Demjansk Watolino

  • Guten Abend zusammen,


    Michael,

    seit wenigen Stunden erst angemeldet, und schon machst du mir das Forum strubbelig,

    du verstreust deine Anfragen übers Forum, klinkst dich in Threads anderer Leute ein,

    benutzt Threads, in denen eine Anfrage dieser Art überhaupt nicht gehört.


    Quote

    Mein Großonkel der Gefreite Flroian Luger war in der Pionier Batallion 24, unterstellt 24infanterie division,

    udn ist am 18.jänner 1943 in Sinjawino gefallen.

    Quote

    Mein Großonkel war in der 3.kompanie-Pionier Batallion 323, der 323.Infanterie.Division unterstelt.

    er ist vermisst seit 2.2.1943. er müsste in den Raum Gorscheschtnoje vermisst sein, südlich kastornoje..

    Quote

    ich bin auf der Suche und Bitte um Information über die 3.Kompanie, Pionier Batallion 323, unterstellt der 323. Infanterie Division??

    Mein Groß-Onkel war in der Einheit und wird seit 2.2.1943 in Russland vermisst.Ich bin auf der Suche und Bitte um Information, über die 6.Kompanie, Grenadier Regiment-596, unterstellt der 327.Infanterie Division??

    Quote

    Mein Großonkel war in der Einheit und wird seit 27.8.1943 auf Höhe 211.8 bei Chaslowka, südlich von Sewsk vermisst wird. Feldpostnummer: 21.771C

    Quote

    Ich bin auf der Suche und Bitte hier um Information über die 16.(panzer-jäger) Kompanie-Jäger Regiment 227, unterstellt 100.Jäger Division. Ob sie direkt an fordester Front in der Stadt Stalingrad eingesetzt war??

    Mein Groß-Onkel war in dieser Einheit und wird seit dem 6.jänner 1943 in Stalingrad vermisst.Seine Felpostnummer war 12.617

    Reichlich Groß-Onkel, oder?

    Habe ich hier ein Déjà-vu?

    Warum meine ich mich daran zu erinnern, dass schonmal so eine Flut an Posts das Forum überzogen hat?


    Grüße Thomas

  • Ein Hallo an alle Interessierte,


    nun war ich also mit meiner Mutter in der Heimat meiner Väter, in Pommern am Stettiner Haff, und habe Heimaterde für meinen Großvater mitgebracht. Die Landschaft dort ist sehr ländlich, ein weites, offenes Land, mit viel Wald, Feldern, dann wieder hügelig. Viele Felder sind nicht bestellt, man sieht kein Vieh, dafür aber sehr viele große Heuballen. Ein Mann sagte, das geht alles nach Warschau. Haben deshalb die Leute keine große Lust, die Felder zu bestellen?


    Es stehen noch viele alte Häuser von damals. Das Dorf meiner Familie ist zu 70 % zerstört worden, mitsamt der Kirche. Deshalb gibt es leider auch keine Kirchenbücher mehr. Unser Familienhaus steht nicht mehr, dafür aber andere meiner wiedergefundenen Verwandtschaft. Einige Häuser sind bewohnt, nicht wenige von Ukrainern, die ja auch Vertriebene waren. Alle Menschen, mit denen ich sprach, sind sehr nett und alle hilfsbereit. Ein sehr netter Mann führte uns sogar im ganzen Dorf herum und zeigte uns die Häuser anhand der alten Fotografien, die ich dabei hatte.


    Im großen Ganzen gesehen macht mich der Anblick aber sehr traurig. Zu viele Häuser von damals sind marode, heruntergekommen, vergammelt, Ruinen. Es wird nichts gemacht an den Häuserfassaden. Die Leute werden wohl kein Geld haben für ein wenig Renovierung. Die mitlesenden Polen in diesem klasse Forum mögen mir verzeihen und mir evtl. auch die Gründe dafür mitteilen. Außerdem: es sind die Häuser derjenigen, die in ihr Land einfielen und so viele Tragödien auslösten.


    Im Landesinneren wird es dann aber besser. Dort sind viele Felder bestellt und die Häuser und Städte sehen gut aus. Wahrscheinlich ist es wie überall: in den Städten ist mehr Geld, auf dem Land wird eher praktisch gelebt.


    Eines hat mich dann doch gewundert: gegenüber unserem Domizil war Ziegenort. Dort stehen einige große Schornsteine direkt am Haff. Ist in diesem doch eher kleinen Ort jetzt große Industrie angesiedelt?


    Auch habe ich die Insel Leitholm gesehen, denke ich. Aber ich habe mich nicht übersetzen lassen.


    Die Landeskenner wissen sofort, wo ich war (Foto der Unterkunft). Wenn meine Vermutung von Ziegenort falsch liegt, bitte ich um Berichtigung!


    In Treptow an der Rega bin ich ein paar mal an der damaligen Unteroffiziersschule vorbeigelaufen. Es ist jetzt Militär drin, die Kasernen werden bewohnt. Innen und außen liefen Soldaten herum. Aber welche Einheit dort stationiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Und natürlich war ich auch in Groß Born! Es ist eine kleine gemütliche Ortschaft, fast alle Häuser des damaligen Militärübungsplatzes werden von normalen Leuten bewohnt. Und die meisten Häuser sehen sehr gut aus. Die großen Lagerhallen sind Ruinen. Es war manchmal ein komisches Gefühl, an den Plätzen zu sein, auf denen mein Großvater herumlief. Ob er es wohl durch meine Augen wieder gesehen hat? Der Panzer T 34, der als Denkmal dort herumsteht, sieht eher klein aus, und doch hatten die Soldaten größten Respekt vor ihm. Mich hat es ein wenig gegraut, als ich vor ihm stand.


    Anbei ein paar Bilder, ich hoffe, man kann etwas erkennen. Von Groß Born stelle ich keine Bilder ein, die kann man sich im LDW und im Internet anschauen.


    Nun kann ich die Reise nach Watolino nächstes Jahr weiterplanen.


    Viele Grüße

    Wolf



    am-Stettiner-Haff k.jpgbewohnt-verlassen k.jpgEinschusse k.jpgUnterkunft k.jpgZiegenort k.jpg

  • Guten Abend Ulf,


    Danke für Deine schnelle Antwort!


    Donnerwetter, da lag ich ja total daneben. Pölitz/Police habe ich viel weiter südlich vermutet. Dann hatte ich also die größe Chemiefabrik Polens vor Augen; deshalb auch die Riesenpötte, die da durchfuhren.


    Vielen Dank!


    Grüße

    Wolf

  • Guten Abend an alle Interessierte,


    hat zufällig jemand das Buch von Konrad Petersen: Die Geschichte des Infanterie-Regiments 94, Kameradschaft Hamburg 1953?


    Ich finde leider nirgendwo etwas, außer dass es das Buch gibt. Vielleicht könnte ich das Buch von jemandem kopieren?


    Grüße vom SWR1-Hitparaden-hörenden

    Wolf

  • Ich verfolge diesen Thread mit großem Interesse: Mein Großvater väterlicherseits war in der II. / IR 94 (gefallen am 11.03.1944 bei Podberjesje, südlich von Idriza). Danke auch an ost42 für Deine tollen Beiträge - die haben mir schon ein gutes Stück weitergholfen auf den Spuren meines Großvaters.

    "Oft sind es gut genutzte Mußestunden, in welchen der Mensch das Tor zu einer neuen Welt findet!" (George M. Adams)

  • Guten Abend Trinitus,


    vielen Dank für Deine netten Worte. Es ist schön zu wissen, dass auch ich ein kleines bißchen Licht in die Erlebnisse unserer Großväter bringen konnte.



    Guten Abend Rüdiger,


    ganz vielen herzlichen Dank für Deinen Link! Diesem bin ich auch schon vor längerer Zeit begegnet.

    In der Zwischenzeit waren sogar 2 Bücher in der Fernleihe gelistet. Das in Stuttgart ist leider verschollen....

    Aber im MA Freiburg haben sie auch noch eines! Es ist aber in so schlechtem Zustand, dass sie es nicht mehr verleihen. Ich habe es mir kopieren lassen.


    Zu den Geschehnissen in Russland steht leider nichts darin; das wäre dann Band 2. Aber diesen hat Konrad Petersen nicht mehr geschrieben bzw. schreiben können; dazu ist mir nichts Näheres bekannt.


    Aber eine schöne Begebenheit vor dem Krieg in Neustettin am Streitzigsee ist in dem Buch beschrieben: Im Winter sind die Soldaten in einem Fackelzug nebst Ehefrauen und Einwohnern mit Kutschen über den zugeforenen Steitzigsee gefahren. Das muss wunderschön gewesen sein, und mein Großvater war bestimmt dabei. Herrlich, diese kleine Anekdote aus dem Soldatenleben im Frieden!


    Dieses Jahr werde ich noch nicht nach Watolino reisen; es haben sich interessante Neuigkeiten über "mein" Heimatdorf in Pommern aufgetan. Im Sommer werde ich alte deutsche Bürger von dort treffen, die noch viel wissen und erzählen können von der Flucht bzw. das Leben davor. Evtl. sind auch noch Namenslisten oder Kopien der zerbombten Kirchenbücher zu sehen. Diese einmalige Chance muss ich ergreifen.


    Viele Grüße aus dem stürmischen Süden

    Wolf

  • Guten Abend,


    Dank Dmitry kann ich nun ein paar Bilder von Kirchen um Watolino herum zeigen.


    Diese Kirchen-Bilder geben nun eine Vorstellung, wie es damals dort ausgesehen hat.


    Alle Links und Bilder kommen von Dmitry (herzlichen Dank dafür!)


    Kirche Fillippa Gora: http://sobory.ru/article/?object=47714

    Standort: https://www.google.ru/maps?new…kAhVo1qYKHcJSDjMQ_AUIESgB


    Kirche Illina Gora: http://sobory.ru/photo/352613

    Standort: https://www.google.ru/maps/pla…!3d57.5801339!4d32.654967


    Kirche Molwotyzi = Molvotitsy: http://sobory.ru/article/?object=44684

    Standort: https://www.google.ru/maps?new…kAhWNfZoKHYXTCo8Q_AUIESgB


    Kirche Schischkowo: http://sobory.ru/article/?object=12769

    Standort: https://www.google.ru/maps?new…kAhWB16YKHeqpByYQ_AUIESgB



    Leider hatten Watolino, Medjanki, Monakowo und Moschino selbst keine Kirchen. Aber hier sind die Links zu den Standorten, falls noch nicht bekannt:


    Watolino: https://www.google.ru/maps/pla…3d57.5086311!4d32.7148819


    Medjanki: https://www.google.ru/maps/pla…3d57.5184502!4d32.7343677


    Monakowo: https://www.google.ru/maps/pla…2!3d57.492766!4d32.857793


    Moschino: https://www.google.ru/maps/pla…3d57.6002677!4d32.6967096



    Irgendwann stelle ich hier aktuelle Bilder von Watolino ein...


    Gut's Nächtle


    Wolf

  • Guten Abend allerseits!


    Kürzlich war ich bei bestem sonnigen Wetter im Dreiländereck Eifel, Luxemburg und Belgien, um den Spuren meines Großvaters beim Einmarsch in Belgien im Februar 1940 nachzugehen.


    Es gibt Bilder von ihm, beschriftet mit Urb und Auel in der Eifel vom Februar 1940. (Ein großes Dankeschön an die Sütterlin-Entzifferer!) Es war ein sehr schneereicher und kalter Winter.


    In Urb habe ich immerhin die Anhöhe und den Bild-Hintergrund entdeckt, auf dem er mit 3 seiner Kameraden steht (zu dieser Zeit war er im I. Bat., 2. Kp. des 4. IR, 32. ID. Erst im Oktober 1940 kam er ins 94. IR, 32. ID; lt. WAST-Auskunft). Wahrscheinlich waren sie in dieser Gegend nur ca. 1 Woche, um dort zu üben. Den Gesichtern nach hatten sie auch viel Spaß und eine entspannte Zeit während des "Sitzkrieges". Die Bilder dazu stelle ich im Anschluss ein.


    Ein netter Bauer mit seiner ebenso netten Mutter konnten mir ein wenig erzählen, hauptsächlich aber vom Winter 1944 (Ardennen-Offensive). Demnach lagen die Amerikaner gegenüber von Urb im Wald und beschossen diesen kleinen Eifel-Ort. Auch versteckte sich dort (nach der Offensive?) einige Zeit im Wald ein deutscher Soldat, der flüchtete, und sich natürlich nicht herunter traute. Irgendwann war er dann doch beim Bauern und arbeitete eine Zeitlang für ihn. Später ging er weg. Und Jahrzehnte danach kam er tatsächlich wieder und besuchte diesen Bauern!


    In Auel konnte mir leider niemand helfen bzw. sich an die Häuser auf den Bildern erinnern. Die Schneeballschlacht kann überall stattgefunden haben. Auch an die Mauer, vor der er steht mit dem Zaun, konnte man sich nicht erinnern. Vielleicht ist alles 1944 zerstört worden? Wäre es doch nur bei den Schneeballschlachten geblieben...


    Das markante große Holzhaus mit Mauer und Veranda mit der ganzen Truppe konnte ebenfalls nicht gedeutet werden. Vielleicht erkennt ein Mitleser dieses Haus? Evtl. ist es doch nicht der Ort Auel, wie es hinten draufsteht, sondern ein anderer Ort in der Umgebung? In Weppeler, gegenüber Auel, habe ich ebenfalls nichts entdecken können.


    Auf Burg Reuland schaute ich natürlich auch vorbei. Beim Hinabfahren sah ich an einer Mauer den aufgemalten Hinweis "Ortskommandantur" o.s.ä. mit Pfeil! Das wurde bis heute nicht entfernt.


    Natürlich bin ich noch ein paar Wege abgefahren, die sie beim Einmarsch in Belgien 1940 benutzten. Es sind relativ kleine Straßen und Sträßchen, da lacht das Motorrad-Herz! Aber irgendwie ist es mir schleierhaft, wie die Soldaten auf diesen Wegen so schnell vorwärts kamen.


    Richtung Houffalize kam ich auf ein kleines Nebensträßchen, mit finsterem Wald und horrenden Schlaglöchern, die nicht vom Frost kommen. Auch sieht man in den dunklen Wäldern immer noch riesige Bombenkrater; das ist beklemmend.

    Den Panzer in Houffalize sah ich übrigens nicht; vielleicht wird er momentan gewartet?


    In Bastogne sind sie 1940 nicht durch, aber dort gibt es ein großes Kriegs-Museum, das wirklich hervorragend ist. Momentan ist dort aber eine Baustelle, deshalb ging ich auch nicht zum Mardasson-Memorial der US-Truppen. Das Thema dieses Museums ist die Ardennenschlacht von Weihnachten 1944. Es gibt 2 große "Erlebnis-Zimmer", die das Geschehen im Wald und in der Schänke sehr realitätsnah zeigen. Man ist quasi mittendrin in den Geschehnissen. Die Filme im Museum machten mich sehr betroffen. Ich dachte eigentlich, dass ich schon ziemlich "abgehärtet" bin, aber sie zeigen in aller Deutlichkeit, wie grausam und unmenschlich der Krieg wirklich ist. Manchmal konnte ich sie nicht zu Ende sehen... Wie sagte Herbert Brunnegger? Kein Kriegsfilm kann die Wirklichkeit wieder geben. Warum gibt es kein weltweites Verbot von Krieg?


    Übrigens fragt das Museum die Besucher, ob dieser Kasten evtl. ein Sarg der US-Truppen sein könnte. Vielleicht weiß das ein amerikanischer Kenner?


    Und ein Besuch im MA Freiburg steht auch wieder an zum Akten-Studium des Einmarsches in Belgien und Verlauf des Westfeldzuges der 32. ID, 4. und 94. IR. von 1940. Es gibt weiterhin viel zu recherchieren!


    Und nun meine Bilder von Urb und Auel vom Februar 1940:

  • Guten Abend an alle Interessierte,


    für diejenigen, die die Orte des Westfeldzuges vom 4. und 94. Infanterie-Regiment der 32. Infanterie-Division auf der Landkarte oder in echt abfahren möchten, habe ich sie hier aufgezählt. Ich übernehme keine Gewähr der Richtigschreibung und die richtige Reihenfolge der Orte! Zum einen sind die Kopien von Selke grottenschlecht (jede Kleinfirma hat bessere Kopierer), zum anderen habe ich nicht jeden Ort auf Richtigschreibung kontrolliert.


