war bis vor kurzem Sperrgebiet für "Westler". Was richtig ist das der Volksbund gemacht hat was ging und er hat ca 5000 Personen auf der
    Nordmole zu gebettet und dem Friedhof gestaltet.


    Mir liegt es fern hier bashing zu betreiben aber wenn fragenden mit Geschichtchen, durch aus freundlich, abgespeist werden schwillt mir der Kamm.
    Es könnten anders gehen wenn der Willen da wäre den Datenbestand zu nutzen, aber das ist ein anderes Thema !


    Die Chronik von Blocksdorf ist leider vom 2000 und damit auch schon älter

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    • Pillau.jpg

      (106.81 kB, downloaded 43 times, last: )

    Gruss Dieter

  • Hallo,


    kurze Berichtigung: die südlich (oder links) des Seetief dargestellten Feldgräber befinden sich auf der Frischen Nehrung, aber nicht auf der Halbinsel Hela.
    Ich konnte nicht herausbekommen, wer die Feldgräberareale in die topografische Karte von vor 1945 später eingezeichnet hat. Gibt es dazu Erkenntnisse.?


    Gruss


    Paul

    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • Hallo Paul,


    du hast natürlich recht wir sind hier auf der Frischen Nehrung ! Sorry.


    Quote

    Ich konnte nicht herausbekommen, wer die Feldgräberareale in die topografische Karte von vor 1945 später eingezeichnet hat. Gibt es dazu Erkenntnisse.?


    Es kann nur jemand sei der über Pillau gearbeitet hat und dabei auf Unterlagen der jeweiligen Gräber-Offiziere gestoßen ist ....nur wer ?

    Gruss Dieter

  • Hallo zusammen,


    die Karte zu den Gräbern in Pillau fand ich unter:


    http://www.klee-klaus.de/der_untergang_ostpreussens.htm#028

    Der Autor der WEB-Seite Klaus Klee verarbeitet darin, auf der Suche nach einem gefallenen Verwandten, die ihm zur Verfügung gestellten Erinnerungen der damals 20ig-jährigen Soldaten Lohmann und Schmeelke des Fsch.Pz.Korps. HG über ihren Weg durch Ostpreußen bis zum letzten Tag des Kessels von Heiligenbeil. Sehr anschaulich, viele Fotos und Karten. Scheinbar sehr gut recherchiert. So sind auf einem Messtischblatt zu Heiligenbeil und Balga ebenfalls nachträglich Feldgräber eingetragen.


    Die Erlebnisse werden in chronologischer Abfolge und schnörkellos berichtet.


    Gabriele, ich rate Dir diese Berichte zu lesen, insbesondere die, welche ab etwas Mitte Februar beginnen. Allerdings, sie sind trotz oder vielleicht auch wegen der einfachen und sachlichen Sprache, starker Tobak, also vorher tief Luft holen. Wenn Du mit dem Lesen fertig bist, dann wirst Du Dir sicherlich besser vorstellen können, wie es Deinem Großvater ergangen sein könnte.
    Und, um diese Berichte besser einordnen zu können, lese bitte unbedingt vorher die Einführung von Klaus Klee.


    Noch einen schönen Sonntag


    Paul

    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().



  • Hallo Paul, ich finde Deinen Fund bemerkenswert !


    Gruß Michael

    Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz !
    Quelle : Theodor Körner 1791 bis 1813 (Lützower Jäger und Dichter) und http://www.denkmalprojekt.org

    Edited once, last by 227 J.R. ().

  • Hallo Michael,


    da habe ich den von Dir zuvor eingestellten LInk wohl übersehen, bzw. nur auf Deine Anmerkung zu Nemmersdorf geachtet, deren Thema mir bekannt war und veranlasste mich nicht weiter darin zu vertiefen.


    Aber egal, wie es gelaufen ist, der Link ist es wert auch ein zweites Mal genannt zu werden.


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo Malte, Mich@el, August-Dieter, Paul,


    ganz herzlichen Dank, für eure posts, die vielen Informationen und Tips!!!


