Die Bilderbuchkarriere des Reinhard Heydrich

  • Moin,


    Inteligenz“ und „Oposition“. Beides waren wohl Fremdwörter für Himmler.


    Grüsse,

    Justus

    Hi,


    na ja, das ist ein Fernschreiben. Wird Himmler ja nicht selber eingetippt haben


    Gruß Peter

  • Grüß Gott Peter,


    besonders intelligent war der Rachefeldzug gleich auf 2 Dörfer, daß man damit die Tschechen aufbringen wird, war doch klar.


    Gruß Wolfgang

  • Hallo,


    Quote


    aus seiner Sicht hat Hitler völlig recht, wenn er das Verhalten von Heydrich als dumm und idiotisch bezeichnet. Ist denn bekannt geworden, warum die Sten versagte? Bisher konnte ich darüber nichts lesen.

    die meisten Ladehemmungen der Sten resultierten aus Fehlbedienungen. Man muß sich vorstellen, die Waffe wurden zerlegt in einer Aktentasche transportiert, dann zusammengesetzt und unter Gabcíks Regenmantel verborgen. Er kann vergessen haben zu spannen, das empfindliche Magazin kann sich verkantet haben als die Waffe unter dem Mantel war oder als er sie erhoben hat, er kann sie am Magazin gehalten haben, was auch zu einer Störung führt usw.


    In einer feindlich gesinnten Stadt regelmäßig Erzherzog-Franz-Ferdinand-Gedächnisfahrten im offenen Wagen zu unternehmen und dann noch zu versuchen, den Helden zu spielen ist halt eine Idee, die einem gewissen Narzis und Größenwahn entspringt.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Tag allerseits,


    nach dem Tod Heydrichs blieb seine Stelle unbesetzt. Himmler übernahm zunächst selbst kommissarisch die Führung des Reichssicherheitshauptamtes, bis er Ernst Kaltenbrunner am 30. Januar 1943 als neuen Chef des RSHA in sein Amt einführte. Eine auch für damalige Verhältnisse eigenartige Situation.


    Der 30. Januar 1943 war dann für Himmler Anlass einer seiner "besonderen Reden" zu halten. Es ging damals eigentlich um die Amtseinführung von Kaltenbrunner. Der Inhalt

    der Rede bezog sich aber fast ausnahmslos auf Heydrich.


    Dazu ein interessantes und lesenswertes Dokument:

    https://www.ifz-muenchen.de/he…iv/1990_2_5_breitmann.pdf


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    ich habe einmal in meiner Zeitungssammlung nachgeschaut was bis zu Heydrichs Tod und danach (bis zum Staatsbegräbnis) die damaligen Zeitungen (hier die Rheinisches Landeszeitung) schrieben.

    Bis zum 05.06.1942 habe ich keine Zeile gefunden in der das Attentat erwähnt wurde. In den Tagen danach standen Artikel zwar drinnen, aber für einen hochrangigen NS Vertreter (u.a. Leiter der Wannsee Konferenz und Beauftragter der Endlösung der Judenfrage) welcher einem Attentat zum Opfer gefallen ist und die "rechte Hand" Himmlers war, kurioserweise wenig. Einzig der Trauerakt am 10.06. wurde wieder propagandistisch in Szene gesetzt und findet mit größeren Artikel in der Zeitung Erwähnung.


    Gruß

    Sven

  • Hallo,


    unten die Todesmeldung von Heydrich im Völkischen Beobachter, Titelseite vom 05.06.1942. Vorher finde ich keine Berichterstattung zum Attentat.


    Grüße

    Thilo

    Files

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo allerseits,


    obgleichwohl in der Tschechoslowakei seit dem deutschen Einmarsch Kriegszustand herrschte und Heydrich Offizier war, habe ich Zweifel, daß die Sühne Maßnahme unter völkerrechtlichen Gesichtspunkten betrachtet werden kann. Es greift natürlich das zum Zeitpunkt der "Sühne"-Maßnahme gültige deutsche Strafrechtes, als da wäre: Schwere Brandstiftung, Mord.


    Für die Täter und Anstifter (Hitler, Himmler) sah es also nicht gut aus, zu der Zeit wurde für einen Mord hingerichtet.



    Gruß Wolfgang

  • Inteligenz“ und „Oposition“. Beides waren wohl Fremdwörter für Himmler.