    Quelle: „Die Geschichte des Infanterie-Regiments 94, 1937-1945, I. Teil, von Dr. Konrad Petersen“, herausgegeben von der Kameradschaft I.R.94, Hamburg 1953


    Das 4. und 94. IR ist quasi in gerader Linie von Houffalize nach Givet, Cambrai, Lille, Abbeville, Rouen, Cotentin nach Nantes marschiert. Von dort nach Westpreußen zur Ausbildung. Anschließend kam „Barbarossa“…


    Sicherung Westgrenze:

    Münstereifel / Kreuzberg

    I./94 Effelsberg und Holzem

    II./94 Kirchsahr, später Altenahr, anschl. Hillerscheid-Pitscheid

    III./94 ab 8.11.1939 Altenahr bei Kreuzberg

    12./94 Krälingen, dann Raum Esch

    Rgt.Gef.Std. Försterei Hülloch


    Kriegsweihnachten 1939 Münstereifel-Kreuzberg


    Ab 30.1.1940 Schneifel - Prüm


    Rgt.Gef.Std. Lissendorf, Stab I.94. Gondelsheim (Forsthaus), Stab II./94 Basberg, Stab III./94 Olzheim, 13./94 Steffeln, 14./94 Schüller bei Jünkerath


    Vom 9. auf 10. Mai 1940 Eupen-Malmedy

    Rast in Beiler; Rgt.Gef.Std. Weißwampach (Luxemburg)


    Nach Givet über Lamerscher, Sommerain, Rgt.Gef.Std. Rettigny,

    Fontenaille, Houffalize, Ortho, Heer nördl. Givet


    Nismes, Mariembourg, Chimay, Höhen ostwärts Romeree, Couvin,

    Maginot-Linie Momignies, Trélon-Anor, Momignies, Macon, Ohain, Fourmies, Nondrepuis


    La Capelle, Le Cateau, Boué, Oisy, Wassigny, Ferme de L’Arrouaise, St. Martin, La Valloe Mulatra, Bussigny, Chary, Cambrai; Rgt.Gef.Std. Couilbery, Abbeville


    Tilloy, Avaucourt, Hem Lenglet, Kanal de la Sensée, Seranvillers, Paillencourt, Thom-Leveque, Sécluse, Brébières, Quiery-la Motte, Beaumont Sallaumines (Ostrand Lens)


    Flugplatz Vitry, Sallaumines, Marnes, Kanal Haut á Heule, La Courrieres, Carvin, Gondecourt, Chemy, Houplin, Seclin, Emmerin, Wachem, Lèns Vimy- Loretto-Höhe, Soùchez, Croisette, Wadicourt-Le Brisle, St. Requiere


    Lille, Somme-Tal


    Bellancourt, Eaucourt, Pont-Remy, Erondelle, “Daumenwald”, Bellifontaine (?), Freville (?), Bois de Freville


    Seine


    Wiry, Vergies-Bois de Bienfois, Vergies, Liger, Guibersmesnil, Vrocout, Bezencourt, Villers

    Lafresnoye

    Auxale, Dieon, Gurshelles, Criquieres, Conteville, Beasault, St. Saire, Brandiencourt

    St. Martin, Beaumont, Braquetuit, Louvetot-Le Plix, Cleeres, Darnetal Rouen, de Franqueville, Elbouef


    Seine-Tal


    le Port St. Queen, Gouy, Elbouef, Moulineaux


    Bourgtheroulde, Boseroger, St. de Nis, Brionne, Brisle-Bach, Berthanville, Couvbepine, Bernay, Gacé, Barbertiere, Allencon, Laval, Nantes


    Loire


    Mardange`s, Argentré, Laval, Chateaubriand, St. Nazaire, Paimboef


    Waffenstillstand 25.06.1940


    Besatzungszeit in Frankreich bis Sommer 1940:

    Nantes, Bas Indre, Sevres Vendée, St. Lo , Bayeux, Rgt.Stb. Balleroy, Trevieres, Le Molay-Littry la Nine, St. Paulde Vernay, Schloss Vaubadon (Prinz Broglie), Grand Camps, Vaubadon


    13.9.1940 Abmarschbefehl

    16.9.1940 Verladung Bahnhof Bayeux

    Über Belgien, Holland, Hamburg, Stettin, Stargard, Neustettin, Konitz, Tuchel, Graudenz nach Kulm (Rgt.Stb I und II./94) und Schwetz (III./94), Bromberg; I.R.4 Graudenz und Mewerin.


    3.10.1940 Groß-Born


    Herbst 1940 bis April 1941 Westpreußen zur Ausbildung


    April 1941 Angerburg; Tarnung des Führerhauptquartiers in Passdorf (?)


    April 1941 bis Juni 1941 Verlegung an die Ostgrenze


    22. Juni 1941 Beginn „Barbarossa“


    Grüße

    Wolf

  • Guten Abend allerseits!


    Auf meiner Eifel-Tour konnte mir in Auel niemand weiterhelfen. Eine Einwohnerin meinte, es gäbe "weiter oben" noch ein Auel. Auf der Karte fand ich aber keins. Ich ging davon aus, dass es das Auel/Belgien bei Burg Reuland und Urb war, weil alles eng beieinander liegt.


    Nun habe ich noch einmal versucht, die Rückseite der Bilder zu enträtseln. Klar konnte mir niemand in Auel/Belgien etwas sagen, denn es war tatsächlich das andere Auel: bei Oberbettingen!


    Das eingestellte Bild "Urb?" mit der großen Holzveranda ist sehr wahrscheinlich das Auel bei Oberbettingen.


    Von der Holzveranda der 3. Mann von rechts in der 1. Reihe ist auch der Reiter auf dem Schimmel auf dem nachfolgenden Bild; wahrscheinlich der Kompanie-/Truppführer des 4. Infanterie-Regiments der 32. I.D. Eine Stellenbesetzung des 4. I.R. habe ich leider noch nicht. Beim Einmarsch in Belgien war mein Großvater im 4. I.R.


    Vielleicht könnte mir bitte jemand das Geschriebene auf der Rückseite übersetzen?


    Hier nun die Rückseite des Bildes; danach die Vorderseite.


    Ich lese:


    ...? marsch

    im Februar 1940

    bei Oberbettingen Kyll

    Eifel

    ("Abmarsch im Febr. 1940" schrieb meine Mutter drauf)


    Vielen lieben Dank und allen einen schönen Sonntag.


    Grüße

    Wolf

  • Guten Morgen Wolf,


    Ich lese da auch Aufmarsch , den Rest genauso wie du.


    Herzliche Grüße

    Heidy

  • Hallo Heidy,


    ich lese das erste Wort als „Ausmarsch“. Der dritte Buchstabe ist ein rundes s, wie es am Ende von Silben verwendet wird. Die anderen Wörter lese ich genau wie du.


    Viele Grüße, Wilhelm

  • Hallo,


    mal ein kleiner Spaß am Rande.


    Den Schimmel gabs auch 1974 dort noch, damals musste einer meiner Kameraden anlässlich unserer Aufnahme ins Uffz Korps zur nachschlafenden Zeit einen Schimmel organisieren und unseren Kompaniechef (der kein Reiter war) dazu bringen, die Front abzureiten!

    Hat er hingekriegt!


    Gruß


    Dieter

    ,

  • Guten Abend Wilhelm,


    Jetzt sehe ich es auch. Ich bin mir jetzt sicher, dass du es richtig gelesen hast. Schönen Abend noch.


    Gruß Heidy

  • Guten Abend Heidy, Wilhelm und Dieter,


    ein großes Dankeschön euch allen für das Entziffern!


    Erst las ich auch Ausmarsch, konnte mir aber keinen Raum darauf machen. Dieses Wort wird bei uns einfach nicht (mehr) benützt; wahrscheinlich kennen das nur noch Schützen. Aber eigentlich logisch: Einmarsch, Ausmarsch...


    Vielleicht kommt ja ein Mitleser aus der Gegend um Jünkerath. Evtl. könnte er einmal schauen, ob diese große Holzveranda in Auel dort noch steht.


    Allen einen gemütlichen und trockenen Sonntagabend!


    Grüße

    Wolf

  • Guten Abend allerseits,


    die Militärgeschichte meines Großvaters begann ich am Ende: Demjansk.


    Nun bin ich weiter zurück, beim Westfeldzug.


    Ins MA FR komme ich erst im nächsten Jahr. Vorab stelle ich die Erlebnisse des 4. und 94. Infanterie-Regiments der 32. ID hier ein, für alle, die ebenfalls auf der Suche nach Geschichten ihrer Familien-Männer sind.


    Falls jemand vom MA FR oder evtl. NARA-Rollen bzw. sogar Feldpostbriefe als Ergänzung zu diesen Regimentern im Westfeldzug hat, bitte ich sehr darum, diese oder Auszüge daraus hier einzustellen.


    Meine Quellen: kurze Einleitung von Wiki

    Auszüge aus

    (94.) Die Geschichte des Infanterie-Regiments 94,1937-1945, 1. Teil, von Dr. Konrad Petersen, Kameradschaft I.R.94, Hamburg 1953,

    (32.) Die Geschichte der pommerschen 32. Infanteriedivision 1935-1945, von Jürgen Schröder und Joachim Schultz-Neumann, 1956



    Westfeldzug 32. Infanterie-Divison (Wikipedia)

    Ab 10. Mai 1940 nahm die Division am Angriff auf Frankreich teil. Nach dem Vormarsch durch Luxemburg und Belgien stieß die Division in den Raum Givet vor, überwand Maas und Somme, machte die Gefechte bei Trélon, Cambrai, im Raum Lille und die Schlacht von Abbeville mit. Nach Verfolgungskämpfen traf die Division auf die Seine und drang weiter bis zur Loire in den Raum Nantes vor, wo die Division als Besatzungstruppe eingesetzt wurde und an den Vorbereitungen für das Unternehmen „Seelöwe“ teilnahm.

    Vom September 1940 bis zum April 1941 verlegte die Division nach Westpreußen zur Ausbildung.


    (32.) Von Polen zum Westen

    In den Raum Schanze - Blondie - Szymanow an der Bahnlinie von Warschau nach Posen wurde die Division am 15.10.1939 beginnend verladen. Über Kutno, Bromberg, Schneidemühl, Berlin und Hannover gelangte sie in den Raum Köln-Bonn, wo ausgeladen wurde. Das 94. Regiment wurde teils in Bonn und Godesberg ausgeladen.

    Im Einzelnen bezogen ihre Quartiere: I.R.4 um Hennef/Sieg, I.R.94 im Raum Beuel-Oberkassel.


    (94.) Fahrt nach dem Westen und Unterkunft im Raum Bonn (15.10. bis 7.11.1939)

    Im Raum Suchaczew wartet das Regiment auf seine Verladung, die am 15.10.1939 beginnt. Über Lowicz, Leslau (Wrszlawek), Thorn, Bromberg, Schneidemühl - hier jubelnder Empfang, zu dem auch Neustettiner Bevölkerung gekommen ist -, Berlin, Hannover, Hamm, Köln, geht es nach Bonn. Teils in Bonn, teils in Godesberg, wird das Regiment ausgeladen. Am Ostufer des Rheins bezieht das Regiment im Baum Beuel, Küdinghoven, Ramersdorf, Oberkassel, Privatquartiere. Rgt.Stb. in Oberkassel.


    Die Aufnahme durch die Bevölkerung ist überaus herzlich. Die Quartiermacher haben nichts zu tun, da im Handumdrehen die Landser von der Bevölkerung in’s Quartier geholt werden. Es gibt manche schöne Stunde bei Rheinwein und Tanz.


    Nachdem schon von Polen aus die ersten Urlauber, vor allen Dingen Landwirte, in die Heimat hatten fahren können, wird nun auch vom neuen Unterkunftsraum aus in gewissen Grenzen für die Verheirateten Urlaub bewilligt (Anmerkung ost42:auch mein Großvater bekam Urlaub).


    Für die Verluste des Polenfeldzuges trifft der erste Ersatz ein, ältere kurzgediente Leute, die sehr willig sind und deren weitere Ausbildung sofort in Angriff genommen wird, um das Regiment auf der Höhe seiner Kampfkraft zu halten. Leider trifft der Ersatz nicht auf einmal, sondern nur nach und nach ein, was die Ausbildung etwas erschwert.

    Daneben verlassen einige bewährte Unteroffiziere und Mannschaften das Regiment. Sie gehen zum Ers.Btl. nach Köslin, um dort als Ausbilder mit Kriegserfahrung verwendet zu werden.


    Schon Ende September hatte Hptm. Wurzer, Chef 13. (J.G.) Kp., das Regiment verlassen. Er war zur 94. I.D. versetzt worden. Die 13. Kp. übernimmt Oblt. Kraaz.

    Neben dem Dienst gibt es genügend Freizeit, um die schöne Umgebung, besonders Bonn, kennen zu lernen. Die Kompanien machen gemeinsame Ausflüge auf den Drachenfels usw. Zwischendurch nehmen die Offiziere und Unteroffiziere an einem Belehrungsschießen auf dem Truppenübungsplatz Wahn teil. Bei der Ausbildung tritt der Kampf um Bunker in den Vordergrund.


    Ferner wird eine Umgliederung vorgenommen, die sich später gut bewährt. Die bisher zu den Schützenkompanien gehörenden s.M.G.-Halbzüge entfallen und treten zur M.G.K. des jeweiligen Btl., die von da an über 3 s.M.G.-Züge zu je 4 Gewehren und den s.Gr.W.-Zug verfügt.


    Der Polenfeldzug liegt hinter dem Regiment. Es hat in hervorragender Weise gezeigt, dass die harte Friedensausbildung nicht umsonst war, was auch die verhältnismäßig geringen Verluste bewiesen. Auch die im Frieden mit dem A.R.32 geübte Zusammenarbeit hat sich in allen Lagen vorzüglich bewährt. Mit Ruhe und Zuversicht kann das Regiment den neuen Aufgaben, die ihm eines Tages gestellt werden, entgegensehen.


    Dass der Aufenthalt in den schönen rheinischen Quartieren nicht von langer Dauer sein wird, ist allen klar. Dass er aber so schnell zu Ende gehen würde, hat niemand erwartet. Am 5.11.1939 kommt unerwartet der Abmarschbefehl für III./94, am 7.11.1939 folgen die übrigen Einheiten des Regiments. Es geht westwärts, neuen Aufgaben entgegen.


    (32.) Als vorderste Marschgruppe traf das verstärkte I.R. 96 im Raum Blankenheim ein, danach die Marschgruppe I.R. 94 im Raum um und nördlich Altenahr und die Marschgruppe I.R. 4 in den Raum Meckenheim-Rheinbach. In diesen Räumen wurde die Bewegung der Division angehalten.


    (94.) Sicherung der Westgrenze (7.11.1939 bis 9.5.1940)

    Was damals aus Geheimhaltungsgründen in der Truppe weitgehend nicht bekannt war: Der Anlass zum Abmarsch aus den schönen rheinischen Quartieren war der Befehl zum Angriff im Westen. Er wurde im Verlauf des Winters 1939/40 mehrmals gegeben, aber eben so oft widerrufen.


    Das Regiment setzt sich am Abend des 7.11.1939 in Marsch und zieht über die Hohenzollernbrücke nach Westen. Alle Urlauber sind telegraphisch zurückgerufen und treffen im Laufe der folgenden Tage wieder bei der Truppe ein.

    In zwei Nachtmärschen wird der Raum um Münstereifel-Kreuzberg erreicht. Auf dem Marsch stößt weiterer Ersatz zum Regiment.


    Die Btle. beziehen in den armen Eifeldörfern Quartier. I./94 in Effelsberg und Holzem, II./94 zunächst in Kirchsahr, später Altenahr, schließlich im Raum Hillerscheid-Pitscheid, III./94 ab 8.11.1939 in Altenahr bei Kreuzberg bis etwa 8.12.1939, (12./94 in Krälingen), dann bis 13.1.1940 im Raum um Esch. Der Rgt.Gef.Std. ist in der Försterei Hülloch.


    In diesen Tagen wird der auf den 9.11.1939 festgesetzte Westangriff mehrmals um jeweils 48 Stunden verschoben, bis er vorerst abgeblasen wird. Nun kann das Regiment daran gehen, sich so gut es geht in den beschränkten Unterkünften einzurichten und die Quartiere im Rahmen des Möglichen wohnlicher zu gestalten, so dass bei Einbruch der strengen Kälte sich vieles gebessert hat. Die in Bonn bereits begonnene intensive Ausbildung wird wieder aufgenommen; Schwerpunkt sind Flussübergang und Bunkerbekämpfung. Die vielen Schluchten der Eifel bieten ein vortreffliches Gelände zum Abhalten von Gefechtsschießen, das fleißig betrieben wird.


    Von besonderer Bedeutung ist es, für den kommenden Feldzug die Bespannung an das schwierige bergige Gelände zu gewöhnen. Übungsmärsche mit kriegsmäßig beladenen Fahrzeugen, auf glatten und steilen Straßen mit oft bis zu 35 % Steigung, sind an der Tagesordnung und kosten viel Schweiß, machen sich aber später bezahlt. Auch die Fahrer der Kfz. müssen an die Mittelgebirgsstraßen mit ihren Haarnadelkurven gewöhnt werden. Durch häufige Alarmübungen kann allmählich erreicht werden, dass das ganze Regiment binnen zwei Stunden marschbereit ist, eine ganz vorzügliche Leistung! Um dies zu erreichen, bleibt die Gefechtsmunition dauernd auf den Fahrzeugen verladen.


    Das erste Kriegsweihnachten verlebt das Regiment im Raum Münstereifel-Kreuzberg. Je nach Unterkunftslage finden die gemeinsamen Feiern der Kompanien im Freien oder in Sälen statt, dann wird in den einzelnen Quartieren zug- oder gruppenweise weiter gefeiert. Alle Offiziere sind bei der Truppe geblieben, im Rahmen des Möglichen aber den Unteroffizieren und Mannschaften Heimaturlaub gewährt worden.


    In geradezu rührender Weise zeigt sich die Anhänglichkeit der Quartiergeber aus dem Bonner Raum, die eine Unmenge Päckchen mit einem Lkw schicken. Auch Sylvester kann unbeschwert und fröhlich gefeiert werden.


    Um den 10.1.1940 übernimmt der bisherige Kommandeur des E-Btl. I.R.458 (Stralsund), Major von Massow, das III./94, das „Landsturm-Btl.“, wie es scherzhaft genannt wird.


    Am 13.1.1940 kommt plötzlich Marschbefehl. Es soll wieder einmal losgehen. Auf vereisten Straßen rückt das Regiment der Grenze zu. Die befohlenen ersten Marschziele sind teils erreicht, teils steht die Truppe kurz davor, als plötzlich der Befehl kommt, in die alten Quartiere abzurücken. Wieder einmal ist der Westfeldzug im letzten Augenblick abgeblasen. Es war wohl jeder über diesen Befehl froh, denn bei dem eisigen Winter wäre es wohl nicht so glatt gegangen wie später im Mai. Die Ausbildungsarbeit wird fortgesetzt, bis zum 30.1.1940. Dann kommt erneuter Marschbefehl. Das Regiment verlässt endgültig die bisherigen Unterkünfte und rückt in zwei Tagesmärschen weiter hinauf in die Schneeifel, in die Gegend von Prüm.


    Anfang Februar muss das II.Btl. geschlossen, mit Ausnahme des Adjutanten - jedoch ohne Waffen und Gerät - zu Neuaufstellungen nach Groß-Born abgegeben werden.

    Die 3./94 wird geschlossen in das neue II.Btl. versetzt und dort 6./94.

    Die 5./94 wird die 2./I.R. 4, während die neue 7./94 aus dem I.R.96 kommt.

    Die neue 8.(M.G.)Kp. wird aus Teilen von MG-Kp. der I.R4, 94 und 96 aufgestellt.

    Führer des II.Btl. wird zunächst Hptm.d.R. Graf von Bassewitz-Levetzow (Chef 11./94), danach Major Wienkoop, Btl.Adj. Lt. Brzoska, der Adjutant des alten II.Btl.


