WASt-Unterlagen: Erste Einsortierung

  • Hallo liebe Leute,


    ich bin in der ersten Sondierungsphase über die Kriegstätigkeiten meiner beiden Großväter und möchte Euch gerne die WASt-Aufstellung vorstellen mit der Bitte um Hinweise, Einschätzungen und ggf. Verweise auf weitere Webseiten.


    Von meinem Großvater väterlicherseits habe ich immer nur gehört, er sei bei der Organisation Todt gewesen und hätte Brücken gebaut. Das sieht jedoch in der Aufstellung anders aus. Wenn ich das richtig interpretiere, dann war er offensichtlich ab Sommer 1944 auch fahnenflüchtig, richtig?


    Hier die Aufstellung:


    Großvater väterlicherseits aus Oberschreiberhau, Kreis Hirschberg/Schlesien


    Erkennungsmarke: -205- I. Pz. Abw. E. Kp. 18
    Diensteintrittsdatum: nicht angegeben
    Truppenteile: lt.Meldung vom Sept. 1939 und vom 19.11.1939 Infanterie Panzer-Abwehr Ersatz-Kompanie 18 Standort: Liegnitz
    lt. Meldung vom 29.01.1940 und vom 13.07.1940 3. und 4. Kompanie Infanterie-Bataillon z.b.V. 100 -am 29.10.1939 durch Wehrkreis VIII (Breslau) für den Sondereinsatz (Einsatz auf Fort Eben-Emael) gebildet; am 30.09.1941 aufgelöst und verteilt-
    Entlassungs- und Wiedereinberufungsdatum: nicht angegeben


    Erkennungsmarke: -1576- St. Kp. K. E. B. 55
    Truppenteile: ab April 1943 Stammkompanie Panzer-Aufklärungs-Ersatz und Ausbildungs-Abteilung 55
    ab 16.04.1943 und lt. Meldung vom 16.09.1943 2. Kompanie Panzer-Jäger Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 55 Standort: Hirschberg, Ausbildungs-Abt. in Spremberg
    ab 14.10.1943 und am 29.07.1944 2. Kompanie Landesschützen-Bataillon 582 Unterstellung: Wehrmachtsbefehlshaber Ukraine ab 1944 Odessa, ab August 1944 Kischinew/Rumänien


    Die Landesschützen-Bataillone gehörten zu den Sicherungstruppen. Sie wurden in der Regel für Sicherungsaufgaben in der Heimat und im rückwärtigen Heeresgebiet verwendet. Konkret gehörten zum Beispiel die Kriegsgefangenenbewachung sowie die Sicherung militärischer und kriegswichtiger Objekte und die Bewachung der Transportwege dazu.


    Vermisst gemeldet: 29.07.1944 bei Dolina/Galizien
    Truppenmeldungen nach Juli 1944 liegen nicht vor.
    Kriegsgefangenenschaft: keine Unterlagen
    02.12.1945 von einer britischen Entlassungsstelle registriert.
    Dienstgrad: lt. Meldung vom 29.07.1944 Gefreiter (kein Beförderungsdatum)
    Aufzeichnungen über Verwundungen sowie Verleihungen von Orden und Ehrenzeichen liegen nicht vor.


    Ich freue mich über jeden Hinweis; merci...


    Soln

  • Hallo Soln,


    die Feldpostnummer für die 2. Kompanie Landesschützen-Bataillon 582 scheint 20179 zu sein.
    Das ergibt dann beim DRK-Suchdienst Band FF Seite 270.
    Vielleicht findest Du hier ein Foto.


    Gruß
    Andreas

    Der Franke ist ein freundlicher, hilfsbereiter und höflicher Mensch ------ Man darf ihn nur nicht ansprechen


  • Guten Tag, Herr Soln,  8)



    Wenn ich das richtig interpretiere, dann war er offensichtlich ab Sommer 1944 auch fahnenflüchtig, richtig?


    Dafür sehe ich in den genannten Daten keinerlei Hinweise.

    Quote

    Großvater väterlicherseits aus Oberschreiberhau, Kreis Hirschberg/Schlesien


    Mein Großvater stammt ebenfalls aus Hirschberg, wurde vor dem Ostfeldzug in ein Landesschützen-Bataillon eingegliedert, welches ab 9.1941 dem WBU unterstand und im Generalgouvernement eingesetzt war. Ende 1943 verlegte es an die Front östlich Odessa. Am 10.04.1944 wurde der Räumungsbefehl für Odessa erteilt (kam für meinen Großvater zu spät). Der Rückzug durch Rumänien begann und endete mit der erneuten Zerschlagung der 6. Armee.