    Ich war gestern nicht im Forum, ich brauchte ein bischen Abstand, auch um die vielen Dinge zu verarbeiten. Immer wieder lese ich etwas zwischendurch und denke drüber nach, es beschäftigt mich dann noch lange und neue Gedanken oder Fragen kommen.
    Ich habe das Buch : die letzten Tage von Pillau gelesen.Das war sehr schlimm, genauso auf der Seite von Klaus Klee bin ich immer wieder mal am lesen und stöbern.
    Auch über die hygienischen Bedingungen bez. Operations und Verletztenversorgung, denke ich viel nach. Ich weiß nicht ob mein Großvater amputiert wurde, ich habe ja den Krankenzettel und Lazarettschein bez. was die ärztliche Versorgung angeht nochmal eine Anfrage an die WAST gestellt.
    Vielleicht kann ich da noch etwas erfahren.
    Ja, dann die Gräber, ich schaue mir das noch mal wenn ich mehr Zeit habe, das in Ruhe an, was ich von meinem Vater weiß ist der Opa mit anderen Soldaten in ein Massengrab gekommen.
    Mit dem Friedhof, das habe ich vom Volksbund erfahren . Ich werde nochmal nachfragen.
    Was ich auch weiß, dass man meiner Großmutter, den Ehering geschickt hat. Von einer Erkennungsmarke bez. Teil davon weiß niemand.
    Ja, jetzt habe ich mir überlegt, dass da ja eine gewisse Ordnung drinsteckt. Sie haben also noch den Ring vor dem Begraben abgenommen, dann hat der noch den restlichen Krieg dort überauert und ist dann nach Kriegsende in die Hände meiner Großmutter gekommen.
    Ja, irgendwie auch ein Wunder bei so viel Chaos.
    Meine Gedanken über das was dort passiert ist, wühlen mich sehr auf und ich frage mich in diesem Zusammenhang, was aus den Menschen mit solchen extremen Erfahrungen geworden wäre. bez. wie hätten sie das Erlebte alles eingeordnet, damit weitergelebt, welche Einstellungen und Entwicklungen hätten sie gemacht. Viele waren traumatisiert und haben dennoch funktionieren müssen, es gab keine Anlaufstellen in dieser Zeit und die Perspektive wurde auf Wiederaufbau gelegt und doch ist meiner Meinung diese Aufarbeitung viel zu kurt gekommen.


    Es waren alles Zeitzeugen wie geht man damit um wie lebt man damit weiter und was gibt man dann seinen Kindern wieder und der Familie wenn man zurückkommen konnte.
    Ich frage mich das im Moment grad sehr.


    Weil ich habe das alles nicht selbst erlebt und doch habe ich es in meiner Familie gespürt, auch die Ideologien aus dieser Zeit, die pädagogischen Vorstellungen von Jugend und Erziehung, wie sie sein soll, auch das schreckliche Menschenbild, was ja ein Humanes abgelöst hatte, auch wenn es unbewusst vermittelt wurde habe ich den Krieg auch auf eine Weise vermittelt bekommen und dessen Grausamkeit gespürt, also seine Folgen, die ja noch die lebenden Familienmitglieder in sich trugen.
    Das ist etwas was mich sehr stark beschäftigt im moment und das es jetzt wohl dran ist sich das mal intensiver anzuschauen.
    Nochmals vielen Dank für eure große Hilfe und die vielen Impulse und Ideen, die ihr mir gebt. Die Pillaubilder werde ich mir nachher anschauen.


    Grüße Gabriela


  • Es waren alles Zeitzeugen wie geht man damit um wie lebt man damit weiter und was gibt man dann seinen Kindern wieder und der Familie wenn man zurückkommen konnte.
    Ich frage mich das im Moment grad sehr.


    Hallo Gabriela,


    das verstehe ich sehr gut, mir geht's nicht anders. (Eigentlich wäre das gut in einem neuen Thema untergebracht - gibt es womöglich auch schon ...?) Mein Großvater ist (aus zwei Kriegen) zurückgekommen, trotzdem kann ich diese Frage nicht in Gänze beantworten. Natürlich ist auch jeder anders damit umgegangen. Was ich sagen kann: Mein Großvater galt als jährzornig, was ich als Enkelin aber niemals zu spüren bekommen habe. Mir gegenüber hat er sich immer ausgesprochen liebevoll verhalten. Auffällig war vielleicht noch, dass mein Großvater niemals mit dem Rest der Familie (meinen Eltern und mir, meiner Großmutter/seiner Frau, meinem Onkel/seinem Sohn ...) in Urlaub gefahren ist. Das habe ich als Kind auch nie infrage gestellt: einer musste sich um den Garten kümmern. Das allein kann nicht der Grund gewesen sein - dann wäre man halt früher/später gefahren. In anderen Lebenserinnerungen lese ich das oft: Da wollten Väter/Großväter auch nie mehr von zu Hause weg; sie waren "im Krieg genug herumgekommen".