    Der Rgt.Stab liegt in dieser Zeit in Lissendorf,

    Stab I./94 in Gondelsheim (Forsthaus),

    Stab II./94 in Basberg,

    Stab III./94 in Olzheim,

    13./94. in Steffeln,

    14./94 in Schüller bei Jünkerath.


    Die Bewaffnung wird ergänzt, ebenso die Neugliederung der Schützenkompanien durchgeführt. Maschinenpistolen werden eingeführt. Bei Beginn des Westfeldzuges ist der Waffenbestand voll aufgefüllt. Anfang März verlässt Graf Bassewitz das Regiment und geht zu einem Btl.Führer-Lehrgang nach Königsbrück.


    Mit dem Fortschreiten des Frühjahrs 1940 häufen sich die Übungen im Btl.- und Regimentsverband. Der Beginn des Norwegen-Feldzuges lässt es immer gewisser werden, dass auch die trügerische Ruhe im Westen nicht mehr von allzu langer Dauer sein wird. Hierauf weist auch Armeeführer, Generaloberst von Kluge, anlässlich einer Besprechung, die als Offz.Gaskurs getarnt ist, hin.


    Die Division liegt nahe der Grenze, die Regimenter 4 und 96 als Grenzsicherung vorne, teilweise in den Westwallbefestigungen, die allerdings noch längst nicht das waren, was die Propaganda aus ihnen gemacht hatte. Überall sind die Anlagen noch im Bau begriffen und noch keineswegs zur Verteidigung bereit.


    Die Übungen werden zum Teil zusammen mit der Artillerie, den Pionieren und Panzerjägern durchgeführt. Auch die in der Eifel stationierte Flak, die nur wenig zu tun hat, beteiligt sich daran, besonders an den häufigen Übungen im Bunkerkampf. Anfang Mai wird das Regiment noch mit dem Legen und Suchen verlegter Tellerminen vertraut gemacht. Es ist alles bereit!


    Der Siegeszug im Westen

    Durch Luxemburg, Belgien und Frankreich bis zur Somme (10.5. bis 5.6.1940)

    Vormarsch bis zur Maas (10. bis 13.5.1940)

    (32.) Als die 32. Infanterie-Division am 9. Mai das dem Angriff vorhergehende Stichwort “Sedan“ erhielt, stand sie unter Befehl des II. Armeekorps im Verband der 4. Armee.

    Die nördlichste 4. Armee (Generaloberst von Kluge) hatte den Auftrag, so schnell wie möglich die Maas mit rechtem Flügel bei Dinant, mit linkem Flügel bei Givet zu gewinnen. Das hinter ihr stehende Panzer-Korps Hoth sollte über die Maas geworfen werden, sobald die belgischen Grenzsicherungen durchbrochen waren. Das Überwinden der Maas zwischen Givet und Sedan war für die links benachbarte 12. Armee und die hinter ihr stehende Panzergruppe von Kleist befohlen worden. Die an die 12. Armee schließende 16. Armee sollte den Flankenschutz nach Süden übernehmen.


    (94.) Am 9.5.1940 um 13.00 Uhr wird dem Rgt.Stb. das bereits bekannte Stichwort „Sedan“ durchgegeben. Diesmal ist es Ernst und nicht, wie so oft, Übung.


    X-Tag: 10.5.1940, 6.00 Uhr früh! Das Regiment wird sofort alarmiert. Zum Glück sind am gleichen Tag gerade noch die fehlenden letzten Maschinengewehre in der Frühe eingetroffen. In der Abenddämmerung beginn der Abmarsch in die befohlenen Bereitstellungsräume, die im Laufe der Nacht erreicht werden. I.R.94 ist wieder, wie bereits im Polenfeldzug, zunächst Divisionsreserve.


    Im Laufe des 10.5.1940 bis in die Nacht zum 11.5. überschreitet das Regiment die Reichsgrenze, durchquert zunächst den äußersten Südzipfel von Eupen-Malmedy, um nach 800 m auf luxemburgisches Gebiet zu kommen. Erste Rast des II./94 in Beiler. Feindwiderstand ist nirgends, das erwartete Artilleriefeuer bleibt aus, auch feindliche Flugzeuge erscheinen zunächst nicht. Bis 10.00 Uhr vormittags am 10.5.1940 sind belgische Flugzeuge noch nicht als feindliche zu betrachten, da die Reichsregierung noch hofft, dass die belgische Regierung dem Ersuchen um Gewährung freien Durchmarsches nachkommt; aus dem belgischen Hinterland herüberklingende Detonationen lassen aber keinen Zweifel darüber, dass die Belgier Brücken und Straßen sprengen und auf die Seite der Westmächte treten werden.


    (32.) Die erste Feindberührung hatte um 11.30 Uhr ein Spähtrupp der Aufklärungs-Abteilung 32 in Sommerain, nordostwärts Houffalize. Auch ostwärts Fontenaille zeigte sich Feind, der jedoch ebenso wie bei Sommerain ohne Kampf auswich.

    Durch eine schöne, reich bewaldete, hügelige und von tiefen Tälern und Schluchten durchschnittene Landschaft marschierte die Division bei strahlendem Frühlingswetter. Nur die in der Ferne hörbaren dumpfen Detonationen und Sprengungen und die vielfältigen Behinderungen auf der Vormarschstraße sowie die oftmals von der Bevölkerung verlassenen Ortschaften deuteten auf Krieg.

    Am Abend des 10.5.1940 hatten erreicht: I.R.4 Straße Dinez - Houffalize, A.A.32 Mont, I.R.94 Weißwampach, I.R.96 Raum Houffalize; Div.-Gef.-Std. Rettigny.


    (94.) Der erste Rgt.Gef.Std. wird am 10.5.1940 in Weißwampach, einem kleinen luxemburgischen Ort, in einem Gasthof eingerichtet. Hier meldet sich bei dem Rgt.Kdr., Oberst Seuffert, ein großherzoglich-luxemburgischer Gendarmeriewachtmeister und erklärt, er sei von seiner Regierung beauftragt, „für die Sicherheit des Stabes zu sorgen.“ Zu diesem Zweck habe er sich mit zwei Gendarmen in einem Zimmer des Gasthofes einquartiert. Man lässt den guten Mann gewähren! Am 11.5.1940 erfolgt die erste Wehrsoldzahlung in Reichskreditkassenscheinen.


    Wenn auch das Regiment zunächst ohne Feindeinwirkung in Fliegermarschtiefe den Vormarsch in den ersten Tagen fortsetzen kann, so stellt doch das bergige Gelände der Ardennen mit dem tief eingeschnittenen Flusstal der Ourthe, den teils gesprengten, sonnenheißen und staubigen Straßen usw. starke Anforderungen an die Truppe, die zudem erhebliche Marschleistungen zu vollbringen hat. Zum Glück ist die Brücke über die Ourthe unversehrt in deutsche Hände gefallen. Die Straßensprengungen sind so ungeschickt vorgenommen, dass sie den Vormarsch nicht ernstlich aufhalten können.


    (32.) Bis zum Abend des 11.5.1940 hatten erreicht: I.R.96 Raum Champlon, I.R.4 Gegend Ortho, A.A.32 Ambly - Nassogne.

    I.R.94 erreichte inzwischen im Nachtmarsch den Raum Wibrin - Mont - Fontenaille. Div.Gef.-Std. Nisramont.


    (94.) Es gilt in den ersten Tagen, so schnell als möglich die Maas zu erreichen und den Übergang zu erzwingen, bevor der Gegner stärkere Kräfte herangeführt hat. Marschziel ist die alte französische Festung Givet, die in einem schmalen Gebietsstreifen, der weit in belgisches Territorium hineinragt, an der Maas liegt. Der Marsch führt das Regiment, teilweise über Nebenstraßen, über Houffalize, Ortho nach Heer, nördlich Givet. Es treffen Meldungen ein, dass Franzosen und Engländer von unseren Panzerarmeen durchbrochen und geworfen seien und die Division den Gegner verfolge.


    (32.) Mit Eintritt der Dunkelheit hatten am 12.5.1940 erreicht: I.R.96 Lavaux St. Anne, I.R.4 Lomprez, A.A.32 Beauraing; Div.Gef.St. Resteigne.


    (94.) Maasübergang und Einnahme von Givet (13.5. bis 15.5.1940)

    Unter dieser Voraussetzung wird die 1./94 am Nachmittag des 12.5.1940 (Pfingstsonntag) von der Division herausgezogen und beauftragt, südlich Givet über die Maas zu gehen. Da keine Meldung von der vorgeworfenen Kompanie kommt, wird am 13.5.1940 (Pfingstmontag) das übrige I.Btl. mit demselben Auftrag vorgezogen. An der für das I./94 vorgesehenen Übersetzstelle ist das durch die Maas tief eingeschnittene Gelände am Westufer etwa 100 m höher als am Ostufer. Die dem Btl. zugeteilten Pioniere sind nicht zur Stelle, es trifft jedoch eine andere Pioniereinheit ein.


    Nach eingehender Erkundung und Befehlsgebung durch den Kdr. I./94, Major von Groeling, dem dies Gelände von 1914 her bekannt ist, wird am Nachmittag des 13.5.1940 gegen 15.00 Uhr unter dem für ein solches Unternehmen recht dünnen Feuerschutz der 4./94 (womit nichts gegen die Leistung dieser Kompanie gesagt sein soll!), die allein hierfür zur Verfügung steht, der Übergang über die Maas erzwungen.


    Trotz heftigen flankierenden Anwehrfeuers aus Bunkern am Westufer der Maas gelingt es der ersten Welle, am anderen Ufer Fuß zu fassen, das steile Westufer zu erklimmen und die anderen Kompanien nachzuziehen.


    Die feindlichen Bunkerbesatzungen halten daraufhin nicht aus, sondern räumen ihre sehr starken, zum Teil glänzend getarnten Bunker, ehe es zum Nahkampf kommt.

    Dem geworfenen Gegner, der nach Süden (maasaufwärts) weicht, stößt das Btl. noch etwa 2 km nach und macht dabei ca. 50 Gefangene. Die erreichte Linie wird gehalten, um die linke Flanke der Division zu sichern. Als das Btl. bei Dunkelheit von rückwärts Feuer erhält, wird die Reservekompanie in Richtung Givet eingesetzt. Am folgenden Morgen wird aus Givet entweichender Feind in Stärke von etwa 500 Mann gefangen genommen. Die Verluste des I./94 bei diesen gesamten Kampfhandlungen sind infolge der guten Vorbereitung des Übergangs trotz fehlender Artillerie-Unterstützung ganz gering.


    Die 14.(Pz.Ab.)Kp. wird am 13.5.1940 vom kommandierenden General des II.A.K., General d.J. Strauß, dem I.R.96, Kdr. Oberst Ilgen, unterstellt, das gerade mit Flößen und Schlauchbooten über die Maas setzt. Als die Kompanie auf einer breiten Teerstraße, die unter feindlichem Beschuss liegt, zur Maas fährt und dabei wegen des Beschusses das Tempo beschleunigen muss, überfährt sie die markierte Abzweigung zur Übersetzstelle und fährt auf der nach Süden abbiegenden Serpentinenstraße weiter.


    Der Kp.Chef, Hptm. Ulrich, fährt, um zu erkunden, weiter vor und gibt durch Zeichen den folgenden Fahrzeugen Befehl zum Halten, was jedoch übersehen wird. Von der Straße aus, die auf der Höhe verläuft, ist auf dem Westufer der Maas Verkehr von Raupenfahrzeugen zu beobachten, auch fdl. M.G-Feuer aus Bunkern macht sich bemerkbar.


    Als der Kp.Chef kurz vor einem Dorf, in dem er die Übersetzstelle vermutet, sich umblickt, sieht er seine ganze Kompanie auf der Straße hinter sich. Das vor der Kolonne liegende Dorf ist von Franzosen besetzt. In diesem Augenblick setzt feindliches Artilleriefeuer ein. Kurz entschlossen protzt die Kompanie ab und beschießt mit allen Rohren die auf dem Westufer sich bietenden fdl. Ziele. Treffer auf den Raupenfahrzeugen werden beobachtet. Im feindlichen Artilleriefeuer werden auf der 6 m breiten Straße die Kfz gewendet, die Kompanie protzt auf und jagt in Deckung zurück. Fast alle Fahrzeuge haben Treffer bekommen, zum Glück sind jedoch keine personellen Ausfälle zu beklagen. Dieser unvorhergesehene Einsatz hat aber das fdl. Artilleriefeuer auf die 14. Kompanie gelenkt und dem I.R.96 im entscheidenden Augenblick Luft verschafft. Die 14./94 setzt nunmehr im Rahmen des I.R.96 in Schlauchbooten die Geschütze und M.G.-Bedienungen unter Absingen des Deutschland-Liedes über und wird, nachdem die Geschütze im Mannschaftszug das steile Maasufer hinaufgezogen sind, in dem von I.R.96 gebildeten Brückenkopf eingesetzt. Nach dem Übersetzen des I.R.94 tritt sie sodann zum Regiment zurück.


    Die Masse des Regiments ist im Laufe des 13.5.1940 über Martonzin-Neuville, wo nachts gerastet wurde, näher an die Maas herangezogen worden. Am 14.5. rückt das Regiment zur Maas heran und überschreitet in den Nachmitttags- und Abendstunden bei Heer in Schlauchbooten und Pontons den Strom. II./94 löst am Westufer Teile des I.R.96 ab und sichert gegen Givet. III./94 wird ebenfalls als Flankensicherung gegen Givet eingesetzt. Dabei werden einige Franzosen gefangen genommen. Vor dem Übersetzen des III. Btl. hat die 9. Kp. den Auftrag, den an einer Stelle über die Maas gedrungenen Gegner zu vertreiben. Hierzu wird ihr ein l. J.G.-Zug unter Feldwebel Stephan unterstellt.


    Fieberhaft arbeiten inzwischen die Pioniere an einer Kriegsbrücke, die abends gegen 23.00 Uhr fertiggestellt ist. Nunmehr können auch die Fahrzeuge, vor allen Dingen aber die Artillerie, nachgezogen werden.


    (32.) Die 32. ID stand am Abend des 14.5.1940 nach einem Tag harter Kämpfe im Brückenkopf Hermeton - Cochenée - Punkt 242 - Agimont - Foische. Die eigentliche Festung Givet war noch in Feindeshand. Der Tag hatte schmerzliche Opfer gefordert. Allein das I.R. 4 verlor 24 Gefallene und 71 Verwundete. Noch in der Nacht vom 14. auf den 15.5.1940 stellten die Pioniere zwei Kriegsbrücken über die Maas fertig.


    (94.) In der Nacht stellt sich das II./94 im Brückenkopf zum Angriff in südlicher Richtung auf Givet, das schon den ganzen Tag vorher unter starken Stuka-Angriffen und Artilleriefeuer gelegen hatte, bereit.


    In einer gewaltsamen Erkundung in Kompanie-Stärke säubert Oblt. Aldefeld bis an Givet heran das Gelände und bringt z.T. völlig demoralisierte Gefangene ein. Auch II./94 hat mit seinen Spähtrupps gute Erfolge. Auf diese Weise wird noch in der Nacht das Vorgelände der Festung gesäubert, so dass beim Angriff am Morgen des 15.5.1940 das II./94 erst am Rand von Givet auf den ersten Widerstand stößt, der trotz des herrschenden dichten Nebels durch die mit Schwung angreifendenden Kompanien schnell gebrochen wird. Einige hundert Gefangene werden eingebracht.


    Die Division kann den Vormarsch sofort, mit I.R.94 als Vorhut - Vortrupp III./94 -, antreten, der über Nismes, Couvin, Chimay, Mariembourg weiter durch Südbelgien an die französische Grenze führt, jetzt auf guten Straßen.


    Durch kurz entschlossenen Einsatz von 2.l.J.G.-Zügen seitens des Kp.Chefs, Oblt. Kraaz, der dem III.Btl. unter Major von Massow unterstellt ist, wird sich eingrabender Gegner auf den Höhen ostwärts Romerée vertrieben und den Schtz.Kompanien Verluste erspart.


    (32.) Bis zum Abend des 15.5.1940 hatten erreicht: A.A.32 Höhen ostwärts Chimay, I.R.4 Raum um Vouvin, I.R.94 Raum um Nismes, I.R.96 Raum um Dourbes; Div.Gef.Std. Dourbes.


    (94.) Durchbruch durch die belgisch-franz. Grenzbefestigungen (16. bis 17.5.1940)

    Am 16.5.1940 erreichen die vordersten Teile des Regiments die Befestigungslinie an der belgisch-französischen Grenze, die sog. verlängerte Maginot-Linie im Raum Momignies - Trélon. Die Stoßrichtung der Division geht auf die Linie Trélon-Anor. Etwa um 15.30 Uhr wird III./94, das vorher schon während einer kurzen Marschpause eine etwa 1,5 km nördlich entfernt in Stellung gehende franz. Kompanie durch das Feuer eines unterstellten l.J.G.-Zuges vertreiben konnte, zum Angriff gegen die Befestigungslinie entlang einer Straße angesetzt.


    Nachdem ein Zug 8,8 cm Pak die Scharten eines Bunkers links der Straße zerschossen hat, wird dieser und anschließend ein zweiter Bunker rechts der Straße von den beiden vorn eingesetzten Kp. (9. u. 11.Kp. sowie Inf.Pi.Zug) genommen. Als es dunkelt, graben sich die Kompanien ein und treiben im Angriffsstreifen des Btl. Aufklärung vor.


    Gegen 16.00 Uhr am 16.5. 1940 erhält I./94 ebenfalls den Auftrag, noch am gleichen Tage die Bunkerlinie bei Momignies zu durchbrechen. Ein Zug 8,8 cm Pak der schweren Heeres-Panzer-Abw.525 wird dem Btl. unterstellt.


    Das Btl. wird in den Angriffsstreifen geführt und dem quer zur Angriffsrichtung verlaufenden Dorf Macon mit allen drei Schützen-Kompanien in vorderster Linie bereitgestellt. Inzwischen ist es dunkel geworden. Die Kp. erhalten Befehl, in ihren genau bezeichneten Streifen mit einem Zug aufzuklären und die Annäherungsmöglichkeiten und Lage der Bunker zu erkunden. Vor allem sollen Möglichkeiten zum Durchschlüpfen zwischen zwei Bunkern festgestellt werden, um die Bunker anschließend von rückwärts nehmen zu können.