    Tag allerseits,


    Himmler hatte ein kleinbürgerliches Auftreten, vielfach agierte er wie ein Erbsenzähler. Sein in Russland aufgetauchter Taschenkalender sagt dazu einiges aus.

    Man kann aber Himmler eine gewisse Intelligenz nicht in Abrede stellen, nur weil er ein Veranlasser i. S. Massenmorde war.


    Heinrich Himmler war ein Mann ohne Gnade. Bei einem Besuch hinter der Ostfront 1941 fiel ihm ein russischer Gefangener auf, weil dieser blonde Haare hatte. Folgender Dialog ist überliefert:

    Himmler: "Sind Sie Jude?"

    Gefangener: "Ja."

    Himmler: "Sind Ihre beiden Eltern Juden?"

    Gefangener: "Ja."

    Himmler: "Haben Sie irgendwelche Vorfahren, die keine Juden waren?"

    Gefangener: "Nein."

    Himmler: "Dann kann ich Ihnen auch nicht helfen."


    Der Gefangene wurde erschossen.


    Quelle:

    https://www.spiegel.de/geschic…e1-4a7d-9091-6eb538716ade


    Grüße

    Bert

  • Lieber Bert (und auch Peter und Wolfgang),


    eigentlich war mein Hinweis auf orthografische Schwächen im o.a. Telegramm augenzwinkernd gemeint. Abgesehen davon darf so etwas auch einem halbwegs wachen Sekretär des Reichsführer-SS nicht passieren! Dass es durchgerutscht ist, macht es für uns naseweisen Nachgeborenen umso amüsanter.


    In diesem Zusammenhang (Intelligenz) möchte ich gerne den österreichischen Kabarettisten Gerhard Bronner (1922-2007) zitieren:

    "Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi." - bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Gunskirchen, 7. Mai 2005.


    Himmler hatte an anderer Stelle für sich reklamiert, bei all dem Morden der SS dennoch anständig geblieben zu sein. Nach der - durchaus nachvollziehbaren Logik Bronners wäre Himmler somit (unzweifelhaft) Nazi und (eigenen Angaben zufolge) anständig - dann aber eben nicht intelligent gewesen.


    Natürlich spielt die Frage von Anstand und Intelligenz aus heutiger Sicht weder bei Himmler noch bei Heydrich oder anderen SS-Granden keine wesentliche Rolle: Sie waren zynische, abscheuliche und verachtenswerte Massenmörder. Und sie kamen, wie man so sagt, aus der Mitte der Gesellschaft.


    Viele Grüße,

    Justus

  • Hallo Bert,


    im Kontext dieses empathieloses Geschehens, lese ich ungerne das Wort "Erbsenzähler", daß Himmler ein solcher war, aber deshalb ist der jüdische Rotarmist nicht erschossen worden, sondern weil der "Reichsheini" ein schlimmer Antisemit war.


    Gruß Wolfgang

  • Tag allerseits,


    Himmler kümmerte sich oft um "Kleinigkeiten". Er agierte wie viele damaligen Chefs der NS-Zeit: Es wurde durchregiert. Himmler war Hitler nicht unähnlich, auch der kümmerte sich um "Kleinigkeiten", z.B. um

    irgendein Bataillon an der Ostfront. Und war damals mitunter besser informiert, als der zuständige General. "Große Probleme der Zukunft", die hatte der "Führer" zu keiner Zeit "zu Ende gedacht".


    Über Himmler wurde nach dem Krieg vieles geschrieben, vor allem auch Unisinniges, wie z.B., dass er Esotheriker gewesen sei. Es war manches anders, seit Himmlers Dienstkalender ausgewertet wurde.

    Das wäre tatsächlich ein eigenes Thema.


    Dazu

    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=474330


    Grüße

    Bert

  • Hallo Interessierte,


    Intelligenz war definitiv das geringste Problem dieser Männer. Denn das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) bestand in großen Teilen aus bürgerlichen, akademisch ausgebildeten Eliten. Über drei Viertel dieser Männer war nach 1900 geboren. Ihre prägendsten Jahre ("einschneidende biografische Zäsur") waren die Erfahrungen an der so genannten "Heimatfront" des Ersten Weltkriegs, die wirtschaftliche Not, der anschließende politische Bürgerkrieg und die Universitätsjahre. Dort entsprang die Idee vom Erbauen einer neuen Welt (siehe antisemitische Entwicklung des Nationalsozialistischen Studentenbundes). Der Sieg der Nationalsozialisten 1933 eröffnete diesen jungen Männern dann einen Aufstiegs- und Machthorizont, dessen Dimensionen damals keiner erahnen konnte.