    Immer noch ungelesen im Regal steht bei mir das Buch von Svenja Goltermann: "Die Gesellschaft der Überlebenden - Deutsche Kriegsheimkehrer und ihre Gewalterfahrung im Zweiten Weltkrieg".


    Gruß,
    Petra

    Edited once, last by JW98 ().

  • Vielen Dank Petra, für deine Antwort!
    Das Buch was du aufgeschrieben hast werde ich mal googlen. Ich habe jetzt einige bestellt auf die ich zum Teil noch warte. Doch dieses hier spricht genau meine Gedanken und Empfindungen an, die durch das Beschäftigen mit dieser Zeit und meinem Großvater, sich gerade auch zeigen.


    Grüße
    Gabriela

  • Hallo Gabriela,


    Das Buch was du aufgeschrieben hast werde ich mal googlen. Ich habe jetzt einige bestellt auf die ich zum Teil noch warte. Doch dieses hier spricht genau meine Gedanken und Empfindungen an, die durch das Beschäftigen mit dieser Zeit und meinem Großvater, sich gerade auch zeigen.


    dieses Buch geht dann schon stark in Richtung schwere analytsche Kost / therapeutische Fachliteratur, mit wenigen Fallbesipieln.
    wie wäre es mit einer authentischen Erinnerung des großen deutschen Schriftstellers Dieter Wellershoff, der selber als junger Mann dort in Ostpreußen im Graben lag
    Der Ernstfall von Dieter Wellershoff


    Viele Grüße
    Malte

  • Guten Morgen,


    ich teile Maltes Einschätzung (das Buch steht ja nicht von ungefähr nach Jahren noch ungelesen da ... :/ Was aber nun nicht gegen das Buch spricht, sondern mehr gegen mich als in der Materie ungeübten Leser!). Außerdem fußt das Buch - lt. Klappentext - auf "bislang ungenutztem Quellenmaterial der Krankenakten psychiatrisch behandelter Soldaten". Die Mehrheit der Rückkehrer hat nie ein Gespräch mit einem Psychiater geführt.
    Ich denke, die zahlreichen Bücher von Nachkommen sind noch eine gute Möglichkeit, Zugang/Informationen zu diesem Thema zu finden, als Beispiel sei hier hur genannt Monika Jetters "Mein Kriegsvater".


    Gruß,
    Petra


    PS: Dieter Wellershoff kann ich auch empfehlen, z. B. auch mit der von ihm eingesprochenen Audio-CD "Schau dir das an, das ist der Krieg. Dieter Wellershoff erzählt sein Leben als Soldat".

  • Hallo Malte und Hallo Petra und alle Anderen


    bin heute erst wieder hier, brauchte mal wieder ein bischen Pause. War aber im Internet fleissig noch am Suchen.
    Viele von uns die hier sind hatten Kriegsväter, deshalb ist auch das erwähnte Buch so interessant mein Vater war 17 Jahre als der Krieg zu Ende war und traumatisiert, mehr als meine Mutter. Auf das ganze was er in Berlin erlebt hat und dann noch der frühe Tod seines Vaters bez. meines Großvaters mit 44 Jahren.


    Meine Mutter war aus einem kleinen Dorf, da ist nicht so viel passiert und sie hatte viel mehr Licht, die ganze Familie, dort war alles ehr schlüssig und nachvollziehbar. Doch bis heute kann sie kein Kanninchen und Hase essen, weil es sie an den Krieg erinnert. Dafür braucht sie immer Butter, die muss immer im Haus sein , weil sie rationiert war und kostbar, so wie Kaffee. Und von den Tieffliegerangriffen erzählt sie mir, von der Angst und wie sie alle im Acker gelegen haben und aus dem Zug aussteigen mussten ganz plötzlich.