    Die vorgetriebene Aufklärung hat Erfolg. Unbemerkt wird die Bunkerlinie durchschritten. Zwei Drahthindernisse können dabei durchgeschnitten werden. Ein in der zweiten Linie gelegener und leer vorgefundener Bunker wird besetzt, um von hier aus den bevorstehenden Angriff des Btl. zu unterstützen. Zugleich wird dem Btl.Kdr. - es ist etwa 2.00 Uhr morgens - Meldung erstattet. Auf dem erkundeten Weg werden sofort die Kompanien nach vorne geführt, zunächst vom Feind unbemerkt. Erst als sich der Morgennebel lichtet, bemerkt der Franzose die Angreifer und eröffnet aus den Bunkern heftiges MG-Feuer. Nunmehr muss zur oft geübten Bunkerbekämpfung geschritten werden. Unter Verlusten gelingt es der 2. Kp. an der geschlossenen Scharte eines Bunkers geballte Ladungen anzulegen und zu sprengen. Die Besatzung räumt daraufhin den Bunker und verschwindet in rückwärtigen Verbindungsgräben, gerät aber dort in das Feuer der bereits nachts durchgebrochenen Teile des Btl. In dem Bunkerstützpunkt dieses Stoßtrupps sammelt das Btl. zum weiteren Vorstoß in das von Feldstellungen durchzogene Hinterland. Der Angriff wird gegen das Dorf Ohain weiter vorgetragen.


    Gegen hartnäckig wehrenden Feind dringt das I.Btl. in den Ort ein. Hierbei fällt der Art.Verb.Offz. des A.R.32 durch Kopfschuss. Da der Btl.Kdr. einen unnützen Ortskampf vermeiden will, lässt er beiderseits der Hauptstraße entlang der Häuser den Ort durchschreiten und sammelt am jenseitigen Ortsausgang das Btl. wieder. Hier setzt er seine Kompanie zum weiteren Angriff am 500 m entfernten Waldrand an. Der Angriff wird durch einen Feuerstoß der gesamten MG.K. vorbereitet. Mit aufgepflanzten Seitengewehr stürmt das Btl. die fdl. Stellungen am Waldrand, wo noch einige Schwarze gefangen genommen werden. Tiefgegliedert dringt das Btl. in westlicher Richtung weiter vor.


    Neben dem I.Btl. kämpft sich das III./Btl. mit gleichem Kampfauftrag in schweren Kämpfen durch die Bunkerlinie vor, nachdem der Nebel sich gelichtet hat. Dem III.Btl. sind ein Zug Heeres-Pak (8,8 cm), ein Zug 14./94 und Teile der 13./94. unterstellt, außerdem hat das Btl. Unterstützung durch A.R.32. Es geht an der gleichen Straße wie I./94 durch Ohain und säubert mit zwei Zügen unter der persönlichen Führung des Btl.Kdrs. die Heckenstreifen links der Vormarschstraße von den Widerstand leistenden Franzosen, unter denen sich auch Marokkaner befinden.


    Pakgeschütze der 14./94 leisten bei der Niederkämpfung der Bunker dem III.Btl. gute Unterstützung. Hierbei wird Lt. Baltzer, der selbst ein Geschütz bedient, durch Lungenschuss schwer verwundet. Besonders wirksam ist die Bunkerbekämpfung durch die 8,8 cm Heerespak, die durch direkten Beschuss, oft nur aus 300 m Entfernung, mehrere Bunker außer Gefecht setzt. Durch Frühkrepierer wird hierbei fast der ganze Stab des III./94. verwundet, auch Major von Massow, der aber die Führung des Btl. beibehält.


    Ganz besonders tut sich der Inf.Pi.Zug des Regiments, der dem III.Btl. unterstellt ist, hervor. Unter seinem schneidigen Zugführer, Oblt. Aldefeld, gelingt es ihm, im Zusammenwirken mit den Kompanien des III./94, alle 7 Bunker durch geballte Ladungen - gegen hartnäckigen Widerstand - zu knacken.


    Auf dem 7. Bunker stehend fällt Oblt. Aldefeld durch die Kugel eines franz. Schützen aus einem bisher unerkannten Bunker, als er gerade eine Handgranate in den Luftschacht stecken will. Auf den neu erkannten Bunker wird sofort ein 8,8 cm Geschütz angesetzt, das wiederum Präzisionsarbeit leistet und damit den Männern des führerlos gewordenen Zuges zum Erfolg verhilft und weitere Verluste erspart.


    Das II./94 hatte an diesem Kampftage, als Reserve folgend, den Auftrag, das genommene Gelände durchzukämmen, um etwa noch vorhandene Widerstandnester niederzukämpfen. In der Nähe einer Bahnlinie trifft es im Walde auf erhebliche Feldbefestigungen und Bunker, die aber schon geräumt sind.


    Das Regiment hat ganze Arbeit geleistet. So wie es im Frieden und in den Monaten vor dem Feldzug immer und immer wieder geübt worden war, haben die Männer Bunker um Bunker angegriffen und geknackt. Die Wirkung war verheerend. Teilweise haben sich die französischen Besatzungen so sicher gefühlt, dass sie nicht einmal die rückwärtigen Stahltüren an den Bunkern schlossen, was in mehreren Fällen den Stoßtrupps die Arbeit erheblich erleichterte. Ungeheuer war auch die Wirkung der Pak-Geschütze im Schartenbeschuss. Der Grundsatz des Rgt.Kdrs.: „Schmeißt dem Gegner zuerst Eisen ins Gesicht - dann erst greift an unter ununterbrochenem Feuerschutz - und wenn die letzte Patrone drauf geht!“ hatte sich erneut bewährt.


    Einen guten Kilometer ist die Bresche breit, die das Regiment in den feindlichen Sperriegel geschlagen hat. Als das I./94 die Bunkerstellung bereits durchbrochen hat, wird beobachtet, wie in etwa 1500 m Entfernung der Angriff des rechten Nachbarn (I.R.89 Schwerin, Kdr. Oberst Frhr. von Schleinitz) noch vor den Befestigungen festliegt. Da vom Gef.Std. I./94 die fdl. Bunker genau zu erkennen sind, setzt der Btl.Kdr. die 8,8 cm Pak gegen diese Bunker ein und schafft damit I.R.89 wesentlich Luft für eine erfolgreiche Fortsetzung des Angriffs.


    Nach dem endgültigen Durchbruch marschiert III./94 am Spätnachmitttag in westlicher Richtung als Vorhut des Rgt. noch einige Kilometer bis Fourmies, wo es Quartier bezieht. II./94 erreicht als Reserve abends ebenfalls diesen Ort, sichert am Westrand und schießt sich in der Nacht mit versprengten franz. Truppen herum.


    (32.) Dagegen musste sich IR 4 am 17.5.1940 in planmäßigem Angriff den Durchbruch durch die feindliche Befestigungszone erkämpfen. Es nahm Anor in Besitz. Vorher musste hartnäckiger Widerstand gebrochen werden. In mehreren Bunkern wurde die gesamte Besatzung gefallen aufgefunden. Unvergesslich blieb für diejenigen, die es miterlebten, der Anblick jenes blindgeschossenen Kommandanten eines französischen Betonwerkes, der als alter Kapitän den Erstürmern in vorbildlicher soldatischer Haltung entgegentrat, um sein Werk zu übergeben. Nach Durchschreiten von Anor wurde das Regiment auf La Capelle angesetzt, während die A.A.32 den Befehl bekam, links ausholend auf La Capelle aufzuklären.

    In der Nacht vom 17. auf 18.5.1940 verblieben A.A.32 und I.R.4 im Raum Clairfontaine.


    La Capelle, das ursprüngliche Tagesziel des I.R.4, wurde inzwischen durch die 8. Panzer-Division in der gleichen Nacht nach harten Kämpfen genommen. I.R.4 übernahm am 18.5.1940 um 6 Uhr die Stadt von der 8. Panzer-Division.

  • Weiter gehts:


    Weiterer Vormarsch und Kampf um Wassigny (18. bis 20.5.1940)

    (32.) I.R.4 erreichte, nachdem es aus dem Brückenkopf Oisy angetreten war, ohne Feindwiderstand Ligny.


    (94.) Die allgemeine Vormarschrichtung geht am 18.5.1940 weiter auf Mondrepuis. Hier erhält das Regiment die erste wohlverdiente Ruhe bis zum Vormittag des 19.5.1940. Die Ruhe tut auch besonders den Pferden gut. Teilweise mussten schon Requisiditionen vorgenommen werden, da viele Pferde schlapp gemacht hatten. Währen dieses Ruhetages rollen die Panzerverbände, die bei Sedan die franz. Front durchbrochen hatten, nach Norden, um den so berühmt gewordenen Kessel von Lille und Dünkirchen zu schließen.


    Das erheblich zerstörte La Capelle wird am 19.5.1940 durchschritten. Hier wird ein franz. Kommandierender General als Gefangener eingebracht, der auf dem Wege nach Le Cateau war, um dort zu seinen mot.Kav.Brigade zu stoßen und recht erstaunt ist, hier die Pommern vorzufinden!


    In der Nacht Vom 19. auf den 20.5.1940 ist das II./94 in Kämpfe bei Boué verwickelt, die bis gegen Morgen dauern und 2 Tote und 5 Verwundete kosten.


    Ein Problem wird bereits in diesen Vormarschtagen der starke Flüchtlingsstrom. Auf der großen Straße wälzt sich eine endlose Kolonne belgischer Flüchtlinge, die heim wollen. Zum Glück ist das Wetter gut. Wer konnte damals ahnen, dass auch einmal deutsche Menschen bei grimmer Winterkälte einen gleichen Leidensweg würden ziehen müssen?


    Der nächste ernsthafte Feindwiderstand ist am 20.5.1940 bei Wassigny, das von einem algerischen Schützen-Regiment verteidigt wird. Männer des Reiterzuges bringen die erste Meldung, dass sie auf halbem Wege auf Wassigny angeschossen worden seien. Es kommt zunächst zum Halten und Einrichten zur Verteidigung, als aus Süden heftiges Artilleriefeuer herüberschallt. Kurz darauf kommt der Befehl zum Angriff auf Wassigny.


    Zur Brechung des fdl. Widerstandes werden I. und III. Btl. eingesetzt. Wassigny ist ein typisches franz. Dorf, mit massiven Bauernhäusern, die zur Straße hin kaum Fenster aufweisen. (Diese Eigenart beruht auf der französischen Fenstersteuer.)


    Das III./94 wird im Laufe des 20.5.1940 - es hat die Nacht vorher neben der Vormarschstraße in einem lichten Waldstück geruht - aus der Reserve vorgezogen und im Beisein des kommandierenden Generals auf Wassigny angesetzt, weil es angeblich bei dem bereits eingesetzten I./94 -l.Kp. - nicht vorwärts ging. Kdr. I./94 und III./94 einigen sich in der Ferme de L’Arrouaise über die Gefechtsstreifen. Das III./94 tritt aus dem Marsch heraus mit linkem Flügel Richtung Kirchturm von Wassigny an, mit 9. und 10.Kp. vorne.


    Etwa 200 m vor dem Dorfrand verebbt der anfängliche Angriffsschwung im fdl. Feuer, das aus Häusern und Hecken den Angreifern entgegen schlägt. Die unvorhergesehene Pause wird zum erneuten und verschärften Sinnsatz der zugeteilten bzw. der sich beim Kdr. III./94 meldenden weiteren Artillerie, des wieder unterstellten Pak-Zuges der 14.(Pz.Abw.)Kp.94 und der 12.(M.G.)Kp. ausgenutzt. Durch das zusammengefasste Feuer kommt der Angriff wieder in Fluss. Der seine 10.Kp. mit besonderem Schwung führende Oblt. Krüger kämpft sich durch Wassigny hindurch bis an den Bahnhof heran, kann sich am Bahndamm gegen einen Gegenangriff aus dem gegenüberliegenden Walde jedoch nur durch den Einsatz aller Teile des Btl. halten. Der Einsatz des III./94 trägt dazu bei, der 1.Kp., die ebenso wie die 5. Kp. schwer zu ringen hat, Luft zu schaffen. Kurz vor Dunkelheit meldet die vom III./94 vorgetriebene Aufklärung, dass sich der südl. von Wassigny befindliche Wald voller Munitionsstapel befinde und bringt versprengte Franzosen als Gefangene ein.


    Von Oisy aus, wo das Regiment am 20.5.1940 rastet, wird zur Entlastung besonders des III./94 die 5. Kompanie nach der Ferme de L’Arrouaise in die Bereitstellung vorgeführt.

    Zunächst kann die Kompanie wie auf dem Manövergelände vorgehen, vom Feinde noch unbemerkt. Nach einigen 100 Metern setzt fdl. Infanteriefeuer ein. Als die Kompanie ihrerseits mit den M.G. das Feuer aufnimmt, ziehen sich die fdl. Vorposten auf den Dorfrand zurück.


    Genau vor dem Dorf liegt eine Höhe, vor der sich die 5. Kompanie teilt. Der 2. und 3. Zug benutzt eine Mulde, die links vorbei auf das Dorf zuläuft, während der 1. Zug die Höhe rechts umgeht und in Richtung Dorfmitte angreift. Dem 3. Zug gelingt es, die ersten Häuser schnell vom Feind zu säubern. Dann aber versteift sich der Widerstand. Der Zug gerät in Gefahr, umgangen zu werden, kann sich aber befreien, eine 300 m lange Häuserreihe aufrollen, dabei ca. 100 Gefangene machen und die Fühlung mit dem 2. Zug aufnehmen. Dieser ist beim Vorgehen auf eine gut ausgebaute Stellung gestoßen.


    Durch hervorragenden Einsatz der unterstellten s.M.G. gelingt es, zwei fdl. M.G.-Nester, die das Vordringen des 1. Zuges und der 1. Kp. gehindert hatten, im Nahkampf zu nehmen. Ein frz. 16 to Tank, augenscheinlich verlassen, wird beim weiteren Vorgehen entdeckt. Als er bereits im Rücken der Stürmer liegt, wird beobachtet, wie die fdl. Besatzung den Tank zu erreichen sucht. Durch gut gezieltes Feuer kann sie daran gehindert werden.


    In zähem Nahkampf in den Obstgärten gegen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner gelingt es nun, die Verbindung auch zum 1. Zug der 5. Kompanie, dessen Zugführer Lt. Wack trotz schwerer Verwundung die Führung beibehielt, aufzunehmen.


    Mit blanker Waffe stürmt die Kompanie weiter vor. Wegen der geringen Fensterzahl in der Straßenfont der Häuser hat der Gegner Mauersteine aus den Wänden gebrochen und schießt durch diese Scharten. In die Zimmer, Keller und Scheunen fliegen die Handgranaten der Stürmenden. Ein gruppenweises Vorarbeiten gibt es nicht mehr. Jeder muss selbständig handeln, so wie es die augenblickliche Lage erfordert, um die sich bietenden Chancen auszunutzen. Ein Pak-Geschütz wird in schneidigem Zupacken genommen, zwei abgeschossene deutsche Flieger können befreit werden, die sich sofort der Kompanie bei ihrem weiteren Vorgehen anschließen, um ihren Leutnant und einen Unteroffizier zu befreien, was auch gelingt. Als fast die gesamte Häuserreihe genommen ist, trifft die 5.Kp. der schwerste Verlust seit Beginn der Kämpfe: in vorderster Linie mit Pistole und Handgranate kämpfend, fällt der allseits beliebte und verehrte Kp.Chef Oblt. Robert Riedel.


    Gegen 21.00 Uhr tritt die Kp. zum letzten Sturm gegen den endlich weichenden Feind an. Sein Kommandeur, ein Oberst, dem man wegen seines heldenhaften Widerstandes die Waffe gelassen hat, erschießt sich kurz danach in der Nähe seines schwer verwundeten Rgt.-Geistlichen. Die restlichen 150 Mann ergeben sich. Die Verbindung zur 1.Kp. wird durch den 3. Zug hergestellt und die erreichte Linie gesichert, nachdem die 6.Kp. zur Verstärkung herangezogen ist. Insgesamt werden von der Kompanie 350 Gefangene gemacht. Die 5. Kp. hat 9 Tote und 16 Verwundete zu beklagen. Noch in der Nacht wird der Weitermarsch nach St. Martin angetreten. Lt. Petersen übernimmt am Morgen des 21.5.1940 die 5. Kp. Unter den Verwundeten des III.Btl. befindet sich auch Lt. Majert.


    Vormarsch in’s nordfranz. Industriegebiet (21. bis 25.5.1940)

    Am 21.5.1940 setzt das Regiment den Vormarsch fort. I. und III.Btl. durchkämmen die Wälder südlich La Vallée Mulatre in Zusammenarbeit mit dem mot.I.R.25, das hier nach Abschluss der Aktion den Vormarschbefehl auf Abbeville erhält. II./94 sichert die offene rechte Flanke. Feindberührung erfolgt nicht. Der Vormarsch wird über Bussigny nach Chary (II./94) fortgesetzt, etwa 15 km von Cambrai entfernt. Rgt.Stb. in Coulbery.


    III./94 wird am 22.5.1940 südostwärts Cambrai durch den Division.Kdr. persönlich nach Nordwesten abgedreht, um der Hamburger mot.inf.Div. (90?) im Raume nordwestlich Cambrai zu helfen, die Durchbruchsversuche franz. Panzerverbände nach Süden zu vereiteln. Wieder heißt es Eile! Über Cambrai, das vom III.Btl. entfaltet durchschritten wird, geht der hastende Vormarsch nach Tilloy und in die Gegend von Avaucourt. Die Hauptgefahr ist jedoch beseitigt. Das nunmehr dem I.R.4(?) unterstellte III./94 greift befehlsgemäß in Richtung Hem Lemglet an und erreicht ohne nennenswerten Widerstand den als Angriffsziel bezeichneten Kanal de la Sensée und gräbt sich ein.


    Am 22.5.1940 setzt das Regiment den Vormarsch bis Seranvillers fort. Auf dem Marsch erhält II./94 den Befehl zum Einsatz am Kanal de la Sensée nördlich Paillencourt. Abends wird Cambrai durchschritten. Die Nacht wird im Freien verbracht. Der einzige fdl. „Angriff“ erfolgt gegen die 5./94. Der „Gegner“, ein Bulle, wird von Feldw. Brechlin erschossen!