    Quote


    ab 14.10.1943 und am 29.07.1944 2. Kompanie Landesschützen-Bataillon 582 Unterstellung: Wehrmachtsbefehlshaber Ukraine ab 1944 Odessa, ab August 1944 Kischinew/Rumänien


    Ich bezweifle stark, dass das Lds.Batl. 582 in 1944 nach Odessa verlegt wurde und zu den Einheiten gehörte, die sich durch Rumänien schlängelten.
    Wenn diese Aussage von der WASt stammt, kann ich nur vermuten, dass dort im Laufe der vergangenen Jahrzehnte davon ausgegangen wurde, dass alle Einheiten, die dem WBU unterstanden, in Richtung östlich Odessa verlegt wurden. (Ich lasse mich gern eines Besseren belehren!)


    Mir liegen etliche Unterlagen des Bundesarchivs zum WBU vor. Leider enden diese Im Spätherbst 1943. Bis dahin ist das Lds. 582 nicht gelistet.


    Zitat aus dem Lexikon der Wehrmacht und dem Tessin:

    • Ab dem 29. Dezember 1941 wurde das Bataillon in Drohobycz im Generalgouvernement eingesetzt. 1944 war das Bataillon in den Karpaten und den Beskiden eingesetzt. Zuletzt war das Bataillon bei der 78. Sturm-Division im Einsatz.
    Quote

    Vermisst gemeldet: 29.07.1944 bei Dolina/Galizien
    Truppenmeldungen nach Juli 1944 liegen nicht vor.
    Kriegsgefangenenschaft: keine Unterlagen
    02.12.1945 von einer britischen Entlassungsstelle registriert.


    Eingesetzt in Drohobycz im Generalgouvernement Vermisst in Dolina. Das passt zusammen, auch der Einsatz 1944 in den Karpaten und Beskiden. Siehe Karte (leider von 1914):
    https://upload.wikimedia.org/w…licia_physical1914-de.png


    Im Tessin habe ich nach dem Ort Drohobycz gesucht. Funde siehe Anlage.
    Darin wird u.a. das Stalag 328 genannt, welches sich 1945 in Ostpreußen befand.
    Das passt für mich zum Tessin-Eintrag bei Lds. 582, dass dieses 1945 bei der 78. Sturm-Div. im Einsatz war. Die 78. befand sich ebenfalls in Ostpreußen.
    Link ins LdW:
    http://www.lexikon-der-wehrmac…nteriedivisionen/78ID.htm


    Ach so, hätte ich fast vergessen: Britische Entlassungsstelle - Könnte sein, dass Dein Großvater zu denen gehörte, die bei den Absetzbewegungen in den Bereich der Brit. Armee gelangt sind. Da mußt Du dann allerdings auf die Unterstützung eines anderen Forenmitglieds hoffen. Vielleicht bittest Du Dr. Rudolf, einen Blick auf dieses Thema zu werfen. Der sucht auch zur 78. Sturm-Div. in 1945.


    Herzlichst Margarete

    Files

  • Das passt für mich zum Tessin-Eintrag bei Lds. 582, dass dieses 1945 bei der 78. Sturm-Div. im Einsatz war. Die 78. befand sich ebenfalls in Ostpreußen.


    Hallo Margarete,


    da handelt es sich wohl um einen Übertragungsfehler !?!
    Die 78. Sturm-Division war nie in Ostpreußen; auch TESSIN sagt das nicht, sondern:
    ". . . 1944 Karpaten, Beskiden, zuletzt bei der 78. Sturm-Div."
    Das ist örtlich auch so korrekt, denn die 78. war in GALIZIEN im Einsatz und ging dann im
    Raum ÖLMÜTZ in sowjetische Kriegsgefangenschaft.
    Das Landesschützen-Bataillon ist mir in diesem Zusammenhang auch nicht "über den
    Weg gelaufen".
    Und im weiteren passt eine britische Kriegsgefangenschaft auch nicht dazu, denn die
    Truppenteile/Versprengte, die sich nach Westen absetzen konnten, gerieten in
    US-amerikanische Gefangenschaft und wurden größtenteils an die Sowjets ausgeliefert.
    Britische Truppen waren da weit und breit nicht.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    anbei mal noch eine Stationierung Stand 23.06.1942


    LS Stab 582 in Drohobycz
    1./582 in Stryj
    2./582 in Sambor
    3./582 in Drohobycz


    Zur 4.Kp. kein Hinweis.


    LS582.JPG

    Quelle:Nara 312 AOK9

    Grüße Matthias