    Der 1932 vierundzwanzigjährige Heinz Gräfe (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Gr%C3%A4fe) schrieb über diese Generation:

    " ... ein neues Wollen hat das alte Denken abgelöst. Die Jugend liebt heute nicht mehr theoretische Programme, sie will Arbeitspläne und Einsatzmöglichkeiten. Die Büffler und Bücherhocker, die es gibt, sind nicht entscheidend für das Gesicht der jungen Generation. Es wird bestimmt durch diese tatbereiten, verantwortungslustigen und einsatzfreudigen Manschaften."


    Die bereits erwähnte theoretische Idee einer neuen Weltanschauung ("Reinhaltung des deutschen Volkskörpers") erfüllte sich somit dann grauenvoll in der praktischen Tat.


    Empfehlenswert ist dazu das Buch von Michael Wildt, Generation des Unbedingten - Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes.


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    Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Guten Abend Daniel,


    sehr gut beschrieben, passt.


    Natürlich saßen im Reichssicherheitshauptamt keine Hilfsschüler,

    es waren in der Regel gut ausgebildete Menschen, die einer "Idee" gefolgt sind, sich dieser "Idee" verschrieben haben.

    Die Indoktrination all der Jahre trug ihre Früchte,

    das Unvorstellbare wurde zum reinen Verwaltungsakt, man war sich keiner Schuld bewusst, man tat vermeintlich das "Richtige".


    Brechen wir das runter auf andere Klassen der Bevölkerung, hier zum Teil die Angehörigen der SS,

    auch hier, durch Schulungsleiter wöchentlich indoktriniert, welche Wahl hatte man?

    Der immer und immer wieder eingehämmerte Hass auf eine bestimmte Religon wurde aufgesogen,

    niemand machte sich Gedanken, ob richtig oder falsch, man wollte dazu gehören, passte sich an.


    Hat was von Lemminge....


    Grüße Thomas

  • Hallo,


    die Bibel ist sonst nicht so mein Ding, aber trotzdem, es gibt dort Weisheiten die es wert sind zitiert zu werden. So steht im Evangelium des Johannes:


    "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen."


    Hat irgendjemand Schwierigkeiten damit, die Taten von Heydrich zu erkennen? Wohl kaum, weiterer Erkenntnis zu seiner Persönlichkeitsstruktur bedarf es nicht. Mich nervt es sehr, dass dem Massenmörder hier soviel Raum für Harmlosigkeiten auf dem Niveau von Kaffeeklatsch und Stammtisch geschenkt wird. Es sind nicht sosehr die Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsstrukturen einzelner Menschen, sondern der gesellschaftliche Kontext in dem das Wirken einzelner Personen zum Tragen kommt.

    Darum sollten wir uns bemühen eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wie die gesellschaftlichen Kontrollinstanzen derart versagen und den Machtmissbrauch (so durch Heydrich) im riesigen Umfang zulassen konnte.


    Daniel hat in seinem Beitrag bereits eine sehr gute Vorlage geliefert. Hier sollten wir versuchen weiter zu diskutieren.


    Beste Grüße


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo Thomas,


    danke für die Blumen. 😉


    Auch in Heydrichs und Himmlers Lebensläufen gab es meiner Meinung nach auffällige Parallelen zur so genannten „Generation des Unbedingten“. Der eine 1904 geboren, der andere 1900, also die selbe Altersgruppe. Beide kamen aus höher gestellten bürgerlichen Elternhäusern. Heydrich bestand mit guten Noten sein Abitur und schlug dann eher überraschend eine Offizierslaufbahn in der Marine ein, welche aber ebenfalls antisemitisch geprägt war. Himmler hatte eine schulische Gymnasialausbildung und studierte Aggrarwissenschaften. Er betätigte sich während dessen sogar paramilitärisch. Kurz gesagt, waren beide somit ebenfalls nicht unintelligent. Alles weitere dürfte in groben Zügen bekannt sein.