    (32.) Bis zum Mittag des 23.5.1940 warfen I.R.94 und I.R.4 den Gegner über den Sensée-Kanal zurück. Schwache Feindvorstöße wurden abgewiesen. Die Divisions-Artillerie nahm rückläufige Bewegungen des Feindes unter Feuer.

    Gegen 13 Uhr wurde folgende neue Abschnittseinteilung befohlen: I.R.94 Estrun - Palluel (ausschließlich), I.R.96 Palluel - Etaing, I.R.4 zur Verfügung der Division in den Raum Baralle Marquion, A.A.32 nach Cagnicourt. Die Ablösung konnte wegen beobachteten feindlichen MG und Artilleriefeuers erst nach Einbruch der Dunkelheit vorgenommen werden.


    (94.) Am 23.5.1940 greift II./94 Paillencourt an. Als sich die Kompanie dem Kanal nähert, erhalten sie aus dem gegenüber liegenden Gestrüpp M.G.- und Gewehrfeuer. Bei der 7.Kp. treten die ersten Verluste ein, 4 Tote, darunter Lt. Eichstädt.


    Besonders unangenehm macht sich das franz. Artillerie- und Granatwerferfeuer bemerkbar. Sogar auf einzelne Leute schießt der Franzose mit einer ganzen Batterie.

    Auf dem Kirchturm von Paillencourt fällt ein Lt. des A.R.32 als VB durch eine M.G.-Garbe. Die Brücke über den Kanal wird vom Feind gerade in dem Augenblick gesprengt, in dem Lt. Manns (8./94) im Begriff ist, sie mit einigen Männern zu nehmen.


    Am Abend kommt Befehl zum Absetzen vom Feinde. Eine neue Sicherungslinie wird auf den Höhen südlich Paillencourt bezogen und der Abschnitt des I.R.4 übernommen. Schwache Sicherungen bleiben am Kanal. Gef.Std. des II./94 in Thom-Leveqe. Die Nacht verläuft ohne besondere Ereignisse.


    Am Nachmittag des 24.5.1940 wird das Regiment in dieser Sicherungslinie durch die A.A.267 abgelöst und herausgezogen. Die Ablösung muss äußerst vorsichtig erfolgen, da das Gelände vom Gegner gut einzusehen ist und er auch auf die kleinsten Bewegungen mit gut gezieltem Artillerie-, M.G- und Gewehrfeuer reagiert. Zum Glück entstehen keine Verluste.


    Das III./94 tritt nach Herauslösen zum Regiment zurück und fädelt sich auf der Marschstraße Cambrai-Arras in die Marschkolonne des I.R.94 wieder ein. Das Regiment bezieht in der Nacht Unterkunft im Raum Séclusse. Die Ruhe ist nur kurz. In den Morgenstunden des 25.5.1940 wird der Vormarsch über Brébières, Quiery-la Motte, Beaumónt nach Sallaumines (Ostrand Lens) fortgesetzt. Franz. Artillerie legt im rechten Winkel zur Vormarschrichtung von Osten her Feuer auf die Vormarschstraße.


    Das III./94 ist Vorhut. Bei Beaumont schlägt ein Volltreffer in’s I.Btl. Ein halber Zug bleibt liegen! Der Marsch führt an dem völlig zerschossenen fdl. Flugplatz Vitry vorbei, auf dem 20 bis 25 ausgebrannte Jäger Zeugnis von der Treffsicherheit der deutschen Luftwaffe ablegen.


    Abends wird das eigentliche Industriegebiet nach einem Marsch von ca. 25 km erreicht und in Sallaumines Quartier bezogen. Lothringische Bergarbeiter bereiten dem Regiment einen unerwartet freundlichen Empfang.


    Kämpfe am Kanal Haut d’Heule und um Lille (26. bis 28.5.1940)

    Am 26.5.1940 wird das Regiment langsam nach Harnes vorgezogen, das unter fdl. Artillerie-Streufeuer liegt. Am Kanal Haut d’Heule kämpfen I.R.4 (rechts) und 96 (links) heftig um den Übergang und können teilweise kleine Brückenköpfe bilden. Die 7./94 wird um 12.30 Uhr dem I.R.4 unterstellt. Der Kp.Chef, Oblt.d.R. Meyer, wird bei diesen Kämpfen verwundet, die Führung der Kompanie übernimmt Oblt.d.R. Götze.


    (32.) I./IR 4 wurde westlich le Pont de Courrières eingesetzt, während das dem Regiment unterstellte I./I.R.94 den Schutz der rechten Flanke gegen Feind aus dem Bois d’Epinoy übernahm.


    (94.) Unter fdl. Artilleriefeuer überschreitet das Regiment, mit dem III.Btl. zuerst, bei einer Fabrik in La Courrieres den Kanal, um dem dort kämpfenden Jäger-Btl. I.R.4 Unterstützung zu bringen. Pioniere setzen mit Schlauchbooten zunächst das III./94 über. Gefangene franz. Offiziere weigern sich, mit ihren farbigen Untergebenen ein und dasselbe Schlauchboot zu benutzen. Sie müssen es trotzdem und sind fassungslos, dass sie hier bereits deutsche Infanterie vor sich haben.


    Das III.Btl. verlängert den vom Jg.Btl.I.R.4 in schweren Kämpfen gewonnenen Brückenkopf nach links. Die geplante Fortsetzung des Angriffs scheitert an der mangelnden Unterstützung durch schwere Waffen und der hereinbrechenden Nacht. Vorgetriebene Aufklärung bringt einige Gefangene und die Meldung, dass der Gegner sich anscheinend abgesetzt hat. Das II./94 verlängert am Spätnachmittag den linken Flügel des III./94 nach Westen und gräbt sich ebenso wie das III. Btl. ein. Die Verbände liegen in folgender Reihenfolge von rechts nach links: I./94, II./4, III./94, II./94, III./4., I.R.96.


    Es ist Nacht geworden, bis die letzten Einheiten des Regiments übergesetzt und in die Kampffront eingegliedert sind. Durch die Dunkelheit geraten die Verbände teilweise durcheinander und müssen am nächsten Morgen erst wieder entwirrt werden. Die Nacht verläuft im allgemeinen ruhig, nur einige Panzerwagen stören für kurze Zeit die 6./94.


    Der Angriff am 27.5.1940 - Angriffsbeginn um 9.00 Uhr - führt bis vor Carvin. Offensichtlich hat sich der Feind im Schutze der Nacht etwas abgesetzt. Beim II.Btl. gibt sich der Rest einer franz Kompanie, etwa 50 Mann, gefangen. Bei Carvin leistet der Gegner dagegen wieder erheblichen Widerstand, sowohl gegenüber dem II./94 als auch gegenüber dem III./94. Er führt sogar von 13 Panzern unterstützte Gegenangriffe. Es gelingt einigen Geschützen der 14.(Pz.Abw.)Kp. und der Pz.Abw.Abt.525, die schon über den Kanal nachgezogen worden waren, zwei franz. Panzer durch Schüsse auf die Gleisketten oder in die Sehschlitze bewegungsunfähig zu schießen; der Rest dreht ab.


    Durch die Panzerung selbst schlagen die Granaten der 3,7 cm Pak nicht durch. Schon damals nennt der Landser die 3,7 cm Pak wegen der zu geringen Durchschlagskraft „Heeresanklopfgerät“.

    Im Laufe des Tages gelingt es auch Artillerie über den Kanal nachzuziehen, die nun zur Unterstützung der festliegenden Kompanien eingreifen kann. Auch die leichten Züge der 13.(J.G.)Kp. sind schon morgens, als noch keine festen Brücken über den Kanal geschlagen waren, übergesetzt und im Mannschaftszug über erhebliche Entfernungen herangeführt worden. Die Gefechtslage wird weiterhin im Laufe des Nachmittags durch einen 20minütigen Stuka-Angriff auf Gondeqourt gebessert, der so hervorragend geflogen wird, dass die Landser vor Begeisterung aus ihren Schützenlöchern aufspringen und ungedeckt dem gewaltigen Schauspiel zusehen.


    II./96 geht um 19.00 Uhr links vom II./94 zu weiterem Angriff vor und dringt trotz heftiger Abwehr in die fdl. Stellungen in Carvin ein. III./94 greift noch am Spätnachmittag weiter an, überwindet den unter starkem fdl. Feuer liegenden Raum nördl. Carvin und gräbt sich bei Dunkelwerden in der erreichten Linie ein. II./94 bleibt in der alten Stellung liegen, da es offenbar den Angriffsbefehl nicht mehr rechtzeitig erhalten hat.


    Hier sei kurz eine kleine Episode eingeschaltet: Während das III./94 sich in Carvin befindet, meldet sich ein Schütze bei seinem Btl.Kdr. und bittet, das Grab seines im 1. Weltkrieg gefallenen und in Carvin begrabenen Vaters suchen zu dürfen. Mit Hilfe des von ihm ausfindig gemachten frz. Friedhofwärters gelingt es ihm tatsächlich, das Grab seines Vaters zu finden.


    In den frühen Morgenstunden erreicht das Regiment über Carvin vorgehend Chemy und Gondecourt ohne Feindeinwirkung. Einige Gefangene werden aus den Kellern geholt. Der Angriff wird in Richtung Houplin und Seclin fortgesetzt. Gegen starken fdl. Widersand gelingt es der 7. und Teilen der 8./94 in blitzschnellem Zupacken die Brücke über den Kanal bei Seclin unversehrt in ihre Hand zu bekommen, am anderen Ufer Fuß zu fassen und eine dort gelegene Fabrik, in der sich der Gegner eingenistet hat, zu säubern. Eine Batterie Feldgeschütze wird erobert und 150 Gefangene werden eingebracht.


    Die 7. Kompanie hat dabei einen Toten und 9 Verwundete. Die sofort nachstoßende 5. und 6. Kompanie können den Brückenkopf nach links und rechts erweitern und für den Übergang der anderen Teile abschirmen. Vor der stürmenden Kompanie weicht der Feind zurück. Große Scharen Franzosen fliehen. Leider ist die Munition knapp geworden, so dass die Flucht des Gegners kaum gehindert werden kann.


    Heftiges Artilleriefeuer aus Richtung Lille macht sich inzwischen unangenehm bemerkbar. Gegen Mittag wird zum weiteren Angriff in Richtung Lille, das nicht mehr weit entfernt ist, angetreten. Der Angriff kommt aber bald infolge des sich ständig steigernden Artilleriefeuers zum Stehen. I./94 erreicht den Grund von Noyelles, unterstützt von 2 leichten Zügen der 13.(J.g.)Kp. Angriffsziel des I./94 ist Emmerin. Die l.Kp. (Chef Hptm. Stuppi) erleidet bei dem Angriff erhebliche Verluste durch Feuer aus fdl. Stellungen südlich Lille.


    Die Kompanien müssen sich eingraben, teilweise zunächst in ungünstigen Stellungen, so dass verschiedentlich einige Kompanien geringfügig zurückgenommen werden müssen. Durch ein quer zur Angriffsrichtung des I.R.94 angreifendes Regiments (I.R.247?) entsteht zudem eine Situation, die für den Augenblick die Fortsetzung des eigenen Angriffs auch aus diesem Grunde unmöglich macht. Zum Glück fordert das überaus heftige Artilleriefeuer beim II./94 nur 2 Verwundete.


    Bevor der Angriff fortgesetzt werden kann, kommt plötzlich gegen 17.30 Uhr der Befehl zum Herauslösen. Der Ring um die franz. Nordarmee ist so eng geworden, dass die 32. Division für neue Aufgaben herausgezogen werden kann. Das I.R.94 setzt sich vom Gegner ab, wird durch I.R.247(?) abgelöst, sammelt einige Kilometer rückwärts und bezieht Quartier, II./94 in Wachem.


    Am 29.5.1940 rückt das Regiment nach Léns. Hier stößt der Tross wieder zum Regiment und es gibt einen Ruhetag, der von vielen dazu ausgenutzt wird, um die im 1. Weltkrieg hart umkämpfte Vimy- und Loretto-Höhe, Soùchez und die riesigen deutschen, französischen und britischen Heldenfriedhöfe mit ihren z.T. eindrucksvollen Denkmälern zu besichtigen. (Anm. ost4: Es hat leider nichts genützt…)


    Hier sei abschließend ein Bericht eines Mitkämpfers eingeflochten, der den Sturm auf die Brücke von Seclin und die folgenden Stunden schildert:


    Es ist ein heißer Sommertag. Das II.Btl. geht tief gegliedert vor. Ein Pkw kommt und hält. Oberst Seuffert und sein Adjutant, Hptm. Rhau, sind darin. Als der Btl.Kdr. sich nähert, um zu melden, ruft ihm der Rgt.Kdr. schon von weitem zu: ‚Neuer Befehl!‘ Im Gelände zeigt er die Richtung ein. II./94 greift dorthin an, nimmt die Brücke und geht weiter in dieser Richtung vor. Schon fallen einige Schüsse. Vorne setzt M.G.-Feuer ein. Lt. Manns, der den Befehl mitgehört hat, ist schon wieder vorne bei seinen M.G. Und schon feuern sie aus allen Rohren. Zügig geht das Btl. vor. Die Brücke fällt schnell in unsere Hand. Sie ist unzerstört. Einige verwundete Angehörige des Btl. liegen dort in ihrer Nähe. Kaum sind wir auf der anderen Seite, da schlagen Granaten rechts vor uns in eine Fabrik. Man weiß nicht, von wo sie kommen. Links vor uns sehen wir kaum 100 m weit eine Ferme inmitten von hohen Laubbäumen. Sie ist von einer dichten Hecke umgeben. Im Vorbeigehen sehen wir dort eine bespannte fdl. Batterie stehen. Sie war gerade im Begriff gewesen, abzurücken, als der vorstürmende Lt. Manns sie mit Leuten des Blt. überraschte. Im Handstreich konnte sie genommen werden. Die Franzosen ließen sich gefangen nehmen. Es geht weiter. Plötzlich sehen wir vor uns fremde Schützen links neben einer Fabrik, die vorher die Granattreffer bekommen hat, auf uns zukommen. Es sind eigene Truppen eines fremden Regiments. Bald ist ein fürcherliches Durcheinander. Wohl eine halbe Stunde dauert es, bis wieder Ordnung geschaffen ist. Gott sei Dank fällt kein Schuss auf Feindseite. Der Franzose kann uns nicht sehen, da eine kleine Anhöhe zwischen ihm und uns liegt. Doch in diesem Augenblick weiß auch niemand von uns, wo sich der Feind befindet. Der Btl. Kdr. regelt mit dem fremden Einheitsführer den folgenden Einsatz. Die Angriffsabschnitte werden eingeteilt. Für II./94 liegen sie um etwa 90 Grad gegenüber vorher nach links verschoben und entsprechen so dem Regimentsbefehl. Die Kp.Chefs erhalten ihre Befehle. Dabei wird ihnen eingeschärft, auch ja dafür zu sorgen, dass das Btl. tief gestaffelt weiter vorgeht. Man lacht etwas in sich hinein, ist es doch erstens selbstverständlich, zweitens tausendmal auf dem Exerzierplatz und im Kampf geübt und drittens das besondere Steckenpferd des Btl.Kdrs. Als dann das Btl. vorgeht und die leichte Höhe überwindet, kann dem alten Soldaten das Herz im Leibe lachen. Fast einen Kilometer tief geht das Btl. gestaffelt vor. Kein Schuss fällt. Aus Bunkern an der rechten Seite des Abschnitts werden einzelne Trupps Franzosen herausgeholt und nach hinten abgeschoben.

    Wohl die Hälfte des Btl. hat die Geländekuppe schon überwunden. Links vorn taucht ein Sandsackstand auf, der wohl vorher als fdl. Geschützstellung gedient hat. Kilometerweit kann man dann nach vorne sehen. Hier stehen einige Baumgruppen, dort Hecken und dazwischen Fermen. Leicht fällt das Gelände nach unten ab. Plötzlich ein Feuerschlag: unzählige fdl. Granateinschläge platzen in das Btl. hinein. Es raucht und blitzt überall auf. Abschuss und Einschlag der fdl. leichten Artillerie sind nicht mehr zu unterscheiden. Ein wahres Trommelfeuer liegt auf dem Btl. Wer in der Nähe des Sandsackstandes ist, läuft dorthin, denn er bietet den einzigen Splitterschutz weit und breit. Bald ist er vollgestopft mit Soldaten. Man denkt daran, wie verheerend sich hier ein Volltreffer auswirken muss. Einer, aus dem 1. Weltkrieg erfahren, reißt Sandsack auf Sandsack von der Brüstung und legt die Säcke auf ein schräg gestelltes Fahrrad, um sich so eine Rückendeckung zu schaffen. Dabei sieht er einen Kameraden nicht weit von sich entfernt aufrecht stehen und über die Brüstung schauen. Er scheint von den ringsherum einschlagenden Granaten nicht im geringsten beeindruckt zu sein. „Mensch, Sie sind wohl verrückt geworden! Machen Sie es doch so wie ich und machen Sie sich einen Rückendeckung!“ Antwort: „Der liebe Gott hat uns so oft geholfen. Er wird uns auch diesmal helfen!“ Spricht’s und schaut weiter in dem Inferno über die Brüstung. Ihn konnte nichts erschüttern.

    Während der guten halben Stunde, die dieses Trommelfeuer andauert - es liegt besonders stark um den Sandsackstand herum, der ja auch wie auf dem Päsentierteller liegt - bekommt er keinen Volltreffer. Das Btl. hat Dank dem vorbildlichen Vorgehen nur 2 Verwundete bei diesem Feuerüberfall. Als das Feindfeuer endlich nachlässt und das Btl. sich anschickt, weiter vorzugehen, kommt Befehl zum Absetzen nach rückwärts und zum Sammeln in einem weiter zurückliegenden Dorfe. Während des Marsches und später noch oft habe ich an diesen Mann denken müssen, der auf seinen Gott felsenfest vertraute und frei von Angst war, als rings um ihn die Granaten platzten. Welchen inneren Halt hatte ihm sein Gottvertrauen gegeben! Wie war er um seinen Glauben zu beneiden!