    Jetzt beim googlen nach Büchern und lesen zum Thema bin ich doch auf die Kriegsenkelgeneration gestossen, die jetzt anscheinend die Taumata ihrer Eltern und Großeltern aufarbeitetl
    Ich war sehr überrascht, weil ich mich nicht dazu gezählt habe, ich dachte immer das seien die Menschen die noch Ende der 40iger Jahren geboren wurden.


    Doch viele von uns hatten die Kriegsväter und Kriegsopas und Krieg war ein Thema in den Familien auch wenn nur bruchstückhaft drüber gesprochen wurde, doch das Unausgesprochene Atmossphärische, der Nebel das habe ich immer gespürt und so Leitsätze in der Familie wie :hart wie Kruppstahl usw. wo es drum ging abgehärtet zu werden oder auch nicht verweichlicht erzogen zu werden, also die ganze pädagogische Naziideologie wurde unbewusst wiedergegeben und eben die ganze Kriegsatmossphäre war spürbar also von daher konnte ich ausgehen, welche Erfahrungen oder Traumata meine Vorfahren gemacht haben.


    Aufgearbeitet wurde es wohl nie, da man nach vorne schaute, der Wiederaufbau und schnell das Schlimme vergessen.
    Doch ich glaube nicht , dass es funktioniert hat, wieso spräche man sonst vom Erbe der Kriegsenkelgeneration?


    Ich spüre, dass ich es jetzt tun muss in die Familie so richtig reinschaue und noch viel frage, auch bei Bekannten, die noch den Krieg erlebt haben, und lesen um es nachempfinden zu können, verstehen zu können auch wieder spüre werde, wenn ich genug draufgeschaut habe und es abschließen kann.
    Doch es ist schon ein Gefühl wo ich sage, : Wie schade, wie unendlich schade und traurig, was diese Menschen erlebt haben, in diesem schlimmen System, diese Gerhirnwäsche, diese Diktatur, dass was sie getan haben an Schlimmen, was sie unterlassen haben an Hilfe, aus Angst, aus Unwissen, was Menschen erleiden mussten in Lagern, auf der Flucht, im Krieg.
    Und was ich lese ist nur ein erahnen und das reicht schon. Ja und dann mussten sie irgendwie damit klar kommen.
    Um das Verhalten meiner Großmutter zu verstehen habe ich mir das Buch gekauft vom Miriam Gebhard : Als die Soldaten kamen.

    Malte und Petra, danke noch für eure Buchtips ich werde gleich mal nachschauen.


    Meinen anderen Großvater mütterlicherseits habe ich noch kennengelernt und das war so schön und ich habe gute Erinnerungen an ihn.
    Bei dem anderen Großvater, der in Pillau starb frage ich mich oft, was er für ein Vater war und wie er als Großvater gewesen wäre und es tut mir so leid, seine Erfahrungen und die der Familie und wie diese dann auch schicksalhaft waren.
    Könnt ihr euch vielleicht vorstellen wieso es möglich war, dass meine Großmutter noch den Ehering von meinem Großvater zugeschickt bekam nachdem er im Lazarett verstarb in diesem Chaos, war es ein Wunder oder noch eine Ordnung, dass dieser Ring mit der Todesnachricht 1947 zu meiner Großmutter kam?


    Gruß
    Gabriela

  • Hallo Gabriela,


    Kriegsenkelgeneration gestossen, die jetzt anscheinend die Taumata ihrer Eltern und Großeltern aufarbeitetl


    oder auch die Folgen für sich nachvollziehen, wenn dann Millionen vaterlose Kriegskinder die eigenen Kinder großzogen. Womöglich ohne Selbstbewußtsein und voller Verlustängste.
    Als echte unbelastete Generation kann wohl erstmals die jetztige Urenkelgeneration gelten?



    dass meine Großmutter noch den Ehering von meinem Großvater zugeschickt bekam nachdem er im Lazarett verstarb in diesem Chaos, war es ein Wunder oder noch eine Ordnung, dass dieser Ring mit der Todesnachricht 1947 zu meiner Großmutter kam?


    Diese deutsche Ordnung und Gründlichkeit in allen Lebenslagen sollte dir aber bekannt sein. Wie sagte einst schon Lenin - „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas,
    wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“



    Viele Grüße
    Malte