    Das Rad muss man zwangsläufig nicht neu erfinden (meinerseits nicht negativ gemeint). Denn es gibt zu beiden Persönlichkeiten bereits ebenfalls hervorragende Fachliteratur. Hervorzuheben sind hier Longerichs Biographie zu Heinrich Himmler (2008) und Gerwarths Ausarbeitung zu Reinhard Heydrich (2011). Letztere gehört für mich zu den besten Biographien, die ich jemals gelesen habe. Konnte ich damals kaum aus der Hand legen, einfach spannend geschrieben und dennoch aufklärend. Mehr geht zum Thema Heydrich eigentlich nicht.


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    Viele Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

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  • Darum sollten wir uns bemühen eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wie die gesellschaftlichen Kontrollinstanzen derart versagen und den Machtmissbrauch (so durch Heydrich) im riesigen Umfang zulassen konnte.

    Tag allerseits,


    eine Diktatur ist eben kein Rechtsstaat. Da läuft alles anders, so auch im NS-Staat. Man verzichtete teilweise auf die Einhaltung der Gewaltenteilung, erlässt "Verwaltungsakte", die rechtlich keine waren. Die

    Besonderheit nach der Machtübernahme durch Hitler war eben auch, dass die Beamten sich ausgesprochen "ruhig verhielten" und den Anordnungen des Systems nachkamen. Die Deutschen nahmen die

    Machtübernahme größtenteils problemlos hin. Das Ermächtigungsgesetz, das Führerprinzip, die Abschafftung von Gewerkschaften und Parteien, all das wurde hingenommen. Ein ganzes Volk hat demgemäß versagt!


    Der Anhang ist ein typisches Beispiel, wie der NS-Staat Probleme löste. Wenn es um die "radikale" (Diktion des "Führers") Judenvernichtung ging, genügte eine Gesprächsnotiz mit dem "Führer".


    Grüße

    Bert

  • Hallo Bert,


    Wenn es um die "radikale" (Diktion des "Führers") Judenvernichtung ging, genügte eine Gesprächsnotiz mit dem "Führer".

    und schon saßen in Nürnberg zu wenige auf der Anklagebank.

    Allerdings waren bis dahin viele tot.


    Gruß Wolfgang

  • Tag allerseits,


    Himmlers Dienstkalender, der in Russland verwahrt war, wurde zwischenzeitlich ausgewertet.

    Historiker Dieter Pohl führte dazu u. a. aus:


    Früher, in den Nachkriegsjahrzehnten, gab es ja noch das Bild von Himmler: ein Esoteriker, der sich für Homöopathie und Astrologie interessiert, und so weiter. Joachim Fest hat ja auch in seinem Hitler-Film das ein bisschen auf die Spitze getrieben. Inzwischen sehen wir aber Himmler durchaus als rastlosen Aktivisten und radikalen Organisator vor allen Dingen des Massenmordes, aber auch der Kriegsführung, der Waffen-SS.


    Was jetzt neu in diesem Teil des Dienstkalenders sich herausstellt ist, dass Himmler wohl relativ frühzeitig schon mit der Kriegsniederlage kalkuliert hat und wahrscheinlich schon im Sommer/Herbst 1943 Überlegungen angestellt hat, geheime Gespräche mit den Westmächten einzuleiten. Bisher dachte man immer, das beginnt Mitte 1944 mit den großen Niederlagen in Ost und West, aber wir können inzwischen davon ausgehen, dass Himmler wohl schon vorher seinen Geheimdienstchef instruiert hat, mal Fühler nach dem Westen aufzunehmen. Das ist sicher ein neues Ergebnis der Forschung.


    Grüße

    Bert

  • Hallo


    Zu 'Jahrgang 39': Es war bei der Geheimdienst-Führung der 'Abwehr' schon 1943 bekannt, dass Himmler mit dem Ende des Krieges spekulierte, und Kontakte mit den Regierungen der USA und von GB hatte - die von diesen allerdings alle abgeblockt worden waren.


    Der SS-Chef Himmler bewunderte den 'Abwehr'-Chef Admiral Canaris - beide trafen sich auch privat. Himmler hatte ihn schon mehrfach vor den Verfolgungen des fanatischen SD-Chef Schellenberg (vorher Heydrich) beschützt - und zuletzt auf dessen Druck ließ er Canaris am 5.2.44 dann nicht verhaften, sondern stellte ihn nur unter Hausarrest (mit Freigang).