    Ohne Feindeinwirkung, zuerst noch entfaltet, dann in Marschkolonne, rückt das Btl. ab. Im nächsten Ort stoßen wir auf einen Pkw, in dem ein Zahlmeister mit einer kleinen Ladung Champagner sitzt. Der Blt.Kdr. legt auf den Sekt seine Hand, sendet Melder zu den heranrückenden Kompanien mit dem Befehl: „Vier Reihen nebeneinander bilden! Alles Trinkbecher frei machen!“ Mehrere Mann werden zum Entkorken der Flaschen befohlen und während des Vorbeimarsches bekommt jeder Mann seinen Trinkbecher mit Champagner gefüllt. Das war etwas für die ausgedörrten Kehlen! Die Truppe lachte, wurde fidel und sang. Die Angst, die noch vor kurzer Zeit ausgestanden hatte, war vergessen! Der Zahlmeister fluchte zuerst, dann aber machte er gute Miene zum bösen Spiel. Die dankbaren Gesichter der Soldaten waren auch ihm mehr wert als der Besitz des Sekts.“


    Marsch zur Somme und Bereitstellung zum Somme-Übergang (30.5. bis 4.6.1940)

    (32.) Dazu sollte die 32. ID südlich Abbéville eingesetzt werden. Es war beabsichtigt, durch eine an die gerade abgeschlossenen Kämpfe im Artois und Flandern möglichst schnell anschließende Operation die noch in Frankreich verbliebenen alliierten Kräfte zu vernichten. Hierzu übernahm Heeresgruppe B mit 4. und 6. Armee die Front zwischen Meer und Oise. Hinter den Infanterie- Divisionen standen wiederum starke Panzer-Verbände - im Abschnitt der 4. Armee das Panzerkorps Hoth ostwärts Abbéville - bereit, um durch die von den Infanterie- Divisionen geschlagene Bresche in die Tiefe des französischen Raumes vorzustoßen.


    (94.) Am 30.5.1940 setzt das Regiment den Vormarsch über Croissette (Marschleistung 45 km) fort und geht am 31.5.1940 nach weiteren 35 km Marschleistung im Raum von Wadicourt - Le Brisle südostwärts Abbeville für einige Tage zur Ruhe über. Die Lkw des Gepäcktrosses werden vorausgeschickt und abgeladen. In regem Pendelverkehr werden die zu Fuß marschierenden Teile nachgeholt. Typisch für den Geist, der die Truppe beseelt, ist Folgendes: beim Fußappell einer Einheit wird vom Truppenarzt festgestellt, dass 10 bis 15 % der Männer derartige Fußschäden haben, dass ein weiteres Marschieren nicht mehr verantwortet werden kann. Die Betreffenden waren zum Teil buchstäblich auf dem Fleisch gelaufen! Die Haut ist über einen großen Teil der Fußsohle oder des Hackens abgescheuert. Aber alle wehren sich, oft unter Tränen, dagegen, zur Gefechtsbagage abkommandiert zu werden. Sie versichern, dass sie mit einem Verband sehr gut weitermarschieren könnten. Unter allen Umständen wollen sie bei ihren Kameraden bleiben und weiterkämpfen. Das geschieht dann auch und mit zusammengebissenen Zähnen werden von diesen Fußkranken wieder große Marschleistungen bewältigt.


    Hier im neuen Unterkunftsraum ist endlich wieder einmal Zeit zur Waffen- und Körperpflege. Alle können sich gründlich ausschlafen und die Handwerker haben alle Hände voll zu tun, um die Uniformen und Stiefel wieder instandzusetzen. Einzig die fdl. Lufttätigkeit ist hier etwas stärker als in der Zeit des bisherigen Vormarsches.


    Am 2. Juni erhalten verdiente Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften aus der Hand des Regimentskommandeurs Eiserne Kreuze.


    Die französischen Armeen sind von General Weygand hinter die Somme zurückgenommen, neu gesammelt worden und erwarten in der sogenannten schnell errichteten Weygand-Linie den weiteren deutschen Angriff.


    Bei Abbeville befindet sich bereits auf dem Westufer der Somme ein deutscher Brückenkopf, gegen den der Gegner in diesen Tagen mit starken Kräften anrennt, da er vermutet, dass aus diesem Raum die weitere deutsche Offensive hervorbrechen wird.


    Am Abend des 3.6. wird das Regiment näher an die Somme herangezogen und bezieht nach einem Nachtmarsch am 4.6. in St. Requiere Quartier. Wegen der starken fdl. Luftaufklärung darf sich tagsüber niemand im Freien sehen lassen. Eine eingehende Tarnung soll dem Gegner die Vorbereitungen zum Somme-Übergang verschleiern.


    Am 4.6.1940 um 14.00 Uhr werden die Kp.Chefs und die Führer der unterstellten schweren Waffen durch die Btl.Kdre. in die Bereitstellungsräume für den für den 5.6.1940 befohlenen Somme-Übergang eingewiesen und das Kampfgelände und die fdl. Stellungen am jenseitigen Ufer mit dem Glas erkundet. Der Annäherungsweg zur vorgesehenen Übersetzstelle ist geländemäßig günstig, er führt durch einen Hohlweg und ist vom Feind nur schlecht einzusehen.


    Die Übergangsstelle selbst kann aber gut eingesehen und von den auf den jenseitigen Höhen gelegenen Stellungen wunderbar durch Feuer beherrscht werden. Der dort gelegene sog. „Daumenwald“ ist besonders stark befestigt und das Zentrum der fdl. Verteidigungsstellung. Kurz vor Mitternacht am 4.6.1940 beginnt der Marsch in die Bereitstellungsräume.


    An dieser Stelle sei noch kurz auf einige personelle Veränderungen eingegangen. Nach Abschluss der Kämpfe südl. Lille war der Div.Kdr., Generalleutnant Böhme, versetzt worden. Er erhielt ein Korps. Die Führung der Division übernahm Generalmajor Bohnstedt, zuletzt Kdr. eines Feld-Regiments, später Inspekteur der Infanterie. Im Regiment wurde der Kdr. des I./94, Major von Groeling, zum Ersatztruppenteil versetzt und Hptm. Ulrich zunächst mit der Führung des Btl. beauftragt. Am 4.6. abends erschien Obstlt. Raucheldt aus der Führerreserve der Armee, um befehlsgemäß die Führung des I./94 zu übernehmen.


    Von der Somme bis zur Seine (5. bis 12.6.1940)

    Der Übergang über die Somme (5.6.1940)

    Am 5.6.1940 steigt ein wunderschöner Morgen empor. Das Somme-Tal liegt zunächst noch in leichtem Nebel. Ungesehen vom Feinde erreichen die Btl. ihre erkundeten Bereitstellungräume bei Bellancourt. Als erste Welle setzt das III./94, im Anschluss daran II./94 aus dem 2. Bereitstellungsraum Eaucourt vorbrechend, in Schlauchbooten über die Somme.


    Schon um 5.50 Uhr setzt ein Zug der 6. Kp. mit großen Floßsäcken über. Flüssig geht das weitere Übersetzen vonstatten. 6. Kp. und links eingesetzte 7.Kp. erhalten am anderen Ufer aus gut getarnten fdl. Stellungen heftiges Feuer. Art.Überfälle zwingen das II./94 sich einzugraben. Nach rechts hat die 6. Kp. Anschluss an III./94., linker Nachbar des II/.94 ist das XV.A.K. (Panzer). Die 5.Kp. befindet sich zunächst in Reserve angelehnt an den Dorfrand (Bahnhof) von Pont-Remy.


    Rechts vom II.Btl. ist das III./94 ebenfalls etwas früher als befohlen übergesetzt. Vorn rechts ist die 9. Kp. eingesetzt, vorn links die 11.Kp., die 10.Kp. befindet sich zunächst in Reserve. Rechter Nachbar des III./94 ist das I.R. 96.


    Der Übergang glückt unbemerkt vom Feind. Das Btl. erreicht das Dorf Erondelle, das von der Aufklärung als unbesetzt gemeldet war. Die vorgehende Spitze stößt auf einen englischen Kradmelder, der durch einige Schüsse zum Absitzen gezwungen wird. Es ist er erste Gefangene des Tages. In kurzem Gefecht wird das Dorf gesäubert. Dann bleibt der weitere Angriff vor einer mit Wald bestandenen Höhe liegen. Hinzu kommt, dass vor dem Abschnitt des III./94 eine Anzahl Fischteiche und Versumpfungen liegen, die den Durchgang nur an wenigen Stellen erlaubt hätten, wenn diese nicht von wassergefüllten Sprengrichtern verschlossen gewesen wären. Der Gegner hatte seine Zeit gut genutzt und der eigenen Truppe fehlten Pioniere und Panzer. So wird auch III./94 zunächst abgewiesen und muss sich eingraben. Bis zum Nachmittag werden mehrere erfolglose Versuche unternommen, mit Unterstützung von Stukas, Artillerie, J.G. und anderen schweren Waffen, den sog. „Daumenwald“ zu nehmen.


    Im Abschnitt der 9.Kp. wird die 10.Kp. mit eingesetzt, ferner zwei leichte Züge der 13.(JG)Kp. (Feldw. Stephan und Pitzke). I.R.96, der rechte Nachbar, versucht vergeblich den Durchbruch mit einer Sturmkompanie. Das demoralisierende fdl. Artilleriefeuer ist nicht auszuschalten. So wird es ein langer, heißer und blutiger Tag für die Angreifer. Seltsamerweise gelingt es auch nicht, die erkannten fdl. MG-Nester niederzukämpfen. Erst am Nachmittag, nach Erstürmung der fdl. Stellung, wird festgestellt, dass es sich bei den MG-Nestern um eingebaute fdl. Panzer handelte.


    Der Übergang des II. und III. Btl. hat den Gegner aufmerksam gemacht. Das in 2. Welle übersetzende I./94 kann nur unter Verlusten den Übergang bewerkstelligen. Durch Volltreffer fällt der durch den Hohlweg geschlossen vorgehende gesamte Btl.Stb. mit dem erst am Vortag eingetroffenen neuen Btl.Kdr., Obstlt. Raucheld, Oblt. Peter von Joeden (Adj.), Lt. Beschnitt (Ordz.Off.), Unterart Dr. Jochmann (Btl.Arzt) und drei weitere Angehörige des Stabes. Während das Regiment vor den Höhen am Westufer festliegt, arbeitet das Regiment fieberhaft an der Herstellung einer Brücke in Pont-Remy. Das I./94 wird am Nachmittag links neben II./94 eingesetzt.


    Der Rgt.Gef.Std. sowie Gefechtsstände und B-Stellen der Artillerie sind alle in einem Waldstück, das auf einer Höhe diesseits der Somme (Ostufer) liegt und beste Beobachtungsmöglichkeiten bietet, konzentriert. Als das Abwehrfeuer der frz. Artillerie einsetzt, wird auch dieses Waldstück mit Feuer eingedeckt. Die Einschläge liegen aber meist davor oder dahinter. Bei einem sehr heftigen Feuerüberfall, der aber fast ausschließlich aus Blindgängern oder Ausbläsern besteht, kommt der alarmierende Ruf: „Gaaaaas“. Es setzt daraufhin ein allgemeines Suchen und Rennen nach Gasmasken ein. Man hat da selbst Stabsoffiziere laufen sehen!


    Das Liegen in der Sonnenhitze unter ständigem Artilleriebeschuss und M.G.-Feuer vor den Höhen fordert von der Truppe viel Nervenkraft. Ein aus 1 Uffz. und 2 Gefr. bestehender Spähtrupp der 6.Kp. muss stundenlang im Niemandsland liegen bleiben und kann nur durch eigenes beobachtetes Feuer vor der Gefangennahme bewahrt werden.


    Der Feind schießt aus gut getarnten Stellungen, die überall in dem Wald- und Buschgelände verteilt sind, auf kürzeste Entfernung auf jeden, der sich zeigt. Alle Kompanien haben schmerzliche Verluste zu beklagen. Artillerieunterstützung hat zunächst nur das III./94, II./94 ist vorerst nur auf die Unterstützung durch einen l.J.G.-Zug angewiesen.


    Um den Angriff wieder in Fluss zu bringen, legt die gesamte zur Verfügung stehende Artillerie von 14.45 Uhr bis 15.00 Uhr einen gewaltigen Feuerschlag auf den „Daumenwald“, das Kernstück der fdl. Stellung. Punkt 15.00 Uhr beginnt der Infanterie-Angriff des II./94, der zu einem vollen Erfolg wird. Der eine halbe Stunde vorher auf dem Rgt.Gef.Std. eingetroffene neue Div.Kdr. hatte den eindringlichen Vorstellungen des Rgt.Kdrs. nachgegeben, so dass das II./94 nun endlich die bitter nötige Artillerie-Unterstützung erhalten hatte. Nach hartnäckiger Gegenwehr werden Franzosen und Engländer im Nahkampf aus ihren zum Teil stark verminten Stellungen geworfen. Um 17.00 Uhr ist das erste Angriffsziel erreicht. III./94 erhält durch den Erfolg des II./94 Luft zu eigenem Vorgehen und kann Gefangene, z.T. Elsässer, einbringen.


    Der Erfolg wird nach Neuordnung der Verbände durch sofortiges Nachstoßen ausgenutzt. Hierbei prellt die 6.Kp. erheblich vor, während die übrigen Teile des Regiments noch zurückhängen. Links neben dem II.Btl. geht das I.Btl. vor, dessen Führung der Chef der 1.Kp., Hptm. Stuppi, übernommen hat. Die 3.Kp. gerät in dem Dorf Bellifontaine(?) in einen schweren Artillerie-Feuerüberfall, wobei der Kp.Chef, Oblt.d.R. Strömer, fällt. Die Kompanie hat erhebliche Verluste. 5. und 7.Kp. stoßen der 6.Kp. nach und erreichen das Dorf Freville(?), an dessen Westausgang sie sichern. Eine Feldwache der 7.Kp. wird hierbei von einem engl. Panzer angegriffen, wobei 2 Mann verwundet werden; der Panzer kann, da eigene Pak noch nicht zur Stelle ist, ungehindert abdrehen und entkommen. Bei dem weiteren entfalteten Vorgehen klären vor dem II./94 einige Panzerspähwagen, die plötzlich aufgetaucht sind, auf. Rechts neben dem II.Btl. geht das III./94 vor, ohne dabei auf nennenswerten Widerstand zu stoßen.


    Die Nacht über bleibt das Regiment im Gelände liegen, II./94 im Waldstück Bois de Freville. Ein Zug der 5.Kp. muss an das I./94, dessen linke Flanke offen ist, abgegeben werden, da dessen Nachbar, die 5.Pz.Div. (Oppeln), noch zurück hängt. Sie hat noch gegen erheblichen Feindwiderstand etwa 3 km links rückwärts zu kämpfen.


    In diese Lücke gerät nachts der eben vom Urlaub zurückgekehrte Chef der 2.Kp., Hptm.d.R. Schalle, der sich nach vorne zu seiner Kompanie begeben will. Er erhält im Vorgehen plötzlich aus dem Hinterhalt Feuer und wird verwundet. Flakartilleristen finden ihn und transportieren ihn ab. Lange gilt er als vermisst, bis endlich Nachricht von ihm eintrifft.


    Die blutigen Verluste des vergangenen Kampftages sind schwer. Beim II./94 betragen sie 3 Tote und 36 Verwundete, davon allein bei der 7.Kp. 2 Tote und 22 Verwundete. Der siegreich erzwungene Übergang über die Somme schafft die Voraussetzungen für den weiteren Vormarsch.

  • Weiter gehts:


    Die Kämpfe bis zum Erreichen der Seine (6. bis 12.6.1940)

    Am 6.6.1940 wird der Vormarsch entfaltet fortgesetzt, vorne rechts II./94, links I./94, III./94 in Reserve. Erstes Angriffsziel ist die Bahnlinie südlich Wiry. In einem Dorf stehen mehrere im Stich gelassene franz. 15 cm Batterien mit Unmengen Munition. Das erste Angriffsziel wird ohne Feindeinwirkung erreicht. Beim heraustreten aus dem Wald südl. Wiry geht II./94 rechts, I./94 links eines Weges, der die Trennungslinie bildet, vor. Ein franz. Pkw mit drei Insassen kommt plötzlich entgegen, der sofort unter Feuer genommen wird. Einem der Insassen, einem Oberstleutnant, gelingt es, verwundet zu entkommen. Ein kurz darauf entgegenkommender Kradmelder kann still vereinnahmt werden. Er ist nicht schlecht erstaunt, als ihn plötzlich deutsche Soldaten umringen.


    Nach Erreichen des Waldrandes auf der Höhe wird zunächst von beiden Bataillonen Aufklärung gegen die Linie Vergies-Bois de Bienfois vorgetrieben, die in etwa 2 km Entfernung am Hinterhang einer mit Wald bestandenen Höhe vor der Front des II./94 liegt. Schon nach kurzer Zeit erhalten die Spähtrupps Feuer. Der eigene Angriff - 5.Kp. rechts, 7.Kp. links - bleibt bald in dem freien Gelände, das unter erheblichem fdl. Abwehrfeuer liegt, liegen, da die eigene Artillerie noch nicht feuerbereit ist. Besonders das franz. Granatwerferfeuer macht dem Btl. unangenehm zu schaffen, ebenso viele Baumschützen. Die Ausfälle häufen sich.


    Durch gut geleitetes Feuer der s.M.G. unter Ofw. Büttner und der s.Gr.W. unter Uffz. Mews sowie der 13.Kp., die im Abschnitt des Il./94 eine „Batterie“ aus 4 l.J.G. bildet, können die fdl. Baumschützen wenigstens einigermaßen in Schach gehalten werden. Auf dem Abschnitt des I./94 liegt erhebliches fdl. Artilleriefeuer, das Verluste fordert. Die rückwärts am Waldrand in der Nähe des Btl.Stb. II./94 liegende 6.Kp. hat ebenfalls Verluste zu beklagen.


    Am Spätnachmittag erscheinen endlich einige V.B. der schweren und leichten Artillerie. Binnen kurzer Zeit sind die Batterien auf die Hauptwiderstandsnester des Gegners eingeschossen. Nunmehr kann der eigene Angriff weiter vorgetragen werden. Es ist zu merken, dass der Franzose weich wird. Beim Einbruch in seine Stellungen entspinnt sich ein kurzer Nahkampf, dann räumen die letzten Verteidiger eiligst das Feld. Die Masse des Gegners hat schon vorher mit der Absetzbewegung begonnen. Im Hintergrund sieht man franz. Truppen in dichter Kolonne auf einer Straße über die Höhen flüchten. Auf dieses lohnende Ziel wird sofort das Feuer vereinigt. Die Artillerie feuert aus allen verfügbaren Rohren, ebenso die s.M.G., die alle nur irgendwie erreichbare Munition, auch die von den l.M.G. Bedienungen, verschießen. Gegen 23.00 Uhr ist Vergies fest in eigener Hand.


    Am 7.6.1940 wird das II./94 durch das III./94 abgelöst. Das II.Btl. folgt als Reserve. Der erfolgreiche Angriff des Vortages ermöglicht dem III.Btl. (Angriffsbeginn 8.30 Uhr) ein gutes und flottes Vorgehen.


    (32.) Während I.R.4 über Rothois und Bois du Roi angreifend, gegen schwachen Feindwiderstand einen Brückenkopf in Linie le Haineau - Fond des Chaussees Fe bildete, gewann I.R.96 in der Nacht zum 9.6.1940 einen Brückenkopf an der Straße Aumale - Illois. Der Übergang über die Bresle lag unter Artillerie- und Infanteriefeuer des Feindes. I.R.94 bildete mit einem Bataillon einen Brückenkopf bei Aumale. Die Division hatte wiederum ihr Tagesziel erreicht.


    (94.) Der Liger-Abschnitt kann erreicht werden. Mit Artillerie -Unterstützung wird in den Abendstunden Guibermesnil von I./94, Brocout von III./94 eingenommen. I./94 umgeht gegen 22.00 Uhr Bezencourt und stößt noch weiter vor. Das II./94 liegt in der Nacht auf den Höhen bei Villers.


    Um 4.00 Uhr morgens am 8.6.1940 ertönt plötzlich beim II.Btl. Gewehrfeuer. Senegal-Neger, die sich noch hinter der Front versteckt gehalten haben, versuchen nach Westen durchzubrechen. In der Protzenstellung der I./A.R.32 werden zwei Posten, bei der 14./94 einem Feldwebel von Negern mit Messern die Kehlen durchgeschnitten. Lt. Manns, Führer der 8./94, kommt bei einer Postenrevision gerade noch rechtzeitig, um einen Posten seiner Kompanie vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. Eine allgemeine Schießerei setzt ein, die bei der unklaren Lage leicht zu Verlusten in den eigenen Reihen hätte führen können.


    Dieses allgemeine Schießen löst auch beim Rgt.Stb. höchste Alarm- und Abwehrbereitschaft aus. Der gesamte Stab, einschließlich Rgt.Kdr., geht in Stellung. Als sich beim Morgengrauen die Lage klärt, stellt man fest, dass fünf Neger innerhalb des Rgt.Gef.Standes ängstlich und um Pardon flehend an einigen Bäumen hocken.


    Das III./94 liegt in dieser Nacht westlich einer Chaussee auf einem Höhengelände in Stellung, der Stab ostwärts der Straße in einem Kleefeld notdürftig eingegraben. Im Osten beginnt der Morgen zu dämmern, als sich von dorther steigender Gefechtslärm erhebt. Leuchtkugeln steigen auf. Sofort werden Stab und Reserve-Kompanie alarmiert. Da sind auch schon Gestalten in franz. Stahlhelmen zu erkennen. In sofortigem Einsatz von Stab und Reserve-Kompanie gelingt es, den Gegner unschädlich zu machen.


    Nach diesem Intermezzo sieht es zunächst so aus, als ob der neue Tag, der 9.6.1940, ruhig verlaufen würde. 8.30 Uhr wird der Angriff fortgesetzt. Südl. Guibermesnil stößt das Regiment auf fdl. Widerstand in den Wäldern, II. und III.Btl. werden eingesetzt, das I.Btl. kann ohne Feindwiderstand weiter vorrücken. II./94 löst sich bald darauf vom Gegner und zieht westl. an Guibermesnil vorbei, ohne weiter auf Feind zu stoßen. Im weiteren Vormarsch sichert es die rechte Flanke des Regiments, da mit Durchbruchsversuchen des Gegners gerechnet wird. Um 17.30 Uhr wird das Btl. auf Lafresnoye angesetzt, 7. Kp. rechts, 5. Kp. links, 6. Kp. links hinter der 5. Kp. Einzelne Kradmelder haben das Dorf bereits mehrmals passiert und nichts Verdächtiges bemerkt. Das II./94 soll daher das Dorf nur noch einmal vorsichtshalber durchsuchen. In weiser Voraussicht lässt der Btl.Kdr., Major Wienkoop, dennoch das Btl. entwickelt gegen das Dorf vorgehen. Kurz bevor die vordersten Teile sich dem Dorfrand nähern, schlägt ihnen plötzlich heftiges Feuer entgegen. Es gelingt der vorne links eingesetzten 5.Kp. lediglich mit zwei Zügen die Gärten am Dorfrand zu erreichen. Dann bleibt sie im Abwehrfeuer unter Verlusten liegen. Auch die rechts eingesetzte 7.Kp. kann nur den Dorfrand erreichen und hat erhebliche Verluste.


    Die Artillerie feuert nicht, da bei Angriffsbeginn nicht mit ernsthaftem Widerstand gerechnet wurde. Auch sind wegen des unübersichtlichen Geländes vorerst keine erkennbaren Ziele vorhanden. Diese zeigen sich auch während des Angriffs nicht, werden auch nicht von den angreifenden Kompanien gemeldet. Als endlich der Art.Verb.Offz. das Feuer eröffnen lassen will, zu einem Zeitpunkt, in dem Freund und Feind bereits fest ineinander verbissen sind, so dass sich die vorderste Linie nicht genau feststellen lässt, feuert die Artillerie nicht. Warum, bleibt ungeklärt. Vermutlich hat zu diesem Zeitpunkt die Artillerie bereits Befehl zum Abrücken, denn sie rückt bereits ab, als das II.Btl. sich vom Feind zu lösen beginnt.


    Um weitere Verluste zu vermeiden, wird das II.Btl. am Spätnachmittag zurückgenommen. Infolge des starken fdl. Feuers gelingt es bei der 5.Kp. nicht einmal, die drei Gefallenen zu bergen.


    Günstiger ist die Lage beim I./94, das links von Lafrednoye Richtung Auxale vorbeigehen kann, ohne Feuer zu erhalten. Ohne weiterhin auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, kann es 7 km weit vordringen. Noch am gleichen Abend wird das II./94 nachgezogen und erreicht gegen 24.00 Uhr die Unterkünfte in Digeon.


    Das Gefecht des II./94 hat wieder einmal die Schwierigkeit gezeigt, ohne Unterstützung schwerer Waffen einen gut getarnten, geschickt eingesetzten und zu fanatischer Abwehr bereiten Gegner aus einer Ortschaft zu werfen. Es dürften nicht all zu viele Franzosen (Marokkaner) gewesen sein, denen es - begünstigt durch die vielen mannshohen Hecken um die Gärten - gelungen war, das ganze Btl. viele Stunden aufzuhalten.


    Das III./94 tritt am 8.6.1940 ebenfalls wieder zum Angriff an. Rechts besteht lose Verbindung zum I.R.48 (Neustrelitz), links zum II./94. Anfänglich geht alles ungewöhnlich glatt, so dass die Meldungen der Spähtrupps von schwachem Feind ihre Bestätigung finden. Diese Spähtruppmänner, die sich meist freiwillig melden, unter vorbildlichem Einsatz ihrer Person von den besten Dienstgraden geführt, dringen oft weit in’s unbekannte Vorgelände ein und bringen wertvolle Meldungen. Ihrer sei an dieser Stelle einmal besonders gedacht!


    Ebenso wie II./94 kommt auch III./94 nicht an Lafresnoye vorbei. Unmittelbar vor dem Dorfrand bleibt es im fdl. Feuer liegen. Auch der Einsatz eines l.J.G.-Zuges kann den Angriff nicht wieder in Fluss bringen. Melder und Nachrichtenleuchte können sich nur geduckt bzw. durch’s Gelände kriechend den beiden vorderen Kompanieführern nähern.


    Der rechte Nachbar des III./94, das I.R.48, 12.I.D., hat in der Zwischenzeit schwer mit franz. Alpenjägern zu kämpfen. Da I.R.48 vorerst noch zurückhängt, muss III./94 seine offene rechte Flanke, die von den langsam zurückweichenden Franzosen gefährdet wird, nicht nur durch den Einsatz der 10.Kp., sondern auch des Btl.Stabes sichern.


    Die zunächst bedrohlich erscheinende Lage wird aber durch die 10.Kp., Chef Oblt. Krüger, und Gewehren der 12.(M.G.)Kp., Chef Oblt. Block, gemeistert.


    Für den tapferen Gegner - auch ein Teil der Dorfbesatzung wird vorübergehend aggressiv - ist es ein blutiger Rückzug, weil das ansteigende Gelände ihm wenig Deckung bietet. Die zahlreich eingebrachten Gefangenen machen jedenfalls einen gänzlich fertigen Eindruck.


    Im Laufe des Nachmittags kommt der Regimentsbefehl, das III.Btl. dem Vormarsch der Division anzuschließen und beim Dorf?? zu sammeln. Die Meldung über die tatsächliche Lage beim III./94 wird jedoch vom Rgt. akzeptiert und dem Btl.Kdr. befohlen, das Btl. erst bei Dunkelheit vom Feinde zu lösen und hinter dem II./94 zu marschieren. Erst gegen Morgen werden die Alarmquartiere erreicht.


    Allmählich ist nun aber doch zu merken, dass der fdl. Widerstand mehr und mehr erlahmt. I.R.94 (ohne I.Btl.) ist Divisionsreserve. Am 9.6.1940 wird die 6.Kp. auf Lkw verlastet und der A.A.32 zugeführt. Der Vormarsch des Regiments geht über Gurshelles, Criquieres, Conteville nach Beasault. Hier gerät das Regiment in einen Fliegerangriff, ohne nennenswerte Verluste zu erleiden. Da die Brücke bei St. Saire zerstört und die von den Pionieren gebaute Brücke verstopft ist, wird an der Vormarschstraße zur Ruhe übergegangen.


    Weiter führt der Vormarsch am 10.6.1940, dem Tag des Kriegseintritts Italiens, über St. Saire, Brandiencourt, St. Martin, Beaumont nach Braquetuit, wo II./94 um 23.30 Uhr eintrifft und in Gärten und Wiesen übernachtet. Graf von Bassewitz-Levetzow, der sich bei Feldzugsbeginn auf einem Btl.-Führer-Lehrgang befand, trifft wieder beim Regiment ein und übernimmt die Führung des I./94.


    Die Nachhutgefechte, die der Gegner liefert, werden immer schwächer. Es wird klar, dass er versucht, sich möglichst schnell hinter die Seine zurückzuziehen. Dagegen erscheinen jetzt öfter britische Bomber, die von ihren in Südengland gelegenen Flugplätzen starten und ihre Bomben unangenehm nahe neben die Vormarschstraße setzen.


    Am 11.6.1940 hat die Division einen Verteidigungsauftrag. Das I.R.94 sichert ab 5.00 Uhr früh die rechte Flanke der Division nach Norden. II.Btl. rechts an I.Btl., links an III.Btl. angelehnt. Einzelne Engländer werden gefangen genommen. Um 14.00 Uhr wird die Verteidigungsstellung aufgegeben, da die 12.I.D. Anschluss gewonnen hat und Unterkunft im Raum Louvetot-Le Plix bezogen. Um 19.00 Uhr fährt Uffz. Mutz mit einem franz. Panzerwagen, den er flott gemacht hat, beim Stab II./94 vor.


    Der Vormarsch nähert sich am 12.6.1940 über Cleeres und Darnetal Rouen. Am Vormittag wird plötzlich der Himmel dunkler, so dass die Kfz zum Teil sogar die Scheinwerfer einschalten. Es ist keine Sonnenfinsternis, wie man zunächst glaubt. Ursache ist der Brand der Öltanks von Rouen, bei dem ein großer Teil der französischen Ölreserven in die Luft gegangen sein soll!


    Im Laufe des Nachmittags wird Darnetal, ein Vorort von Rouen, durchschritten. Das Regiment biegt auf einer großen Straße nach Süden ab und geht im Raum N.D. de Franqueville (etwa gegenüber Elbouef) zur Ruhe über. Herrlich ist von hier aus der Blick über das Seine-Tal.


    Noch am Abend des 12.6.1940 wird vom Regiment die Übersetzstelle über die Seine erkundet. Zwar ist bei Rouen eine Kriegsbrücke im Bau, ihre Vollendung aber ungewiss, da sie dauernd von britischen Fliegern angegriffen wird.


    Von der Seine bis zum Waffenstillstand (13. bis 25.6.1940)

    Der Übergang über die Seine (13.6.1940)

    In der Frühe des 13.6.1940 rückt das Regiment über le Port St. Queen an die Übersetzstelle bei Gouy. I.R.94 soll hinter I.R.4 und 96 übersetzen. Aber es hat noch gute Weile. Das Übersetzen über den hier 400m breiten Strom mit Floßsäcken und 2-to-Auto-Fähren geht nur langsam vonstatten. Die Pferde müssen durch den Strom schwimmen, die Trosse bleiben zunächst zurück, ebenso die 13.(J.G.)Kp. Kurz vor dem Übersetzen erscheint ein für die 12.I.D. bestimmtes Marsch-Bataillon, das nunmehr aber auf die 32.I.D. aufgeteilt wird. So können die Lücken in den Kompanien wenigstens etwas aufgefüllt werden. Beim III./94 kehrt Stabsarzt Dr. Klein zurück, den seine Armverwundung vom 18.5.1940 nicht länger in der Heimat hat halten können.


    Beim Marsch zur Übersetzstelle stürzt der Kdr. des II.Btl., Major Wienkoop, mit dem Pferd, behält zwar die Führung seines Btl. zunächst noch bei, muss sich aber am 14.6.1940 doch in’s Lazarett begeben. Die Führung des II./94 übernimmt für den Rest des Feldzuges Hptm. Stuppi, Chef I./94.


    Durch das brennende Elbouef marschieren die Kompanien, sowie sie übergesetzt sind, sofort westwärts. Der Marsch durch das Waldgelände an den Seine-Höhen kann nur vorsichtig erfolgen, da sich überall noch versprengte franz. Abteilungen befinden. Die ganze Feindlage ist noch völlig ungeklärt. Kradmelder werden auf der Fahrt zu den vorne befindlichen Kompanien im Wald verschiedentlich angeschossen. Auf den bewaldeten Höhen über Moulineaux igelt sich das II./94 um ein Gehöft, das mitten im Walde liegt, ein. Einzelne fdl. Flugzeuge werfen in der Nacht Bomben, auch Schüsse fallen hin und wieder. Von der 5.Kp. auf Befehl des Btl. vorgetriebene Aufklärung stößt in Moulineaux auf den Gegner. Der Spähtruppführer, Obgfr. Bütow, fällt dabei, ein Mann wird verwundet.


    In der gleichen Nacht wird der Führer des I./94, Graf Bassewitz, zum Rgt.Gef.Std. befohlen. Da der Gef.Std. nicht ausgeflaggt ist, findet Graf Bassewitz ihn nicht und sucht weiter westlich. Posten, auf die er dabei trifft, warnen vor versprengten feindlichen Schützen. Der Graf kehrt um, holt sich seine Radfahrstaffel und macht sich erneut auf die Suche, und zwar auf einem Umweg. Mehrere Dörfer werden durchfahren. Nach ca. 20 km lässt Graf Bassewitz absitzen und aufklären. Vor einer Straßensperre stößt die Staffel plötzlich auf den Feind. Alles lässt sich schleunigst den Abhang hinunterrollen und eilt an die Räder zurück. Durch diesen unfreiwilligen Spähtrupp erhält das Regiment morgens gegen 4.00 Uhr eine erste genaue Feindlagemeldung. Die franz. Sperre, auf die der Trupp gestoßen war, wird am nächsten Morgen unter großen Verlusten vom Inf.Pi.-Zug des I.R.4 genommen.


    Verfolgung ein Einnahme von Nantes (14. bis 21.6.1940)

    Die folgenden Marschtage stehen im Zeichen sich immer mehr steigernder Marschleistungen. Der feindliche Widerstand wird zusehends geringer. Es ist zu merken, dass es dem Ende zugeht.


    Unendlich ist der Flüchtlingsstrom, der sich auf den Straßen zu Fuß, per Rad und per Auto dahinwälzt und hierbei sowohl die eigenen Marschbewegungen als auch die Absetzbewegungen des Gegners hindert. Immer häufiger werden kleinere oder größere Trupps franz. Soldaten aufgegriffen und nach hinten geschickt.


    Um die Einsatzfähigkeit der Truppe zu erhalten und die Marschleistungen zugleich zu steigern, sind die Kompanien dazu übergegangen, Fahrräder zu requirieren; eine Maßnahme, die sich als außerordentlich nützlich erweist. Leider behagt sie dem neuen Div.Kdr. (GenLt. Wilhelm Bohnstedt) ebensowenig wie die, dass die einzelnen Züge zur Verlastung der M.G. und Munition sich kleine bespannte Fahrzeuge zugelegt haben. Ein Zug der 5.Kp. hat für diesen Zweck sogar einen alten Leichenwagen erkoren! Bei der glühenden Hitze bedeuten die Maßnahmen eine große Erleichterung für die Truppe. Auf Befehl der Division müssen aber fast alle Fahrzeuge und Räder zurückgelassen werden; eine der Truppe unverständliche Maßnahme, da die Gefechtstrosse noch weit zurück sind. Als dann die „Verfolgung bis zum letzten Hauch von Ross und Mann“ beginnt, müssen erst neue Räder usw. beschafft werden.


    Eine andere Sitte, die sich bereits in den ersten Tagen des Feldzuges eingebürgert hat und die der Division ebenfalls ein Dorn im Auge ist, ist das Tragen von seidenen Halstüchern, das sich bei der herrschenden Hitze ebenfalls als äußerst nützlich erweist. Hier wird eine Kompromisslösung gefunden: Damit das militärische Bild nicht allzu sehr leidet, trägt jede Kompanie einheitlich eine bestimmte Farbe, die s.M.G.-Züge und s.Gr.W.-Gruppen der M.G.K. tragen jeweils die Farben der Schützenkompanien, der sie für gewöhnlich im Einsatz unterstellt werden. So ist allen geholfen.