    Himmler "ahnte" zumindest, dass 'Widerstands-Offiziere' einen Staatsstreich planten. Er wollte bei den darauffolgenden Friedensverhandlungen auf der "sicheren Seite" stehen - er war von der 'Widerstands'-Führung somit "unter Kontrolle". Und Hitlers Stellvertreter Göring hatte seit seinem engl. Luftwaffen-Desaster schon lange keine Macht mehr.

    Das Tragische war, dass dieser als Letzter hinzugekommene und Nicht-Geheimdienstler von Stauffenberg aus Eigensinn und Starrköpfigkeit dies nicht sehen konnte und wollte! Bei einem Attentat sollte immer "Hitler, Himmler und Göring gleichzeitig erledigt werden". Himmler allerdings ließ sich (aus obigen Gründen) mit Hitler kaum mehr gemeinsam sehen.

    So verstrichen nutzlos 8 Monate ! ohne einen wirklichen Attentatsversuch!

    Erst als alle 3 Kriegsfronten zusammmengebrochen waren, wurde von Stauffenberg hektisch. Aber auch am 11.7. und 15.(17.)7.44 brach er im Berghof wieder ab, da Himmler und Göring wieder nicht bei Hitler waren.


    So machte der starrsinnige von Stauffenberg, trotz eindringlicher Warnung seiner teils höherrangigen Mitkämpfer "es wegen seiner Schwerbehinderung, und da er sofort in Berlin gebraucht würde, nicht selber zu tun", dann seinen letzten Verzweiflungs-Versuch gegen Hitler alleine am 20.7.44 in Rastenburg - obwohl da die beiden Anderen fehlten - und scheiterte kläglich - durch ungenügende Vorbereitung und viele Fehler.


    Alle Hoffnungen auf ein Beenden des Nazi-Regimes durch jahrelange Vorbereitungen, unter höchst riskantem Einsatz des eigenen Lebens der Widerstandskämpfer, einen Staatsstreich, mit schnellstmöglicher Wiederherstellung demokratischer Verhältnise und Friedensverhandlungen mit den Alliierten waren durch das klägliche Versagen des von Stauffenberg zunichte gemacht worden.

    Von Stauffenberg war kein Held - denn durch seine vielen leichtsinnigen Fehler am 20.7.44 hatte er das Ende des hoffnungsvollen 'Offizier-Widerstands' verursacht - und den Tod von etwa 200, meist von der SS ermordeten Freiheitskämpfern.

    Und für die überlebenden Mitkämpfer war es grausam: "Nichts mehr tun zu können.", hilflos miterleben zu müssen, wie Deutschland vernichtet wurde - wie all das Leiden und Sterben weiterging. Es starben nochmals rund 5 Millionen Deutsche durch weitere Kriegshandlungen und Bombenterror! (und Millionen bei den Kriegsgegnern).


    Und auch noch nach dem Krieg starben weitere 4 - 5 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten in den Alliierten-Kriegsgefangenenlagern in Ost und West und bei den Vertreibungen.

    (Dass die Ost- und West-Alliierten auch nicht besser waren, darauf gehe ich hier nicht näher ein. Die sollen endlich anfangen ihre Drecksställe selber auszumisten!)


    Im Gedenken an die vielen mutigen Widerstandskämpfer zur Befreiung Deutschlands vom Nazi-Terror. K.K.

    Edited 3 times, last by K.K. ().

  • Was jetzt neu in diesem Teil des Dienstkalenders sich herausstellt ist, dass Himmler wohl relativ frühzeitig schon mit der Kriegsniederlage kalkuliert hat und wahrscheinlich schon im Sommer/Herbst 1943 Überlegungen angestellt hat, geheime Gespräche mit den Westmächten einzuleiten. Bisher dachte man immer, das beginnt Mitte 1944 mit den großen Niederlagen in Ost und West, aber wir können inzwischen davon ausgehen, dass Himmler wohl schon vorher seinen Geheimdienstchef instruiert hat, mal Fühler nach dem Westen aufzunehmen. Das ist sicher ein neues Ergebnis der Forschung.


    Grüße

    Bert

    Hallo zusammen,


    nicht nur der getreue Heinrich rechnete mit einer Niederlage. Auch der Hitler-hörige Goebbels hatte seit Herbst 1943 wiederholt bei Hitler den Versuch unternommen, mit Stalin zu einer Separatverständigung zu kommen. Sein Ziel war, aus dem Krieg "mit einem blauen Auge" herauszukommen (Volker Ullrich "Adolf Hitler").


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944