    Der Vormarsch am 14.6.1940 führt in den Raum von Bourgtheroulde. In Boscroger, das nach Brechen geringen Feindwiderstandes am Vormittag erst gegen 21.30 Uhr erreicht wird, erhält II./94 den Befehl, starke Stoßgruppen zu bilden und mit III./94 zusammen Bourgtheroulde anzugreifen und zu nehmen. Um 2.00 Uhr am 15.6. meldet nach eigenem Art.Feuer-Überfall die 6./94 ihr Eindringen in Bourgtheroulde und den Ort feindfrei. Da das II.Btl. keine Sicherungen zur Unterstützung schickt, verlässt die 6.Kp. den Ort wieder und zieht sich nach Boseroger zurück.


    Am 15.6.1940 um 4.15 Uhr wird das II./94 alarmiert, um Bourgtheroulde sofort wieder zu besetzen, damit ein Eindringen und Festsetzen des Gegners verhindert wird. Eine Radfahr-Vorausabteilung unter Führung von Lt. Meißner, die von Osten kommend auf der Hauptstraße auf Bourgtheroulde vorfährt, erhält Feuer und bleibt liegen. Die 6.Kp. dringt erneut von Süden und Südosten in Bourgtheroulde ein, die Radfahrabteilung kämpft, unterstützt von Panzerspähwagen, den Gegner am Ostrand von Bourgtheroulde nieder. Neun Gefangene werden eingebracht. Im Ort wird erhebliche Beute gemacht.


    Um 8.30 Uhr setzt das II./94 hinter dem III./94 den Weitermarsch über St. de Nis nach Brionne fort. Hier stellt sich das Regiment zum Übergang über den Brisle-Bach bereit. Nach zweistündiger Aufklärung kann die 6.Kp. das gegenüberliegende Ufer feindfrei melden. Der Vormarsch wird über Berthanville nach Couvbepine nördl. Bernay fortgesetzt; Marschleistung etwa 35 km. Schon seit dem 13.6.1940 befinden sich die Gefechtstrosse nicht mehr bei den Einheiten.


    Im Laufe des 16.6.1940 nähert sich eine motorisierte Vorausabteilung der Division (2 Kompanien I.R.96) dem kleinen Städtchen Gacé, stößt aber auf fdl. Widerstand und eine Minensperre. Das I.R.94 erreicht abends nach einer Marschleistung von 45 km den Raum um Gacé.


    Um 22.00 Uhr erhält das II./94 den Auftrag, Gacé zu umgehen und von Nordwesten her zu nehmen. Kurz darauf wird das I./94 von Nordosten her auf die Stadt angesetzt. Gacé liegt in einem Tal, rings von Hügeln umgeben. Das ganze Angriffsgelände ist von unendlich vielen Hecken durchzogen, was eine einheitliche Führung beim Angriff fast unmöglich macht. In vorderster Linie werden beim II./94 rechts die 5.Kp., links die 6.Kp. eingesetzt. Unter verhältnismäßig geringem fdl. Infanteriefeuer können sich die Kompanien bis an einen Wasserlauf heranarbeiten. Dann setzt auch das Feuer einiger fdl. Geschütze ein. Gegen 24.00 Uhr ist der Wasserlauf erreicht. Hier müssen die durch das Heckengelände und die Dunkelheit auseinander geratenen Kompanien erst geordnet werden. Zugleich muss die Möglichkeit, den Wasserlauf schnell zu überschreiten, erkundet werden. Ein Spähtrupp findet links im Abschnitt der 6.Kp. eine Brücke unversehrt vor. Beide Kompanien dringen gemeinsam über diese Brücke stürmend in die Stadt ein, wo sich ein teilweise heftiger Häuserkampf entspinnt. Gegen 2.00 Uhr morgens ist die Stadt fest in der Hand des II./94. Unter der Beute befindet sich ein großes englisches Verpflegungslager. Hier in Gacé treffen auch endlich die Gefechtstrosse wieder ein. Nach Gefangenenaussagen soll Gacé von l. Art.Abt. und nur 20 Schützen verteidigt worden sein.


    Am folgenden Marschtage, dem 17.6.1940, erreicht in den frühen Nachmittagsstunden die Truppe die Nachricht vom Waffenstillstandsangebot der französischen Regierung. Großer Jubel überall. Manche Flasche Sekt wird im Sattel getrunken. Abends in der Unterkunft im Raum Barbertiere ist ein allgemeines Rätselraten: was wird nun? Wird noch marschiert oder bleiben wir liegen? Die Zweifel sind bald gelöst. Es kommt Befehl, bis zum Abschluss des Waffenstillstandes noch soviel Raum als möglich zu gewinnen! Und wie wird in den folgenden Tagen marschiert!! Jeder fahrbare Untersatz ist recht, nur vorwärts, vorwärts! Da die ziemlich weit gesteckten Tagesziele bekannt sind, wird jede Möglichkeit zu schnellerem Vorwärtskommen ausgenutzt. So sitzt einmal das ganze II./94, soweit noch nicht anderweitig beweglich gemacht, auf den Panzerspähwagen der ALA (Aufklärungs-Lehrabteilung) auf.


    Die Marschleistung am 18.6.1940 beträgt im Durchschnitt bei den Bataillonen 50 km. Unterkunft im Raum Pace, der gegen 20.00 Uhr vom II./94 erreicht wird. Auf der großen Straße wird das Regiment vor Alencon von Rommels Division, die als Marschziel Brest hat, überholt. Die ganze Marschordnung des Regiments geht vorübergehend verloren, da die Panzer absolut keine Zeit haben, auf die arme Infanterie Rücksicht zu nehmen.

    In Alencon biegt das Regiment in Richtung Laval ab. Die 6.Kp. ist inzwischen am 19.6.1940 um 4.00 Uhr morgens alarmiert und mit Fahrrädern an die „Radfahrabteilung von Massow“ abgegeben worden. Am 21.6.1940 erreicht die Radfahrabteilung, zu der außer ½ III./94 die 6./94 und 2 Kompanien I.R.4 (?) und 1 mot.Pi.Zug. gehören, die Großstadt Nantes an der Loire, in das am 19.6.1940 bereits eine mot. Vorausabteilung von I.R.96 eingedrungen ist. Stärkere franz. Truppenverbände, die gerade auf den Straßen lagern und Verpflegung ausgeben, werden gefangen genommen. Sämtliche Brücken über die Loire fallen unversehrt in die Hände der Division.


    Die marschierenden Teile des I.R.94 erreichen am 19.6.1940 den Raum von Hardanges nach ungeheuren Marschleistungen in sengender Hitze. Am 20.6.1940 wird nach weiteren 40 km Argentré erreicht.


    Am 21.6.1940 geht es um 5.45 Uhr morgens weiter. Vor Laval kommt plötzlich der Befehl: Verladen in Laval! Das Regiment wird im Lkw-Transport der Vorausabteilung nach Nantes nachgezogen. 120 km Fußmarsch wurden dadurch gespart. Die 14.Kp. erhielt einen Sonderauftrag. Sie sollte die Stadt Chateaubriand, die nach Meldungen der Vorausabteilung voller Franzosen steckt, besetzen. Es gelingt der Kompanie, ohne einen Schuss abzufeuern, etwa 10.000 Franzosen zu entwaffnen, festzusetzen und die Ruhe und Ordnung in der Stadt aufrecht zu erhalten. Unangenehm wird die Situation in dem Augenblick, als die französischen Offiziere erfahren, dass der Waffenstillstand noch nicht abgeschlossen ist und auch keine weiteren deutschen Truppen in die Stadt einrücken. Der Kp.Chef nimmt daher Verbindung zu dem rechten Nachbar-Korps auf - da die eigene Division noch nicht heran ist - und übergibt sämtliche Gefangene einer von dort abgestellten Pz.Jg.Abt. In Nantes stößt die 14.(Pz.Abw.)Kp. wieder zum Regiment.


    Bis zum Waffenstillstand (21. bis 25.6.1940)

    Die Vorausabteilung bildet in Nantes einen Brückenkopf und stößt, nachdem weite Teile der Division in Nantes eingerückt sind, bis zum Waffenstillstand noch weiter nach Süden vor. II./94 übernimmt am 22.6. um 3.00 Uhr früh die Sicherung der Loire-Brücken, von denen die große Eisenbahnbrücke Paris-Bordeaux zur Sprengung vorbereitet ist, was man jedoch erst wesentlich später entdeckt. Erst nach etwa 8 Tagen, nachdem bereits wieder Züge über die Brücke rollen, werden die Sprengladungen entfernt. Die Brückenwachen übernimmt die 5./94, die anderen Kompanien werden in der Stadt zu Sicherungszwecken eingesetzt. Ein Zug des I/.94 unter Lt.d.R. Wirths wird auf Bitten der Marine hin nach St. Nazaire, das ca. 80 km entfernt liegt, abgeordnet, um dort die Marinewerft zu besetzen. Lt.d.R. Wirths wird für dieses Unternehmen noch ein s.M.G.-Zug unterstellt. Ohne Widerstand kann die Werft besetzt werden. Am 23.6.1940 wird je eine Gruppe der 5. und 7.Kp. unter Führung von Lt. Petersen nach Paimboef geschickt, um die dortigen Kuhlman-Werke zu besetzen.


    Am 23.6.1940 kommt Major Wienkoop aus dem Lazarett zurück und übernimmt wieder die Führung des II./94. Auch Ersatz trifft in diesen Tagen beim Regiment ein, darunter verschiedene Offiziere. Die 5./94 wird von Hptm.d.R. Eichstädt übernommen.


    Am 24.6.1940 kann der Regimentskommandeur verdienten Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften des Regiments das EK I oder EK II verleihen.


    Der Waffenstillstand wird am 25.6.1940 unterzeichnet. Leider wird am gleichen Tage der Regimentskommandeur, Oberst Seuffert, plötzlich und unerwartet in die Heimat versetzt; er wird Kommandant des Truppenübungsplatzes Heuberg. Voll Trauer sieht das Regiment seinen geliebten und verehrten ersten Kommandeur, der es sicher und tatkräftig im Frieden und Krieg zu den größten Erfolgen geführt hat, scheiden. Ein Wermutstropfen im Becher der Siegesfreude.


    Besatzungszeit in Frankreich (25.6. bis 17.9.1940)

    An Stelle von Oberst Seuffert übernimmt Obstlt. Wilhelm Wegener, bisher Adjutant des II.A.K., die Führung des I.R.94. Als ehemaliger Adjutant der 32.I.D. ist er allen Offizieren und Soldaten aus der Heimatgarnison Köslin wohlbekannt.


    Das Regiment hat zunächst die Aufgabe, Nantes zu sichern und übernimmt die dafür erforderlichen umfangreichen Wachen im Hafen, auf den Bahnhöfen und Loire-Brücken. Mit fortschreitender Konsolidierung der Verhältnisse wird es aber bald möglich, die Truppe aus der Großstadt herauszunehmen und in der weiteren Umgebung der Stadt unterzubringen, um sie den Gefahren und Lockungen der Hafenstadt fernzuhalten.


    Um den 10. Juli herum verlegt das I./94 nach Bad Indre, 11 km von Nantes entfernt, während der Rest des III./94 am 12.7.1940 in südlicher Richtung abmarschiert, um etwa 40 km entfernt mit den Teilen der Radfahrvorausabt. des III.Btl. - einschl. Btl.Stb. - wieder vereinigt zu werden. Lediglich das II./94 verbleibt als Wach-Btl. in Nantes und übernimmt die Bahnhofs- und behält die Brückenwachen.


    Die Beute, die allmählich gesichert wird, ist ungeheuer. In dem auf einer Loire-Insel gelegenen Bereich des Gare d’Etat befinden sich riesige Verpflegungslager, daneben Flugzeuge, die gerade aus Schiffen ausgeladen sind, Geschütze aller Kaliber, drei Eisenbahnzüge mit englischen fabrikneuen Panzern und tausende von riesigen Rotweinfässern.


    Einige erbeutete Dampfer, die bewaffnet sind, müssen ebenfalls bewacht werden, u.a. die ca. 9000 to große „Ville de Reims“, die mit Geschützen, Wasserbomben und einer wasserstoffblonden Französin ausgerüstet ist. Erst nach Tagen wird festgestellt, dass die Funkanlage des Schiffes noch gebrauchsfertig ist. Wie oft mag sie bis zu ihrer Stilllegung noch für Nachrichten an den Feind benützt worden sein!


    Während das II./94 in Nantes verbleibt, bezieht das I./94, nachdem es etwa 14 Tage in Bas Indre gelegen hatte, eine neue Unterkunft an der Sevres in der Vendée. Geplant ist, auch, das II./94 aus Nantes herauszuziehen. Die nötigen Quartiere sind bereits erkundet, das Btl. kommt jedoch nicht mehr dazu, sie zu beziehen.


    Ende Juli erhält die Division Marschbefehl. Sie soll an die Kanalküste verlegt werden. In erheblichen Tagesmärschen wird Anfang August der neue Unterkunftsraum zwischen Lt. Lô und Bayeux erreicht. Die Division ist dazu ausersehen, an dem Unternehmen „Seelöwe“ (Landung in England) teilzunehmen.


    Der Reg.Stb. liegt in Balleroy, Stb. I./94 in Trevieres, Stb. II./94 in Le Molay-Littry la Mine, III./94 im Raum St. Paul de Vernay. Die 5./94 ist in dem Schloss und Dorf Vaubadon, das dem bekannten franz. Wissenschaftler Prinz Broglie gehört, untergebracht.


    Erste Maßnahme für den geplanten Englandeinsatz ist die Umgliederung der Bataillone. Je eine Schützenkompanie in jedem Btl. wird mit Fahrrädern ausgerüstet. In II./94 ist es die 6.Kp. Die Maschinengewehrkompanien erhalten je einen weiteren Zug s.Gr.W. zugeteilt, die von anderen Divisionen zugeführt werden. Die Schtz.Kompanien erhalten die neuen J-Karren für Mannschaftszug.


    Nachdem schon in Nantes Ersatz an Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften gekommen ist, werden nun hier an der Kanalküste die letzten Lücken aufgefüllt, um das Regiment wieder voll einsatzfähig zu machen. Die Ausbildung wird mit Hochdruck betrieben. Das Gelände - von unzähligen Hecken durchzogen - soll etwa demjenigen entsprechen, das man in England vorfinden wird.


    Schwerpunkt der Ausbildung sind die Verlade- und Landeübungen an der Küste in Grand Camps. Geübt wird auf Fischerbooten mit Dieselantrieb, jedes Boot fasst etwa 30 bis 40 Mann. Die Küste ist teilweise steil, teilweise flach. Den Pommern wird bei dem Seegang oft schlecht; was soll das erst bei der Überfahrt über den ca. 180 km breiten Kanal geben! Einmal wird eine große Landeübung in scharfem Schuss abgehalten, wobei ein von Bord aus schießender Granatwerfer beinahe einen Treffer im Pkw des Rgt.Kdr. erziehlt!


    Schwimmwesten für die Überfahrt muss sich die Truppe selbst beschaffen. Das I./94 kauft zu diesem Zweck in Paris Sektkorken auf und lässt sie in der dortigen Marinewerft zu Schwimmwesten verarbeiten. Das II./94 rüstet jeden Mann mit einem Autoschlauch aus.


    Die Btl.Kdre. werden zu Landeübungen nach Emden befohlen. Es sieht ganz so aus, also ob der Einsatz „Seelöwe“ tatsächlich unmittelbar bevorsteht. Täglich ziehen die deutschen Bombengeschwader zum Einsatz nach England. Wenn ihre Angriffe wirklich einen Sinn haben sollen, dann muss die Erdtruppe in absehbarer Zeit nachstoßen. Große Munitions- und Brennstofflager werden im Unterkunftsraum des Regiments in einem riesigen Wald bei Vaubadon angelegt. Es ist alles vorbereitet, sogar die Karten für den Raum, in dem die Landung der Division erfolgen soll, sind schon ausgegeben.


    Trotz der scharfen Ausbildung kommt auch die angenehme Seite des Lebens nicht zu kurz. Mancher frohe Abend wird bei vorzüglichen Weinen im Kameradenkreise verbracht. Häufige Ausflüge werden zum Baden unternommen. Auch Urlauber dürfen wieder in die Heimat fahren.


    Da kommt plötzlich am 13.9.1940 der Abmarschbefehl. Die Urlauber, die noch unterwegs sind, erhalten telegraphisch Befehl, neue Nachrichten abzuwarten und vorerst nicht zur Truppe zurückzukehren. Am 16.9.1940 beginnend, verlädt das Regiment auf dem Bahnhof von Bayeux. Die Schwimmwesten und die Sonderausrüstung für England werden an die 6.I.D. abgegeben. Über Belgien, Holland, Hamburg, Stettin, Stargard, Neustettin, Konitz, Tuchel, Graudenz gelangt das Regiment nach mehrtätigem Eisenbahntransport nach Kulm und Schwetz. Unterwegs ist jubelnde Begrüßung durch die Bevölkerung in Neustettin, die, wenn auch verbotenerweise, rechtzeitig von dem Durchrollen des Regiments und besonders des I./94 verständigt worden ist.


    Rgt.Stb., I. und II.Btl. sowie die Regimentseinheiten beziehen in Kulm, das III.Btl. in Schwetz Unterkunft. Der Divisionsstab kehrt nach vorübergehendem Aufenthalt in Graudenz nach Bromberg, wo auch I.R.96 liegt, während I.R.4 in Graudenz und Mewe in Quartier gehen.


    (32.) Der Ia verteilte die Unterkünfte wie folgt:

    Bromberg: I.R.96, A.R.32 (ohne I. und III.)

    Graudenz: Div.Stab (vom IAK befohlen), I.R.4 ohne II., III./32 und Pi. 2

    Meve: II./4.

    Kulm: I.R.94 (ohne III.) und I./32

    Schwetz: III./94,

    Pr.Stargard: A.A.32 und Vet.Kp

    Konitz: Pz.Jäg.32 und Werkstattkp.32

    Tuchel: San.Einheiten

    Raum Nakel-Mrotschen: übrige rückw. Dienste